Die Osho Times druckte daraus im Dezember 1995 den folgenden Auszug:
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[zunächst ein Zitat aus Khalil Gibrans Buch "Der Prophet":]
Ihr sagt oft: "Ich würde geben, aber nur dem, der es verdient."
Die Bäume in eurem Obstgarten reden nicht so,
und auch nicht die Herden auf euren Weiden.
Sie geben, damit sie leben dürfen, denn zurückhalten heißt zugrunde gehen.
Sicher ist der, der würdig ist, seine Tage und Nächte zu erhalten,
auch alles anderen von euch würdig.
Und der, der verdient hat, vom Meer des Lebens zu trinken,
verdient auch, seinen Becher aus eurem Bach zu füllen.
Und welcher Verdienst wäre größer als der Mut und das Vertrauen,
ja auch die Nächstenliebe, die im Empfangen liegt?
Und wer seid ihr,
daß die Menschen sich die Brust zerreißen und ihren Stolz entschleiern sollten,
damit ihr ihren Wert nackt und ihren Stolz entblößt seht?
Seht erst zu, daß ihr selber verdient,
ein Gebender und ein Werkzeug des Gebens zu sein.
Denn in Wahrheit ist es das Leben, das dem Leben gibt -
während ihr, die ihr euch als Gebende fühlt,
nichts anderes seid als Zeugen.
Und ihr, die ihr empfangt - und ihr seid alle Empfangende -,
bürdet euch nicht die Last der Dankbarkeit auf,
damit ihr nicht euch und dem Gebenden ein Joch auferlegt.
Steigt lieber zusammen mit dem Gebenden auf seinen Gaben empor wie auf Flügeln;
Denn seid ihr euch eurer Schuld zu sehr bewußt,
heißt das, die Freigebigkeit desjenigen zu bezweifeln,
der die großherzige Erde zur Mutter und Gott zum Vater hat.
* * *
Osho:
Alle Religionen der Welt lehren die Nächstenliebe,
sie lehren zu dienen, zu geben.
Aber seht euch die Welt an, die sie geschaffen haben!
Darin gibt es weder Nächstenliebe, noch gibt es Dienen, noch gibt es Geben.
Sie haben schöne Worte gebraucht,
aber ihre schönen Worte sind wie die Worte eines Blinden, der vom Licht redet.
So schön seine Worte auch sein mögen: sie enthalten keine Wahrheit.
Almustafa gibt euch hier eines der wichtigsten Geheimnisse,
wie man sein Leben transformieren kann. Er sagt:
*Ihr sagt oft: "Ich würde geben, aber nur dem, der es verdient."*
Das haben alle Religionen gelehrt.
Die buddhistischen Schriften sind voll davon,
daß man nur den Buddhisten geben soll,
denn sie sind diejenigen, die es verdienen.
Und die brahmanischen Schriften sind voll davon,
daß man geben und teilen und dienen soll -
aber nicht jenen, die in Not sind, die am Verhungern sind, die am Sterben sind,
sondern den Brahmanen, weil sie es verdienen.
Sie alle haben die Menschheit in die Irre geführt.
Daher die Verwirrung auf der ganzen Welt.
Almustafa gibt euch eine sehr ursprüngliche Erkenntnis,
unverbraucht, unverdorben.
Es kann keine geborgte Wahrheit sein,
denn es gibt keine Schrift auf der Welt, von der sie geborgt sein könnte.
Es ist eine aus dem Herzen kommende Erfahrung.
*Die Bäume in eurem Obstgarten reden nicht so,*
*und auch nicht die Herden auf euren Weiden.*
Sie geben einfach aus ihrer Fülle.
Wenn ein Baum schwer von Früchten ist,
wird der Baum sie der Erde zurückgeben,
selbst wenn niemand da ist, der die Früchte nimmt.
Er kann nicht weiterleben, wenn er so schwer beladen ist,
so belastet von seiner Fülle.
Gebt aus eurer Fülle.
*Sie geben, damit sie leben dürfen, denn zurückhalten heißt zugrunde gehen.*
Das Leben ist eine stete Bewegung.
Immer wenn der Fluß zum Stillstand kommt, tritt der Tod ein.
