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Applaus!!! - ein text von t.vogler

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Karl Dietz

unread,
Feb 5, 2000, 3:00:00 AM2/5/00
to
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## Ersteller: di...@koma.free.de (Karl Dietz)
## Betreff: Applaus!!! - ein text von t.vogler
## Erstellt: 01.01.99
## Quelle: /cl/medien/text
## Es folgt der Text der weitergeleiteten Nachricht ----------------

## Nachricht vom 13.06.98 weitergeleitet
## Ursprung : /CL/MEDIEN/TEXT
## Ersteller: K.D...@LINK-CR.bawue.cl.sub.de
## Betreff: Applaus!!! - ein text von t.vogler
## Message-ID: 6vnfD...@term-6.link-cr.bawue.cl.sub.de


## Nachricht vom 25.10.96 weitergeleitet
## Ursprung : /CL/MEDIEN/VERNETZUNG
## Ersteller: K.D...@LINK-CR.bawue.cl.sub.de
## Betreff: Applaus!!! - ein text von t.vogler
## Message-ID: 6JZMY...@term-6.link-cr.bawue.cl.sub.de


hallo cl-netz,

es ist jetzt schon mehr als drei jahre her, dass t.vogler den
nachfolgenden text in dieses brett gepostet hat.

ich wollte ihn gerne mal wieder aktuell im cl-netz sehen.
da der text spreadware ist, hoffe ich keine (C)-probLeme zu bekommen.

viele gruesse
karl

p.s.
gibt es dich eigentlich noch: t.vogler?


## Nachricht vom 03.05.93 weitergeleitet
## Ursprung : /CL/MEDIEN/VERNETZUNG
## Ersteller: T.Vo...@CBRA.ZER.sub.org

Nachricht aus : /Z-NETZ/FORUM/NETZWESEN
Originalbetreff : Applaus!!!
Absender : T.Vogler aus CBRA
Erstellt am : Montag, den 03.05.93 um 14:41
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
O.O
:::::/-\чччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччччч
Diese Publikation ist *SPREADWARE*! Verbreitung ungekuerzt erwuenscht!
Der Autor freut sich ueber kleine Aufmerksamkeiten zum Geburtstag (s.u)
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
(з) 1993 by TV1
________________________
> * Oefter mal was Nettes * <
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

von Kommunikationsproblemen
durch das Fehlen nonverbaler Verstaendigungsebenen
und Loesungswegen
__________________________________
Applaudieren kann man auch im Netz
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

In Ermangelung einer Applaus-Taste habe ich mir erlaubt,
meinen XPoint mit zwei Makros auszustatten, die einen Netz-
werk-Applaus fuer besonders gelungene Beitraege ohne viel
Handarbeit ermoeglichen. <Ctrl-A> aktiviert auf meinem Point sowohl im
Lister als auch in der Nachrichtenuebersicht diesen Applaus,
bestehend aus einem Smiley an den Absender der betreffenden
Nachricht. Er erhaelt dann eine Mail mit dem Be-
treff "APPLAUS! (re: ....)"

Voraussetzung ist eine aus einem einzigen Smiley ":)" beste-
hende Datei namens APPLAUS! sowie zwei Makros, der eine fuer die
Nachrichtenuebersicht, der andere fuer den Lister:
Nachrichtenfenster : ^Fc:\xpoint\applaus!^M^M
Lister : <BkSpace><Ctrl-A>
___________________
Warum Applaudieren?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Das Netz als Kommunikationsmedium hat einen gewissen Nach-
teil. Erfahrene User wissen das. Es mangelt an der Komponen-
te *Konfliktminderung*, sonst unbedingter Bestandteil jeder
interpersonalen Kommunikation. Im direkten Gespraech gibt's Tonfall,
Brauenrunzeln, zustimmend Nicken und andere nonver-
bale Methoden des *Feedbacks*. Diese Mittel dienen u.a.
dazu, dass man auch mal etwas *nicht allzu woertlich nimmt*, oder auch
*Worte nicht auf die Goldwaage legt*. Der Spre-
chende wiederum hat ebenfalls ein Repertoire nonverbaler Er-
gaenzung des Gesprochenen, mit dessen Hilfe er Aussagen rela-
tivieren kann.

Als Distributionsmedium weist das multidirektionale Massen-
medium *Netz* eine auf den ersten Blick merkwuerdige Eigenart auf,
die bei naeherem Hinsehen identisch ist mit dem in der Presse
bekannten Problem des 'notorischen Leserbriefschrei-
bers'. Es ist naemlich so, dass Leserbriefe in der Regel zu
einem unverhaeltnismaessig hohen Anteil von Noerglern verfasst werden,
der arme Schreiber aber so gut wie nie positives Feedback bekommt.
Etliche Journalisten, einst humorvolle und engagierte Optimisten,
verwandeln sich so im Lauf der Jahre zu griesgraemigen Zynikern.

Auf dem Netz ergeben sich daraus folgende Effekte, die sich nur
allzuoft zu sozialen Konflikten aufstauen, wenn man nicht im
sprichwoertlichen Sinne *druebersteht*:
- je besser ein Text ist, umso weniger Echo gibt es!

