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Journalistenausbildung - Bericht vom 1. Mediengespraech

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Gabriele Hooffacker

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Nov 21, 1999, 3:00:00 AM11/21/99
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1. Münchener Mediengespräch - Bericht
(erscheint in: M - Menschen machen Medien, Dezember 1999)

Gabriele Hooffacker:
Evaluieren, Standardisieren, Normieren?
Sorgen um die Freiheit der Journalistenausbildung in Bayern

"Einerseits ist es schon bedenklich, dass sich jeder Journalist
nennen darf. Eine Evaluierung der Ausbildungswege wäre nicht
schlecht. Aber: Was hat die bayerische Staatskanzlei in diesem
Zusammenhang zu suchen?" fragte Hans Joachim Werner, Journalist
und Medienpolitiker in Bayern, das vorwiegend journalistische
Publikum, das am 17. November der Einladung zum 1. Münchener
Mediengespräch ins Bayernforum der Friedrich-Ebert-Stiftung
München gefolgt war. Der SPD-Landtagsabgeordnete brachte es auf
den Punkt: Mit den unübersichtlichen Ausbildungswegen in den
Journalismus und in die boomende Online-Branche ist niemand so
recht glücklich. Vor allem eingeführte, anerkannte
Lehrinstitute wie die Deutsche Journalistenschule, der
Bayerische Rundfunk oder das Institut zur Förderung des
publizistischen Nachwuchses der Katholischen Kirche sorgen sich
um die Qualität der vielen neu entstandenen Schulen und
Multimedia-Akademien.

"Hier sind viele Absahner dabei, denen es nur um die schnelle
Mark vom Arbeitsamt geht", bestätigt Kurt Hentschel vom
MedienCampus Bayern e. V. Wichtig seien die Kommunikation, das
Nutzen von Synergieeffekten zwischen den
Ausbildungseinrichtungen, und Orientierungshilfe für die jungen
Leute. Da stimmten auch die Leiterin der Deutschen
Journalistenschule, Mercedes Riederer, und Ludwig Maaßen,
Ausbildungsleiter beim Bayerischen Rundfunk, zu.

So groß war die Einigkeit nicht bei allen Fragen: Manche
befürchten eher den umgekehrten Fall, dass nämlich die
Staatskanzlei in die Medienausbildung hineinregiere. Der
MedienCampus ist ein Baustein der "Medienoffensive", die die
bayerische Staatsregierung verkündet hat. Den Hintergrund
bildet handfeste Standortpolitik, um Bayerns Vorsprung
gegenüber Berlin und anderen "Medienstädten" zu halten und
auszubauen. Der MedienCampus "darf die Bayerische
Staatsregierung beraten, beispielsweise in Zuschuss-Fragen: Wer
soll Geld bekommen, wer nicht", erläutert Kurt Hentschel. Der
Professor im Ruhestand verwaltet die Geschäfte des
hochpolitischen Vereins, solange noch kein hauptberuflicher
Geschäftsführer bestimmt ist. Wegen seiner Personalpolitik
geriet der Verein in die bayerischen Schlagzeilen: Die
umstrittene CSU-nahe Journalistin Gabriele Goderbauer-Marchner,
derzeit Professorin in Chemnitz, sollte noch 1999 zur
Geschäftsführerin ernannt werden. Öffentliche Proteste führten
zur regulären Ausschreibung der Stelle. Entschieden wird nun im
Januar.

*Wer zahlt, schafft an?*
Laut Eigenwerbung will der MedienCampus "verwertbare
Abschlüsse" schaffen, "Defizite in der Journalistenausbildung"
aufspüren, die Medienwirtschaft einbeziehen und "innovative
Konzepte" fördern. Moderator Walther von La Roche,
ausgewiesender Journalismuslehrer und Buchautor ("Einführung in
den praktischen Journalismus", soeben in der 15. Auflage
erschienen) hakte nach: Welche Defizite sieht der MedienCampus?
Welche Konsequenzen hat das, etwa für die staatliche Förderung?
Heißt das nicht: Wer zahlt, schafft an?

Bei Drittmitteln und bei Zuschüssen, die der Staat vergibt,
trifft das tatsächlich zu: Die bayerische Staatskanzlei will
den MedienCampus als Koordinierungs- und Kontrollgremium
nutzen. Ob eine Ausbildung fachlich in Ordnung ist, ob die
eingesetzten Unterrichtsmethoden die richtigen sind und ob die
technische Ausstattung ausreicht - das alles soll der Verein
laut Kurt Hentschel evaluieren. Das machte Frauke Anker vom
Bayerischen Journalistenverband skeptisch: "Und wie soll das
ein vierköpfiger Vorstand schaffen?". In einem Punkt immerhin
konnte der derzeitige MedienCampus-Chef Kurt Hentschel die
Journalistenlehrer beruhigen: "Ein bayerisches
Medienausbildungsgesetz wird von niemandem angestrebt."

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