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FI 23/99 Strommarkt

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Olaf Argens

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Nov 22, 1999, 3:00:00 AM11/22/99
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## Nachricht vom 22.11.99 weitergeleitet
## Ursprung : /FRANKFURTER_INFO/ALLGEMEIN
## Ersteller: LF...@LINK-F.frankfurt.org

*Der neue Strommarkt ist da*

Frankfurt/Main. Als Grundlage für die Diskussion um die "Liberalisierung"
des Energiemarkts fanden wir den Artikel von Helmut Jungmann
von den NaturFreunden Rüsselsheim in den Mitteilungen
Hessischer NaturFreunde 6/99 gut geeignet und haben ihn mit
einigen geringfügigen Kürzungen hier abgedruckt.
udi

Wer liefert den Strom?

Bisher lieferten lokale und regionale Versorger den Strom,
der in konventionellen Kraftwerken, AKWs und zum kleinen
Teil regenerativ erzeugt wurde. Über 900 Stadtwerke in der
BRD finanzieren mit Gewinnen aus dem Stromverkauf den
weltweit höchsten Netzqualitätsstandard, Energieberatung,
Blockheizkraftwerke, öffentlichen Nahverkehr, Schwimmbäder
oder Fernwärme usw. Die dem Gemeinwohl unterworfenen
Monopole hatten aber schon seit langem kapitalistisch
agierende Konkurrenz (RWE usw.), gegen die aber ein
Gebietsschutz gesetzlich verankert war. Nach der "Liberali-
sierung" kann jetzt jeder Kunde den Strom kaufen wo er will
- und jeder europäische Lieferant (Versorger, Händler,
Broker oder wer auch immer) kann jeden Kunden aus beliebiger
Quelle beliefern. Die bisherigen Netzeigentümer werden
gezwungen, ihre Leitungen jedem gegen gleiches Durchlei-
tungsentgelt zur Verfügung zu stellen.

Gewinner und Verlierer

Noch existieren alle klassischen deutschen Versorger. Die
gesetzliche Situation wird aber gerade die in öffentlicher
Hand befindlichen Versorger (Stadtwerke) zur Aufgabe der
Querverbundfinanzierung zwingen, brutale Sparmaßnahmen (auf
Kosten der Leistungen für die Kunden und auf Kosten der
Mitarbeiter) auslösen, einen reinen preisfixierten Wettlauf
erzeugen und nach verlorenem Rennen 3 - 5 Giga(watt)-
Konzerne europaweit übriglassen. Diesem kapitalistischen
Konzentrationsprozess werden nach aktuellen Schätzungen in
der Bundesrepublik ca. 40.000 Arbeitsplätze im ersten Anlauf
zum Opfer fallen.

Ökostrom war schon immer teuer. Klar, weil die staatlichen
Subventionen in den Atommeilern verglühten und Alternativen
nur mit Krümeln vom Tisch der Atomlobby gespeist wurden. Der
derzeitige ruinöse Preiskampf läßt die Alternativenergien
alt aussehen. Durch extrem hohe spezifische Investitions-
kosten und drastisch sinkende Einspeisungsvergütungen, die
sich am "Normalpreis"-Niveau orientieren, geht die ganze
Rentabilität von Blockheizkraftwerken, Windkraft-,
Photovotaikanlagen usw. flöten. Dafür können jetzt die
Betreiber ihren Stom zu jedem zahlungsbereiten Kunden
liefern.

Ist Strom gleich Strom?

Strom kommt aus der Steckdose, egal ob er grün, gelb, blau
oder rot ist. Das internationale Höchstspannungs-Verbundnetz
überzieht die Bundesrepublik und transportiert den Strom in
der Sekunde des Entstehens überall hin (oder her). Die
lokalen Verteilungsnetze hängen immer an diesem "Ozean". Der
ökologisch erzeugte und eingespeiste Strom (z.B. aus dem
Westerwälder Windpark) wird somit nicht physikalisch nach
Frankfurt zu einem NaturFreundeHaus transportiert, sondern
dort wird beliebiger Strom aus dem Netz genommen.

Nur: Je mehr Ökostrom eingespeist und bezahlt wird, desto
weniger Atomstrom findet Kunden (Modell "Vielleicht werden
Träume wahr"). Leider wird derzeit massiv Kraftwärme-
koppelungsstrom und sonstiger konventionell lokal erzeugter
Strom durch die Zuläufe von Atomstrom aus dem Ausland
(Frankreich, Tschechien, Rußland) verdrängt.

Exkurs "Wirtschaftshilfe": Mit deutscher (Steuermittel-)
Unterstützung baut die Ukraine neue AKWs, verkauft den Strom
billigst nach Deutschland, vernichtet Arbeitsplätze in
Deutschland und braucht für den Eigenbedarf dann neue AKWs
...

Viele Versorger bieten teueren "Naturstrom" (ca. 8 Pf/kWh
Aufpreis) an, indem sie sich verpflichten, die Mehreinnahmen
an Bauherren von Alternativ-Anlagen weiterzuleiten, die
dafür dann entsprechende Strommengen ins öffentliche Netz
einspeisen. Der bisherige Erfolg solcher "grüner" Modelle
ist aber bescheiden ...

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