Jeder Stillstand hat etwas vom Tod.
Das Leben kennt keinen Stillstand.
Ein wirklich authentisch religiöser Mensch gibt, weil er hat.
Er gibt, denn wenn er es nicht gibt, wird es zugrunde gehen,
und in *seinem* Zugrundegehen wird auch *er* zugrunde gehen.
Der religiöse Mensch läßt andere teilhaben -
und ihr schuldet ihm keinen Dank dafür.
Im Gegenteil, er schuldet *euch* Dank, weil ihr es annehmt,
denn ihr habt ihm seine Bürde abgenommen, die ihn das Leben hätte kosten können.
*Sie geben, damit sie leben dürfen, denn zurückhalten heißt zugrunde gehen.*
Schaut in eure eigene Erfahrung.
Die Augenblicke des Gebens sind die schönsten Augenblicke.
Die größte Freude erfahren diejenigen, die ohne Unterschied geben können.
Es spielt keine Rolle, *wem* ihr gebt.
Das Entscheidende ist:
Ihr seid so übervoll, euer Geben ist ein Überfließen.
Und Überfließen ist der Tanz des Lebens, das Lied der Existenz.
Klammert euch daran, haltet es fest, und es wird sterben.
Um zu leben, braucht es ständige Bewegung - genau wie euer Atem.
Versucht, ihn anzuhalten
- aus lauter Angst, denn wer weiß, ob er wiederkommt? -,
und ihr begeht Selbstmord.
Nur weil ihr ständig euren Atem gebt...
und es ist ein Geben, ob ihr euch dessen bewußt seid oder nicht.
Und je mehr ihr gebt, desto reicher ist euer Geben
und desto gesünder werdet ihr sein, desto jünger werdet ihr sein.
Es ist eine wohlbekannte Tatsache,
daß wir in der Regel sehr oberflächlich atmen.
Wir haben in unserer Lunge eine riesige Zahl kleiner Bläschen,
aber nur sehr selten atmet jemand mit vollen Lungen.
Selbst der gesündeste Mensch, den ihr kennt,
atmet nur mit zweitausend dieser winzigen Öffnungen;
die übrigen viertausend bleiben ohne Sauerstoff - der unser Leben ist.
Deshalb sind Gymnastik, Laufen, Joggen, Schwimmen so hilfreich,
weil ihr dabei tief atmet.
Doch bevor ihr einatmen könnt,
müßt ihr eure Lunge von all dem Kohlendioxid entleeren,
das sich angesammelt hat.
Wenn die Lungen voll werden mit Kohlendioxid, bist du tot.
Auch die Bäume hier um euch atmen,
aber sie atmen das Kohlendioxid ein, das ihr ausatmet.
Ihr gebt also euer Kohlendioxid den Bäumen.
Sie brauchen es - ohne euch würden sie sterben.
Und sie atmen Sauerstoff aus - ohne sie könntet ihr nicht leben.
Aber in ihrer Blindheit fällen die Menschen immer mehr Bäume,
nicht wissend, daß sie damit ihr eigenes Leben fällen.
Ich habe die verschiedensten Menschen genau beobachtet:
Der Geizige atmet am flachsten.
Er klammert sich sogar an das Kohlendioxid - das sein Tod ist.
Aber wir haben uns seltsame Dinge ausgedacht,
sonderbare Vorstellungen vom Menschen,
und weil man sie so oft nachgeplappert hat,
habt ihr völlig vergessen, sie je in Frage zu stellen.
Wißt ihr, daß in der ganzen Menschheitsgeschichte kein Fall bekannt ist,
wo jemand an einem Herzanfall gestorben wäre, während er Liebe machte?
Das kann nicht nur Zufall sein.
Die Leute bekommen in allen möglichen Situationen einen Herzanfall.
Die einzige Situation, in der ein Herzanfall offenbar nicht auftritt,
ist während des Liebesakts.
Und der Grund ist einfach der, daß ihr beim Liebesakt tiefer und voller atmet.
Ihr gebt - und in eurem Geben liegt euer Leben.
Macht euch keine Gedanken, ob der andere es verdient oder nicht.
