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"Marienkinder"-Mindelheim

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SPD Ortsverein Mannheim-Ost

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Sep 16, 1996, 3:00:00 AM9/16/96
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Quelle: Süddeutsche Zeitung , 03.09.96
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Ermittler beschlagnahmen Unterlagen

Staatsanwalt bei "Marienkindern"

Fahnder verdächtigen sekteneigene Spedition der Manipulation von
Fahrtenschreibern

(CN) Mindelheim - Schon wieder beschäftigt die Sekte der
"Marienkinder"-Mindelheim und ihr Anführer Josef Zanker die
Staatsanwaltschaft. Ermittler aus Memmingen haben die Büros der
sekteneigenen Spedition "AVE" in Bad Wörishofen durchsucht und Unterlagen
beschlagnahmt. Die Fahnder verdächtigen die AVE-Spedition,
Fahrtenschreiber manipuliert zu haben und Personal ohne Fernfahrerlizenz
zu beschäftigen. Auch die mutmaßliche Ausbeutung der AVE-Mitarbeiter, die
angeblich keinen Lohn bekommen, wird überprüft. Der von den Katholiken
exkommunizierte Sektenführer Zanker wurde bereits wegen gefährlicher
Körperverletzung angeklagt. Weil er neben anderen Marienkindern auch den
Hausgeistlichen Johann Bauer so geprügelt hatte, daß dieser fast
gestorben wäre, war es damals zur Spaltung der Sekte gekommen. Inzwischen
hat sich die Gruppe neu rekrutiert. In der alten Mühle in Mindelheim, dem
Zentrum der Marienkinder, sollen 83 Personen leben. Weitere 160 Anhänger
besuchen die religiösen Treffen regelmäßig. Neben kleineren
Handwerksbetrieben unterhält Zanker auch den finanzkräftigen Verlag
"Patrona Bavariae" und die einträgliche AVE Spedition mit inzwischen - so
schätzt die Konkurrenz - rund 50 Lastzügen. Die Preisgestaltung der AVE
ärgert andere Transporteure im Allgäu.
Wie der Inhaber einer benachbarten Spedition berichtet, unterbietet die
AVE durch Dumpingpreise andere Betriebe. Das sei möglich, weil die Fahrer
keinen Lohn bekämen und nur die Fahrzeugkosten anfielen. Nachdem er
selbst eine Fracht Kartoffeln aus Saarbrücken für 1600,- Mark angeboten
habe, habe AVE den Auftrag für 750,- Mark erledigt, sagte der Spediteur.
Für einen Sechs-Tonner mit üblichem Tagespreis von 650,- Mark würden bei
AVE nur 300,- Mark berechnet. Der Sektenbeauftrage der Diözese Augsburg,
Rupert Kohle, der die Lkw beobachtete, erklärte, die Fahrer hätten
ausgesehen, als ob sie gerade von einer Sühnenacht gekommen wären. "Die
Leute waren ziemlich geschafft", sagte Kohle. Inzwischen lehnen es
zahlreiche öffentliche Einrichtungen im Allgäu ab, Lebensmittel von der
AVE anzunehmen. Die Marienkinder-Transporter befördern vornehmlich
Kühlgut, insbesondere Schulmilch.
Josef Zanker weist die Vorwürfe zurück. Von Dumpingpreisen könne nicht
die Rede sein. Die AVE schildert er als ein Familienunternehmen, in dem
jedes Mitglied seine ganze Arbeitskraft zur Verfügung stelle. Am
Jahresende werde der Gewinn errechnet und jeder könne über ein
Kapitalkonto verfügen. Die Fahrer seien quasi Gesellschafter der
Spedition und würden sich selbst krankenversichern. Zudem würden die
Marienkinder für eine Art Rente, Kleidung, Wohnen, Verpflegung und
Friseur aufkommen. Vom Haushaltsbudget dürfen die "Familienmitglieder"
schon mal Zigaretten und Leckereien kaufen.
Auftraggeber der AVE in München und Marktoberdorf betonten, daß die
Zusammenarbeit mit der Spedition sehr zufriedenstellend sei und übliche
Preise gezahlt würden.
Für erheblichen Ärger in den bayerischen Bistümern sorgen aber auch
Veröffentlichungen des Zanker-Verlags "Patrona Bavariae". Seit
vergangenem Jahr schmückt die Sekte ihre monatliche Glanzbroschüre
"Marienkinder" und das dreibändige Familienalbum "Ave Maria" mit der
Unterzeile "römisch-katholisch". Dagegen wollen die Diözesen nun
einschreiten.

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