_High-Tech einmal nicht aus Freiburg_
Neues Verfahren liefert durchsichtige Zellen aus
normalem Silizium-Material /
Architektur im Blick /
Mittelstand contra Grossindustrie
- VON HEINZ WRANESCHITZ -
Wilhermsdorf, 27.7.99
POWER: Wenn eine Solarzelle so heisst,
ist ja wohl klar, dass es bei ihr um
hoechste Leistung geht. Doch denkste: bei
der POWER-Solarzelle geht es weniger um
das "Was kommt an Leistung aus der Zelle
raus" sondern um die "Power" ihrer Er-
finder und Produzenten. Obwohl diese
Zelle einiges an Power zu bieten hat,
wenn auch nicht mit den Hochleistungsmo-
dellen vom Fraunhofer-Institut (ISE) in
Freiburg oder ISFH (Institut fuer Solar-
forschung) Hannover vergleichbar.
_POWER aus Konstanz_
Die Leistung der POWER-Solarzellen-
Entwickler und -Hersteller jedenfalls
ist beachtlich und bemerkenswert. So
wurde diese neuartige Solarzelle zwar in
der grossen schwaebischen Solarforscher-
Szene entwickelt, doch nicht wie zu ver-
muten im weltbekannten ISE, sondern in
der im Solarbereich recht unbekannten
Universitaet Konstanz. Und die Fertigung
wurde Anfang Juli bei der kleinen Firma
Sunways in Konstanz in Betrieb genommen,
nicht aber bei bereits etablierten So-
larzellen-Herstellern wie ASE oder Sie-
mens Solar: Viel Tatendrang und Erfin-
dergeist - Power - also bei allen, die
mit dieser neuartigen POWER-Solarzelle
zu tun haben.
_Fuer Architektur gemacht: Durchsichtig_
Doch was ist nun eigentlich Neues, In-
teressantes dran an dieser Entwicklung
aus Konstanz? Nun, vor allem ist es die
ansprechende Optik, die Aesthetik der PO-
WER-Zelle. Diese Optik soll nicht nur
die Techniker von der Photovoltaik (PV)
ueberzeugen, sondern auch Architekten und
Kuenstler: Das Konstanzer Modell ist
lichtdurchlaessig, obwohl es aus dem ge-
braeuchlichen Solarzellenmaterial mul-
tikristallines Silizium hergestellt
wird. "Die Lichtdurchlaessigkeit ist va-
riabel, individuelle Loesungen von Null
bis 30 % Transparenz sind moeglich", so
Sunways-Vertreter Uwe Rosentreter stolz.
Denn bisher gab es lichtdurchlaessige So-
larzellen nur in der noch stark in der
Entwicklung befindlichen Duennschicht-
Technik, mit dem Nachteil deren sehr ge-
ringen Wirkungsgrades: "Bei der POWER-
Zelle erreichen wir selbst bei 20 %
Transparenz noch einen Wirkungsgrad von
10 %, aehnlich wie bei den heute bekann-
ten Zellen. Und dabei kann man kuenftig
die Solarzellen auf Wunsch sogar in ver-
schiedenen Farben erhalten" bemerkt Ro-
sentreter, der als Oeffentlichkeitsarbei-
ter natuerlich neben dem Blick fuer die
Technik auch den fuer die oeffentliche
Wirkung seines neuen Produkts hat.
Dieses Produkt soll besonders Architek-
ten ansprechen. Denn Individualitaet ist
auch heute noch Trumpf bei neuen Gebaeu-
den, gerade solchen mit Repraesentations-
anspruch: Auf die Aussenwirkung zielt
sehr oft die Baukunst fuer die oeffentli-
che Hand, oder wenn ein Gewerbebau er-
richtet wird. Und genau diese Zielgrup-
pen hat sunways im Visier: "Die transpa-
rente POWER-Solarzelle ist hervorragend
fuer den Einsatz in aesthetisch anspruchs-
voller Architektur geeignet", meinen die
Hersteller.
_"Graeben" lassen Durchblick zu_
Aber wie wird aus einer normalen mul-
tikristallinen Siliziumscheibe von knapp
1/3 mm Staerke eine lichtdurchlaessige So-
larzelle? Oder anders gefragt: Warum
sind nicht alle Solarzellen durchsich-
tig? "Weil wir in die Oberflaechen der
Siliziumscheibe Graeben einfraesen" erlaeu-
tert Uwe Rosentreter. Und zwar in unter-
schiedlicher Richtung, vorne laengs und
hinten quer gewissermassen. An den Stel-
len, an denen die Vorder- und Ruecksei-
tengraeben sich kreuzen, entstehen win-
zigste Loecher, und jeweils dort ist die
Solarzelle dann leicht durchsichtig.
_Jung - dynamisch - Mittelstand?_
Die Herstellerfirma Sunways selbst ist
eine der jungen, mittelstaendischen Un-
ternehmen, die derzeit viel frischen
Schwung in die deutsche Photovoltaik-
Szene bringen: Erst 1993 wurde sie ge-
gruendet, zu einer Zeit, als etablierte
PV-Hersteller wie Siemens-Solar oder ASE
ihre heimische Fertigung zugunsten von
Produktionsstaetten in USA zurueckfuhren
oder sogar abbauten. Bisher ist Sunways
allerdings nicht mit Solarzellen - den
Teilen, aus denen Sonnenstrom fliesst -
am Markt, sondern mit Wechselrichtern,
den Geraeten also, in denen der Sonnen-
zu Netzstrom wird. Jetzt soll bei den
Konstanzern einiges anders werden: Jetzt
beginnt die Serienfertigung der POWER-
Zelle, und damit gibt es mit Sunways ei-
nen neuen Systemanbieter auf dem deut-
schen PV-Markt.
_Konkurrenz: Klein gegen Gross_
Aber die Konkurrenz schlaeft nicht: Zwar
setzt der Weltmarktfuehrer Siemens Solar
GmbH (SSG) fuer die Zukunft auf voellig
andere Solarzellentypen. Doch kuerzlich
erklaerte SSG-Geschaeftsfuehrer Gernot Os-
wald, "wir setzen alles Geld der Welt
auf diese Technologie". So darf man ge-
spannt sein, was sich durchsetzt auf dem
Solarmarkt: die innovative POWER des
Mittelstands oder die Finanzkraft der
Grossindustrie. Nebenbei bemerkt: Dieser
Zukunftsmarkt wuchs im vergangenen Jahr-
zehnt immerhin um durchschnittlich 30 %
pro Jahr. Und die Konkurrenz belebt hof-
fentlich das Geschaeft mit Solarzellen
noch etwas.
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Kasten als Fachinfo:
_Die POWER-Solarzelle..._
... ist benannt nach nach dem Herstel-
lungsverfahren (POWER = POlycrystalline
Wafer Engineering Result). Sie wurde an
der Uni Konstanz von Dr. Gerhard Willeke
und Peter Fath entwickelt. Mit Exklusiv-
Lizenz produziert sunways seit Juli 1999
diese neue Solarzelle. In einem einfa-
chen, industriell erprobten Verfahren
koennen Solarzellen aus kostenguenstigem
multikristallinem Silizium mit hohem
Wirkungsgrad hergestellt werden.
Kontakt: Sunways, Macairestrasse 5, D-
78467 Konstanz
Tel. 07531/99677-0
Kasten Ende
Kasten: 14 Zeilen á 40 Zeichen
Autor:
Heinz Wraneschitz
Feld-am-See-Ring 15a
91452 Wilhermsdorf
Tel. 09102/96499
Konto: 815 56-850 Postbank Nuernberg
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