Zwei Tage lang diskutierten und beschlossen 130
Mitglieder der Sozialistischen Deutschen
Arbeiterjugend (SDAJ) am vergangenen Wochenende in
Gladbeck die Politik des Verbandes. Der 15.
Bundeskongress des Jugendverbandes hatte sich eine
Menge vorgenommen, nicht alles konnte bearbeitet
werden.
Im Mittelpunkt des Kongresses "rot, frech, radikal -
die Zukunft muss sozialistisch sein" stand das
"Zukunftspapier" der SDAJ. Über 180 Änderungsanträge
zeigten, dass sich die Mitglieder, Gruppen und
Landesverbände intensiv mit den formulierten
Grundrechten der Jugend, den Sofortforderungen, den
Vorstellungen vom Sozialismus und den Überlegungen
für den Weg dorthin, beschäftigt hatten.
Schlagkraft erhöhen
Doch zunächst gab es eine breite Diskussion des
Referats des Bundesvorstandes. Viele Aktive aus
Gruppen, Landesverbänden und bundesweiten
Arbeitsgruppen zogen Bilanz aus der Arbeit der
letzten zwei Jahre. Der insgesamt positiven
Einschätzung einer quantitativen und qualitativen
Stärkung der SDAJ durch den alten Bundesvorstand -
nicht ohne Schwächen und Fehler zu benennen -
widersprach ein Antrag aus Karlsruhe. Unter der
Überschrift "Für mehr Effizienz, Schlagkraft und
Ausstrahlung des SDAJ-Bundesverbandes" kritisierten
die Antragssteller die Arbeit des Bundesvorstandes,
der bundesweiten Arbeitsgruppen, die Orientierung des
letzten Bundeskongresses sowie die Qualität und
Anlage der bundesweiten Aktionstage. Zur Lösung der
Probleme beantragte die Gruppe eine Strukturänderung.
Gefordert wurde ein Zusammensetzen des neuen
Bundesvorstandes durch frei delegierbare
GruppenvertreterInnen.
Im Ziel, Schlagkraft und Ausstrahlung des Verbandes
zu erhöhen, waren sich alle einig.
Unstrittig auch, dass die SDAJ heute nicht die Kraft
und Stärke hat, die sie braucht und zum Teil auch
haben könnte. Die Härte der Kritik aus Karlsruhe
hingegen wurde vom Großteil des Kongresses nicht
geteilt. Auch nicht ihr Lösungsansatz. Mit großer
Mehrheit lehnte der Bundeskongress den Antrag auf
Strukturveränderung ab, beschloss aber, in diesem
Jahr mindestens ein bundesweites Arbeitstreffen zum
Thema "Für mehr Effizienz, Schlagkraft und
Ausstrahlung des SDAJ-Bundesverbandes" einzuberufen.
Der Antrag aus Karlsruhe wirkte sich neben anderen
Fragen auch auf die Personaldiskussion für den neuen
Bundesvorstand und auf die Wahlergebnisse aus. Zwei
der Antragssteller wurden nicht gewählt. 20
SDAJlerinnen und SDAJler bilden nun den neuen
Vorstand, der während des Kongresses eine
sechsköpfige Geschäftsführung und Jürgen Wangler - im
Verband eher bekannt als Flachi - zum neuen
Bundesvorsitzenden wählte.
Wettbewerb für SDAJ-Zeitung
Mit einigen Änderungen wurden die
"Handlungsorientierung für die SDAJ" und damit eine
konkrete Richtlinie für das Arbeiten des Verbandes in
den nächsten zwei Jahren beschlossen. Bestandteile
sind die Arbeit mit dem Zukunftspapier und
die Durchführung eines Zukunftkongresses im Herbst
dieses Jahres, das Pfingstcamp 2000 in Ahaus, das
Weiterentwickeln der politischen Schwerpunkte
ArbeiterInnenjugendpolitik, Antimilitarismus und
SchülerInnenpolitik. Weitere Ziele sind das
Qualifizieren der Bildungsarbeit sowie die Arbeit mit
der Verbandszeitung "Position", die unter anderem
durch einen bundesweiten Wettbewerb gestärkt werden
soll. Der Punkt "Solidarität mit Kuba" wurde durch
einen Antrag der Gruppen Hamburg, Oldenburg und
Bramsche in die Handlungsorientierung aufgenommen.