Das ist die Frage und die Sorge des Geizhalses.
Ich habe Leute beobachtet, die keine Geizhälse sind.
Sie werden keinen Herzanfall haben.
Euer ganzes Leben ist eine organische Einheit.
Was auch immer ihr tut - es spiegelt eure ganze Persönlichkeit wider,
in jeder Hinsicht.
Almustafa hat recht:
*Sicher ist der, der würdig ist, seine Tage und Nächte zu erhalten,*
*auch alles anderen von euch würdig.*
Wenn die Existenz bereit ist,
diesem Menschen da das Leben zu geben -
könnt ihr ihm nicht einmal eine Tasse Tee geben?
Wenn die Existenz bereit ist,
ihn siebzig, achtzig oder mehr Jahre am Leben zu erhalten,
wenn die Existenz nie darüber nachdenkt, ob er es verdient oder nicht...
was ist schon an eurem Geben dran,
daß ihr erst hin und her überlegen müßt?
In Wirklichkeit wollt ihr gar nicht geben.
Ihr sucht nur nach einer Ausrede:
"Ich gebe nichts - nicht, weil ich ein Geizhals bin -,
ich gebe nichts, weil keiner da ist, der es verdient."
*Und der, der verdient hat, vom Meer des Lebens zu trinken,*
*verdient auch, seinen Becher aus eurem Bach zu füllen.*
Doch die brahmanischen Schriften sagen:
"Gebt nur den Brahmanen. Dann ist es Nächstenliebe, dann ist es eine Tugend."
Sie sagen nie: "Gebt den Sudras, den Unberührbaren."
Die brauchen es nämlich wirklich.
Aber der häßlichen Klassifikation des Hinduismus zufolge verdienen sie es nicht.
Und wir sind so blind, daß wir nie sehen,
daß der, der es wirklich verdient, genau der ist, der es braucht.
Er mag ein Dieb sein, er mag ein Mörder sein -
wer seid ihr, ihn deswegen zu verurteilen?
Mit eurem Urteil beweist ihr nur eure Unmenschlichkeit.
Ich habe gehört...
In einer Vollmondnacht kam in das kleine Haus eines Meisters,
weit außerhalb der Stadt, ein Dieb.
Der Meister war wach.
Er besaß nur eines:
eine Decke, die er halb als Matratze und halb zum Zudecken benutzte.
Und am Tage benutzte er dieselbe Decke,
um seine Blöße zu bedecken, denn er besaß keine anderen Kleider.
Als er den Mann im Vollmond sah - denn die Türen waren offen,
die Fenster waren offen, und der Mond schien hinein...
Es war ein bekannter Dieb.
Der Meister schloß die Augen,
denn die Augen offenzuhalten wäre dem Dieb gegenüber respektlos gewesen,
wenn er es bemerkt hätte.
Da er einige Meilen weit aus der Stadt gekommen war,
um etwas aus dem Haus eines armen Meisters zu stehlen,
befand er sich offenbar in großer Not.
Der Meister weinte und hielt sich unter seiner Decke verborgen.
"Was kann er in meinem Hause finden?
Er wird die acht Meilen mit leeren Händen wieder zurückgehen müssen.
Hätte er es mich zwei oder drei Tage vorher wissen lassen,
dann hätte ich in der ganzen Stadt betteln und etwas für ihn sammeln können.
Das ist nicht die rechte Art, in das Haus eines armen Mannes zu kommen!"
Es kümmerte ihn nicht, daß es ein Dieb war.
Er war bekümmert, daß er nichts besaß, was ihm der Mann hätte stehlen
und was ihn hätte zufriedenstellen können.
Im Inneren des Hauses herrschte Dunkelheit,
und der Meister machte sich Sorgen,
der Dieb könne stolpern und hinfallen und sich wehtun.
So zündete er eine Kerze an und ging hinter dem Dieb ins Haus.
Der Dieb schaute sich um.
Plötzlich war Licht in der Finsternis,
und als er den Meister erblickte, erstarrte er vor Angst:
Wenn dieser Mann ein einziges Wort sagte,
würde die ganze Stadt ihm Glauben schenken!
Doch der Meister sagte:
"Hab keine Angst. Ich komme, um dir zu helfen.
