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Austritt aus PDS

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Kinderland

unread,
Jul 21, 1999, 3:00:00 AM7/21/99
to
In der vorigen Woche habe ich meinen Austritt aus der PDS
bekanntgegeben. Einer der Gründe, die ich auch in einem offenen
Brief an die PDS benannt habe, liegt in dem Festhalten von
maßgeblichen Mitgliedern der PDS-Bundestagsfraktion an der
Diskriminierung nichtehelicher Kinder und ihrer Väter beim
Sorgerecht und an der negativen Haltung gegenüber dem Prinzip
der gemeinsamen Sorge (die ohnehin nur eine "Restsorge"
darstellt) nach Trennung oder Scheidung.

Auch den Kindern soll kein Recht auf elterliche Sorge durch
Mutter und Vater eingeräumt werden.

Derzeit engagiere ich mich in Berlin für die neugegründete
Partei "Demokratische Linke".

Veränderung beginnt mit Opposition - so ein inzwischen von der
PDS nicht mehr benutzter Slogan.


Mit besten Grüßen Peter Thiel

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 4, 1999, 3:00:00 AM8/4/99
to
*Hallo,*
Die PDS hatte im Bundestag gegen die Einführung der Beibehaltung
des gemeinsamen Sorgerechts nach einer Scheidung plädiert und
kämpft auch weiter für eine Restaurierung des alten
(Mutter-)Rechts. Peter Thiel von der - skandalöserweise vom PDS-
Vorstand nicht anerkannnten - AG Männer trat daraufhin aus der
Partei aus und schloss sich der Demokratischen Linken an. Hans
Georg Hartwig äußerte sich dazu am 01.08.99 um 23:53

> Kurze Anmerkung zur Sache "Sorgerecht nach Trennung und Scheidung".

> Jeder der in seiner Umgebung halbwegs die Augen aufmacht, weiß das
> solche Probleme, stark das persönlich-zwischenmenschliche berühren,

Davor lässt sich nicht die Augen verschließen.

> wo die Kategorieren des "Rechts" allen Beteiligten immer nur als
> brutale Staatsgewalt spürbar werden.

Nicht unbedingt! Kommt auf die jeweilige Interessenlage oder
Einsicht in die Notwenigkeit an.

> Ich behaupte in mind. 70% aller Streitfälle um das Sorgerecht
> gemeinsamer Kinder, werden nicht verarbeitet Enttäuschungen
> über die beendete Partnerschaft ausgetragen.

Kann ja sein, aber das ist ganz sicher kein guter Grund, einem
Elternteil nach der Scheidung das Sorgerecht abzuerkennen bzw.
es einem ledigen Vater in jedem Fall zu verwehren.

> Allgemeingültiges "Recht" kann natürlich nicht darüber
> "urteilen" warum eine Partnerschaft beendet wurde,

Das ist auch nicht der Zweck der Sorgerechtsreform.

> kann erst recht nicht darüber "urteilen", welche Person für
> die betroffenen Kinder die wichtigere Bezugsperson ist.

Ist seit langem gängige Rechtspraxis. Die weitaus meisten
einigen sich in der Frage (die noch einmal eine andere ist, als
die des Sorgerechts) "freiwillig". Freiwillig in
Anführungszeichen, weil konservative ökonomische und
(mutti-)kulturelle Faktoren in über 90 Prozent der Fälle einen
freiwilligen Rückzug des Vaters aus der Kinderbetreuung
befördern.

> Aber da die Kindererziehung(-Entwicklungsförderung) heutzutage
> primär als Privatangelegenheit der Eltern angesehen wird - muß
> diese Sache halt "rechtlich" entschieden werden.

Kostenfreie oder bezahlbare Hilfsangebote (Mediation) sollten
jedenfalls freiwillige Übereinkünfte fördern.

> Da es zugleich, herrschende Realität ist, daß bei dieser privaten
> Verantwortung für die Kindererziehung zu mind, 75 0ie Frauen "in
> die Pflicht genommen werden", wäre es "rechtlich" ziemlich brutal,
> einerseits laufend von Frauen zu fordern: Wenn ihr ein Kind habt,
> müßt ihr dahinter alles zurückstellen, eure Identität hauptsächlich
> als "Mutter" leben - aber wenn es dann zur Trennung kommt, dann hat
> der männliche Ex-Partner, mindestens das "halbe Sorgerecht".

Darum fordert die Frauenpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion,
"der Gerechtigkeit" halber, auch (noch) verheirateten Vätern nur
unter bestimmten Umständen das Sorgerecht für ihre Kinder zu
gewähren.

Elternschaft endet aber nicht nach einer Trennung der Eltern.
Dafür gilt es ein stärkeres gesellschaftliches (und
individuelles) Bewußtsein zu schaffen. Die (von der PDS nach wie
vor geforderte) grundsätzliche Aberkennung des Sorgerechts nach
einer Trennung (für einen Elternteil) wäre bestimmt nicht dafür
geeignet, dies zu befördern.

Gesellschaftspolitisches Ziel sollte gleiche Arbeitsleistung bei
der Kinderbetreung sowohl vor als auch nach einer Trennung der
Eltern sein. Dazu wäre ein Bündel von Maßnahmen notwendig, die
in der Lage sein müßten, die bisherigen Gründe für die ungleiche
geschlechtliche Arbeitsteilung aufzuheben. Die Beibehaltung des
gemeinsamen Sorgerechts ist nur eine klitzekleine Maßnahmen in
der Richtung. Aber ihre Wiederabschaffung wäre kontraproduktiv.

> Kurz - ich stehe den "getrennt-lebenden Vätern" die nach der
> Trennung so wehemmt für ihr Sorgerecht streiten sehr skeptisch
> gegenüber!

Nichts gegen Deine Gefühle! Sie sind aber nicht automatisch ein
gutes Argument.

> Ich bestreite nicht, daß auch Väter ihre Kinder lieb
> haben!!!

Immerhin!!!

> Aber damit macht man bei seinem Chef keinen Eindruck, egal
> ob man als Mann im Einzelhandel oder im mittleren Management der
> Industrie arbeitet.

Eben, genauso wening Eindruck wie als Frau, die ihre Kinder
liebt.

> Und es ist trotz aller kleiner Emanzipation
> immer noch so das auch "Frau" erwartet, "daß Mann seine Familie
> ernährt"(oder abgemildert zumindest hauptsächlich).

Das mag häufig so sein, aber nicht immer. Und so bleiben muß es
erst recht nicht.

> Damit versuche ich eine Realität zu beschreiben, die Mann und Frau,
> Mutter und Vater in Verhältnisse zwingt, die dann als "persönliches
> Problem" vor Gericht erscheinen!!!

Okay!!!

> Angesichts dieser Realität, müssen wir als sozialistische Partei,
> auch in dieser Frage die Partei der diskreminierten Einnehmen und
> das sind hier die Frauen und Kinder.

Das ist ein furchtbarer Quatsch und typisch DDR "realpolitisch"
konservativ. Der der darin zum Ausdruck kommende "gute alte"
Paternalismus hat den Charme eines übereifrig ritterlichen
Pfandfinders .. äh Pionioniers. Sozialistische Politik müßte
nach der Aufhebung der geschlechtlichen Arbeitsteilung streben.
Muttilobbyismus hat mit Sozialismus absolut nichts zu tun.

> Jeder weiß doch, daß im allgemeinen, Frauen mit der Drohung, nach
> einer Trennung "verlierest Du deine Kinder", viel stärker
> persönlich getroffen sind, als das allgemein für Männer gilt.

Ohnein! Das klingt ja wie der Unsinn mit der "wissenschaftlichen
Weltanschauung", wie in der SED-seelig die eigenen Vorurteile
und Wolkenkuckkucksträume hießen.

Es geht um das Recht der Kinder auf beide Eltern und das Recht
und die Pflicht der Eltern, die Beziehung zum Kind
aufrechtzuerhalten. Muttikultige Vorurteile finde ich für eine
sich sozialistisch verstehende Partei peinlich.

> Fast jeder kann in seinem Bekannten- und Kollegenkreis
> feststellen, das Frauen Partnerschaften gerade dann trennen,
> wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind.

> Deshalb ist die Forderung nach "gleichberechtigtem Sorgerecht nach
> der Trennung einer Partnerschaft" realtitätsfremd und eine
> Fortsetzung von Diskreminierung von Frauen.

Vorhin betontest Du noch, dass "Frauen" selbt gern in die
Hausmütterchenrolle schlüpfen, jetzt ist das eine
Diskriminierung, die ausgleichende Ungerechtigkeit rechtfertigt.
Wenn Frauen im Erwerbsleben wegen möglicher Kinder diskriminiert
werden, wird das nicht dadurch besser, dass man pauschal Väter
als solche diskriminiert. Im Gegenteil!

> Und was die Rechte von Kindern angeht, laßt uns doch dafür
> streiten, das sie nicht unser Eigentum sind!

Mach mal einen Vorschlag wie der Kampf, "dass Kinder nicht unser
Eigentum sind!" zu führen wäre. Zur Zeit gibt es ja für viele
getrennt lebenden Väter (und deren Kinder) das Problem, dass die
Expartnerinnen die gemeinsamen Kinder als ihr Privateigentum
betrachten, sich einer gleichgestellten Elternschaft verweigern,
die Väter zum Besuchsonkel erniedrigen und Besuchszeiten auch
noch willkürlich "gewähren" oder verhindern.

> Auch dann wenn wir sie selbst gezeugt haben. Wie schmerzhaft muß es
> für einen kleinen Menschen sein, daß sich die liebsten Menschen,
> zumeißt die Eltern, verbittert darum streiten, wer zukünftig "das
> Sagen" über sie hat?

Eben darum muß das Ziel die nahtlose Beibehaltung der
Elternschaft sein.

> Unsere Kinder brauchen für ihre Entwicklung als Person, Menschen
> auf deren Liebe sie sich verlassen können, auch wenn Sie mal etwas
> tun, was den Normen "erwachsener Gesellschaft" wiederspricht.

Genau deshalb brauchen sie Mutter *und* Vater.

> Was sie nicht brauchen, sind Streits von Erwachsenen "wehm sie
> gehören"!!!

Eben!!! Die PDS Position, ("das Kind gehört zur Mutti") mag
vordergründig Streit vermeiden helfen, so wie man ja auch Streit
vermeidet, wenn man andere Grundrechte wie etwa die
Meinungsfreiheit nur einer Personengruppe zuspricht.

> Kurz - liebe getrennt lebenden Väter - ich hätte sehr
> viel mehr Sympahtie für euch, wenn ihr euch nicht ausschließlich
> für eure Verfügungsgewalt ("Elternrecht") über eure Kindern
> einsetzten würdet, sondern für eine kinderfreundliche Gesellschaft,
> wo Kinder auch getrennte Partnerschafter, schadenslos verarbeiten
> können.

Das ist mieser, wirklich menschenverachtender SED-Stil.
Gegenüber den Betroffenen ist das nur noch zynisch.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Hermann Hirschelmann


Kommunismus ist Weiterentwicklung
der Freiheit
kooperativ denken
und handeln zu können.

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 12, 1999, 3:00:00 AM8/12/99
to
*Hallo,*
Gitti Goetz äußerte sich am 06.08.99 um 16:46
in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re: Neues zu PDS und Muttikulti"

>> Die PDS hatte im Bundestag gegen die Einführung der
>> Beibehaltung des gemeinsamen Sorgerechts nach einer Scheidung
>> plädiert und kämpft auch weiter für eine Restaurierung des
>> alten (Mutter-)Rechts. Peter Thiel von der - skandalöserweise
>> vom PDS- Vorstand nicht anerkannnten - AG Männer trat
>> daraufhin aus der Partei aus und schloss sich der
>> Demokratischen Linken an.

> warum wurde die AG nicht anerkannt? Das finde ich in der Tat
> skandalös.

Peter hat mir eine Antwort mit der Bitte um Weiterleitung
zugeschickt, die den folgenden Text als Anhang enthielt. (Weil
der Anhang eine Mime kodierte Worddatei war und die Zeilen in
seinem Posting zu lang waren, habe ich auf die komplette
Weiterleitung seiner Antwort verzichtet).

Mit freundlichem Gruß

Hans-Hermann Hirschelmann


*Es folgt Peters Erklärung:*

Emanzipatorische Männerpolitik bei der PDS - oder: Wer zu früh
kommt, den bestraft das Leben.