Wer das weiss, nimmt schmunzelnd zur Kenntnis, dass sein
Text die Netzkollegen erst mal *sprachlos* gemacht hat. Wer es
nicht weiss, kann daran verzweifeln, dass doch offen-
bar niemand seine Arbeit zur Kenntnis nimmt. Er interpre-
tiert das tatsaechliche *Erfolgsereignis* als *Misserfolg*,
denn das moeglicherweise zustimmende Kopfnicken seiner
sprachlosen Kollegen nimmt er ja nicht wahr.

- je besser ein Text ist, desto spaeter kommt - wenn ueber-
haupt - ein Echo.

Eine Erfahrung, die sich mehrfach als richtig erwiesen hat
und von einem gewissen Kommunikationstheoretiker am Staf-
felsee in beiden Richtungen ausprobiert wurde. Sein *Re-
kord* ist eine Dauer von einer Woche bis zum Eintreffen
der ersten zaghaften PM bzw. von nicht einmal 24 Stunden bis zum
Eintreffen heftigsten Widerspruchs.
- Je bloeder und Widerspruch herausfordernder ein Beitrag
ist, desto schneller und zahlreicher wird reagiert.
Dieser Umstand ist haeufig Grund fuer diverse Fehlinterpre-
tationen, die zu *Fehlverhalten* fuehren. So meint mancher,
Widerspruch herausfordern zu *muessen*, um ueberhaupt *wahr-
genommen* zu werden. In gewissem Sinne stimmt das sogar,
und zwar wegen des *Gaffer-Effekts*. Gewalt und Sex erhoe-
hen die Einschaltquoten - nicht nur im Fernsehen. Netz-
werkpruegeleien - leider ist es nur allzu menschlich - ha-
ben dieselbe Wirkung. In einer *Netz-Hitparade* wuerden sie
unangefochten die ersten Plaetze besetzen. Da hilft kein noch so
moralischer Anspruch: es ist einfach *menschlich*. Aber man muss ja
nicht unbedingt darauf *hereinfallen* :)
___________________________ Das
Publikum auf den Raengen ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Man spricht von einem Verhaeltnis 1 : 10 (aktive User zu Nur-
Lesern). In Ungefaehr gilt das ueberall: fuer eine einzelne
Mailbox, fuer ein Netz, aber auch fuer ein einzelnes Brett (Forum).
Der Grossteil der User ist *unsichtbar*. Diese *Unsichtbaren*
bilden aber ein grosses Widerspruchspotential, was - jeder kann es
beobachten, wenn's auf dem Netz hoch hergeht und die verbalen
Boxhandschuhe ausgepackt werden - bisweilen aeusserst merkwuerdige
Blueten spriessen laesst.
So entsteht beim Schreiber (Kommunikator) nur allzu leicht der
Eindruck der *Undankbarkeit* auf Leserseite (Rezipien-
ten). Man gibt sich Muehe, Gutes wird scheinbar nicht *wahr-
genommen*, weniger Gelungenes erzeugt schnell bombastischen
Widerspruch, weil ja jeder Rezipient schlagartig die Rolle hin zum
Kommunikator wechseln kann. Es beginnt ein Kreislauf von Mit-
Streitern, wobei auf eine *Aktion* (also eine origi-
naere Meldung bzw. Meinungsdarstellung) immer erstmal eine
*Reaktion* folgt, der Originalautor sich rechtfertigen will und *re-
reagiert* und so weiter und so fort. Es entstehen Parteiungen, und
je unueberbrueckbarer die Gegensaetze, umso persoenlicher wird
letztlich die Debatte und umso haeufiger und heftiger werden die
*Schlaege unter die Guertellinie*.
Andererseits erzeugt ein Star-Streiter, der mit dem Schwerte des
Wortes trefflich umzugehen weiss, auf der Seite, fuer die er Partei
ergreift, erstmal Ruhe. Denn was einer besser kann, das ueberlassen
ihm die anderen auch. Das Publikum *auf den Raengen*, die
*Unsichtbaren* erwecken bei Nicht-Einge-
weihten so leicht den Eindruck, hier stritte einer gegen alle
anderen. Ein Fehler ist es aber, anzunehmen, er waere tatsaechlich
*all-ein*.

___________________________
Beifallhunger und Saettigung
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Der Mensch als soziales Wesen ist beifallhungrig - der eine
mehr, der andere weniger. Das ist ganz normal und gehoert zum sozialen
und kommunikativen Repertoire der Spezies Mensch. Man strebt nach
*Belohnung* und will sich auch *belohnt* se-
hen fuer etwas, das es einem wert erscheint, will den Anteil
(Beifall), den man *verdient* zu haben glaubt. Jeder Hunger verlangt
nach *Stillung*. Die permanente Nicht-Stillung die-
ses Kommunikations-Hungers hat teils schwerwiegende psychi-
sche Konsequenzen. Man stelle sich einen Schauspieler vor, der
jahrelang seine Texte gelernt und seine Gesten einstu-
diert hat, endlich auftritt - und das Publikum gaehnt. In der
Regel geht ein solcher Schauspieler anschliessend in die Bar und
kippt sich kraeftig was hinter die Binde, um nicht an Gott und der
Welt zu verzweifeln.

