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Osho ueber Drogen

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Wolfgang Doelz

unread,
Nov 2, 1996, 3:00:00 AM11/2/96
to

Frage:

Ich möchte dich bitten, über das Drogenproblem zu reden.

Osho:

Es ist nichts Neues, es ist so alt wie die Menschheit.
Es hat noch nie eine Zeit gegeben,
in der die Menschheit nicht auf der Suche nach einem Fluchtweg gewesen wäre.
Das älteste Buch der Welt, die Rig Veda,
erwähnt an vielen Stellen den Gebrauch von Drogen.
Der Name der Droge war *soma*.
Seit ältesten Zeiten haben alle Religionen versucht,
die Menschen vom Gebrauch der Drogen abzuhalten.
Sämtliche Regierungen waren immer gegen Drogen.
Dennoch haben die Drogen sich als machtvoller erwiesen
als alle Regierungen und alle Religionen,
denn niemand durchschaute die wahre Psychologie des Drogenanwenders.

Die Menschen sind unglücklich.
Ihr Leben ist voller Angst, Sorgen und Frustrationen.
Und es scheint keinen Ausweg zu geben, außer Drogen.
Der einzige Weg, den Gebrauch von Drogen zu verhindern, besteht darin,
die Menschen glücklich, freudig und zufrieden zu machen.

Auch ich bin gegen Drogen,
weil sie nur dazu beitragen, daß ihr euer Unglück zeitweilig vergeßt,
aber sie helfen euch nicht, gegen Unglück und Leid anzugehen,
sondern machen euch nur schwächer.

Die Gründe, warum die Religionen und die Regierungen gegen Drogen sind,
und *meine* Gründe, warum ich Drogen ablehne,
sind jedoch völlig verschieden.
Jene wollen, daß die Menschen unglücklich und frustriert bleiben,
weil ein Mensch im Elend niemals rebellisch ist;
er quält sich in seinem Innersten, er hat kein Zentrum.
Er kann sich eine bessere Gesellschaft, eine bessere Kultur,
einen besseren Menschen überhaupt nicht vorstellen.
Durch sein Elend wird er eine leichte Beute der *Priester*,
die ihn trösten, indem sie sagen:
"Gesegnet sind die Armen, gesegnet sind die Schwachen,
gesegnet sind die Leidenden, denn sie werden das Königreich Gottes erben."

Eine leidende Menschheit ist auch den *Politikern* ausgeliefert,
denn die leidende Menschheit braucht eine *Hoffnung* -
die Hoffnung auf eine klassenlose Gesellschaft irgendwann in der Zukunft,
die Hoffnung auf eine Gesellschaft,
in der es keine Armut, keinen Hunger, kein Elend mehr geben wird.
Kurz und gut, solange die Menschen eine Utopie haben, nahe am Horizont,
können sie weitermachen und geduldig ihr Leid ertragen.

Macht euch die Bedeutung des Wortes *Utopie* klar:
Utopie bedeutet etwas, das niemals geschieht.
Es ist wie der Horizont: Er ist so nahe, daß man denkt,
man kann hinlaufen zu dem Ort, wo sich Himmel und Erde berühren.
Aber man kann sein ganzes Leben lang laufen
und wird nie an diesen Ort kommen, denn es gibt ihn nicht.
Er ist eine Halluzination.

Die Politiker leben von Versprechungen, die Priester leben von Versprechungen.
In den letzten zehntausend Jahren hat keiner von ihnen die Ware abgeliefert.
Sie sind gegen die Drogen, weil die Drogen ihnen ihr ganzes Geschäft vermiesen.
Wenn die Leute anfangen, Opium, Haschisch oder LSD zu nehmen,
scheren sie sich nicht mehr um den Kommunismus,
und es ist ihnen egal, was morgen passiert;
sie kümmern sich nicht um das Leben nach dem Tode, um Gott und das Paradies.
Sie finden ihre Erfüllung in *diesem* Moment.

In diesem Punkt weichen meine Gründe ab.
Auch ich bin gegen Drogen,
aber nicht, weil sie den Religionen und den Politikern ihre Basis nehmen,
sondern weil sie euer inneres spirituelles Wachstum zunichte machen.
Die Drogen hindern euch daran, das gelobte Land zu erreichen.
Ihr bleibt in Halluzinationen stecken,
obwohl ihr fähig wäret, die wahre Sache zu erlangen.
Die Drogen geben euch ein Spielzeug.

Aber da die Drogen nicht so einfach verschwinden werden, wünsche ich mir,
daß die Regierungen und die wissenschaftlichen Labors die Drogen verfeinern,
damit sie gesünder und ohne Nebenwirkungen sind,
was heute möglich ist.
Wir können eine Droge erzeugen ähnlich jener,
die Aldous Huxley *soma* genannt hat, in Anlehnung an die Rig Veda -
eine Droge ohne Nebenwirkungen, die nicht süchtig macht
und einfach nur Freude, Glückseligkeit, Tanzen und Singen hervorruft.

Wenn wir nicht aus jedem Menschen einen Gautam Buddha machen können,
haben wir auch nicht das Recht, ihm die Möglichkeit zu verwehren,
zumindest ein paar flüchtige Einblicke in jenen ekstatischen Zustand
zu erhalten, in dem Gautam Buddha ständig gelebt hat.
Vielleicht können solche flüchtigen Einblicke einen Menschen dazu bringen,
daß er mehr davon erleben will.
Früher oder später würde er von dieser Droge genug haben,
weil er damait immer nur dieselbe Szenerie erlebt,
und so schön eine Szenerie auch sein mag:
durch die Wiederholung wird sie langweilig.