Von Peter Thiel, 04.08.99

Durch die Trennung von meiner Partnerin 1992 und danach
auftretenden Umgangsproblemen mit meinen beiden Töchtern, bin
ich 1996 Mitglied im Väteraufbruch für Kinder geworden.
Da ich mich seit 1995 als Parteiloser kommunalpolitisch in der
Berliner PDS engagierte und Ende 1997 Mitglied wurde, lag es
nahe zu schauen, was geschlechter- und männerpolitisch in der
PDS lief. Wie im normalen Leben war auch hier das
Geschlechterthema ein Frauenthema und wurde überwiegend von
Frauen thematisiert. 1997 brachte ich eine umfangreiche eigene
teils konträre Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur
Kindschaftsrechtsreform der PDS-Bundestagsgruppe ein. Mir ging
es insbesondere darum, die rechtliche Diskriminierung
nichtehelicher Kinder und ihrer Väter zu beenden und die
gemeinsame elterliche Sorge bei Trennung und Scheidung zum
Regelfall werden zu lassen.

Im Verlaufe meines Engagmentes auf der "väterpolitischen" Bühne,
bemerkte ich nach und nach den Zusammenhang meiner individuellen
Problematik und des Väterthemas mit dem übergreifenden
gesellschaftlichen Geschlechter- und Männerthema.

Da ich gerne neue, auch provokante Wege gehe, entwickelte ich
die Idee einer "Arbeitsgemeinschaft Jungen, Männer und
Geschlechterpolitik bei der PDS". Ich mußte nun nur noch nach
anderen politisch und geschlechterpolitisch interessierten
Männern suchen, für die außerdem die PDS nicht das
sprichwörtliche Rote Tuch darstellte. Dies glich fast der Suche
nach der Stecknadel im Heuhaufen. In der PDS selbst wurde mir
nur G. bekannt, der Mitglied des Väteraufbruchs war und der
eventuell für ein solches Vorhaben zu gewinnen war. Er hatte
sich schon im Rahmen der Kindschaftsrechtsreform mit der
Bundestagsabgeordneten der PDS und damaligen frauenpolitischen
Sprecherin Christina Schenk über den "mütterlastigen" eigenen
Gesetzentwurf der PDS-Bundestagsgruppe zur geplanten Reform
auseinandergesetzt. Mit G. nahm ich Kontakt auf, konnte ihn aber
trotz seiner Symphatie für das Projekt nicht für eine konkrete
Mitarbeit gewinnen.

C. war mir bekannt geworden durch seinen Artikel in der PDS-
Mitgliederzeitschrift Disput "Platzhirsche ausgelacht". Mit B.
war ich zufällig auf einem Workshop bekanntgeworden. In unserem
Gespräch stellte sich heraus, daß er sich schon seit Jahren für
das Thema engagiert. S., kannte ich aus der bezirklichen
Jugendarbeit in der er in einem Jungenprojekt tätig war. P., der
sich in einem Männerprojekt in der Nähe von Berlin engagierte,
war mir durch ein Interview zum Männerthema in der PDS-nahen
Tageszeitung "Neuen Deutschland" aufgefallen. So waren wir
schließlich fünf Männer, von denen ich das einzige PDS-Mitglied
war, die sich für die AG-Gründung interessierten und
engagierten.

Es kam dann zu mehreren Treffen von zumeist drei Männer. Dabei
stellten sich auch unterschiedliche Standpunkte z.B zum
gemeinsamen Sorgerecht heraus. C. legte auf einen betont
profeministischen, patriarchatskritischen Ansatz wert, ich
dagegen stärker auf die speziellen Probleme und
Benachteiligungen, denen Männer unterworfen sind. B. lag in der
Mitte der beiden gegensätzlichen Pole. Immerhin konnten wir uns
trotzdem erst einmal auf eine gemeinsame Plattform verständigen.
Am 5.2.99 schickte ich das offizielle Schreiben unser AG
unterzeichnet von fünf Männern, mit der Bitte um förmliche
Anerkennung an den Parteivorstand der PDS.

Am 9. März tagte der Parteivorstand und beschäftigte sich mit
unserem Antrag. Im PDS-Pressedienst wurde darüber so informiert:
"Dem Vorstand lag dann eine Anzeige des Wirkens der
Arbeitsgemeinschaft "Männer, Jungen und Geschlechterpolitik beim
Bundesvorstand der PDS vor. Insbesondere Sylvia-Ivonne Kaufmann
und Gabriele Zimmer betonten, daß es kein Interesse an einer
solchen AG gebe, da sie der Gleichstellungspolitk der PDS
widerspräche. Halina Wawzyniak verwies zudem auf statuarische
Probleme, zumal in der Anzeige der AG nicht ein bundesweites
Wirken zu erkennen sein. Der Vorschlag die Anzeige des Wirkens
der AG zur Kenntnis zu nehmen, wurde - bei einer Enthaltung -
abgelehnt."

So war dann auch im Brief des Bundesgeschäftsführer Dietmar
Bartsch an die AG zu lesen: "Lieber Peter Thiel, liebe Genossen
und Freunde, der Parteivorstand hat sich auf seiner Sitzung am
9. März 1998 mit Eurem Antrag beschäftigt, die Gründung einer
Arbeitsgemeinschaft "Männer, Jungen und Geschlechterpolitik"
anzuerkennen. Der Antrag wurde abgelehnt. Es sprach niemand für
den Antrag, 11 Parteivorstandsmitlieder votierten gegen den
Antrag, 1 Vorstandsmitglied enthielt sich der Stimme. Der
Parteivorstand hat kein politisches Interesse am Wirken einer
solchen Arbeitsgemeinschaft. ..."

Die Entscheidung des Parteivorstand führte verständlicherweise
dazu, daß sich die beteiligten Männer nun erst einmal
zurückzogen.

Einige positive Rückmeldungen außerhalb der enttäuschenden
Antwort des Parteivorstandes gab es glücklicherweise auch. Im
Juli 1998 veröffentlichte die Ökologische Plattform bei der PDS
in ihrem Reader unseren Gründungsaufruf.

Auf einem Workshop zur Geschlechterdemokratie, veranstaltet von
der PDS-nahen Stiftung Gesellschaftsanalyse e.V., der nur von 9
Teilnehmer/innen besucht wurde, davon 3 Männer, von denen einer
der Referent, einer begleitender Ehemann und ich als Dritter
anwesend war, kam ich mit Frau B. ins Gespräch. B. engagierte
sich in der Frauenarbeitsgemeinschaft bei der PDS "Lisa". Von
ihr erhielt ich viel Zuspruch für unser AG-Vorhaben.

Im März 199 erhielt ich einen Brief der Publizistin und
Feministin Mechthild Jansen, in dem Sie an unsere AG schrieb:
"Sehr geehrter Herr Thiel, ich weiß nicht ob Sie es waren, der
mir in Berlin auf der Konferenz der Bundeszentrale für
politische Bildung (Demokratische Geschlechterverhältnise im 21.
Jahrhundert) Ihr Flugblatt in die Hand drückte. Jedenfalls
wollte ich Ihnen sagen, daß ich Ihre Initiative sehr begrüße und
ich Ihnen Tatkraft wünsche. Ich bin sehr daran interessiert,
über Ihre Arbeit und Arbeitsergebnisse mit Informationen auf dem
Laufenden gehalten zu werden."

Auf dem Bundesweiten Männertreffen 1999 über Himmelfahrt in
Ruhlsdorf bot ich einen Workshop "Männerpolitik und Parteien"
an. Zwei der 160 anwesenden Männer meldeten sich dafür an.
Irgendwie auch zu verstehen, denn mit dem Motto des
Männertreffens "Lego, Lust und Leistung" können Parteien wohl
nur schwer in Zusammenhang gebracht werden. Wir unterhielten uns
dann außerhalb des offiziellen Programms am Abend am Biertisch.
Der Switchboard - Informationsdienst für Männer, Heft 5/99
veröffentlichte den AG-Gründungsaufruf. Lag es an der geringen
Zahl der Leser, an den wenigen Männern die Lust auf
Parteipolitik heutigen Zuschnitts haben oder an dem Stigma der
PDS als "Nachfolgepartei der SED" - auch hier war die
Rückmeldung denkbar gering.

Mein These: Parteien, auch die PDS, bieten bis heute nur wenig
Anreiz für Männer sich dort geschlechterpolitisch zu engagieren.
Zum einen bedingt durch die typische Parteienverfaßtheit, die zu
wenig Raum für parteipolitisch unkonventionelles bietet, zum
anderen, weil die "parteimächtigen" Frauen und Männer dem
Geschlechter- und Männerthema, wenn es von Männern thematisiert
wird mißtrauisch oder ablehnend gegenüberstehen. Aber auch die
Männer aus der Männerbewegung haben wenig Lust sich auf
Parteipolitik heutigen Zuschnitts einzulassen.

Jetzt im Juli 99 bin aus der PDS ausgetreten. Auch eine
Konsequenz auf die wenig innovative Geschlechterpolitik in der
PDS.

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 21, 1999, 3:00:00 AM8/21/99
to
*Hallo,*
Hans Georg Hartwig äußerte sich am 20.08.99 um 21:40

in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re:Sorgerecht nach Trennung"

> Was soll diese Behauptungen ich und/oder die PDS
> ständen für einen "Muttikult", oder solche platten Sprüche "dies
> sei typischer SED-Stil" usw. usf. Also all diese Sprüche am Ende
> deiner Erwiderung, die bestenfalls zeigen können, das Du an einer
> wirklichen Diskussion garnicht interessiert bist?

Das ergibt sich alles aus dem Kontext, den Du hier leider
weggelassen hast. Hättest Du sie im Kontext zitiert, wäre
nachvollziehbar, dass meine Wortwahl durchaus mehr zeigt als
angebliches Desinteresse an einer Diskussion.

In /CL/GRUPPEN/PDS, CL/MAENNER/DISKUSSION und CL/FRAUEN/
DISKUSSION hatte ich mich unter dem Betreff
"Neues zu PDS und Muttikulti" folgendermaßen geäußert.

>> Sozialistische Politik müßte
>> nach der Aufhebung der geschlechtlichen Arbeitsteilung streben.
>> Muttilobbyismus hat mit Sozialismus absolut nichts zu tun.

Das bezog sich u.a. auf die folgede Äußerung von Dir.

>>> Jeder weiß doch, daß im allgemeinen, Frauen mit der Drohung,
>>> nach einer Trennung "verlierest Du deine Kinder", viel
>>> stärker persönlich getroffen sind, als das allgemein für
>>> Männer gilt.

Soweit Deine Begründung, weshalb Vätern, die ihre Rolle als
gleichwertiges Elternteil ernst nehmen, durch Gesetzgebung
Knüppel zwischen die Beine geworfen werden sollen.
Meine Reaktion mag Dir ungerecht und allzu provokativ vorkommen.
Aber versuche einmal zu verstehen, dass gelöffelte
"Gewissheiten" die mit "jeder weiß doch" oder sonst einer
"Wahrheit" vortäuschenden Redewendung eingeleitet werden,
Assoziationen zum guten alten SED-Stil auslösen.

>> Ohnein! Das klingt ja wie der Unsinn mit der
>> "wissenschaftlichen Weltanschauung", wie in der SED-seelig
>> die eigenen Vorurteile und Wolkenkuckkucksträume hießen.

>> Es geht um das Recht der Kinder auf beide Eltern und das
>> Recht und die Pflicht der Eltern, die Beziehung zum Kind
>> aufrechtzuerhalten. Muttikultige Vorurteile finde ich für
>> eine sich sozialistisch verstehende Partei peinlich.

Eben!

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 21, 1999, 3:00:00 AM8/21/99
to
*Hallo,*
Hans Georg Hartwig äußerte sich am 20.08.99 um 21:40
in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re:Sorgerecht nach Trennung"

> Ich habe über Lebensrealitäten(-Zwänge) gesprochen, die Mann und
> Frau in bestimmte Rollen drängen, darüber das herrschende
> Gesellschaft in ihrer Ideologie (und dem zufolge in ihrem "Recht")
> die 'Kinderentwicklung' zur Privatsache erklärt. (Was überdies
> nicht der Relität entspricht).

Und ich habe mir erlaubt, den Verweis auf solche Realitäten zum
Zweck der Verteidigung (bzw. Forderung nach (Wieder-)Einführung)
mutterzentrischer Gesetze (z.B. im Kindschaftrecht) konservative
Muttikulti-Politik zu nennen.

