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Rede gegen Umgangsboykott

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Hans-H.Hirschelmann

unread,
Dec 12, 1997, 3:00:00 AM12/12/97
to

*Hallo,*
am 12.12. versuchten Elternteile, die nach der Trennung vom
Partner ihre Kinder nicht mehr (regelmäßig) sehen dürfen, den
Richter(innen) Weihnachtspakete zu übergeben, die sie ihren
Kindern aufgrund von Gerichtsentscheidungen oder auch wegen
Untätigkeit der Gerichte gegen Umgangsboykott nicht selbst an
ihre Kinder übergegben können.

Der im Folgenden widergegebene Redetext vor dem Berliner
Familiengericht Tempelhof-Berlin ist der Webpage http.//
www.pappa.com.de entnommen.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Hermann Hirschelmann


oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo


Bündnis für Kinder
und Menschenrechte


----------------------------------------------------------------


*Sch ... öne Bescherung !*
Papa - wo bist Du? Mama - wo bist Du ?
Schluß mit dem Umgangsboykott !

- Redetext vor dem Berliner Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg
am 12.12.97 -

*Warum sind wir hier ?*

Wir stehen hier, weil wir nicht mehr anders können ... Wie wir
stehen vor 22 anderen Familiengerichten im gesamten Bundesgebiet
circa. 1.000 Eltern, die erlebt haben oder gerade erleben oder
befürchten müssen zu erleben, was Umgangsboykott ist: eine
Vergewaltigung an unseren Kindern. Die Kinder fragen: "Wo ist
Papa?" oder "Wo ist Mama?" oder "Wo sind meine Eltern?" Und wir
fragen: "Wo sind unsere Kinder?"

Wir bringen den Familienrichtern die Weihnachtsgeschenke für
unsere Kinder, weil

sie es sind, die den Umgangsboykott beschlossen haben oder ihn
stillschweigend akzeptieren.

Sie sind es, die viel zu oft die Hände in den Schoß legen,

sie sind es, die sich in der Mehzahl für ein neues
Kindschaftsrecht nicht interessieren,

sie sind es, die den Kindern die Eltern nehmen!

Hier in Berlin haben wir vorab nachgefragt, ob man bereit ist,
die Weihnachtsgeschenke anzunehmen - negativ. Ob man bereit ist,
sich mit uns zu unterhalten - negativ. Ob man bereit ist,
Informationen anzunehmen, die unsere Situation, unser Gedanken,
unsere Ängste erläutern - negativ. Wir haben hier in Berlin
insgesamt über 30 Tage gestanden, Hungerstreiks von aktuell
Betroffenen und Mahnwachen abgehalten. Nicht ein Familienrichter
hat nachgefragt, worum es uns geht, was unser Herzensanliegen
ist ...

Und jetzt stehen wir wieder hier - weil wir nicht mehr anders
können ...


*Ein paar Zahlen,*

entnommen dem Regierungsentwurf zur "Reform" des
Kindschaftsrechts:

150.000 Kinder sind jährlich von der Scheidung ihrer Eltern
betroffen

Über 40 Prozent der nichtehelichen Kinder kennen ihren Vater
nicht.

Ein Jahr nach Scheidung sehen über 50 Prozent der Kinder den
"entsorgten" Elternteil nicht mehr - es fehlen die Zahlen über
die Entwicklung nach 2, 3 oder mehr Jahren und es fehlen vor
allem die Zahlen: WARUM ist das so?

Zusätzlich kommen hinzu die Eltern, die durch die Intervention
des Jugendamtes nicht mehr Eltern sein sollen - damit die
Kinderheime gefüllt werden und die Sozialarbeiter ihren
Arbeitsplatz behalten.

Nehmen wir diese Zahlen zusammen, dann gibt es Jahr für Jahr in
dieser unerbittlichen Maschinerie ungefähr 200.000 Kinder, die
"Lebewohl" sagen müssen zu einem Elternteil oder zu beiden ... -
mit welcher Konsequenz?


