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Oelpest-Erika und Pannen-Pallas /Trottellumme- Vogel des Jahrhunderts

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Dec 27, 1999, 3:00:00 AM12/27/99
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Ölpest-Erika und Pannen-Pallas /Trottellumme- Vogel des Jahrhunderts


Schluss mit den Seelenverkäufern!

Westerland
Die Schutzstation Wattenmeer bietet französischen
Umweltschutzorganisationen Hilfe bei der Durchsetzung politischer
Forderungen zum Schutz der Küsten gegen zukünftige Ölpest an. "Mit
den traurigen Bildern vor Augen, die sich vor nur gut einem Jahr nach
der Pallas Havarie im Nationalpark Wattenmeer abspielten, fühlen wir
mit den französischen Küstenbewohnern und Umweltschützern und trauern
um den Schaden an der Natur", sagte Lothar Koch im Namen des
Vorstandes der Schutzstation Wattenmeer.

Koch weiter: "Die Schutzstation Wattenmeer wird ihre Energie weiter
darauf konzentrieren, daß politische Entscheidungen getroffen werden,
die solche Havarien von vornherein verhindern. Dazu gehört zum
Beispiel, daß Schrott-Tankern a' la "Erika" das Anlaufen europäischer
Häfen verboten wird, so wie es in den USA bereits Praxis ist. Wir
fordern Bundesumweltminister Trittin und den französischen
Umweltminister auf, gemeinsam auf europäischer Ebene effektive
Maßnahmen durchzusetzen, damit das "Jahrhundert der schwimmenden
Seelenverkäufer" endlich ein Ende hat.


Die Trottellumme- Seevogel des Jahrhunderts
Die Schutzstation Wattenmeer erklärt die Trottellumme (Uria aalge) zum
Seevogel des Jahrhunderts.
Begründung: Die Trottellumme, ein 42 cm großer Alkenvogel, lebt in
großen Beständen in Atlantik und Nordsee. Er brütet kurzzeitig auf
unzugänglichen Felsen, in Deutschland ausschließlich auf Helgoland,
und verbringt sein restliches Leben auf Hoher See. Obwohl die Vogelart
weit entfernt menschlicher Siedlungen lebt, gehört sie zu den am
meisten durch den Menschen geschädigten Meeresvögeln dieses
Jahrhunderts.
Der Grund:Trottellummen sind seit Beginn der Erdölförderung und Be-
förderung auf See und der Verwendung von Bunker C-Öl als
Schiffstreibstoff stets die Hauptopfer der Meeresverölung. Sowohl
durch die "schleichende Ölpest", also die Verölung des Meeres durch
den täglichen Schiffsverkehr, die zahlreichen Offshore-Ölplattformen
und die illegale Öl-Verklappung, als auch durch akute Ölpest,
verursacht durch Havarien, starben in diesem Jahrhundert bereits
Hunderttausende, wahrscheinlich Millionen Individuen dieser Tierart.
Dem Küstenbewohner und Fernsehzuschauer sind die schönen,
pinguinähnlichen Vögel daher überwiegend als völlig verklebte,
siechende Ölvögel bekannt. Allein an der Wattenmeerküste werden bis zu
62% aller gesichteten Trottellummen verölt angetroffen. Dennoch kann
sich die Art bislang noch gegen den Druck des Industriezeitalters
behaupten und ist nicht vom Aussterben bedroht. Wahrhaft eine
Jahrhundertleistung!


Weiterer Hintergrund:

Eine Rettung von stark verölten Seevögeln ist nach dem heutigen Stand
der Technik noch immer äußerst aufwendig und nur von erfahrenen
Spezialisten durchzuführen. Zu diesem Schluss kommen wissenschaftliche
Expertisen aus den vergangenen Jahren sowie die Erfahrungen amtlicher
Experten nach der Havarie der Pallas vor Schleswig-Holsteins Westküste
im vergangenen Jahr. Damals waren von über 20 000 betroffenen Vögeln
rund 1000 verölte Tiere von internationalen Tierschützern in
Auffangstationen gebracht worden. Nachdem sie- zum Teil in
Vogelwaschmaschinen die von der Ölfirma Elf-Aquitaine zur Verfügung
gestellt wurden-, einem stressigen Transport-und Reinigungsprozess
unterzogen wurden und zum großen Teil mehrere Wochen in Käfigen und
Gehegen verbrachten, wurden lediglich rund 200 Tiere in die Freiheit
entlassen. Deren Überlebenschance in freier Wildbahn wird von Biologen
als sehr gering eingeschätzt. Trottellummen, die ein bestimmtes
Gesamtgewicht (ca. 800 g) bei ihrer Auswilderung unterschreiten, sind
mit großer Wahrscheinlichkeit dem Tode geweiht. Dieses Gewicht in
Gefangenschaft anzufüttern gilt jedoch als sehr schwierig. Bei
längerer Haltung leiden die sonst nur auf Hoher See lebenden Tiere
schnell an Fußkrankheiten durch den unvermeidlichen Bodenkontakt. Ganz
zu schweigen von den Folgen der inneren Vergiftung durch geschlucktes
Öl und die Strapazen des Reinigungsprozesses und der für die Tiere
völlig unnatürlichen Umgebung.
Selbst wenn vereinzelt Tiere überleben sollten, ist es äußerst
fraglich, ob sie sich langfristig wieder in den Wildbestand ihrer
Artgenossen eingliedern können. Langzeituntersuchungen über diese
Frage sind international bisher nur sehr spärlich durchgeführt worden.
Allerdings soll es vielversprechende Ansätze in Amerika und
Großbritannien geben, wo eine, aus rein ethischen Tierschutzaspekten
motivierte Forschung zur Ölvogelrettung betrieben wird. Auch dort ist
man sich jedoch darüber im klaren, daß die Hilfe im Katastrophenfall
nur für einen geringen Bruchteil der Vogelbestände geleistet werden
kann und es keinen nennenswerten ökologischen Einfluß auf den
Populations-oder Arterhalt geben wird.
Es bleibt also festzustellen, daß derzeit der Natur nach dem Austreten
von größeren Ölmengen kaum zu helfen ist. Vorrangig ist die möglichst
schnelle Reinigung verschmutzter Uferbereiche, das Abschöpfen von
Oberflächenöl und der Versuch punktuell dichtere Vogelbestände aus
Gefahrenzonen zu vertreiben, bevor sie verölt werden.
Deutschland unterstützt diese Arbeiten derzeit durch die
Bereitstellung des Ölauffangschiffes "Neuwerk" und weiterem Material
vor der französischen Küste.
mit freundlichen Nordseegrüßen,
Lothar Koch, Schutzstation Wattenmeer
Tel: 04651/26088
Fax: 04651/26167
e-mail: l.k...@cl-dithm.comlink.de
http://home.t-online.de/home/schutzstation-wattenmeer

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