Drinnen im Haus ist es sehr dunkel.
Und außerdem lebe ich seit dreißig Jahren in diesem Haus
und habe noch nichts gefunden.
Aber wenn du mich zum Partner nimmst,
können wir bei allem, was wir finden, halbe-halbe machen.
Doch wenn du alles für dich behalten willst, ist das auch in Ordnung,
denn ich habe noch nie etwas gefunden.
Es gehört dir; du bist der Finder."
Der Dieb war im Herzen berührt.
Wohl hatte er das Wort ,Mitgefühl' schon gehört,
aber jetzt erfuhr er zum ersten Mal in seinem Leben, was es bedeutet.
Da war kein Vorwurf, keine Verurteilung.
Im Gegenteil, dieser Mann half ihm sogar,
in seinem eigenen Haus etwas zu stehlen!
Der Dieb sagte:
"Bitte vergib mir, Meister.
Ich hatte keine Ahnung, daß es *dein* Haus ist,
sonst hätte ich es nicht zu betreten gewagt."
Der Meister sagte:
"Du sollst nicht mit leeren Händen gehen.
Ich habe nichts als diese Decke, und draußen ist es sehr kalt -
bitte nimm diese Decke."
Und er gab ihm seine Decke.
Der Dieb war erstaunt, denn darunter war er nackt.
Sie war alles, was er besaß.
Der Dieb versuchte, es ihm auszureden...
Der Meister sagte:
"Füge mir nicht noch größeren Schmerz zu.
Und wenn du das nächste Mal kommst, sag mir vorher Bescheid.
Ich werde mich darauf einrichten.
Und wenn du etwas Bestimmtes brauchst, laß es mich wissen.
Es gibt in dieser Stadt so viele, die mich lieben;
ich habe so viele Jünger und Anhänger.
Ich garantiere es dir.
Ich schäme mich, daß meine Decke so alt ist.
Sie ist es nicht wert, verschenkt zu werden.
Doch sieh meine Ratlosigkeit und sei so lieb, sie anzunehmen.
Ich werde dir mein Leben lang dankbar sein."
Der Dieb steckte in der Klemme. Was sollte er tun?
So einen Menschen hatte er noch nie erlebt.
Er berührte die Füße des Meisters und nahm die Decke,
denn nun konnte er sie schwer ablehnen.
Dann beeilte er sich, das Haus zu verlassen,
denn die Gegenwart des Meisters wurde ihm unerträglich.
Er hatte Kaiser gesehen und Generäle,
aber einen *Menschen* hatte er noch nie zu Gesicht bekommen.
Als er hinausging, sagte der Meister:
"Denk dran, vergiß nicht - du hast mich sehr glücklich gemacht!
Mein ganzes Leben lang war ich ein Bettler.
Ich habe nie die Freude des Gebens kennengelernt.
Du hast mich vom Bettler zum Kaiser gemacht,
weil du meine alte, verschlissene Decke angenommen hast.
Du hast ein weites Herz, tiefes Verständnis.
Komm öfter wieder."
Als der Dieb gegangen war, saß der Meister da und zitterte.
Es war so kalt...
Da sah er den Vollmond durchs Fenster,
und er schrieb ein kleines Haiku mit folgendem Wortlaut:
Warum läßt die Existenz mich so arm sein?
Erst jetzt, da der Dieb mir begegnete,
fühlte ich meine Armut.
Könnte ich ihm diesen schönen Mond geben,
ich hätte auch ihn gegeben.
Die Frage ist nicht, ob der Mensch, dem ihr etwas gebt, es *verdient*.
Die Frage ist, ob er es *braucht*.
Gebt ihm aus Liebe, gebt aus Achtung.
Verletzt nie die Würde des anderen.
*Und welcher Verdienst wäre größer als der Mut und das Vertrauen,*
*ja auch die Nächstenliebe, die im Empfangen liegt?*
Das ist einfach eine taufrische Aussage.
Niemand - kein Krishna, kein Buddha, kein Jesus -
hat jemals eine so tiefe Wahrheit aufgestellt:
*die Nächstenliebe, die im Empfangen liegt.*
Alle haben immer nur von der Nächstenliebe geredet, die im *Geben* liegt.