*Bis auf eine Studie gibt es in Deutschland keine Zahlen* -
*erneut fragen wir WARUM?*

Napp-Peters kommt in ihrer Langzeitstudie zu dem Ergebnis:

"In einer abschließenden Stichprobe von 54 Kindern, die
besonders unter der Ausgrenzung litten, zeigte sich: "Nur 25
Prozent der Kinder ist es gelungen, ihre scheidungsbedingten
Schwierigkeiten zu überwinden und sich zu lebenstüchtigen
Erwachsenen zu entwickeln. 75 Prozent haben dagegen nach wie vor
große Probleme, den Alltag zu bewältigen und längerfristige
Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. Knapp die Hälfte hat
Probleme mit Alkohol und Drogen, einige haben wegen
Beschaffungskriminalität bereits vor dem Richter gestanden."
(Anneke Napp-Peters, Familien nach der Scheidung, 1995)

Ergänzen wollen wir das um die Zahlen aus den USA:

Kinder von "Alleinerziehenden" sind:

5 mal mehr gefährdet, Selbstmord zu begehen
32 mal mehr gefährdet, von zu Hause wegzulaufen
14 mal mehr gefährdet, Vergewaltigungen zu begehen
9 mal mehr gefährdet, frühzeitig aus der Schule auszusteigen
10 mal mehr gefährdet, Drogen zu nehmen
9 mal mehr gefährdet, in einer Erziehunsganstalt zu landen
20 mal mehr gefährdet, sich im Gefängnis wiederzufinden
33 mal mehr gefährdet, ernstlich körperlich mißhandelt zu werden
73 mal mehr gefährdet, Opfer tödlichen Mißbrauchs zu sein

Mit einem Satz: Unsere Kinder gehen vor die Hunde ...

*Warum stehen wir hier ? Wir können nicht mehr anders ...*

Allenthalben werden beklagt: wachsender Drogenkonsum, Gewalt in
der Schule, Rechtsradikalismus der Jugendlichen, und und und ...
aber bei der Ursachenforschung bleibt ein Aspekt immer und immer
wieder unberücksichtigt: Der Verlust des Familienverbundes ! Der
Verlust der Identität der Kinder ! "Als wäre es ein Stück von
mir ..."


*Welche Antworten erhalten wir auf tausendfache Nachfragen, auf*
*tausendfache Hilferufe?*

Die sogenannten "Familienpoltiker" in Bonn schicken nur
Standardschreiben.

Die Kinderkommission schweigt vollständig seit Anfang diesen
Jahres.
Der Bundesrat kann sich inhaltlich nicht einlassen.
Der Deutsche Familiengerichtstag - zentrales Forum für das
Familienrecht - legt Wert darauf, die Vertreter der "entsorgten"
Elternteile zu seine Veranstaltungen nicht zuzulassen.
Die Presse hat - mit wenigen Ausnahmen - nur eine Antwort parat:
"Verpiß Dich!" (gemeint sind die Väter, TIP 11/97) oder "Polemik
im Herrenmagazin" laut TAZ oder "Vergeßt die Männer!" STERN
Die Richter nehmen uns - bis auf verschwindend geringe Ausnahmen
- ebenfalls nicht wahr: Der Deutsche Richterbund bietet zum
neuen Kindschaftsrecht im Jahr 1998 exakt NULL Seminare/
Fortbidlungsveranstaltungen an.
Das "neue" Kindschaftsrecht ist aus vielen Gründen
verfassungswidrig - unsere europäischen Nachbarn wundern sich
seit langem über den nationalistisch-deutschen Weg, den man hier
- von der Öffentlichkeit unbemerkt - eingeschlagen hat. Wir
fordern hingegen den "Euro im Familienrecht" - im europäischen
Durchschnitt weit über 50 % gemeinsame Sorge nach Trennung /
Scheidung, in Deutschland gerade mal 10 % (wenn man die
nichtehelichen Kinder mitrechnet).
Wir haben Bonn seit Jahren bombadiert mit Einzelschicksalen, mit
juristischen Würdigungen, mit Bitten, Petitionen und Anfragen:
Es kamen nur Standarschreiben zurück ... Legal, illegal,
scheißegal, scheint dort das neue Motto zu sein! Man steckt den
Kopf in den Sand, wie in vielen anderen Bereichen auch ...