Was die nicht der Realität entsprechende Privatheit angeht: Die
entspricht allerdings nicht den Tatsachen. Wenn sich ein lediges
Elternpaar etwa fünf Jahre gleichermaßen um ihr Kind gekümmert
hat, kann die Mutter von heute auf Morgen mit dem Kind in eine
andere Stadt verschwinden und dem Vater mit allen Mitteln den
weiteren Kontakt erschweren oder verunmöglichen und sie bekommt
rechtlich und ideologisch (z.B. von Jugendamtmittarbeiter/innen)
jede Unterstützung, diese ihre "private" Unrechtspraxis
durchzuziehen. Wenn der Vater das Gleiche macht, würde das
staatlicherweise durchaus nicht als Privatangelegenheit
angesehen. Dem Vater droht für genau das gleiche Vergehen Knast
und gesellschaftliche Verachtung.

Diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, sollte für
Sozialist(inn)en bedeuten, an ihrer Veränderung zu arbeiten.

> Ich habe darüber gesproche, das solche nicht rechtlichen - sondern
> sozialen Realitäten - uns von Kindheit an formen, mit hin unseren
> persönlichen Charaktern wesentlich beeinflußen.

> Und eben deshalb ist "Gleichheit" auch in dieser Sache zu fordern
> völlig verkehrt!

Tolle Logik! Das bedeutet praktisch nichts anderes als: So wie
es ist, war es schon immer und Veränderungswillen ist nur ein
Zeichen von Realitätsblindheit. Na, vielen Dank auch.

> Ein Beispiel aus dem herrschendem Recht. Jeder Mensch darf in
> dieser Republik eine Firma gründen, der Unterschied ist "nur" ein
> Mensch hat Kapital der andere nicht.

Nach Deiner Logik müsste dann also das Recht, ohne nennenswertes
Kapital eine Firma zu gründen, abgeschafft werden. Das nennt man
Konsequenz.

> Falls dir das hier zu abwegig erscheint,

Nein, es ein gutes Beispiel für Deine konservative Denkweise: Da
Deiner Ansicht nach "jeder weiß", dass "im Allgemeinen" Mütter
und nicht Väter das Kapital "Fähigkeit und Willen zur Sorge um'
s Kind" haben, soll die Rechtsprechung keine falschen
Verhältnisse vortäuschen und der "Gerechtigkeit" wegen
muttiezentriert sein, bleiben oder wieder werden.

> nehme ich als Beispiel für Diskreminierung Südafrika. Glaubst
> Du das sich die Schwarzen dort emanzipieren, allein weil sie
> den Weißen "rechtlich" gleichgestellt werden?

Also das tut mir ja nun Leid, aber dass Du nicht mitbekommen zu
haben scheinst, dass die rechtliche Gleichstellung von Menschen
aller Hautfarben inzwischen auch in Südafrika erreicht wurde,
ist für mich ein neues Indiz für Deine schematistische Denkweise
alter Schule. Und die birgt für mich in der Tat - in der
Tendenz - etwas Menschenverachtendes in sich. Analog zur Logik,
die Du im Falle des Gemeinsamen Sorgerechts bzw. der gemeinsamen
Sorgepflicht anwendest, müsste Dein Statement zur Einführung der
"Rassengleichheit" in Südafrika in Etwa heissen: "Weil die
Schwarzen aufgrund ihrer sozialen Lage gar nicht demokratiefähig
seien, (weil zu ungebildet), sollte man ihnen das Wahlrecht am
besten gleich wieder entziehen.

> Verstehst Du den Kern meiner Kritik?

Ich fürchte, dass ich sie sehr gut verstehe.

> Du forderst gleiches "Recht" (hier der Väter). Du forderst das
> aber für "ungleiche" soziale Verhältnisse!

Es ist anders. Ich fordere eine Diskussion über geeignete
Maßnahmen zur Erreichung sozialer Verhältnisse, innerhalb der
Frauen und Männer gleichermaßen für Kinder und Gelderweb
zuständig sind (solange Gelderwerb notwendig ist). Und ich
kritisiere die Haltung der PDS, weil diese Gesetze verlangt,
welche dazu beitragen, die "ungleichen" sozialen Verhältnisse zu
konservieren (inclusive des Leids, den das für viele betroffenen
Väter und deren Kinder bedeutet).

> Es werden eben Frauen so erzogen, daß sie für die
> Kinder "da zu sein haben",

Zum Glück beginnt die Reduktion darauf, aus der Mode zu kommen.

> es wir so zu einem Teil ihrer Identität

Das ist geichermaßen eine Diskriminierung kinderloser Frauen als
auch von fürsoglichen Vätern.

> als Person!. Das haben Du und ich vielleicht nicht so gewollt -
> aber es ist Realität.

Sihe oben.

> Als Sozialist, arbeite ich gegen diese Art
> von sozialer Frauendiskreminierung,

Und wie?

> bin tausend Meilen davon entfernt, z.B. betimmter
> Wiederentdeckungen der "Mutter" bei den Grünen zu folgen.

Wie kommst Du darauf, dass das bei den Grünen so ist? Hast Du
dafür Belege oder ist das etwa nur ein Vorurteil? Was die PDS
angeht habe ich seit längerem den Eindruck, dass deren
Aktivist(inn)en Mutterkult gar nicht wiederentdecken brauchen,
weil sie ihn gar nicht erst in Frage gestellt haben.

> Aber es wäre wirklich gemein und überhaupt nicht
> emanzipatorisch, nach dem die Frauen durch tausend soziale
> Erziehungsfaktoren in die "Identität 'Mutter'" gezwungen worden,
> nun nach einer Trennung zu erklären: jetzt hat dein Ex-Partner das
> gleiche "Recht". Das wäre die Vorsetzung von männlicher
> Vorherrschaft!

Das Gegenteil ist richtig. Duch die Verteidigung der Muttirechte
stärkt die PDS nur die bekannten sozialen und ideologischen
Bahnen des patriarchalischen Teufelskreises aus weiblicher
Zuständigkeit für Kind und Küche und männlichem
Karrierevorsprung.

> Warum sperrst Du dich so dagegen, solche Tatsachen anzuerkenne?

Ich sperre mich lediglich gegen eine Politik der Konservierung
der alten Zustände.

> Es ist doch Tatsache, Du wirst in deiner Umgebung vielleicht
> bedauert, weil Du nur eingeschränkten "Zugriff" auf deine Kinder
> hast. Deine Ex- Partnerin würde tendenziell als "Rabenmutter"
> angesehen, wenn sie nicht um ihr "Erziehungesrecht" gekämpft hätte.
> Das sind die sozilen Realitäten die wir, verändern
> müssen!!!!!!

Damit, dass man Vätern nach der Scheidung ersteinmal pauschal
das Sorgerecht (bzw. die Sorgepflicht) aberkennt??????

Damit trägt die PDS dazu bei, genau die Väter (und deren Kinder)
zu bestrafen, die sich vorbildlich um ihr(e) Kind(er) kümmern.
Sie sollen weiter vom nicht selten sehr egoistisch motiviertem
Wohl und Wehe der Mutter abhängig sein.

> Und nicht, entschuldige langweilige Streits, um Mütter- und
> Väter-"Rechte"!!!

Freu Dich, das *Du* es Dir leisten kannst, den Streit
"langweilig" zu finden!!!

Ich für meinen Teil wünsch Dir auch weiterhin ein sonniges Gemüt
und viel Erfolg bei der Verteidigung Deiner - von realem Leiden
realer Menschen unberührter - Kämpferidentität.

ni...@gaia.de

unread,
Aug 22, 1999, 3:00:00 AM8/22/99
to
22.08.1999 nn
Hallo,

hh.hirs...@tbx.berlinet.de (Hans-H.Hirschelmann)
meinte am 20.08.1999
[in Replik zu einer msg von Hans Georg Hartwig
zum Thema "Re: Sorgerecht nach Trennung"]

> Was die nicht der Realität entsprechende Privatheit angeht: Die
> entspricht allerdings nicht den Tatsachen. Wenn sich ein lediges
> Elternpaar etwa fünf Jahre gleichermaßen um ihr Kind gekümmert
> hat, kann die Mutter von heute auf Morgen mit dem Kind in eine
> andere Stadt verschwinden und dem Vater mit allen Mitteln den
> weiteren Kontakt erschweren oder verunmöglichen und sie bekommt
> rechtlich und ideologisch (z.B. von Jugendamtmittarbeiter/innen)
> jede Unterstützung, diese ihre "private" Unrechtspraxis
> durchzuziehen. Wenn der Vater das Gleiche macht, würde das
> staatlicherweise durchaus nicht als Privatangelegenheit
> angesehen. Dem Vater droht für genau das gleiche Vergehen Knast
> und gesellschaftliche Verachtung.

> Diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, sollte für
> Sozialist(inn)en bedeuten, an ihrer Veränderung zu arbeiten.

ACK. Sollte es für alle anderen Menschen mit gesundem
Menschenverstand auch bedeuten.

Schoenen Gruß,
Nino (Elternteil zufaellig maennlichen Geschlechts :-)

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 23, 1999, 3:00:00 AM8/23/99
to
*Hallo,*
Christiane Schuricht äußerte sich am 22.08.99 um 10:35

in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re: Sorgerecht nach Trennung"

> Im Übrigen hast Du Dich noch nicht zu meinem Kommentar auf
> Deine so "gelungene" Wortschöpfung vom "Muttikulti"
> geäußert...

Doch, doch. Hans-H.Hirschelmann äußerte sich am 05.08.99
in /CL/FRAUEN/DISKUSSION unter dem Betreff "Re: Neues zu PDS und
Muttikulti"

>>> PS: _Was_ eigentlich bedeutet "Muttikulti"? Sollte sich hinter
>>> Deinem sonst so aufgeklärt anmutenden Gefasel

>> Koseform von "Mutterkult".

Du hattest die Antwort also nur übersehen.

> Es ist schlechterdings eine Unverschämtheit, die PDS in die
> Rolle einer Verfechterin des Mutterkultes rücken zu wollen.

Ich will die PDS in überhaupt keine Rolle rücken. Mir wär`s
lieb, sie in der Rolle einer modernen sozialistischen Partei zu
sehen, wozu m.E. gehört, sich für das Recht der Kinder auf eine
gleichwertige Beziehung zu beiden Eltern (und beider Eltern
umgekehrt zu ihren Kindern) einzusetzen (unabhängig davon, ob
sie ledig oder verheiratet zusammenleben oder sich getrennt
haben). Dass es in der PDS-Politik in Sachen Kindschaftsrecht
(bzw. deren Begründung) mutterkultig zugeht, ist nicht mein
Verschulden. Ich bin nur der Bote (und gleichzeitig Kritiker)
der schlechten Nachricht.

> Vielleicht täte auch Dir, lieber Hans-Hermann, das ein oder
> andere Gespräch mit betroffenen Frauen ganz gut, denn die Zahl
> der Väter, die sich nach einer Trennung tatsächlich um ihre
> Sprößlinge kümmern und sie nicht lediglich zum Spielball ihrer
> eigenen Machtinteressen machen, ist ebenso verschwindend
> gering wie die der alleinerziehnden Väter selbst. Wir
> leben im Patriarchat, falls Du das noch nicht gemerkt haben
> solltest...

Ich habe im Laufe meines nun schon mittelalterlichen :) Lebens
oft und recht intensiv mit getrennt vom Vater ihrer Kinder
(ihres Kindes) lebenden Frauen gesprochen. Dabei erfuhr ich von
Vätern, die sich nicht oder nur nach Lust und Laune um ihre Kids
kümmern (wollten), von heulenden Kurzen, die vom Vater schon
nach wenigen Stunden vorzeitig bei der Mutter abgeliefert
wurden, (weil der Gute bei der Sportschau seine Ruhe wollte),
von Vätern, die nicht einmal mehr zum Geburtstag anrufen, weil
sie wegen eines kritischen Satzes der Ex schwer gekränkt sind.
Oder von einem Vater, der sich ein dreiviertel Jahr nicht
meldete, Gespräche über regelmäßige Betreuungszeiten ablehnte,
aber zu Weihnachten bei der eh schon überforderten Restfamilie
mit einem (lebendigen!) Hund als Weihnachtsgeschenk auftauchte
(und ihn gegen den Widerstand der Ex einfach daließ).

Ich hörte auch Beschwerden über zuviele an die Kinder
verfütterte Süssigkeiten, oder dass der Vater nie fehlende
Knöpfe annäht. Auch von brutalen Schlägern war mehr als einmal
die Rede. Das fand ich alles schlimm. Ich solidarisierte mich
mit den Müttern. Einmal verwerte ich dem Vater des Sohnes meiner
damaligen Freundin (es war der mit dem Hund, der Gespräche über
*regelmäßige*, verlässliche Kontakte zu seinem Sohn ablehnte)
den Zutritt zur Wohnung seiner Ex. Letzteres war gut und
solidarisch gemeint, aber ich bin heute offengestanden nicht
mehr sicher, ob ich mich für mein damaliges Verhalten nicht eher
schämen müsste. Möglicherweise hatte ich es mir allzu einfach
gemacht.

