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Euthanasie: Oshos Vision

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Wolfgang Doelz

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Apr 22, 1996, 3:00:00 AM4/22/96
to
Frage:

*Euthanasie* ist das Hauptthema bei den bevorstehenden Parlamentswahlen
in Holland. Die Politiker streiten sich um die richtige Gesetzesformel
in dieser Frage. Bitte kommentiere dies.

Osho:

Euthanasie - *die Freiheit, seinen Tod selbst zu wählen* -
sollte als Geburtsrecht eines jeden Menschen anerkannt werden.
Man könnte dafür eine *Altersgrenze* festlegen,
zum Beispiel fünfundsiebzig Jahre.
Die Spitäler sollten bereit sein, jedem zu helfen,
der nach fünfundsiebzig seinen Körper loswerden will.
Jedes Spital sollte eine Abteilung für Sterbende haben,
und wer sich entschlossen hat zu sterben,
sollte eine besondere Behandlung und Unterstützung bekommen.
Er sollte einen schönen Tod haben.

Jedes Krankenhaus müßte einen Meditationslehrer haben.

Der Sterbende sollte einen Monat Zeit haben, um es sich zu überlegen...
Wenn er es sich anders überlegt, kann er zurücktreten,
denn keiner zwingt ihn.
Personen, die in einem emotionalen Zustand Selbstmord begehen wollen,
können nicht einen Monat lang emotional bleiben -
ihre Emotionalität wird vorübergehen.
Die meisten Selbstmörder hätten,
wenn sie einen Augenblick länger gewartet hätten,
überhaupt nicht Selbstmord begangen.
Nur aus Zorn, aus Eifersucht, aus Haß oder ähnlichem
vergessen sie den Wert des Lebens.

Das ganze Problem besteht darin, daß die Politiker denken,
die Anerkennung der Euthanasie würde bedeuten,
Selbstmord wäre kein Verbrechen mehr.
Nein, das würde es keinesfalls bedeuten.
Selbstmord wäre immer noch ein Verbrechen.

Die Euthanasie würde der Zustimmung eines medizinischen Beirats bedürfen.
Nach einer einmonatigen Ruhezeit im Krankenhaus -
und jede Art von Hilfe ist möglich,
damit die Person ruhig und entspannt werden kann...
Freunde können zu Besuch kommen, die Ehefrau, die Kinder,
denn schließlich geht es ja auf eine lange Reise.
Man sollte den Menschen nicht daran zu hindern versuchen -
er hat lange genug gelebt, und wenn er nicht mehr weiterleben will...
sein Werk ist getan.

In diesem Monat sollte man ihn *Meditation* lehren,
damit er beim Sterben meditieren kann.
Und der Tod sollte mit medizinischer Hilfe wie der *Schlaf* kommen -
ganz allmählich, Hand in Hand mit der Meditation,
ein immer tiefer werdender Schlaf.

Wir könnten den Tod von Tausenden von Menschen in *Erleuchtung* verwandeln.

Und die Angst vor Selbstmord ist unbegründet,
denn ein solcher Mensch begeht nicht Selbstmord.
Und wenn jemand versucht, Selbstmord zu begehen,
bleibt es nach wie vor ein Verbrechen.
Man muß um Erlaubnis fragen.
Es geht nur mit der Erlaubnis des medizinischen Beirates...
und man hat einen Monat Zeit,
währenddessen man jederzeit seinen Entschluß ändern kann.
Bis zum letzten Tag hat die Person die Möglichkeit zu sagen:
"Ich will *nicht* sterben", und sie kann nach Hause gehen.
Das ist kein Problem; es ist ihre freie Entscheidung.
[...]
Die Euthanasie wird zu einer immer größeren Notwendigkeit,
weil durch die Fortschritte der Medizin das Leben der Menschen verlängert wird.
[...] Vor fünftausend Jahren war das längste, was ein Mensch leben konnte,
vierzig Jahre, und von zehn Kindern, die zur Welt kamen,
starben neun innerhalb von zwei Jahren - nur eines überlebte.
Das Leben war also ungeheuer wertvoll.

Auf Hippokrates geht der Eid des ärztlichen Berufsstandes zurück,
daß das Leben in jedem Falle unterstützt werden muß.
Er konnte nicht ahnen - denn er war kein Seher -, er ahnte nicht voraus,
daß der Tag kommen würde, wo von zehn Kindern alle zehn überleben.
Das ist heute der Fall.
Einerseits überleben diese neun Kinder,
andererseits hilft die Medizin den Menschen, länger zu leben -
neunzig Jahre, hundert Jahre sind keine Seltenheit.
In den höher entwickelten Ländern
sind Neunzigjährige oder Hundertjährige leicht anzutreffen.

