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FI 24/99 Die Zeil

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Olaf Argens

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Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
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## Nachricht vom 05.12.99 weitergeleitet
## Ursprung : /FRANKFURTER_INFO/ALLGEMEIN
## Ersteller: LF...@LINK-F.frankfurt.org

<Stadtentwicklung>
*Überdacht, überwacht, geflutet?!*

Frankfurt/Main. Die Zeil ist im Gerede: heimgesucht von
Räubern, Fahrradrambos und Kleinhändlern sei sie; düster, da
zu stark bewaldet. Optisch unattraktiv, ihr Konsumklima nä-
here sich einer Katastrophe. So die, insbesondere in der
FAZ, veröffentlichte Meinung.

Die Politik im Vorwahlkampf wittert eine
Profilierungschance. Wentz lobt zur Gestaltung von Zeil und
Konsti einen Ideenwettbewerb aus. Vandreike hat schon eine.
Die an die metallenen Baumschützer geketteten Fahrräder
sehen aus "wie Sau", tönte er bei einer Zeilbegehung. Ein
zentraler Fahrradparkplatz müsse her, die an den Bäumen dann
rigoros zu entfernen. Frau Roth übertrumpft haushoch den
Radlerschreck und hat gar eine "Vision": Überdacht werden
soll die Zeil und eine unterirdische Flaniermeile erhalten,
das müsse einmal durchgerechnet werden. Die damit weitere
Privatisierung öffentlichen Raums und seine Unterstellung
unter die Herrschaft von Kaufhaus-Sheriffs nimmt sie dabei
positiv billigend in Kauf. Alkis, Bettler,
Flugblattverteiler, Musikanten, Infostände ade!

In die gleiche Kerbe haut schon mal Weiss-Bollandt, nach des
Herrenreiters Abgang unser neuer Oberbulle. Er will die
ganze Zeil videoüberwachen. Die Leipziger fänden sowas
bereits gut (was zunächst einmal nur beweist, dass die
Heldenstädter offenbar doch nicht so stasigeschädigt waren
oder sind.)

Die Redaktion beschloss nach heftiger Debatte, sich an dem
Ideenwettbewerb zu beteiligen. Wir schlagen vor, die Zeil
aufzubuddeln, mittels eines Mainseitenkanals zu fluten und
die Konsumentenanbindung per Gondeln und Vaporettos zu
sichern. Die, wie wir meinen, unbestreitbaren Vorteile: Das
Fahrradproblem wäre endgültig gelöst, die gemeinhin des
Schwimmens unkundigen, wüstenherkommenden Dealer könnten ihr
Gewerbe nicht mehr pflegen und der Erzeugermarkt könnte
seine Angebotspalette um Wassergemüse und Zeilforellen
bereichern.

Schließlich und vor Allem aber: das ramponierte
Bankfurt-Image wäre ein für alle Male passé. "Venedig am
Main" statt Mainhattan. Oder, noch besser neudeutsch:
äFrankfurt, Venice of the Euroô. -ll-

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