Aber weil das Individuum so klein zu sein scheint,
und die Gesellschaft so groß,
meinen die Leute,
wir können ja die Gesellschaft verändern,
und dann werden sich die Individuen ändern.
Das wird nicht so sein -
denn "Gesellschaft" ist nur ein Wort;
es gibt nur *Individuen*, es gibt keine Gesellschaft.
Die Gesellschaft hat keine Seele; ihr könnt in ihr nichts ändern,
ihr könnt nur das Individuum ändern, wie klein es auch scheint.
Und wenn ihr erstmal die Wissenschaft kennt,
wie man das Individuum ändert,
dann ist sie auf alle Individuen anwendbar, überall.
Und mein Gefühl ist,
daß wir eines Tages eine Gesellschaft erreichen werden,
die harmonisch sein wird,
die bei weitem besser sein wird als all die Ideen,
die seit Jahrtausenden von Utopisten produziert werden.
Die Realität wird bei weitem schöner sein.
(Osho: Gold Nuggets, deutsche Ausgabe, S. 16 f.)
Die Welt kann nur zu einer Harmonie finden,
wenn Meditation bis in jeden Winkel dringt,
und die Menschen zu *einem* Bewußtsein in sich gebracht werden.
Doch da hat man mit einer völlig anderen Dimension zu arbeiten.
Bis jetzt war es immer *Revolution*.
Es ging um die *Gesellschaft*, um ihre Struktur.
Das hat versagt, wieder und wieder, in allen möglichen Spielarten.
Jetzt muss es das *Individuum* sein;
und statt Revolution: *Meditation*, *Transformation*.
Und das ist gar nicht so schwer, wie die Leute meinen.
Man braucht dazu nur den Wert von Meditation zu verstehen.
Dann ist es ohne weiteres möglich,
daß Millionen von Menschen innerlich ungespalten werden.
Das wird die erste Gruppe der Menschheit sein, die harmonisch werden wird.
Und der Widerhall ihrer Harmonie, ihrer Schönheit,
ihres Mitgefühls, ihrer Liebe - all ihrer Eigenschaften -
wird zwangsläufig rund um die Erde gehen.
(GN dt., S. 207 f.)
Die Sehnsucht nach Utopia ist im Grunde
die Sehnsucht nach Harmonie im Individuum und in der Gesellschaft.
Die Harmonie hat nie existiert: es hat immer Chaos gegeben.
Die Gesellschaft ist aufgeteilt worden
in verschiedene Kulturen, verschiedene Religionen, verschiedene Nationen -
und alle basieren auf Aberglauben.
Keine dieser Einteilungen sind gültig.
Aber diese Einteilungen zeigen,
daß der Mensch in sich selbst geteilt ist:
dies sind die Projektionen seines eigenen, inneren Konfliktes.
Er ist innerlich nicht eins,
und so konnte er äußerlich keine Gesellschaft herstellen, die eins ist.
Die Ursache ist nicht äußerlich.
Das Äußere ist nur der Spiegel des inneren Menschen.
(GN dt., S.16)
Im Menschen stecken noch viele tierische Instinkte -
seine Wut, sein Haß, seine Eifersucht, seine Besitzgier, seine Hinterlist.
Alles, was am Menschen immer verdammt wird,
scheint sehr tief in seinem Unbewußten zu sitzen.
Und die ganze Arbeit der spirituellen Alchemie dreht sich darum,
wie man die Tier-Vergangenheit loswird.
Wenn er nicht die Tier-Vergangenheit loswird,
wird der Mensch gespalten bleiben.
Die Tier-Vergangenheit und seine Menschlichkeit
können nicht zugleich existieren,
weil Menschlichkeit die genau entgegengesetzten Eigenschaften hat.
Der Mensch hat also keine andere Wahl, als zum Heuchler zu werden.
Was äußeres Verhalten betrifft, befolgt er die Ideale der Menschlichkeit -
Liebe und Wahrheit, Freiheit, Uneigennützigkeit, Mitgefühl.
Aber es bleibt nur bei einer sehr dünnen Schicht,
und jeden Augenblick kann das versteckte Tier hochkommen,
jeder Zufall kann es hochholen.
Und ob es hochkommt oder nicht - das innere Bewußtsein ist gespalten.
Dieses gespaltene Bewußtsein hat zu der Sehnsucht und der Frage geführt:
Wie kann man als einzelner ein harmonisches Ganzes werden?
Und das gleiche gilt für die ganze Gesellschaft:
Wie können wir aus der Gesellschaft ein harmonisches Ganzes machen -
wo es keinen Krieg gibt, keinen Konflikt, keine Klassen gibt,
keine Trennlinien nach Hautfarbe, Kaste, Religion, Nation?
Statt in Kategorien von Revolution
und Veränderung der Gesellschaft, ihrer Struktur, zu denken,
sollten wir mehr an Meditation denken,
und an die Veränderung des einzelnen.
Nur auf diesem Wege können wir eines Tages
alle Trennlinien in der Gesellschaft loswerden.
Aber erstmal müssen wir sie im Individuum loswerden -
und man *kann* sie loswerden.
(GN dt., S. 23 f.)
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