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Karl Birkenstock mobilisiert Belegschaft gegen Betriebsrat

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Achim Meyer-Heithuis

unread,
Jun 8, 1996, 3:00:00 AM6/8/96
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Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen,
nachfolgenden Artikel fand ich heute in der taz:

------------ schnipp -----------------

[taz, die tageszeitung.] [TAZ 08.06.96 S. 6 Nr. 52]

Arbeiterkampf für Sandalen, Kapital und gegen die Gewerkschaft

Karl Birkenstock mobilisiert die Belegschaft seiner Schuhfabriken
gegen den einzigen Betriebsrat

Sankt Katharinen (taz) - Etwa 700 MitarbeiterInnen des
Sandalenfabrikanten Birkenstock haben gestern gegen den Betriebsrat
einer ebenfalls zum Konzern gehörenden Firma demonstriert - angeblich
aus Angst um ihre Arbeitsplätze. Unter Transparenten wie "Die
Gewerkschaft schafft Arbeitsplätze im Ausland" marschierte der Zug
unter Buhrufen und Pfiffen an den zwei Lagerhallen vorbei, in denen
die letzten 60 betriebsratstreuen MitarbeiterInnen untergebracht sind.
Der anonyme Demonstrationsaufruf wirft der Gewerkschaft Holz und
Kunststoff "Mord" an Arbeitsplätzen, Zulieferfirmen und an den
"letzten Überlebenden der deutschen Schuhindustrie" vor.

Die Frage, was sie der Gewerkschaft denn konkret vorwerfen, konnten
viele DemonstrantInnen nicht beantworten. Manche wandten sich stumm
und verunsichert ab. Die Demonstration war offensichtlich in Absprache
mit der Geschäftsleitung organisiert worden. Die DemonstrantInnen
ließen sich vor und nach dem Protestzug auf dem Firmengelände
kostenlos mit Imbissen und Getränken versorgen. Aus einem Birkenstock-
Betrieb im sächsischen Bernstadt waren eigens 200 MitarbeiterInnen
angereist. Die Frage, was er denn für die Busfahrt bezahlt und ob er
für den Tag Urlaub bekommen habe, wollte ein Demonstrant lieber nicht
beantworten - die meisten Birkenstock-Firmen hatten gestern
Betriebsferien, für die MitarbeiterInnen der Firma "DeP" (früher
Birko), gegen deren Betriebsrat sich die Demonstration richtete, war
dagegen eine Urlaubssperre verhängt worden.

Die Birkenstock-Mitarbeiterin Edeltraud Krause, die die Demonstration
angemeldet hatte, erklärte: "Alle MitarbeiterInnen stehen hinter ihrem
Arbeitgeber." Die Demonstration richte sich nicht generell gegen
Gewerkschaften und Betriebsräte, sondern nur gegen den
Gewerkschaftssekretär Wolfgang Conrad, der den DeP- Betriebsrat
beherrsche.

Firmenpatriarch Karl Birkenstock und seine Söhne haben bisher nichts
unversucht gelassen, um den vor drei Jahren installierten Betriebsrat
der Firma Birko loszuwerden. Die Belegschaft wurde abgebaut und zum
Wechsel in Neugründungen gedrängt. Letztes Jahr sollte Birko dann
geschlossen werden. Der Betriebsrat forderte 2,8 Millionen Mark für
einen Sozialplan. Das war Birkenstock zu teuer. Er versucht seither,
die Belegschaft durch Arbeitsentzug und Druck zu zermürben.

Sven Hansen
TAZ Nr. 4943 vom 08.06.1996 Seite 6 Wirtschaft und Umwelt 74 Zeilen
TAZ-Bericht Sven Hansen ÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐÐЮ Contrapress media GmbH
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags

--------------- schnapp ------------
Gruss!
ACHIM

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Achim Meyer-Heithuis a.m...@oln.comlink.apc.org
30161 Hannover a....@mbox.soziologie.uni-hannover.de
http://www.stud.uni-hannover.de/~amey
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- MacZPoint 1.92 -


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Johannes Poehlmann

unread,
Jun 9, 1996, 3:00:00 AM6/9/96
to

p.wildenauer (Paul Wildenauer) schrieb zu
Re: Karl Birkenstock mobilisiert Belegschaft gegen Betriebsrat:

> > geschlossen werden. Der Betriebsrat forderte 2,8 Millionen Mark für
> > einen Sozialplan. Das war Birkenstock zu teuer. Er versucht seither,
> > die Belegschaft durch Arbeitsentzug und Druck zu zermürben.


> Wenn man dabei bedenkt daß Birkenstockschuhe "die Sandalen" der Ökologie
> und Friedensszene sind....
> Servus,

Das sollten wir ganz schnell ändern.
Auch unterhalb des offenen Boykottaufrufes gibt es Möglichkeiten.
Z.B. können Gruppen der Umweltszene, Grüne Kreisverbände, etc.
öffentlich gegen die Birkenstockmachenschaften protestieren und
erklären, sie würden nix mehr von Birkenstock kaufen.

Bei der Formulierung ist große Vorsicht insbesondere bei
nicht beweisbaren "Tatsachenbehauptungen" anzuraten.

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"Die Rechtsstaatspartei F.D.P. muß in Zukunft nicht mit
Pünktchen, sondern konsequenterweise mit Anführungszeichen
geschrieben werden"

Die ZEIT vom 7.3.96

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