*Warum stehen wir hier?*

Wir können nicht anders ... ! Wir haben keine Lobby - und unsere
Kinder erst recht nicht ...

Heute sind wir hier, um die Familienrichter, als die zentralen
Entscheider, in allen Einzelfällen darauf hinzuweisen:

Wir sind Eltern, wir wollen es auch bleiben!
Wir wissen: Unsere Kinder brauchen uns, bitte helft, als
Minimum, den Kontakt zu erhalten! Hört nicht auf die
Jugendämter, die jeglichen Kontakt unterbinden wollen ...
Es stimmt nicht, wenn allenthalben behauptet wird: "Väter sind
Täter!" (u.a. Familie&Co 10/97), oder daß unsere Kinder uns egal
sind, weil wir keinen Unterhalt zahlen ("Nolte jagt säumige
Zahlväter").

Wir können unser Schicksal und das unserer Kinder nicht trennen
- laßt uns und unsere Kinder die Achtung voreinander bewahren.
Konkret wollen wir:

Ächtung des Umgangsboykotts - unser Kinder sollen uns erleben
dürfen. Und sei auch der "Sorgeberechtigte" oder das Jugendamt
dagegen. Bisher wird der Umgangsboykott mit der Zuteilung des
alleinigen Umgangsrechts "belohnt" - das widerspricht jeglichen
menschlichen Ordnungsregeln.

Bei den nichtehelichen Kindern endlich, endlich die
Gleichstellung mit den ehelichen: Nur das oft mißbrauchte
"Kindeswohl" kann der alleinige Entscheidungsgrund für die
Ablehnung für die Verweigerung der "gemeinsamen Sorge" sein -
und nicht das Veto der Mutter. So fordert es u.a. der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.
Grund für die Verweigerung der gemeinsamen Sorge darf nicht
weiter die mangelnde Kooperationsfähigkeit des Elternteils sein,
der die "Sorgemacht" inne hat.

Fortbildung für Anwälte, Jugendamtsmitarbeiter/innen, Richter/
innen über die Frage "Was bringt die gemeinsame Sorge nach
Trennung und Scheidung?"

Fortbildung der o.g. zu den Inhalten der UN-
Kinderrechtskonvention, der Europäischen
Menschenrechtskonvention, des Kinder- und Jugendhilfegesetzes,
des Grundgesetzes - insbesondere zu Artikel 6 - und der
Kindschaftsrechtsreform.

Dialog mit den Betroffenenverbänden statt schlichter
Verweigerung.

Wir werden keine Ruhe mehr geben ... Denn wir wollen nicht, daß
unsere Kinder zum frei mißbrauchbaren Spielball von finanziellen
Interessen der beteiligten Stellen werden.

Unsere Kinder haben unsere Sorge - und sie verlieren sie
niemals.


*Wir kämpfen weiter*

gegen die Ignoranz der Politik

gegen die primär finanziellen Interessen der Anwaltschaft, die
am Streit verdient

gegen die Stellensicherung der Jugendämter, die die Interessen
unserer Kinder nicht kennen - und auch nicht kennen wollen

gegen die Ignoranz der deutschen Familienrichter

gegen die Abhängigkeit der Gutachter, die ihre Arbeiten so
schreiben, daß der Auftraggeber Richter das bekommt, was er will

gegen die neofeministische Haltung, die nur ein Leitbild hat:
"Nur ein toter Vater ist ein guter Vater"


Wir werden alle nationalen und internationalen Gremien mit
unserem Anliegen bemühen: Vom Familiengericht bis zur
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Unseren Kindern eine Zukunft! Laßt uns endlich das sein, was wir
unwiderruflich sind: Eltern.

Kinder und Eltern müssen die Möglichkeit haben, die Liebe des
Anderen auch nach der Trennung zu erfahren.

Wir stehen hier, weil wir nicht mehr anders können. - Helfen Sie
uns! - Danke!

Wir gehen jetzt zum Pförtner des Familiengerichts, um ihm den
SPIEGEL 47/97 und eine Auswahl von Texten von Trennungskindern
für jeden Familienrichter zu überreichen. Wir sind gespannt, ob
man uns erneut abweisen wird ...


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