Als erstes sollte man also eine Droge ohne alle Nebenwirkungen erzeugen.
Und zweitens sollten die Leute, die sie genießen wollen, es dürfen.
Sie würden sich damit bald langweilen.
Und das wird sie an den Punkt bringen, wo sie anfangen werden,
eine Meditationsmethode zu suchen, die sie zur höchsten Seligkeit führt.

Deine Frage dreht sich in erster Linie um die New-Age-Generation.
Die Kluft zwischen den Generationen ist ein neueres Phänomen unserer Welt;
es hat früher nicht existiert.
In der Vergangenheit haben die Sechs- bis Siebenjährigen angefangen,
mit ihren Händen und ihrem Verstand
im traditionellen Beruf des Vaters mitzuarbeiten.
Mit vierzehn waren sie schon Handwerker und Arbeiter;
sie haben geheiratet und viele Pflichten übernommen.
Im Alter von zwanzig bis vierundzwanzig hatten sie selber Kinder,
und dadurch hat es nie eine solche Kluft zwischen den Generationen gegeben.
Die Generationen gingen nahtlos ineinander über.

Zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte
gibt es jetzt diese Kluft zwischen den Generationen.
Das hat eine sehr weitreichende Bedeutung.
Zum ersten Mal habt ihr jungen Leute heute bis zum Alter
von fünf- bis sechsundzwanzig, wenn ihr von der Universität kommt,
keine Verantwortung, keine Kinder, keine Sorgen.
Ihr habt die ganze Welt noch vor euch
und könnt davon träumen, wie ihr sie besser und reicher machen wollt,
wie ihr eine Rasse von Supermenschen kreieren wollt.
Und in diesen Jahren zwischen vierzehn und vierundzwanzig
ist der Mensch ein Träumer, weil seine Sexualität heranreift,
und mit seiner Sexualität reifen auch die Träume heran.
In den Schulen und Universitäten wird die Sexualität unterdrückt,
und deshalb geht die ganze Energie ins Träumen.
Der junge Mensch wird Kommunist, Sozialist, Anarchist - alles mögliche.
In dieser Zeit beginnt er, die *Frustration* zu spüren,
weil so, wie unsere Welt funktioniert -
die Bürokratie, die Regierung, die Politiker, die Gesellschaft, die Religion -,
es unmöglich erscheint, daß aus seinem Traum jemals Wirklichkeit werden kann.

Wenn er von der Universität zurückkommt, ist er voller Ideen,
aber alle seine Ideale werden von der Gesellschaft zunichte gemacht.
Und bald vergißt er den neuen Menschen und das neue Zeitalter.
Er kann nicht mal einen Job finden; er kann sich selbst nicht ernähren.
Wie kann er an eine klassenlose Gesellschaft denken,
in der es weder arm noch reich gibt?

An diesem Punkt wendet er sich den Drogen zu;
sie verschaffen ihm zumindest eine vorübergehende Erleichterung.
Aber alle Drogen sind heute so beschaffen,
daß sie süchtig machen und man die Dosis immer mehr erhöhen muß.
Sie wirken zerstörerisch auf den Körper, auf das Gehirn,
und bald ist man ihnen hilflos ausgeliefert.
Man kann nicht mehr ohne die Droge leben,
und mit der Droge findest du in diesem Leben keinen Platz für dich.
Ich meine aber nicht, daß die Jungen dafür verantwortlich sind,
und es ist reine Dummheit, sie dafür zu bestrafen und ins Gefängnis zu stecken.
Sie sind keine Kriminellen; sie sind Opfer.

Die Leute an der Macht entscheiden sich für das Dümmste: Verbote und Strafen.
Aber sie sollten wissen,
daß man seit zehntausend Jahren mit Verboten keinen Erfolg hat.
Immer wenn der Alkohol verboten wird, nimmt die Zahl der Alkoholiker zu,
und eine gefährlichere Sorte Alkohol wird verfügbar.
Tausende Menschen sterben an Vergiftung - und wer trägt die Schuld?
Man bestraft junge Menschen mit jahrelangem Gefängnis und begreift nicht,
daß jemand, der Drogen nimmt oder drogensüchtig ist,
keine Strafe, sondern Behandlung nötig hat.
Er sollte in eine psychiatrische Klinik aufgenommen werden,
wo man sich um ihn kümmert, wo man ihn das Meditieren lehrt
und ihn allmählich von den Drogen zu einem besseren Leben hinführt.

Statt dessen bringt man sie gewaltsam ins Gefängnis - zehn Jahre Knast!
Das menschliche Leben wird überhaupt nicht geachtet.
Wenn man einen jungen Mann von zwanzig für zehn Jahre ins Gefängnis steckt,
nimmt man ihm seine wertvollsten Jahre - und es ist völlig zwecklos,
denn im Gefängnis kommt er noch viel leichter an alle Drogen.
Die Insassen sind alle alte Hasen im Drogenkonsum
und bringen es den Neulingen bei.
Und wenn die zehn Jahre um sind, kommen sie als Experten wieder heraus.
Im Gefängnis lernt man nur eines:
Nichts, was du tust, ist unrecht - außer du wirst erwischt.
Also laß dich bloß nicht erwischen!
Und dort gibt es Experten, von denen man lernen kann,
wie man sich nicht erwischen läßt.

Diese ganze Sache ist völlig absurd.
Auch ich bin gegen Drogen, aber auf eine völlig andere Weise.

Ich glaube, ihr habt mich verstanden.

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Osho: Das Buch der Heilung, S. 352 ff. (Heyne Taschenbuch Nr. 08/9658)
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Osho im WWW: englisch: http://www.osho.org
http://earth.path.net/osho

deutsch: http://www.oshomedia.de

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