Andererseits lernte ich einen liebevollen Vater kennen, deren
Tochter nach der Trennung der Eltern vom fünften oder sechsten
Lebensjahr an je eine Woche bei ihm und eine Woche bei der
Mutter lebte (und damit übrigens gut klar kam). Und der mit den
Knöpfen sah sein Defizit wohl auch irgendwann mal ein.

Zuletzt (in den letzten zwei Jahren) bekam ich hautnah mit, wie
einem Freund, der sich fünf Jahre intensiv um sein Kind
gekümmert hatte (er machte einst mit anderen Vätern gar eine
Kinder-Krabbel-Gruppe auf) von einem Tag auf den anderen brutal
das Kind entzogen wurde (und dem Kind der Vater). Ich hatte die
Geschichte im Laufe meiner langen Auseinandersetzung mit
Christina Schenk (in CL/GRUPPEN/PDS, CL/MAENNER/DISKUSSION und
CL/FRAUEN/DISKUSSION) geschildert.

Für Christina Schenk (PDSmdB) bedeutet es eine "Entmündigung der
Mütter", wenn diese den Umzug in eine weit entfernte Stadt mit
dem Vater ihres Kindes absprechen (und bei Uneinigkeit notfalls
ein Gericht entscheiden) muß. Dass der Vater vor der von der PDS
abgelehnten Gesetzesänderung vor der vollendeten Tatsachen
gestellt werden durfte (und ledige Väter immer noch dürfen),
dass sein Kind ab Morgen mehr als Tausend Kilometer entfern
lebt, bedeutet für die frauenpolitische Sprecherin der PDS-
Fraktion aber keine Entmündigung der Väter. Das genau nennen ich
"Muttikulti". Ebenso wie die Meinung, dass Frauen, die dem Vater
ihrer Kinder gleichwertige (oder wenigstens mehr als bisher
gnädig gewehrte) Kinderbetreuungszeit verwehren, angeblich immer
einen "guten Grund" dafür haben.

Es gibt eben auch Väter, die eine sehr intensive Beziehung zu
ihrern Kindern pfleg(t)en und nach der Trennung von der
Kindesmutter gegen ihren Willen ihre Vaterrechte einbüßten, zum
Besuchsonkel degradiert oder ganz von ihren Kindern entfremdet
wurden. Und genau diesen Vätern tritt die PDS in den Hintern.

Du hattest mich, liebe Christiane, daruf aufmerksam gemacht,
dass "wir im Patriachat leben". Ich weiß nicht so recht, was
"das Patriarchat" sein soll. Ich spreche lieber von
patriarchalischen Strukturen, einem patriarchalischen
Teufelskreis, in dem sich Männer *und* Frauen bewegen. Vätern
nach der Trennung die Vaterrechte automatisch zu entziehen (wie
es die PDS wieder einzuführen fordert) hilft m.E.,
patriarchalische Strukturen (nämlich die tendentielle
Reduzierung von Männern auf Erwerbsarbeit und von Frauen auf die
Mutterrolle) zu stärken.

Anzustreben wäre, dass beide Eltern sich gleichermaßen um ihre
Kinder kümmern. Einem Vater sollte das Begehren, die Hälfte der
Betreuungsleistung zu übernehmen nicht ohne weiteres verweigert
werden können. Erst wenn das aus irgendwelchen
(patriarchalistischen?) "Sachzwängen" heraus nicht möglich
scheint, müßte nach zweitbesten Lösungen gesucht werden, und
erst dann sollte der (zeitlich) mehr betreuende Elternteil einen
finanziellen Ausgleich beanspruchen können.

In Finnland wird das Hauptsorgerecht zwar einseitig vergeben,
aber fällt im Streitfall an dem Elternteil, der die andere
Eltern-Kind-Beziehung den größen Spielraum garantiert. Im Falle
meines Freundes müsste das Hauptsorgerecht danach auf ihn
übertragen werden. Immerhin! Aber er lebt in der Bundesrepublik
Deutschland und muß darum vor Gericht überhaupt ersteinmal eine
- dann noch völlig unzureichende - Besuchsonkelregelung
erkämpfen. Die Ex verhindert z.Z. sämtlichen Kontakt zwischen
Vater und Sohn. Unrechtbewusstsein plagt sie nicht. Und die
Politik der PDS wird daran leider nichts ändern.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Hermann Hirschelmann


Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 23, 1999, 3:00:00 AM8/23/99
to
Absender:

Deutscher Bundestag
Petitionsausschuß
Bundeshaus
53113 Bonn


Petition zu: Diskriminierung nichehelicher Kinder und ihrer
Väter im deutschen Kindschaftsrecht beenden.
Sorgepflicht und Sorgerecht für Eltern und Kinder


Sehr geehrte Mitglieder des Petitionsauschusses,

hiermit petitiere ich für eine schnellstmögliche Veränderung der
gesetzlichen Bestimmungen im Kindschaftsrecht.

Sicherzustellen ist zukünftig, daß

1. entsprechend dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
Artikel 3 Satz 2: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Artikel 3 Satz 3: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, ...
benachteiligt oder bevorzugt werden."
Artikel 6 Satz 2: "Pflege und Erziehung der Kinder sind das
natürliche Recht der Eltern und die zuförderst Ihnen obliegende
Pflicht."

2. entsprechend dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-
Kinderkonvention)
Artikel 18 Satz 1: "Die Vertragsstaaten bemühen sich nach besten
Kräften, die Anerkennung des Grundsatzes sicherzustellen, daß
beide Elternteile gemeinsam für die Erziehung und Entwicklung
des Kindes verantwortlich sind. ..."

der Paragraph 1626a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), der die
gemeinsame elterliche Sorge nichtverheirateter Eltern von der
einseitigen Zustimmung der Mutter abhängig macht und ansonsten
der Mutter das alleinige Sorgerecht zuweist, ersatzlos
gestrichen wird.

Klarzustellen ist statt dessen - so wie im Grundgesetz und der
UN-Kinderkonvention zum Ausdruck gebracht - dass jeder
Elternteil, unabhängig vom rechtlichen Status, von Geburt des
Kindes an, bzw. mit Feststellung der Vaterschaft das Sorgerecht
besitzt, das ihm/ihr nur unter den strengen gesetzlichen
Bestimmungen bei Gefährdung des Kindeswohls entzogen werden kann
oder wenn dieser Elternteil nicht gewillt oder in der Lage ist,
die sich aus der elterlichen Sorge ergebenen Pflichten zum Wohle
des Kindes wahrzunehmen.

Im übrigen ist durch 1687 BGB sichergestellt, daß bei
getrenntlebenden Eltern nur Angelegenheiten von erheblicher
Bedeutung unter die gemeinsame elterliche Sorge fallen. Von
daher ist der Einwand, die gemeinsame elterliche Sorge würde ein
erhebliches Maß an Kooperationsfähigkeit der Eltern erfordern,
nicht zutreffend und kann daher auch nicht zur Begründung der
Nichtgewährung eines durch Grundgesetz und UN-Kinderkonvention
zugesicherten Rechtes auf Wahrnehmung der elterlichen Sorge
dienen.

Aufgenommen werden sollte außerdem, daß jedes Kind ein Recht auf
elterliche Sorge durch Vater und Mutter hat.

Schließlich ist auch klarzustellen, daß jeder Elternteil eine
Sorgepflicht gegenüber seinem Kind hat und er nicht von dieser
Pflicht entbunden werden kann.

Bestätigt wird der dringende gesetzgeberische Handlungsbedarf
durch Äußerungen anerkannter Familienforscher und
Familienrechtler wie z.B.:

- Prof. Rauscher in "Zeitschrift für das gesamte Familienrecht",
Heft 6, 1998, S.335: "Insbesondere hängt (zukünftig) das
Umgangsrecht des nicht mit der Mutter verheirateten Vaters
nicht vom Willen der Mutter ab, wie dies in bedauerlicher und
wohl verfassungswidriger Weise 1626a für die elterliche Sorge
vorsieht."

- Prof. Fthenakis in "Familie Partnerschaft Recht", Heft 2/98,
S.90: "Juristische "Altlasten" bei der Regelung des Eltern-
Kind-Verhältnisses werden zwar gemildert, nicht aber gänzlich
beseitigt. Die Diskriminierung des nicht verheirateten Vater
wie die Beibehaltung der "Bindungen" im Gesetzestext stellen
Reminiszenzen einer Rechtsordnung dar, die es zu überwinden
gilt."

- Prof. Dr. Uwe Diederichsen in "Neue Juristische Wochenschau,
28/1998, S.1983 : "Die bessere sorgerechtliche Stellung des
nicht mit dem Kindesvater verheirateten Mutter ist einer der
umstrittensten Teile der Kindschaftsrechtsreform. Ob die
amtliche Begründungen dazu zur Rechtfertigung der eklatanten
Zurücksetzung von Vätern vor den Anforderungen der Art. 3 und
6 GG genügen, zumal in einer Zeit, in der immer öfter Frauen
die Eheschließung oder die gemeinsame Sorge verweigern, wird
die Zukunft erweisen müssen."

Vielen Dank für Ihre Bemühungen


Unterschrift, Datum
----------------------------------------------------------------

P.S. Ich erlaube mir, eine Kopie dieses Schreibens an die
Bundesgeschäftsstelle des Väteraufbruch für Kinder e.V.,
Postfach 110511, 42305 Wuppertal zuzusenden. (15/08/99)

Absender:

Deutscher Bundestag
Petitionsausschuß
Bundeshaus
53113 Bonn

Betrifft: Mißachtung Grundgesetz Artikel 6, Satz 2 und UN-
Kinderkonvention Artikel 18, Satz 1 beenden.


Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit petitiere ich für eine schnellstmögliche Veränderung der
gesetzlichen Bestimmungen im Kindschaftsrecht.

Sicherzustellen ist zukünftig, daß
1. entsprechend dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
Artikel 6 Satz 2: "Pflege und Erziehung der Kinder sind das
natürliche Recht der Eltern und die zuförderst Ihnen obliegende
Pflicht."

2. entsprechend dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-
Kinderkonvention)
Artikel 18 Satz 1: "Die Vertragsstaaten bemühen sich nach besten
Kräften, die Anerkennung des Grundsatzes sicherzustellen, daß
beide Elternteile gemeinsam für die Erziehung und Entwicklung
des Kindes verantwortlich sind. ..."

Elternteile, denen durch gerichtlichen Beschluß nach Trennung
oder Scheidung das Sorgerecht entzogen wurde, dieses auf Antrag
als gemeinsames Sorgerecht wiedererlangen können, wenn dem nicht
im Kindeswohl begründete Tatsachen entgegenstehen.
Weiterhin soll gesetzlich festgehalten werden - so wie im
Grundgesetz und der UN-Kinderkonvention zum Ausdruck gebracht -
daß jeder Elternteil von Geburt des Kindes an das Sorgerecht
besitzt, das ihm/ihr nur unter den strengen gesetzlichen
Bestimmungen bei Gefährdung des Kindeswohls entzogen werden
kann.
Aufgenommen werden sollte außerdem, daß jeder Elternteil eine
Sorgepflicht gegenüber seinem Kind hat. Schließlich ist auch
klarzustellen, daß jedes Kind ein Recht auf elterliche Sorge
durch Vater und Mutter hat.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen


Unterschrift, Datum
----------------------------------------------------------------
---
P.S. Ich erlaube mir, eine Kopie dieses Schreibens an die
Bundesgeschäftsstelle des Väteraufbruch für Kinder e.V.,
Postfach 110511, 42305 Wuppertal zuzusenden.
Erläuterung zum Vorschlag für eine Petition an den Deutschen
Bundestag:

Artikel 17 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:
Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit
anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die
zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.