Fühlt euch denen zu Dank verpflichtet, die von euch empfangen.
Seht ihren Mut und ihr Vertrauen - sie hätten euch auch zurückweisen können.
Seht ihre *Nächstenliebe*!
Sie haben zugelassen, daß ihr auf sie niederregnen konntet wie eine Wolke,
die schwer ist vom Regen.
Und wenn eine Wolke schwer ist vom Regenwasser und sich ausregnen muß -
denkt ihr vielleicht, sie zieht umher,
bis sie jemanden gefunden hat, der es verdient?
Wird sie mehr auf das Feld des Brahmanen regnen
und weniger auf das Feld des armen Sudra?
Es ist ihr egal.
Sie ist einfach der durstigen Erde dankbar, die sie voller Freude empfängt.
Und überall geht diese Freude ins grüne Laub ein, in Blüten mit Duft...
Mit einem Mal ist das trockene Land nicht mehr trocken.
Es ist voller Saft und voller Leben.
Und doch hat das dürstende Land einen Akt der Nächstenliebe vollbracht:
Es hat einer Wolke ihre Last abgenommen, es hat die Wolke befreit.
Nun kann sie sich leichter in jede Richtung bewegen -
wo immer der Wind sie auch hinweht.
Aber das hat keine Religion je bedacht.
Vielmehr waren alle Religionen nur interessiert
an dem Geld und an der Macht, die bei den Reichen zu holen sind.
In Wirklichkeit wollten sie die Reichen nur zum Geben überreden...
aber auf eine so leisetreterische Weise!
Beim Lesen einer buddhistischen Schrift über Nächstenliebe war ich erstaunt,
wie gerissen die Leute sind, die ihr für religiös haltet.
Ich glaube nicht, daß diese Worte von Gautam Buddha selbst stammen,
denn sie wurden erst nach seinem Tod aufgezeichnet.
Er hat zweiundvierzig Jahre lang ständig geredet.
Darum gibt es so viele Schulen, genau zweiunddreißig,
mit unterschiedlichem Schrifttum, und sie alle behaupten:
"So hat es Buddha gesagt."
Das läßt sich heute unmöglich feststellen.
Aber wenn man das liest...
Zunächst handelt es von der Schönheit der Nächstenliebe,
der Tugend der Nächstenliebe, dem Lohn, den man im Jenseits bekommt,
wenn man Nächstenliebe übt.
Und am Schluß heißt es: "Aber merkt euch: Gebt nur jenen, die es verdienen."
Und dann wird definiert, wer die Leute sind, die es verdienen.
Die Definition ist dergestalt,
daß sie nur auf einen buddhistischen Mönch zutrifft:
Gebt dem Bhikku, dem buddhistischen Mönch.
Aber es steht nicht wörtlich da, "dem buddhistischen Mönch",
sondern es wird eine Definition gegeben,
die nur auf einen buddhistischen Mönch paßt.
Und dasselbe gilt fur die Hindus und die Mohammedaner und die Christen.
Aber keiner von ihnen
hat wirklich über die Nächstenliebe des Empfangens nachgedacht,
denn es ging ihnen nicht um ihr eigenes Wachstum, es ging ihnen ums Geld -
wie man drankommt, wie man die Leute zum Spenden verlockt
und sie davon überzeugt, daß alles, was sie geben, ein gutes Geschäft ist:
Im anderen Leben werden sie ein Vielfaches zurückbekommen!
Hier steigt Almustafa zum höchstmöglichen Bewußtsein auf.
*Und wer seid ihr,*
*daß die Menschen sich die Brust zerreißen*
*und ihren Stolz entschleiern sollten,*
*damit ihr ihren Wert nackt und ihren Stolz entblößt seht?*
Wer seid ihr?
Ihr gebt etwas Profanes: Geld, Brot, Kleider, ein Obdach für die Nacht.
Ist das ein Akt der Nächstenliebe? Das ist keine Nächstenliebe.
Nächstenliebe stellt keine Bedingungen; Nächstenliebe kennt keine Bedingungen.