In der Sowjetunion gibt es Menschen,
die das Alter von hundertfünfzig Jahren erreicht haben,
und einige Tausend sind sogar hundertachtzig Jahre alt - und sie arbeiten noch.
Aber ihr Leben ist langweilig geworden.
Hundertachtzig Jahre, stellt euch das einmal vor... immer dasselbe tun:
Die Knochen werden ihnen weh tun,
und es besteht keine Aussicht, daß sie bald sterben werden.
Der Tod scheint noch weit entfernt; sie arbeiten noch und sind gesund.

In Amerika gibt es Tausende von Menschen in den Spitälern, die nur noch
im Bett liegen und an alle möglichen Instrumente angeschlossen sind.
Viele von ihnen hängen an künstlichen Atemgeräten.
Was hat das für einen Sinn, wenn ein Mensch selbst nicht mehr atmen kann?
Was erwartet man noch von ihm?
Und warum belastet man die ganze Nation mit dieser Person,
wenn so viele Menschen auf den Straßen verhungern und sterben?

Dreißig Millionen Menschen leben in Amerika auf der Straße
- ohne Unterkunft, ohne Nahrung, ohne Kleidung -,
während Tausende von Menschen
Spitalbetten, Ärzte und Schwestern in Beschlag nehmen:
ihre Arbeit, ihre Mühe, all die Medikamente.
Jeder weiß, daß sie früher oder später sterben werden,
aber man versucht, sie so lange wie möglich am Leben zu erhalten.
Sie *wollen* sterben.
Sie tun es laut kund, daß sie sterben wollen,
aber die Ärzte dürfen ihnen dabei nicht helfen.
Diese Menschen brauchen zweifellos mehr Rechte.
Man zwingt sie zum Leben, und Zwang ist in jeder Hinsicht undemokratisch.

Deshalb würde ich meinen, daß es eine ganz rationale Sache sein sollte.
Laßt es fünfundsiebzig oder achtzig Jahre sein,
dann hat man ausreichend lange gelebt. Die Kinder sind erwachsen...
Wenn du achtzig bist,
sind deine Kinder fünfzig, fünfundfünfzig; auch sie werden alt.
Du brauchst dich nicht mehr um sie zu kümmern und dir Sorgen zu machen.
Du bist im Ruhestand. Jetzt bist du nur noch eine Last.
Du weißt nichts mehr mit dir anzufangen.

Darum sind alte Menschen oft so gereizt -
weil sie keine Aufgabe haben, keine Achtung bekommen, keine Würde haben.
Niemand kümmert sich um sie, niemand beachtet sie.
Sie sind bereit, zu streiten und wütend zu werden und herumzuschreien.
Das ist nur ihre *Frustration*, die so zutage tritt;
der wahre Grund ist, sie wollen *sterben*.
Aber das können sie nicht einmal *aussprechen*.
Es ist *unchristlich* - der bloße Gedanken ans Sterben ist unreligiös.

Man sollte ihnen diese Freiheit geben, aber nicht nur die Freiheit zu sterben.
Sie sollten die Freiheit haben,
sich einen Monat lang darauf vorzubereiten, wie man stirbt.
In dieser Vorbereitung sollte *Meditation* ein wesentlicher Teil sein,
sollte die *körperliche Betreuung* ein wesentlicher Teil sein.
Wenn sie sterben, sollten sie heil und gesund, still und friedlich sterben,
indem sie langsam in den Schlaf hinübergleiten.
Und wenn ihre Meditation auch im Schlaf verankert ist,
können sie sogar *erleuchtet* sterben.
Dann werden sie erfahren,
daß nur der Körper zurückgelassen wird
und daß sie ein Teil der Ewigkeit sind.

Ein solcher Tod wird besser sein als der gewöhnliche Tod,
denn beim gewöhnlichen Tod hat man keine Chance, erleuchtet zu werden.
In der Tat werden immer mehr Menschen es vorziehen,
in diesen Krankenhäusern zu sterben, in diesen speziellen Sterbekliniken,
wo sämtliche Vorkehrungen getroffen werden können.
Auf diese Weise kann man das Leben
auf eine freudige, ekstatische Weise verlassen,
mit einem Gefühl großer Dankbarkeit.

*Ich bin ganz und gar für die Euthanasie,*
*aber nur unter diesen Bedingungen.*

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Osho, am 19.2.1986 - Quelle: Das Buch der Heilung, Heyne Tb Nr. 08/9658
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Osho im WWW: http://www.osho.org
http://earth.path.net/osho

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