"Kein Staat, keine Gesellschaft, keine Bürokratie und keine
politische Institution kann unfehlbar sein. Jedes noch so
ausgefeilte Gesetz und jede noch so gründlich durchdachte
Regierungsverordnung kann in der Praxis Mängel zeigen. Selbst
eine sorgfältig überlegte Entscheidung, auch die bestgemeinte
Beratung in einer Behörde, kann fehlerhaft sein, ganz zu
schweigen davon, daß jeder bürokratische Apparat dazu neigt,
Sonderfälle als belastend anzusehen, Unrecht oder
Ungerechtigkeit sind nicht selten die Folge.
Das Eingabenrecht ist ein außergerichtlicher Rechtsbehelf für
den Fall, daß der Bürger sonst nirgendwo Gehör findet: Wenn eine
Behörde bei ihrer Haltung bleibt, die der Bürger als
ungerechtfertigt betrachtet, wenn Lücken in gesetzlichen
Bestimmungen oder Verordnungen nur den Appell an die höchste
Instanz einer Demokratie, an das Parlament übriglassen.
Weil das Petitionsrecht ein allgemeines Recht ist, muß es auch
mühelos in Anspruch genommen werden können. Deshalb gilt für den
Petenten nur die Auflage, sich schriftlich (mit Adresse und
Unterschrift) zu äußern. Es gibt weder Vordrucke noch
Formvorschriften. Die Unterschrift muß nicht beglaubigt sein.
Einzelangaben zur Person sind unnötig, wenn die Aufklärung des
Sachverhalts das nicht erfordert.
Adressaten von Petitionen können sein: Alle Ämter und Behörden
der Gemeinden, Kreise, Länder und des Bundes - auch
Bürgermeister, Landräte, Landesregierungen, die Bundesregierung
und der


Bundespräsident -, alle Gemeinde- und Kreisvertretungen, alle
Länderparlamente und nicht zuletzt der Deutsche Bundestag.
Der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages ist für alle
Anliegen zuständig, die die Gesetzgebungskompetenz des Bundes
oder Bereiche bzw. Einrichtungen der Bundesverwaltung
betreffen."
zitiert aus: "Petitionen", Herausgeber: Deutscher Bundestag,
Referat Öffentlichkeitsarbeit, 53113 Bonn, Bundeshaus, 1995

Wenn Sie eine Petition abschicken (natürlich ohne diesen
Erläuterungstext), würden wir uns freuen, wenn Sie uns darüber
eine Nachricht zukommen lassen. Wir haben dann den Überblick
über die Gesamtzahl aller zum Thema eingereichten Petitionen und
können diese Zahlen in unserer Öffentlichkeitsarbeit verwenden.
Sie können den vorliegenden Mustertext für eine Petition auch
nach Ihren Bedürfnissen abändern, bzw. ergänzen, z.B. um die
konkrete Darlegung Ihrer Problematik. Sie können auch gerne die
Textvorlage kopieren und Ihre Freunde und Bekannten bitten, die
Petition ebenfalls abzuschicken.
Wenn sie möchten, können Sie die Bemerkung "Ich erlaube mir,
eine Kopie dieses Schreibens an die Bundesgeschäftsstelle des
Väteraufbruch für Kinder e.V., Postfach 110511, 42305 Wuppertal
zuzusenden" auf der Petition durchstreichen oder abtrennen.

Kurze Zeit nachdem Sie Ihre Petition an den Petitionsauschuß
abgeschickt haben bekommen Sie eine erste Standardantwort vom
Ausschußdienst, in der Ihnen mitgeteilt wird, daß die Aufnahme
Ihrer Petition in den Geschäftsgang vorgenommen wurde und Sie
über den weiteren Fortgang zu gegebener Zeit informiert werden.

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Aug 23, 1999, 3:00:00 AM8/23/99
to
*Hallo,*
nino äußerte sich am 22.08.99 um 15:29
in /CL/MAENNER/DISKUSSION unter dem Betreff
"Re: Sorgerecht nach Trennung"

>> Wenn sich ein lediges


>> Elternpaar etwa fünf Jahre gleichermaßen um ihr Kind gekümmert
>> hat, kann die Mutter von heute auf Morgen mit dem Kind in eine
>> andere Stadt verschwinden und dem Vater mit allen Mitteln den
>> weiteren Kontakt erschweren oder verunmöglichen und sie bekommt
>> rechtlich und ideologisch (z.B. von Jugendamtmittarbeiter/innen)
>> jede Unterstützung, diese ihre "private" Unrechtspraxis
>> durchzuziehen. Wenn der Vater das Gleiche macht, würde das
>> staatlicherweise durchaus nicht als Privatangelegenheit
>> angesehen. Dem Vater droht für genau das gleiche Vergehen Knast
>> und gesellschaftliche Verachtung.

>> Diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, sollte für
>> Sozialist(inn)en bedeuten, an ihrer Veränderung zu arbeiten.

> ACK. Sollte es für alle anderen Menschen mit gesundem
> Menschenverstand auch bedeuten.

Ja, natürlich :-).

Ich dchte mir aber: Weil es hier auch um die Politik der PDS
geht, kann es nicht verkehrt sein, den Gesundheitszustand eines
erklärtermaßen sozialistischen Menschenverstandes an der Sache
besonders penibel zu messen. (Oder so ähnlich)

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Sep 8, 1999, 3:00:00 AM9/8/99
to
*Hallo,*
es scheint, als ob die PDS von der CDU in Sachen
Sorgerechtsreform weit links überholt wurde.

Als PDSler wäre mir das peinlich.

Gruß von hhh

Aus der Berliner Zeitung

http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/freizeit/
.html/5artik14.html

*Hat sich das neue Kindschaftsrecht bewährt?*

Josef Linsler

Seit 1. Juli 1998 müssen Familiengerichte nicht mehr über die
elterliche Sorge nach Trennung und Scheidung entscheiden. Stellt
kein Elternteil einen Antrag auf alleinige Sorge, so bleibt es
bei der gemeinsamen Verantwortung beider.

Will ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, muss er es beim
Familiengericht beantragen. Damit hat er nur dann Erfolg, wenn
gemäß 1671 Abs. 2 die Aufhebung der gemeinsamen Sorge und die
gleichzeitige Übertragung der alleinigen Verantwortung auf einen
Elternteil dem Kindeswohl am besten entspricht. Das neue
Kindschaftsrecht favorisiert die gemeinsame elterliche Sorge,
die Übertragung der elterlichen Verantwortung auf nur Mutter
oder nur Vater soll im Gegensatz zum "alten" Recht, das bis vor
einem Jahr galt, die Ausnahme sein.

Weiterer Reformbedarf

War die Reform der große Wurf oder gibt es inzwischen schon
Überlegungen für eine Reform der Reform? CDU-Rechtsexperte
Ronald Pofalla meint, es gebe "mit guten Gründen im nicht
ehelichen Bereich weitere Reformnotwendigkeiten", und zwar
insbesondere "in den Fällen, wo die nicht eheliche Mutter einer
gemeinsamen Sorge nicht zustimmt".

Nicht wenige Juristen meinen, dass die Bestimmungen der 1626a
II, 1672 I BGB, das gemeinsame Sorgerecht für nicht eheliche
Kinder oder die Alleinsorge des Vaters allein von der
Zustimmung der Mutter abhängig zu machen, verfassungswidrig
sind.

Auch Justizministerin Herta Däubler-Gmelin hat sich für "eine
Weiterentwicklung des Kindschaftsrechtes" ausgesprochen. Dabei
geht es ihr primär um die "klare Abgrenzung von Reichweite und
Umfang der Alltagssorge" und um eine "einvernehmliche
Sorgevereinbarung", also um einen Sorgeplan, in dem die
einzelnen Aufgaben des jeweiligen Elternteils festgelegt werden
sollen. Allerdings sollen nicht sogleich "Detailänderungen"
vorgenommen werden; man will im Justizministerium erst
"Forschungsergebnisse über die praktischen Auswirkungen der
Kindschaftsrechtsreform abwarten".

Die Verbände der allein Erziehenden und Geschiedenen haben die
Reform teils euphorisch begrüßt, teils völlig abgelehnt. Der
Verband allein erziehender Väter und Mütter (VAMV) sprach sich
mit dem Slogan "Den Vätern das Recht, den Müttern die Sorge"
gegen die Reform aus. Der Grund sind die Befürchtungen, Väter
könnten stärker dreinreden, bei Teilung der Sorge könnte auch
über eine Teilung des Unterhalts nachgedacht werden, Mütter
müssen Väter bei wichtigen Entscheidungen fragen. Der
Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) befürwortet
die Reform uneingeschränkt. Allerdings weist der Verband auch
auf rechtliche Freiräume und Lücken hin. Kritisiert werden vom
Verband die "innerstaatlichen Entführungsfälle", wodurch die
gemeinsame Sorge unterlaufen werde. Gemeint ist damit die sich
häufende eigenmächtige Mitnahme eines Kindes durch ein
Elternteil - trotz gemeinsamen Sorgerechts - meist über
Hunderte von Kilometern hinweg. Im Sorgerechtsverfahren wird
später nur noch geprüft, wo das Kind endgültig seinen Wohnsitz
haben soll, die Verschleppung an sich wird nicht geahndet. Der
Verband fordert die schnelle Rückführung des Kindes.

Die Justiz wendet das Recht sachlich und teilweise auch
engagiert an. Zur Veranschaulichung einige Beispiele, wie in der
Praxis entschieden wurde.

* Nach Auffassung des OLG Frankfurt ist eine "ausreichende
Kommunikationsbasis zwischen den Eltern, die ein gemeinsames
Agieren unter Zurückstellung der Partnerprobleme zum Wohle
des Kindes gewährleistet", grundlegend für eine konstruktive
gemeinsame elterliche Verantwortung (Beschluss vom 14. 9.
1998, Az. 3 UF 89/98).

* Das OLG Düsseldorf sieht dann keine Basis mehr für die
gemeinsame Sorge, wenn die Eltern sich über "grundsätzliche
Erziehungsfragen" streiten, wenn sie ihre "wechselseitigen
Aversionen" vor den Kindern austragen, wenn sie sich nicht an
Absprachen halten (Beschluss vom 22. 4. 1999, Az. 6 UF
244/98).

* Streit ist nicht gleich Streit, meint das OLG Bamberg. Sind
sich die Eltern in Grundfragen der Erziehung einig und
streiten sie sich "nur" über "Nebenfragen", so ist dies noch
kein Grund, einen Elternteil von der elterlichen Sorge
auszuschließen (Beschluss vom 9. 2. 1999, Az. 2 UF 183/98).

* Mangelnde Kooperationsbereitschaft machen Gerichte meist an
der fehlenden Bereitschaft zum gemeinsamen Gespräch,
beispielsweise mit den Vertretern des Jugendamtes,
fest. Wichtig für die Entscheidung des Gerichtes ist in jedem
Falle auch der Wille von älteren Kindern und Jugendlichen.
Streiten sich Eltern ums Sorgerecht, so hat derjenige die
besseren Karten, der dem Kind die "stabileren Verhältnisse"
bieten kann (OLG Bamberg, Beschluss vom 10. 3. 1999, 2 UF 297
/98).

Beratung statt Entscheidung

Juristischen Entscheidungen vorgeschaltet ist die Frage, wie
trotz der Trennungskonflikte die gemeinsame elterliche Sorge in
der Praxis umgesetzt werden kann. Das neue Recht setzt deshalb
mehr auf Beratung als auf schnelle Entscheidung. Das
Familiengericht ist verpflichtet, frühzeitig auf entsprechende
Möglichkeiten des Jugendamtes und geeignete Beratungsstellen
hinzuweisen.

Die Wirksamkeit der Beratung hängt vorrangig von der Kooperation
der Jugendämter, Familienrichter und Rechtsanwälte ab. Beratung
ist freiwillig, niemand kann zur Beratung verpflichtet werden.

Ob eine Partei zur Beratung kommt, hängt nicht zuletzt vom
diplomatischen Geschick der Juristen und Berater ab. Trotz noch
so engagierter Helfer "besteht in der Bundesrepublik Deutschland
de facto keine Möglichkeit, sich gegen einen das Umgangs- und
Sorgerecht verweigernden Elternteil durchzusetzen", stellt die
ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
fest. Es gibt also auch im neuen Kindschaftsrecht noch genügend
Freiräume, um sich auf Kosten der Kinder zu streiten.

Leserbrief mailto:bz...@berlinonline.de

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Sep 9, 1999, 3:00:00 AM9/9/99
to
*Hallo,*
Hans Georg Hartwig äußerte sich am 20.08.99 um 21:40
in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re:Sorgerecht nach Trennung"

> Als Sozialist, arbeite ich gegen diese Art von
> sozialer Frauendiskreminierung, bin tausend Meilen davon entfernt,


> z.B. betimmter Wiederentdeckungen der "Mutter" bei den Grünen zu

> folgen. Aber es wäre wirklich gemein und überhaupt nicht


> emanzipatorisch, nach dem die Frauen durch tausend soziale
> Erziehungsfaktoren in die "Identität 'Mutter'" gezwungen worden,
> nun nach einer Trennung zu erklären: jetzt hat dein Ex-Partner das
> gleiche "Recht". Das wäre die Vorsetzung von männlicher
> Vorherrschaft!

