Redaktionen Umwelt, Wirtschaft Hamburg, 7. Januar 2000
Nach TBT in Fußballerhemden:
ROBIN WOOD fordert Produktionsstopp für alle Organozinnverbindungen
Nach den Meldungen über giftiges Tributylzinn (TBT) in Sporttextilien fordert Robin Wood ein generelles Produktionsverbot für die gesamte Stoffgruppe der organischen Zinnverbindungen.
Außer dem durch die Diskussion um den Unterwasserschutzanstrich bei Schiffen bekanntgewordene Gift TBT gibt es noch eine ganze Reihe weitere giftiger Organozinnverbindungen. Mono- und Diorganozinn-Varianten machen allein 65% der weltweiten Jahresproduktion von 30-40 000 Tonnen an Organozinnverbindungen aus. Sie werden vor allem im industriellen Bereich eingesetzt.
In Deutschland wird an mindestens zwei Standorten das TBT produziert. TBT ist nicht nur für Algen, Meeresschnecken und Seepocken giftig ist, sondern wirkt auch antibakteriell. Die verheerenden Wirkungen auf Seeschnecken sind bislang besser bekannt als die auf den menschlichen Organismus: Das Hormonsystem dieser Schnecken gerät aus dem Gleichgewicht und läßt bei weiblichen Tieren männliche Geschlechtsmerkmale entstehen. Störungen des menschlichen Hormonsystems sind nicht auszuschlie#en.
Nach der Ende November 1999 verabschiedeten IMO-Resolution (IMO: internationale Meeresschutzorganisation der Vereinten Nationen) soll es ab 2003 ein Anwendungsverbot für TBT bei Schiffsneuanstrichen geben und ab 2008 ein generelles Gebrauchsverbot für TBT-haltige Schiffsanstriche. Diese Resolution kam nach Ansicht von ROBIN WOOD viel zu spät und ist völkerrechtlich nicht bindend.
Außerdem stellt TBT nur die Spitze des Eisberges dar. "Alle Organozinnverbindungen", so ROBIN WOOD-Gewässerexpertin Annegret Reinecke, "gehören zu den giftigsten Stoffen, die jemals produziert wurden. Zum Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit reicht es nicht aus, nur ein Produkt wie das TBT in ein paar Jahren als Schiffsanstrich vom Markt zu nehmen. Der Ausstieg aus der Gesamtproduktion all dieser Zinnverbindungen muss sofort erfolgen. Deutschland sollte hierf³r die Vorreiterrolle ³bernehmen!"
Bei Rückfragen: Annegret Reinecke, Tel.: 0421.598 28 94