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G+J-Redaktionsgemeinschaft gescheitert

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Gunter Frei

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Feb 9, 2000, 3:00:00 AM2/9/00
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Folgendes Papier erreichte mich:

Presse-Erklärung der Betriebsräte der Gruner+Jahr Redaktionsgemeinschaft
Hamburger Morgenpost und Berliner Kurier

G+J-Redaktionsgemeinschaft ist gescheitert!
EXPRESS steigt endgültig aus

Die in Zusammenarbeit mit dem Kölner EXPRESS (Neven DuMont) aus
Rationalisierungsgründen vom G+J-Zeitungsvorstand Dr. Bernd Kundrun
initiierte Berliner "Redaktionsgemeinschaft G+J-Kaufzeitungen" wird zum
29. Februar 2000 eingestellt. Der EXPRESS steigt "einvernehmlich" aus,
zwischen Hamburger Morgenpost und Berliner Kurier wird nach Information
der Betriebsräte nur noch über Lieferung von Service-Seiten aus Berlin
verhandelt. Der Austausch von Texten oder Geschichten zwischen Zeitungen
war und ist eine normale Angelegenheit. Vom Scheitern des Experiments
"ReGe" sind 21 Redakteure betroffen, darunter fünf von Hamburg nach
Berlin versetzte MOPO-Redakteure.

Die beiden Betriebsräte bedauern die gesamte Entwicklung hin zur
Redaktionsgemeinschaft. Ohne jede Häme stellen sie fest, dass sich alle
von ihnen artikulierten Bedenken gegen die Kundrunsche Idee als
berechtigt erwiesen haben. Die "ReGe" hat allen beteiligten Blättern
keine Vorteile gebracht. Die redaktionellen Produktionsprozesse wurden -
angefangen von der Inkompatibilität der Redaktionssysteme bis hin zur
Unvereinbarkeit der verschiedenen redaktionellen Anforderungen - nicht
erleichtert, sondern erschwert. Die Betriebsräte hatten sich bereits in
einem sehr frühen Stadium dafür ausgesprochen, dass die Zusammenarbeit
von der ehemaligen G+J-Kaufzeitung MOPO und dem KURIER verbessert wird,
dass aber beide Vollredaktion bleiben (30.6.98). Später haben sie sich
gegen die Pläne einer Boulevard-Agentur ausgesprochen. Sie hatten die
Sorgen, dass dieser Weg redaktionell der falsche ist (19.1.1999).

Nachdem im Januar 1999 der Versuch von G+J gescheitert war, eine
Boulevard-Agentur als eigenständige GmbH zu gründen, ist es im April
1999 zu einer Dienstleistungsvereinbarung mit dem EXPRESS sowie der
G+J-Redaktionsgemeinschaft (MOPO-KURIER) gekommen. Gegen 1 Millionen
Mark per Kalenderjahr verpflichtete sich die ReGe, redaktionellen Texte
an den EXPRESS in überregionalen Themen zu liefern. Die drei beteiligten
Zeitungen haben es in der ganzen Zeit nicht geschafft, die, geplante
Redaktionsgemeinschaft ernsthaft mit Leben zu füllen. Avisierte Termine
konnte nicht gehalten werden (Politik, Nachrichten, Vermischtes). In der
Hamburger MORGENPOST hatte die Bildung der ReGe zu einem verstärkten
personellen Abgang geführt. Das Vertrauen in die Bereitschaft von G+J,
die angeschlagene MOPO zu retten, kam fast vollständig zum Erliegen.

Nach dem Verkauf der MOPO an Frank Otto und Hans Barlach hatte sich der
EXPRESS dafür entschieden, die Vereinbarung mit der
G+J-Redaktionsgemeinschaft zu kündigen. Die G+J-Redaktionsgemeinschaft
lieferte Texte weiter nach Köln, aber diese wurden nicht abgenommen.

Mit dem Scheitern des Agenturmodells (zusammen mit EXPRESS) und jetzt
des Synergiemodells (KURIER-MOPO) besteht die Sorge, das wieder
Entscheidungen zu Lasten der Beschäftigten ausgetragen werden. Die
Betriebsräte haben mit großem Respekt die Leistung der Kolleginnen und
Kollegen in der G+J-Redaktionsgemeinschaft verfolgt. Ohne ihre
engagierte Haltung wäre die bisherige Zusammenarbeit überhaupt nicht
möglich gewesen. Für die betroffenen Mitarbeiter können nach Meinung der
Betriebsräte die Arbeitsplätze gesichert werden.

Berlin - Hamburg, den 9. Februar 2000

Renate Gensch
Betriebsrat Berliner Kurier/Berliner Zeitung
030/23275561

Holger Artus
Betriebsrat Hamburger Morgenpost
040/88303-288


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