Leider hast Du auf meinen Entgegnungen nicht geantwortet.
Versuchen wir`s schrittweise.

1.) Wie kommst Du darauf, dass die Grünen "die Mütter
wiederentdecken"?

2.) Was willst Du "als Sozialist" unternehmen, damit sich mehr
Väter für die Kindererziehung zuständig fühlen?

3.) Meist Du, dass die (von der PDS geforderte) Widereinführung
des automatischen Entzugs der Elternrechte für ein Elternteil
(in der Regel des Vaters) nach einer Scheidung dazu geeignet
ist, Vater-Kind-Beziehungen zu fördern?

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Sep 9, 1999, 3:00:00 AM9/9/99
to
*Hallo,*
Hans Georg Hartwig äußerte sich am 01.08.99 um 23:53
in CL/GRUPPEN/PDS

> Da es zugleich, herrschende Realität ist, daß bei dieser

> privaten Verantwortung für die Kindererziehung zu mind, 75%
> die Frauen "in die Pflicht genommen werden", wäre es


> "rechtlich" ziemlich brutal, einerseits laufend von Frauen zu
> fordern: Wenn ihr ein Kind habt, müßt ihr dahinter alles
> zurückstellen, eure Identität hauptsächlich
> als "Mutter" leben - aber wenn es dann zur Trennung kommt,
> dann hat der männliche Ex-Partner, mindestens das "halbe
> Sorgerecht".

Offenbar ist es PDS-Politik, die alte partiarchale Aufteilung
des "In-die-Pflicht-Nehmens" für die Kindererziehung zu
konservieren. Die Frage ist, was so eine Unter-Schutz-Stellung
der Mutteridentitäts-Duselei für die betroffenen Kinder
bedeutet.

Aufklärung bietet m.E. das im Folgenden dokumentierte "fiktive
Interview", das ich http://www.pappa.com entnommen habe.

Wera Fischer

Dipl.Sozialarbeiterin und Mediatorin

74889 Sinsheim, Sunnisheimring 45


*Wieviel Vater braucht ein Kind*

ein fiktives Interview

Es gibt immer mehr getrennt lebende und alleinerziehende Mütter.
Sie sehen sich häufig vor die Frage gestellt "Wieviel Vater
braucht das Kind?" Aber auch Väter, die nicht mit ihren Kindern
zusammenleben stellen sich häufig die Frage, "wie wichtig bin
ich für mein Kind?". Streitende Eltern wissen häufig nicht, ist
es besser für das Kind, wenn ich mich weiterhin einmische, oder
wird es für das Kind einfacher, wenn ich mich raushalte und das
Kind dem anderen Elternteil überlasse. Das folgende (fiktive)
Interview ist geeignet Eltern Informationen zu vermitteln und
Hinweise zu geben, wie sie in solchen Situationen ihrem Kind
gerecht werden können. Die Antworten basieren auf meiner
langjährigen Erfahrung als Beraterin von Familien in Trennungs-/
und Scheidungssituationen und beziehen neuere wissenschaftliche
Erkenntnisse mit ein.

*1. Wie wichtig sind Väter für ihre Kinder?*

Wissenschaftliche Erkenntnis ist, daß vaterlos aufwachsende
Kinder Einschränkungen in ihrer Identitäts- und
Selbstwertentwicklung, in ihrer Bindungs- und
Beziehungsfähigkeit und in ihrer Leistungsfähigkeit erfahren.
Kinder sind für ihre gesunde Persönlichkeitsentwicklung auf
beide Eltern angewiesen. Es gilt heute als gesicherte
Erkenntnis, daß es keinen wichtigeren/unwichtigen Elternteil
gibt. Beide Eltern sind gleichwichtig für die kindliche
Entwicklung. Ohne den zweiten Elternteil kann das Kind bestimmte
Entwicklungsschritte nicht oder nur eingeschränkt vollziehen. So
stehen beispielsweise Mutter und Kind von Anfang an vor der
Entwicklungsaufgabe einander loszulassen. Dabei spielt der Vater
eine wichtige Rolle. Er wird zum Modell für das Kind, wie man
von der Mutter getrennt ist und dennoch mit ihr verbunden
bleibt. Und es ist die Beziehung zum ihm, die dem Kind die
notwendigen Ablösungsschritte ermöglicht. Denn das Kind kann
sich auf die mit der Ablösung verbundenen Konflikte mit der
Mutter eher einlassen, wenn es weiß, daß es noch eine zweite
sicherheitgebende Beziehung gibt. Fehlt diese zweite
Elternbeziehung kommt es meist zur "Überbindung" an den
verbliebenen Elternteil. Folge davon sind Kinder die entweder
nicht gehen oder die Trennung sehr abrupt vollziehen, d.h. den
Kontakt völlig abbrechen.

Wenn der Vater als zweites Bindungsobjekt fehlt, kann das Kind
aber auch nicht die Erfahrung machen, mit zwei Personen in
Verbindung zu stehen, die selbst eine Beziehung miteinander
haben. D.h. es lernt den Umgang mit der 3-erBeziehung nicht.
Seine Ur-Erfahrung bleibt auf eine zweier-Beziehungen
beschränkt. Das wiederum hat Einfluß auf die eigene
Beziehungsgestaltung. Es wird immer wieder versucht,
Exclusivität in Beziehungen herzustellen, was in der Regel zu
sozialer Isolation führt. Im Erwachsenenalter kann es zu
Problemen kommen, wenn aus der Paar-Beziehung eine
Dreierbeziehung wird, wenn also ein Kind kommt. Nicht selten
wird dann versucht Exclusivität in der Eltern-Kind-Beziehung zu
schaffen und die Eltern werden zu Konkurrenten ums Kind. Oder es
gelingt nicht die Elternbeziehung und die Paarbeziehung parallel
zu leben und ein Elternteil zieht sich entweder aus der
Elternrolle oder aus der Partnerrolle zurück.

In Familien, in denen der Vater fehlt, haben die Kinder kein
Modell für die Geschlechterrolle. Jungs wissen dann nicht, wie
sie sich als Junge verhalten sollen, sind unsicher im Umgang mit
anderen Jungs und wissen auch nicht, wie man als Junge mit einem
Mädchen umgeht.

Mädchen fehlt die Erfahrung, wie man als Frau mit einem Mann
umgeht. Meist hat das zur Folge daß sie sich in Beziehungen zum
anderen Geschlecht unsicher oder auch unwohl fühlen, das
wiederum hat Einfluß auf die spätere Partnerwahl und die
Haltbarkeit von Beziehungen.

Man weiß, daß Töchter zu einem großen Teil ihr Selbstbild als
Frau über den Vater beziehen. Er ist der erste Mann in ihrem
Leben, der ihnen das Gefühl gibt wichtig zu sein, indem er ihr
Aufmerksamkeit schenkt, oder unwichtig zu sein, indem er sich
nicht um sie kümmert. Das wiederum hat Einfluß darauf, welchen
Stellenwert sie sich in einer späteren Partner-Beziehung
zuschreibt.

Dem Mythos: Mütter sind wichtiger als Väter ist längst die
wissenschaftliche Basis entzogen. Aber er hält sich hartnäckig
in den Köpfen von Eltern und Fachleuten. Väter glauben auch
heute noch oft sie seien nicht wichtig für ihre Kinder und
Mütter glauben nicht selten, sie seien wichtiger als der Vater.
Aber auch in strittigen Sorgerechtsfällen geht es heute noch
darum herauszufinden, wer die wichtigere Bezugsperson ist,
anstatt sich daran zu orientieren, welcher Elternteil am ehesten
in der Lage ist dem Kind beide Elternbeziehungen zu erhalten. Es
ist aber der Erhalt beider Elternbeziehungen, was
Entwicklungsbeeinträchtigungen des Kindes verhindert.

*2. Ab wann sind Väter wichtig für ihre Kinder und wieviel Zeit*
*sollten Väter mit ihren Kindern verbringen?*

Der Vater ist von Anfang an wichtig. Man weiß heute, daß Kinder
parallel zur Mutter auch eine Beziehung zum Vater entwickeln,
sofern auch er als Bezugsperson zur Verfügung steht. Dazu muß
der Vater nicht im gleichen Umfang wie die Mutter in die
Versorgung des Kindes einbezogen sein. Erfahrungsgemäß
entwickeln Kinder selbst bei der traditionellen Rollenaufteilung
(der Vater übernimmt die finanzielle Versorgung der Familie, die
Mutter kümmert sich überwiegend um die Versorgung der Kinder)
intensive Beziehungen zu beiden Eltern. Entscheidend ist, wie
gut es dem Vater gelingt, die Bedürfnisse seines Kindes zu
erkennen und darauf einzugehen. Um das zu erlernen braucht er -
genau wie die Mutter - Zeit und Erfahrung im Umgang mit dem
Kind.

Was den zeitlichen Umfang betrifft, so gilt die generelle Regel:
je jünger das Kind ist, desto häufiger sollte der Kontakt
stattfinden. Denn kleine Kinder erfahren die tatsächliche
Zuwendung des Elternteils als Liebe, d.h. wer sich um mich
kümmert, liebt mich - wer nicht da ist liebt mich nicht.
Abwesenheit bedeutet deshalb Liebesentzug. Sind die zeitlichen
Abstände zu groß, wird das Kind immer wieder der Erfahrung
ausgesetzt, der andere hat mich endgültig verlassen, was den
Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung behindert.

Väter, die mit ihren kleinen Kindern nicht zusammenleben,
sollten möglichst häufig Kontakt zu ihnen aufnehmen. Häufige
kurze Kontakte sind günstiger, als ein langer Kontakt in
größerem Abstand. Amerikanische Wissenschaftler empfehlen für
Kinder bis zu 2 ½ Jahren tägliche Kontakte. Dort wo die Eltern
weiter auseinander wohnen und tägliche Kontakte nicht
praktikabel sind, sollten die Eltern darauf achten, daß Vater
und Kind mindestens alle 2-3 Tage Zeit gemeinsam verbringen.

Häufig geschieht jedoch das genaue Gegenteil. Eltern und
Fachleute vertreten die Auffassung, Kontakte des Kindes zum
Vater überfordern das Kind. Obwohl diese Erkenntnisse seit 20
Jahren vorliegen, werden sie in der Praxis kaum umgesetzt.
Eltern ist die Bedeutung des Vaters für die kindliche
Entwicklung oft nicht bewußt und auch in der Rechtsprechung
haben sie bis heute keinen Niederschlag gefunden. Bis heute wird
es für ausreichend gehalten, wenn getrennt lebende Väter ihre
Kinder (unabhängig vom Alter) alle 14 Tage für ein Wochenende
sehen und die Hälfte der Ferien mit ihnen verbringen.
Gerichtsentscheidungen, die den Bedürfnissen von Kleinkindern
gerecht werden, gibt es nicht oder sind mir bis heute zumindest
nicht bekannt geworden. Meist wird die Haltung eingenommen, der
Vater solle abwarten, bis das Kind größer ist und die Trennung
von der Mutter besser verkraften könne. Dabei wird übersehen:
Hat das Kind von Anfang an Gelegenheit auch eine Bindung zum
Vater zu entwickeln, sind Kontakte mit ihm (und damit die
Trennung von der Mutter) anschließend meist gar kein Problem.


*3. Können männliche Verwandte oder neue Partner den leiblichen*
*Vater ersetzen?*


Kinder können von solchen Beziehungen profitieren. Männliche
Partner können als Vorbild dienen für die
Geschlechtsrollenübernahme. Aber sie können den leiblichen
Elternteil immer nur partiell, niemals ganz ersetzen. Die
Beziehung zum Vater bleibt neben anderen guten Beziehungen, die
das Kind durchaus entwickeln kann, immer wichtig. Das hängt mit
der Einzigartigkeit dieser Beziehung zusammen. Jedes Kind hat
nur einen Vater. Selbst wenn die Beziehung nicht gelebt wird,
bleibt sie bestehen. Es ist eine schwere Kränkung für die
kindliche Seele, wenn sich der Vater nicht kümmert, weil das dem
Kind vermittelt bedeutungslos, nicht wichtig genug zu sein für
den Vater.

Die Erfahrung mit Adoptivkindern zeigt, wie wichtig die
Beziehung zu den leiblichen Eltern selbst dann noch bleibt, wenn
gute Beziehungen zu den Adoptiveltern entwickelt wurden. Es sind
deshalb Überlegungen in Gang gekommen von der Inkognito-Adoption
überzugehen zur offenen Adoption.

