anbei Notizen, die ich bei Lesen eines Gutachtens gemacht habe,
das im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt wurde
("Von der Abfallwirtschaft zum Stoffstrommangement";
J. H. Spangenberg, R. Verheyen).
Ich stelle diesen Text in die /CL/MUELL/-Bretter ein,
damit eine Perspektive jenseits der Abfall(vermeidungs/-entsorgungs)
diskussion eingeführt wird.
Andreas Ehrle, BUND Kreisgruppe Hannover
Textbeginn
Stoffstrom-Management jetzt - Abkehr von der klassischen
Abfallwirtschaft !
Das Stoffstrommanagement hat das Ziel eine Wirtschafts-
weise zu ermöglichen, die mit minimalen
Ressourcen- und Energieeinsatz und geringen Emissionen die
gegenwärtige und zukünftige Lebens- und Umweltqualität
sichert. Die vorsorgende Verringerung von
Schadenspotentialen und die Reduzierung von Stoffströmen
sind als Querschnittsaufgabe nur durch ein erfolgreiches
Stoffstrom-Mangement zu realisieren.
Stoffstrom-Management bedeutet damit grundsätzlich der
aktiv gestaltende Umgang mit Stoffströmen, die unter
Berücksichtigung von ökonomischen und sozialen Aspekten,
auf ein umweltverträgliches Volumen reduziert werden
sollen.
Dagegen zielt die Abfallwirtschaft auf eine Minimierung
von Volumen und Schädlichkeit bereits entstandener Abfälle
sowie auf eine möglichst nachsorgefreie Verwertung der
Entsorgung.
Defizite der bisherigen Abfallwirtschaft sind die
Altlasten von heute und morgen
Die klassische Abfallwirtschaft ist kein strategischer
Ansatz zur Durchsetzung eines auf reduzierter
Stoffdurchsätze basierenden zukunftsfähigen Wirtschaftens.
Die etablierten Abfall- und Umweltpolitik beschränkt sich
überwiegend auf Schadensbegrenzung und Wiederherstellung.
Das im Oktober 1996 inkraftgetretene Kreislaufwirtschafts-
und Abfallgesetz ist ökonomisch und ökologisch ein
Fehlschlag:
- die Abfallmengen werden, oftmals zu ökologischen
Dumpingstandards einer (Schein)Verwertung in Bergwerken,
Zementwerken, Ziegeleien, Straßenbau, etc. zugeführt,
- es setzt keine Anreize für eine effizierntere
Ressourcennutzung und damit für eine systematische
Abfallvermeidung,
- es führt zu Wettbewerbsverzerrungen durch
Monopolisierung, Konkursen bei mittelständischen
Entsorgern und Verwertern und
- es fehlen Kostentransparenz und Kontrollmöglichkeiten
durch die Öffentlichkeit.
Erste Schritte zum Aufbau eines Stoffstrommangements
Durch gesetzgeberische Aktivitäte werden Kriterien der
ökologischer Produktqualitäten, wie Haltbarkeit,
Reperaturfreundlichkeit etc. festgesetzt.
Mit einer einzuführenden Kennzeichnungspflicht aller
Produkte sollen die Daten der Umweltinanspruchnahme bei
der Herstellung, dem Vertrieb, dem Recycling oder der
Beseitigung "von der Wiege bis zur Bahre"dem Verbraucher
offengelegt werden.
Bei der Realisierung der Produktverantwortung muß die
Rücknahme von Produkten mit den Zielen der Rückführung in
den Wirtschaftskreislauf im selben Marktsegment erfolgen.
Weitere Aktivitäten werden sich auf die quantitativ und
qualitativ herausragenden Abfallfraktionen, wie z.B.
Bauschutt und Bodenaushub, Bergbau- und Gewerbeabfälle
aller Art, Schlacken und Sondermüll erstrecken.
Die kommunale Abfallwirtschaft ein wichtiger Baustein bei
der Ökologisierung der Gesellschaft. Kommunale
Gebührenstrukturen bieten noch immer zu wenig Anreize zur
Abfallvermeidung.
Das Duale System und die Durchführung der
Verpackungsverordnung, sowie Abfalltransporte und
Abfallverwertungen müssen einer stärkeren Kontrolle
unterworfen werden.
Die Instrumente des Stoffstrommanagementes
Für die gezielte Beeinflußung der Stoffströme können
freiwillige Vereinbarungen als Instrumente eingesetzt
werden. Allerdings nur dann, wenn sie in ein Gesamtkonzept
mit vorgegebenen Umweltqualitätszielen eingebunden werden
und Überwachungs- und Sanktionsinstrumente existieren.
Textende