Unsichtbares Publikum verhaelt sich immer anders. Der Hungri-
ge *stellt es sich vor*. Und in der Regel ist das Publikum in
dieser Vorstellung gemein, weil es gaehnt. Nun, das tut es aber gar
nicht. Oft genug wird als Folge eines Beitrags vor einem anderen
Monitor gelacht, applaudiert und geworben: "He, schaut mal her! Den
muesst ihr lesen, der ist gut!" Bloss, man hoert's nicht, weswegen auch
dieser hoechst kommunikative und applaudierende Zuschauer *gaehnt*.
So koennen verschiedene *irrige Annahmen* entstehen, und fa-
talerweise sind es gerade die Engagiertesten, denen die
groesste Gefahr fuer die Psyche erwaechst. Das permanente, teils ueber
Jahre sich erstreckende *sich alleingelassen* fuehlen erzeugt Frust.
Frust erzeugt Verstockung. Je verstockter ei-
ner wird, desto hemmungsloser wird er in der Wahl der Mit-
tel. Seine Hemmungslosigkeit wiederum stellt dann die Recht-
fertigung fuer seinen *Gegenspieler* dar, ebenfalls hemmungs-
loser zu werden. Zwangslaeufige Folge: Zuspitzung bis an die
Grenzen des psychisch Ertraeglichen.
__________________________ Vom
Wert der Kurzbotschaft ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Beifall ist Kommunikation. Es ist eine Kurzbotschaft mit viel
Inhalt - ebenso uebrigens wie das *Buh-Rufen* als Gegen-
stueck, das allerdings als unzivilisiert gilt; Ignorieren hat
allemal mehr Stil. Beifall und Applaus kommen uebrigens ur-
spruenglich nicht aus der Ecke der Kunst, sondern aus der Po-
litik. Redebeitraege wurden im roemischen Senat - und nicht nur
dort, vermutlich ebenso auf germanischen Stammesversamm-
lungen - beklatscht. Dieses *Beklatschen* des Redners war
sozusagen die Kurzform einer vorgezogenen Abstimmung, die das
etwas umstaendliche Verfahren einer organisierten Ab-
stimmung fallweise ueberfluessig machte.
Applaus ist auch eine Kurzform der Gratulation, der *Ehrer-
bietung*. Und ebenso, wie diese *Kurzbotschaft* in der Poli-
tik umstaendliche und ueberfluessige Abstimmungen wegen vorab
feststellbarer Eindeutigkeit des zu erwartenden Ergebnisses
vermeidet, waere es auch etwas umstaendlich - um auf das Bild des
Schauspielers zurueckzukommen - wenn das Publikum sich in Reihe
anstellt und ihm zu seiner Leistung gratuliert. Der Aermste kaeme ja
aus dem Haendeschuetteln nicht mehr heraus.

Der Applaus wird ihn anspornen, seinem Publikum beim naech-
sten Mal eine ebensogute, wenn nicht noch bessere Vorstel-
lung zu bieten. Vielleicht geht er anschliessend trotzdem in die
Bar und kippt sich kraeftig einen hinter die Binde, dies-
mal aber, um seinen ueberwaeltigenden *Erfolg* zu begiessen.
__________________________________ Die
Notwendigkeit des Kurz-Signals
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Das Publikum wird durch die Moeglichkeit des Applauses, der
nichts anderes darstellt als einen gemeinsamen und von allen
verstandenen und von jedem beherrschbaren Code, ebenfalls von
Umstaendlichkeit befreit. Es muessen naemlich keine *Worte gefunden*
werden, um seinen Beifall oder seine Zustimmung zu artikulieren. Das
kann nun mal der eine besser und der ande-
re weniger gut. Haendeklatschen hat viele Nuancen, von *hoef-
lich* bis *begeistert*, und als Superlativ gibt es da noch die
*standing ovations* - der *Himmel auf Erden* fuer jeden
Protagonisten.

Auf den Netzen, dieser *virtuellen Welt*, wird es nie einen
derartigen Nuancenreichtum geben. *Kurzbotschaften* dieser Art,
mit der der einzelne - ohne muehevoll in die Tasten greifen zu
muessen - seine Zustimmung artikulieren kann, sollte es aber
geben. Nun, meinen Point habe ich darauf dressiert. Besser waere es,
die Programmierer von Point- oder Mailboxsoftware wuerden dies gleich
in der Software berueck-
sichtigen. Diejenigen Netze, die dieserart technisch ge-
stuetzt die beschriebene Grundanforderung jeder interperso-
nalen Kommunikation ermoeglichen, werden sozialvertraeglicher sein
als die anderen, eine *bessere Vorstellung* bieten und einen besseren
Eindruck machen.

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Autor : Thomas Vogler BLZ : 70010080
GebTag: 30. Mai (Pfingstsonntag) Kto.: 0536930806
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