Aus der Stiefelternforschung weiß man, daß solche
Familienkonstellationen dann die größten Überlebenschancen
haben, wenn das Kind nicht auf die Beziehung zum leiblichen
Elternteil verzichten muß. Nur wenn die neue
Familienkonstellation den leiblichen Elternteil einschließt,
kann sie eine funktionelle Familieneinheit bilden. Ergebnis
wissenschaftlicher Untersuchungen ist, daß es dem Kind dann am
schlechtesten geht, wenn es zugunsten der neuen Beziehung auf
die gewachsene Beziehung zum Vater verzichten soll. Das Kind
kommt in Stieffamilien dann am besten klar, wenn es beide
Beziehungen haben kann.


*4. Was ist mit den Kindern, deren Väter gestorben sind?*

Der Tod eines Elternteils zieht in aller Regel eine andere Form
der Trauer nach sich. Der Vater bleibt in solchen Familien meist
durch die Mutter präsent. Sie ist es, die das Andenken an den
Vater fördert. Dem Kind wird dadurch geholfen, die innere
Verbindung zu ihm aufrechtzuerhalten. Für die Bewältigung des
Vaterverlustes ist entscheidend, daß der gestorbene Vater dem
Kind gegenüber keine "Schuld" auf sich geladen hat, indem er
sich um sein Kind nicht kümmert. Er hat das Kind nicht
freiwillig verlassen. Nicht selten versuchen sich verlassene
Kinder mit der Phantasie zu helfen, ihr Vater sei gestorben.
Diese Vorstellung ist leichter zu ertragen, als die verletzende
Erfahrung: mein Vater will nichts von mir wissen.

*5. Was raten Sie getrennt lebenden Eltern?*

Die Eltern sollten möglichst nahe beieinander wohnen bleiben.
Der Elternteil der mit dem Kind zusammenlebt muß Raum schaffen
für elterliche Aktivitäten des außerhalb lebenden Elternteils.

Eltern, die nicht mit ihrem Kind zusammen leben, sollten sich
bewußt in den Erziehungsalltag einbringen. Es ist wichtig, daß
das Kind mit jedem Elternteil ein Stück Alltag leben kann.
Eltern-Kind-Beziehungen sind keine "Besuchs"-Beziehungen und
sollten deshalb auch nicht so gestaltet werden.

Bei ganz kleinen Kindern ist es wichtig, den zweiten Elternteil
in die tägliche Routine miteinzubeziehen, um dem Kind die
Gelegenheit zu geben, eine Beziehung zu entwickeln.


*6. Welchen Einfluß hat die Beziehung zwischen den Eltern auf*
*die Beziehung des Kindes zum außerhalb lebenden Elternteil?*


Frau Napp-Peters hat 1990 herausgefunden:

Gehen die Eltern respektvoll und wohlwollend miteinander um,

dann erleben 63 0er Kinder ihre Beziehung zum außerhalb
lebenden Elternteil als eng und herzlich

gehen sich die Eltern aus dem Weg, findet die Kommunkation über
die Kinder statt,

denn bezeichen nur noch 38 0er Kinder ihre Beziehung zum
zweiten Elternteil als liebevoll und innig.

wollen die Eltern nichts mehr voneinander wissen und lehnen
Kontakte zueinander ab,

dann beschreiben nur noch 5 0er Kinder die zweite
Elternbeziehung als befriedigend und zufriedenstellend für sie
selbst.

Und es gibt noch ein weiteres wichtiges Untersuchungsergebnis
von ihr, das die Bedeutung der Elternbeziehung für die Qualität
der Beziehung des Kindes zum außerhalb lebenden Elternteil
belegt:

In Familien, in denen der zweite Elternteil weiterhin als zur
Familie gehörend betrachtet wurde, die Eltern Informationen, die
das Kind betrafen austauschten und sich gelegentlich bei
Veranstaltungen (Schulfest, Elternabend, Freizeitaktivitäten des
Kindes) oder Familienfeiern (Kindergeburtstag, Konfirmation oder
Kommunion) sahen und der zweite Elternteil in elterliche
Entscheidungen weiterhin eingebunden war, blieben auch die
Kontakte zwischen Kind und zweitem Elternteil erhalten.

Dort wo der zweite Elternteil aus solchen Aktivitäten
ausgegrenzt war, riß in über der Hälfte der Familien der Kontakt
zwischen Kind und außerhalb lebendem Elternteil ab.

Die Bereitschaft der Eltern miteinander in Verbindung zu
bleiben, den anderen Elternteil in die elterlichen Aktivitäten
einzubeziehen, ist deshalb aus Kindersicht unverzichtbar. Häufig
ist jedoch zu hören, das sei den Eltern (oder den Müttern) nicht
zumutbar. Hier genau liegt die Nahtstelle, an der sich
entscheidet, was künftig Priorität haben soll: die Erfüllung der
Interessen der Eltern, oder die der Kinder.

*7. Was ist zu tun, wenn Eltern sich in Fragen, die die Kinder*
*betreffen, nicht einig sind? Ist es auch dann noch wichtig für*
*das Kind den Kontakt zum anderen Elternteil zu haben?*

Nicht selten verändert sich das Bild vom früheren Partner im
Laufe der Beziehung. Insbesondere wenn Partnerschaften
auseinandergehen, bleibt oft nichts oder nicht mehr viel von dem
übrig, was man einmal für diesen Menschen empfunden hat und es
gerät in Vergessenheit, was man einmal an dieser Person so sehr
geschätzt hat. In Krisensituationen neigt man dazu, die eigenen
Interessen an die erste Stelle zu setzen und vergißt darüber die
Interessen und Bedürfnisse anderer. Deshalb geraten in der
Trennungs-/Scheidungssituation die Bedürfnisse des Kindes und
die des anderen Elternteils meist aus dem Blick. Nicht selten
werden dann nicht nur die Qualitäten des anderen als Partner
oder Partnerin in Frage gestellt, sondern auch dessen Eignung
als Erzieher/Erzieherin des Kindes. Eltern übersehen dann nicht
selten, daß zwar ihre Liebe zum anderen Partner erloschen ist,
die Liebe des Kindes zum anderen Elternteil aber unverändert
fortbesteht.

Unabhängig davon, wie sich die Eltern gegenseitig als Person
einschätzen, bleibt es für das Kind wichtig, den Kontakt zu
beiden Eltern zu haben und sich die innere Verbundenheit mit der
Mutter und dem Vater zu bewahren. Das macht es notwendig, daß
die Eltern ihre Konflikte beilegen bzw. darauf achten, daß sie
ihre Paarprobleme nicht auf die Elternebene ausdehnen und sich
ein Streit ums Kind entwickelt.

Dort wo tatsächlich unterschiedliche Auffassungen um die
"richtige" Erziehung des Kindes bestehen ist es wichtig, daß die
Eltern lernen diese Unterschiedlichkeit zu akzeptieren. Kinder
können von der Erfahrung profitieren, daß es möglich ist, mit
Dingen unterschiedlich umzugehen. Auch wenn Eltern zusammenleben
gibt es meist einen nachgiebigeren und einen strengeren
Elternteil und die Eltern setzen unterschiedliche Prioritäten,
was z.B. Tischmanieren, Sauberkeitserziehung, Anhalten zur
Ordnung, gesunder Ernährung oder den Fernsehkonsum betrifft. Bei
getrennt lebenden Eltern geht es deshalb häufig darum
Vereinbarungen zu treffen, wonach der Ex-Partner bzw. die Ex-
Partnerin sich nicht in die Art der Kindererziehung oder die im
anderen Haushalt geltenden Regeln einmischt, anstatt ständig zu
kontrollieren, was der andere mit dem Kind macht. Kinder kommen
in der Regel ganz gut damit zu recht, daß im anderen Haushalt
andere Regeln gelten. Dafür sprechen Erfahrungen aus anderen
Bereichen, in denen Kinder zwei zu Hause haben. Das ist
beispielsweise der Fall, wenn Kinder Teile der Woche bei den
Großeltern, bei Pflegeeltern, im Heim oder im Internat
verbringen.

*8. Häufig ist es jedoch das Kind, das den Kontakt zum anderen*
*Elternteil ablehnt. Was dann? Sollen Eltern ihre Kinder dann*
*zum Kontakt mit dem Vater oder der Mutter zwingen.*


Der Wechsel des Kindes von einem zum anderen Elternteil kann als
Seismograph gesehen werden. Hier wird das Ausmaß der bestehende
Probleme sichtbar. Häufig ist es das Kind, das sie ausagiert,
indem es den Kontakt zum anderen Elternteil verweigert. Das
heißt aber in aller Regel nicht, daß es den anderen Elternteil
nicht mehr liebt oder tatsächlich keine Kontakte mehr will.


Insbesondere kleine Kinder müssen lernen mit der Situation
umzugehen, die Mutter verlassen zu müssen um den Vater sehen zu
können und umgekehrt. Oft genügt es dann die Übergabesituation
kindgerechter zu gestalten. Das kann bedeuten den Vater in die
Wohnung zu bitten, anstatt das Kind wie ein Paket vor der
Haustür abzustellen. Hat das Kind die Gelegenheit, mit dem Vater
erst wieder ein wenig warm zu werden und zieht sich die Mutter
langsam aus dem Geschehen zurück, dann ist es meist kein Problem
mehr, daß das Kind mit dem Vater mitgeht.


Oder die Zeitabstände sind zu lang. Dadurch wird das Kind immer
wieder der Erfahrung ausgesetzt, der andere habe es jetzt
endgültig verlassen, was dem Aufbau einer vertrauensvollen
Beziehung im Wege steht. Hier wäre die richtige Intervention die
Zeitabstände zu verkürzen, mehr Nähe herzustellen, indem der
andere Elternteil mehr in die Elternaufgaben integriert wird.

Manchmal ist das Kind aber zwischen die Fronten geraten und
lehnt deshalb den Kontakt mit dem anderen Elternteil ab. Die
meisten Kinder geraten in einen Loyalitätskonflikt, wenn die
Partnerschaft der Eltern zerbricht. Sie wissen dann nicht, ob
sie weiterhin beide Eltern lieben dürfen. Sie sind dann auf die
Unterstützung beider Eltern angewiesen. Jeder Elternteil muß dem
Kind erlauben den anderen weiterhin zu lieben und diese Liebe
offen zu zeigen. Sie müssen dem Kind vermitteln, daß es in
Ordnung ist, dem anderen Elternteil gegenüber anders zu
empfinden als er/sie selbst.

Manchmal bleibt diese Hilfe der Eltern aus oder ein Elternteil
(meist der betreuende) benutzt den Loyalitätskonflikt des Kindes
bewußt oder unbewußt dazu, den anderen Elternteil aus dem Leben
des Kindes auszugrenzen. Dann kommt es zur Entwicklung eines PA-
Syndroms beim Kind: der Aufspaltung der Eltern in einen
geliebten (guten) und einen angeblich gehassten (schlechten,
bösen) Elternteil.

Meist ist die Mutter der bevorzugte Elternteil und das Kind gibt
vor, vom Vater nichts mehr wissen zu wollen. Tatsächlich liebt
das Kind den Vater weiterhin. Es verleugnet seine Zuneigung zu
ihm, um sich dem manipulierenden Elternteil gegenüber loyal zu
zeigen. Die Ursache für das ablehnende Verhalten des Kindes
liegt nicht in der Beziehung zum abgelehnten Elternteil, sondern
in der Beziehung zum bevorzugten Elternteil.


*9. Wie funktioniert das, wie muß man sich das vorstellen?*


Bei der Entwicklung eines PA-Syndroms spielt Angst eine große
Rolle. Manchmal ist es auch Hass oder Rache, was Eltern so
handeln lässt. Die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil
soll unterbrochen werden, um die eigene Angst zu reduzieren bzw.
um das Bedürfnis nach Rache zu befriedigen oder Hassgefühle
auszuleben. Dazu wird das Kind mißbraucht. Es wird erwartet, daß
das Kind genauso empfindet und handelt, wie der manipulierende
Elternteil. Es wird nicht wahrgenommen, daß das Kind auf die
innere Verbundenheit mit dem zweiten Elternteil angewiesen ist.