Nächstenliebe gibt einfach nur und ist dankbar,
daß du es genommen hast, daß du es nicht zurückgewiesen hast.
*Seht erst zu, daß ihr selber verdient, ein Gebender [...] zu sein.*
Darum sollte es euch gehen: Seid ihr *würdig* zu geben?
*und ein Werkzeug des Gebens.*
*Denn in Wahrheit ist es das Leben, das dem Leben gibt;*
*während ihr, die ihr euch als Gebende fühlt, nichts anderes seid als Zeugen.*
Ist je etwas Schöneres gesagt worden?
Das Leben gibt dem Leben...
während ihr unnötigerweise euer Ego aufblast, als wärt *ihr* die Gebenden.
Wie könntet ihr die Gebenden sein?
Ihr seid nackt gekommen - ohne alles.
Und nackt werdet ihr diese Welt wieder verlassen - ohne alles.
Und zwischen diesen beiden Augenblicken der Nacktheit
werdet ihr zum Besitzer, zum Gönner.
Alles gehört der Existenz.
Wer das versteht, sieht sich selbst nur als Werkzeug,
durch das das Leben dem Leben gibt.
Und er ist nur der Zeuge.
*Und ihr, die ihr empfangt - und ihr seid alle Empfangende -,*
*bürdet euch nicht die Last der Dankbarkeit auf...*
Almustafa überschüttet euch ständig
mit so vielen schönen Rosen, wie er nur kann.
*Und ihr, die ihr empfangt - und ihr seid alle Empfangende...*
Denn wir alle haben das Leben empfangen.
Wir empfangen alle jeden Augenblick die lebensspendende Luft.
Wir empfangen Leben von den Früchten, wir empfangen Leben vom Wasser.
Wir alle sind Empfangende.
Verrennt euch nicht in die egoistische Vorstellung: "Ich bin ein Gebender."
In dem Augenblick, in dem ihr denkt, ihr wäret der Gebende,
belastet ihr denjenigen, dem ihr gebt.
Ihr erniedrigt ihn.
In Wahrheit ist es eine sehr subtile Beleidigung.
Er muß sich dann mit der Last herumschleppen, euch dankbar zu sein.
*Bürdet euch nicht die Last der Dankbarkeit auf,*
*damit ihr nicht euch und dem Gebenden ein Joch auferlegt.*
*Steigt lieber zusammen mit dem Gebenden*
*auf seinen Gaben empor wie auf Flügeln;*
*Denn seid ihr euch eurer Schuld zu sehr bewußt,*
*heißt das, die Freigebigkeit desjenigen zu bezweifeln,*
*der die großherzige Erde zur Mutter und Gott zum Vater hat.*
Es ist unnötig, daß irgendjemand denkt: "Ich bin der Gebende",
und es ist unnötig, daß irgendjemand dem Betreffenden dankbar ist.
Wer gibt, ist *das Leben*.
Ihr seid die beiden Flügel desselben Vogels. Steigt zusammen empor.
Seid nicht getrennt als Gebender und Empfangender.
Das ist etwas, woran man sich ständig erinnern muß:
Teilt miteinander, und vergeßt das Ganze.
Der Gebende muß es vergessen, der Empfangende muß es vergessen.
Beide sollten dem *Leben* dankbar sein,
denn es ist das Leben, das da gibt.
Und für das Leben seid ihr nur ein Zeuge.
Ich möchte noch eines hinzufügen, was Almustafa vergessen hat:
Der *Empfangende* ist ebenfalls ein Zeuge, nicht nur der Gebende.
Sie sind beide Zeugen des gewaltigen Dramas der Existenz und des Lebens.
Wenn es möglich wird,
daß es keinen Gebenden und keinen Empfangenden mehr gibt,
sondern nur *ein* Leben,
das sich unaufhörlich zwischen zwei Ufern des Meeres bewegt,
dann bekommt ihr zum ersten Mal einen Geschmack von dem,
was ich Göttlichkeit nenne.
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Auszüge aus: Sprich uns von der Liebe - Der Messias, Bd.1;
Osho spricht über Khalil Gibrans "Der Prophet".
Osho Verlag Köln, 1. Auflage: Oktober 1995
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