Bestandteile sind das Unterstützen der Ambulanz an
der Universität Matanzas sowie das Durchführen eines
neuen Soli-Projektes auf Kuba, das jedoch nicht vor
dem Jahr 2002 begonnen werden soll.
Arbeiterjugendpolitik
Dass Internationale Solidarität bei der SDAJ groß
geschrieben wird, zeigten auch Anträge zur
Solidarität mit Kolumbien und Serbien. Außerdem
begrüßte der Kongress die Fortsetzung der Tradition
der Weltfestspiele der Jugend und Studenten und
beschloss zu prüfen, wie eine Teilnahme und
Unterstützung der 15. Weltfestspiele, die 2001 in
Algerien stattfinden sollen, aussehen kann. Darüber
hatte Iraklis Tsavdaridis, Präsident des Weltbundes
der Jugend (WBDJ), zuvor in seinem Grußwort
informiert. Weitere Gäste kamen unter anderem von den
kommunistischen Jugendverbänden Österreichs,
Dänemarks, Griechenlands und Zyperns sowie von der
AA/BO und der KPF in der PDS. Für die DKP nahm ihr
Vorsitzender Heinz Stehr am Kongress teil. Er zeigte
in seinem Grußwort auf, wie sehr DKP und SDAJ an
ähnlichen Fragen arbeiten und mit ähnlichen Problemen
zu kämpfen haben. Das generationsübergreifende Suchen
müsse als echte Chance begriffen werden. Er bestärkte
die SDAJ vor allem in ihrem Bemühen, die
ArbeiterInnenjugendpolitik zu stärken und an
konkreten Projekten in diesem Bereich zu arbeiten.
Zu den Fragen, mit denen sich SDAJ und DKP
gleichermaßen beschäftigen, gehörten dann auch die
letzten Diskussionsblöcke des Kongresses. Die Zeit
war fortgeschritten, die Änderungsanträge zum
Zukunftspapier nur zum geringen Teil bearbeitet. Der
Kongress beschloss, nur noch die inhaltlichen
Knackpunkte zu diskutieren und die restlichen Anträge
an den neuen Bundesvorstand weiterzuleiten.
Streitpunkte waren vor allem zwei Änderungsanträge
aus Ruhr-Westfalen zur Einschätzung der ehemals
sozialistischen Länder sowie Kubas. Nach fundierter
Diskussion beschloss der Kongress mit sehr großer
Mehrheit, dass sowohl der positive Bezug auf die
sozialistischen Länder als auch das sozialistische
(beantragt war Ersetzen durch den Begriff
antiimperialistisch) Kuba Bestandteile des
Zukunftspapieres sind.
Der 15. Bundeskongress der SDAJ ist
Auseinandersetzungen im Verband nicht aus dem Weg
gegangen. Es hat Streit und Diskussionen gegeben,
ausgetragen ernsthaft und ehrlich, überwiegend
solidarisch und von allen in der Absicht, den
Verband zu stärken und inhaltlich wie organisatorisch
nach vorne zu bringen. Der Kongress hat viele
Arbeitsvorhaben beschlossen und die Umsetzung wird
nicht einfach sein. Auch deshalb nicht, weil sich der
Kongress von dem langjährigen Vorsitzenden der SDAJ,
Michael Götze, sowie weiteren Leitungsmitgliedern,
die den Verband nach der Spaltung und in den
folgenden schwierigen Jahren zunächst am Leben
gehalten und dann Stück für Stück gemeinsam mit neuen
Mitgliedern weiter entwickelt hatten, verabschieden
musste. Die Tage in Gladbeck haben gezeigt, dass sich
ihre Arbeit und Mühe gelohnt haben.
Wera Richter
aus *UZ* unsere Zeit, Zeitung der DKP, Nr.05
04. Februar 2000
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