Mittel, die dazu benutzt werden, sind die Unterbrechung des
Kontakts zum Vater und seine Abwertung als Person: er ist ein
Lügner, Versager, Betrüger usw. und als Erzieher: er sorgt nicht
gut für dich, versteht dich nicht, passt nicht gut auf dich auf.
Das Kind erhält die Botschaft, die Zuneigung, die du dem Vater
gegenüber empfindest, ist falsch. Er ist keine liebenswerte
Person. Der mangelnde Kontakt zwischen Vater und Kind
verhindert, daß das Kind eigene (andere) Erfahrungen mit ihm
macht. Deshalb hört das Kind mit der Zeit auf, sich auf seine
Empfindungen und Gefühle zu verlassen und lebt schließlich die
Gefühle des manipulierenden Elternteils. Das jedoch geht zu
Lasten der Autonomieentwicklung des Kindes und der Vater-Kind-
Beziehung.


*10. Woran kann man erkennen, ob die Ablehnung manipuliert ist?*

Ein untrügliches Erkennungszeichen ist, daß das ablehnende
Verhalten geringer wird, je weiter der manipulierende Elternteil
weg ist. Es kann also durchaus sein, daß das Kind den Kontakt
mit dem anderen Elternteil ablehnt, solange sich beide Eltern im
Raum befinden oder der manipulierende Elternteil vor der Tür
sitzt. Daß das Kind aber problemlos Kontakt mit dem anderen
Elternteil aufnimmt, wenn der manipulierende Elternteil weit weg
ist.

Ein weiteres Merkmal ist, daß Mimik/Gestik und Gesagtes nicht
zusammenpassen. Das Kind lächelt beispielsweise wenn es sagt,
daß es traurig sei, wenn es den Vater besuchen müsse.

Oder die Gründe für das ablehnende Verhalten beruhen auf
gehörten Ereignissen, nicht auf selbst erlebten. "Meine Mama hat
gesagt" ...

Oder die Ablehnungsgründe sind lapidar und würden unter normalen
Umständen niemals für ein solches Verhalten ausreichen. z.B. ich
muß dort immer den Tisch abräumen, ich habe dort kein eigenes
Zimmer usw.


*11.Welche Manöver werden angewandt, um den Kontaktabbruch zu*
*ereichen?*

Häufig ziehen manipulierende Eltern aus, ohne dem anderen
mitzuteilen, wo sich das Kind befindet. Oder es werden immer
neue Gründe gefunden, warum Kontakte (noch) nicht stattfinden
sollen. Häufig wird dann argumentiert, das Kind brauche Ruhe/
Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Besuche des Kindes
beim Vater sollten erst dann stattfinden, wenn das Kind in der
Lage ist, diese psychisch zu verkraften. Symptome, die das Kind
aufgrund der Trennungssituation zeigt, werden als durch den
anderen Elternteil verursacht beschrieben: "Patrick ist vor den
Besuchen bei seinem Vater immer sehr nervös. Und wenn er
zurückkommt, dann dauert es manchmal Tage, bis ich ihn wieder in
der Reihe habe. Sein Vater versteht es einfach nicht, richtig
auf ihn einzugehen. Er macht Dinge mit ihm, die den Jungen
überfordern und aufregen. Deshalb halte ich es für das Beste für
das Kind, wenn er künftig weniger Kontakt zu seinem Vater hat
oder die beiden sich vorerst nicht sehen."

Ziel ist es, die eigene Beziehung zum Kind stärken, indem die
andere geschwächt wird. Es geht darum, sich die dafür notwendige
Zeit zu verschaffen. Deshalb werden bestehende
Gerichtsentscheidungen entweder zu Lasten des anderen
Elternteils ausgelegt, oder einfach ignoriert. Es werden immer
neue Gründe gefunden, warum die Gerichtsentscheidung nicht
umgesetzt werden kann. Alle anderen Dinge
(z.B.Kindergartenbesuch, Besuch bei Freunden, Geburtstage
entfernter Verwandter oder Bekannter, selbst bestimmte
Fernsehsendungen) sind wichtiger, als die Beziehungspflege mit
dem Vater.


Meist wird sehr viel Wert darauf gelegt, daß der Wille des
Kindes beachtet wird. Manipulierender Elternteil und Kind
betonen, daß es die eigenständige und unbeeinflußte Entscheidung
des Kindes ist, den anderen Elternteil nicht zu besuchen. Dann
ist beispielsweise zu hören: "Der Junge weiß halt was er von
seinem Vater zu halten hat. Ich kann verstehen, daß er ihn nicht
besuchen will". Anstatt Verantwortung für das Zustandekommen der
zweiten Elternbeziehung zu übernehmen, versichert der
manipulierende Elternteil dem Kind seine Unterstützung bei der
Durchsetzung seines Willens: "Wenn du deinen Vater wirklich
nicht besuchen willst, kannst du auf mich zählen. Ich werde
alles tun, damit du zu deinem Recht kommst".

*12. Welche Manöver werden angewandt, um das Bild im Kind zu*
*verändern?*

-Eine sehr effektive Methode ist, das Kind einer double-bind
Situation auszusetzen. D.h. das

Kind erhält verbal die Botschaft: wenn du willst, kannst du
deinen Vater besuchen. Durch Gestik/Mimik wird ausgedrückt: wenn
du mich liebst, bleibst du. Die nonverbale Botschaft ist die
stärkere, deshalb reagieren die Kinder in der Regel auf diese.

-Wenn das Kind über tolle Erlebnisse mit dem anderen Elternteil
berichtet, dann wertet sie der manipulierende Elternteil ab,
indem er sie als trivial, unbedeutend oder gefährlich
bezeichnet.

-Die Bemühungen des abgelehnten Elternteils mit seinem Kind in
Verbindung zu bleiben, werden als "Schikane" bezeichnet. Er wird
zum "Störenfried" und "Unruhestifter". Je jünger das Kind ist,
um so wahrscheinlich ist es, daß es solche Bewertungen
übernimmt, weil es noch nicht in der Lage ist, Situationen
eigenständig einzuschätzen.

- Oder es wird behauptet, dem Vater gehe es bei seinen Versuchen
Kontakt zu halten, gar nicht ums Kind, sondern darum Macht
auszuüben. Dem Kind wird nicht vermittelt, daß der andere aus
Liebe zu ihm so handelt.

-Es werden Angstszenarien initiert, ohne realen Hintergrund.
Beispielsweise werden die Kinder instruiert, die andere
Straßenseite zu benutzen, wenn sie dem anderen Elternteil
begegnen oder vor ihm wegzulaufen oder sich zu verstecken, ihm
die Tür nicht zu öffnen. Dadurch wird dem Kind vermittelt, dein
Vater ist jemand vor dem man Angst haben muß.

-Dem anderen Elternteil wird nicht erlaubt an wichtigen
Ereignissen, die das Kind betreffen teilzunehmen, dadurch wird
nicht nur die Vater-Kind-Beziehung geschwächt, das Kind erhält
auch die Botschaft, dein Vater ist eine unerwünschte Person.

-Aus der Umgebung des Kindes wird alles verbandt, was es an den
anderen Elternteil erinnern könnte. Es gibt keine Bilder von ihm
und es wird, wenn überhaupt, nur in negativer Weise über ihn
gesprochen. Seine Geschenke dürfen nicht angenommen werden bzw.
müssen zurückgebracht werden.


*13. Was raten Sie abgelehnten Vätern?*

Ich möchte sie ermuntern, sich für den Erhalt der Beziehung zum
Kind einzusetzen. Für Kinder ist es in aller Regel besser die
Gewissheit zu haben, einen Vater zu haben der für sie kämpft,
der sich für sie einsetzt, als einen Vater zu haben, der sich
nicht kümmert, der sich ihnen gegenüber gleichgültig zeigt.

Leider wird ausgegrenzten Vätern häufig geraten, sich
zurückzuziehen, Mutter und Kind Zeit zu geben, abzuwarten, bis
das Kind von selbst den Wunsch nach Kontakt äußere. Dieser Rat
ist jedoch falsch. Die Entwicklung eines PA-Syndroms ist ein
prozesshaftes Geschehen. Je länger das Kind dem manipulativen
Verhalten ausgesetzt ist, je schwieriger wird es, das Syndrom zu
stoppen.

Der Vorwurf, Väter handeln konfliktverschärfend, wenn sie auf
Kontakte zu ihren Kindern bestehen, ist unberechtigt. Vielmehr
steht das Handeln des Vaters in Einklang mit den kindlichen
Interessen und stellt eine adäquate und notwendige Antwort auf
ausgrenzendes Verhalten dar.

Der erfolgversprechendste Weg ist familientherapeutische Hilfe
in Anspruch zu nehmen. Dazu ist die Einsicht aller
Familienmitglieder notwendig, daß dies im Interesse des Kindes
notwendig ist. Meist lehnt der manipulierende Elternteil jedoch
eine Teilnahme ab. Dann ist der abgelehnte Elternteil auf die
Hilfe des Gerichts angewiesen. Wichtig ist, daß die Gerichte zu
keiner Zeit zulassen, daß die Kontakte zwischen Kind und
abgelehntem Elternteil unterbrochen werden. Es ist die
gerichtliche Anordnung der Kontakte, was dem Kind den
notwendigen Freiraum gibt, sich für die Beziehungspflege zu
entscheiden. Das Kind muß dann sein Verhalten dem
manipulierenden Elternteil gegenüber nicht rechtfertigen. Eine
gerichtliche Umgangsanordnung und die Bereitschaft solche
Entscheidungen notfalls gegen den Willen des manipulierenden
Elternteils durchzusetzen, helfen nicht nur dem Kind. Sie
stellen einen Appell an das verlorengegangene Unrechtsbewußtsein
des manipulierenden Elternteils dar. Denn er ist sich in der
Regel nicht darüber im Klaren, was er dem Kind und dem anderen
Elternteil nimmt.

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Sep 21, 1999, 3:00:00 AM9/21/99
to
*Hallo,*
Hans Georg Hartwig äußerte sich am 20.08.99 um 21:40
in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re:Sorgerecht nach Trennung"

> Es ist doch Tatsache, Du wirst in deiner Umgebung vielleicht


> bedauert, weil Du nur eingeschränkten "Zugriff" auf deine Kinder
> hast. Deine Ex- Partnerin würde tendenziell als "Rabenmutter"
> angesehen, wenn sie nicht um ihr "Erziehungesrecht" gekämpft hätte.

> Das sind die sozialen Realitäten die wir, verändern müssen!!!!!!


> Und nicht, entschuldige langweilige Streits, um Mütter- und
> Väter-"Rechte"!!!

Du willst die "soziale Realität", dass Expartnerinnen
tendentiell als Rabenmütter angesehen werden, wenn sie nicht um
ihr alleiniges "Erziehungsrecht" kämpfen, verändern, indem Du
mit der PDS für die Wiedereinführung von Gesetzen streitest, die
dem Expartner das "Erziehungsrecht" ersteinmal pauschal nimmt???

Kein Wunder, dass Du es "langweilig" findest, wenn Väter auf das
Grundrecht bestehen, für die eigenen Kinder zu sorgen!!!

:-) :-) :-)

Hans-H.Hirschelmann

unread,
Sep 21, 1999, 3:00:00 AM9/21/99
to
Erneut vorgelegt


*Hallo,*
Hans Georg Hartwig äußerte sich am 20.08.99 um 21:40
in /CL/GRUPPEN/PDS unter dem Betreff
"Re:Sorgerecht nach Trennung"

> Als Sozialist, arbeite ich gegen diese Art von


> sozialer Frauendiskreminierung, bin tausend Meilen davon entfernt,
> z.B. betimmter Wiederentdeckungen der "Mutter" bei den Grünen zu
> folgen. Aber es wäre wirklich gemein und überhaupt nicht
> emanzipatorisch, nach dem die Frauen durch tausend soziale
> Erziehungsfaktoren in die "Identität 'Mutter'" gezwungen worden,
> nun nach einer Trennung zu erklären: jetzt hat dein Ex-Partner das
> gleiche "Recht". Das wäre die Vorsetzung von männlicher
> Vorherrschaft!

Leider hast Du auf meinen Entgegnungen nicht geantwortet.
Versuchen wir`s schrittweise.

1.) Wie kommst Du darauf, dass die Grünen "die Mütter
wiederentdecken"?

2.) Was willst Du "als Sozialist" unternehmen, damit sich mehr
Väter für die Kindererziehung zuständig fühlen?

3.) Meist Du, dass die (von der PDS geforderte) Widereinführung
des automatischen Entzugs der Elternrechte für ein Elternteil
(in der Regel des Vaters) nach einer Scheidung dazu geeignet
ist, Vater-Kind-Beziehungen zu fördern?

Mit freundlichem Gruß

Hans-Hermann Hirschelmann

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