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FACTS ueber OSHO

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Wolfgang Doelz

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Oct 7, 1997, 3:00:00 AM10/7/97
to

Quelle: http://www.facts.ch/facts03/magazin/m_ges.htm
aus: FACTS - Das Schweizer Nachrichtenmagazin
ohne Datum, vermutlich aus dem Jahr 1996
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*Bhagwan*

*Das Business aus dem Jenseits*

Der Guru Osho ist seit sieben Jahren tot. Doch seine Jünger bauen emsig weiter
am weltweiten Imperium. *Stephanie Riedi* hat dem Vermächtnis des Verstorbenen
nachgespürt.

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"Sprecht nie von mir in der Vergangenheit. Meine Präsenz hier wird um einiges
größer sein ohne die Bürde meines Körpers."
Bhagwan Shree Rajneesh

Am Abend des 19. Januar 1990 verabschiedete sich der populärste Guru unseres
Jahrhunderts für immer. Er hinterlasse seinen Traum, sagte Rajneesh Chandra
Mohan alias Bhagwan Shree Rajneesh alias Osho. Seinen Freunden, genannt
Sannyasins, blieb das Vermächtnis: "Meine Arbeit wird weitergehen, und viel,
viel mehr Leute werden kommen, nachdem ich meinen Körper verlassen habe."

Die Prophezeiung ist Wirklichkeit geworden. Oshos Welt gedeiht: Heute gibt es
schätzungsweise zwei Millionen Sannyasins weltweit, weitere Millionen
sympathisieren mit dem indischen Meister.

Oshos Bücher wurden in 41 Sprachen übersetzt mit einer Gesamtauflage von rund
fünfzehn Millionen Exemplaren. Seine Zeitschrift, die "Osho Times" erscheint
monatlich in sechs Sprachen in 53 Ländern, die deutsche Ausgabe liegt sogar
in der Zürcher Zentralbibliothek auf. In England und Mexiko unterrichten
zwei Schulen nach Oshos Vision, und weltweit weihen rund 750 Zentren in
die vom Guru entwickelten Meditationen ein.

Die Hochburg befindet sich in Pune, Indien, wo 1974 alles begann.
Die "Osho Commune International", wie der Aschram jetzt heißt,
wuchs in den letzten sieben Jahren von 1,6 auf über 10 Hektar an
und gilt heute als das größte Therapie- und Meditationszentrum der Welt.

Gurus haben Zulauf. New-Age und Esoterik rufen nach neuen Meistern in Massen.
Osho schien den Rent-a-Guru-Zirkus geahnt zu haben. Auf dem Markt käuflicher
Spiritualität ist er omnipräsent. Er vermachte der Nachkommenschaft ein
einmaliges Erbe, das ihn im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich macht.
Alle seine Vorträge und Meditationslehren ließ er aufzeichnen. Suchende
finden ihn über Bücher, Audiotapes und Videokassetten. Selbst im Internet
ist er präsent. 40 000 Leute klicken täglich über *http://www.osho.org*
Oshos Web-Seiten an.

Andere schalten den Fernseher ein. Oshos Diskurse werden über drei
Satellitenstationen in 53 Länder ausgestrahlt. In Indien wurde letztes Jahr
im TV durchschnittlich ein Video pro Tag gezeigt.

Bis Mitte der achtziger Jahre galt der unermüdliche Provokateur als Persona
non grata. Einer, der 93 Rolls-Royces und etliche Brillantuhren besaß und
seine Jünger rund um die Uhr gratis schuften ließ, konnte kein Weiser,
sondern mußte ein Scharlatan, ein Sektenführer sein. Einer, der Liebe,
Lachen, Leben propagierte, mußte verrückt sein. Einer, der auch über
Juden Witze machte, hatte es vor allem mit der deutschen Presse verscherzt.

Die Vorwürfe sind verstummt. Zurück bleibt Oshos Lehre vom Leben als
"Zorba The Buddha": frei wie Alexis Zorbas und bewußt wie Buddha zu sein.
Offenbar entspricht Oshos Cocktail, ein Mix aus Religionswissenschaft,
Philosophie, Psychologie und Meditation, dem Zeitgeist des ausgehenden
Jahrtausends.

Das Yuppie-Magazin "Fit for Fun" stellte kürzlich die von Osho kreierte
"Dynamische Meditation" vor. Und die englische Tageszeitung "The Observer"
rätselte gar, ob der Autor John Hogue in seinem Bestseller "Nostradamus
and The Millenium" Recht haben könnte mit der These, Osho sei jener
angekündigte Prophet, "der tausend Jahre Frieden bringt". Auch renommierte
Buchverlage setzen inzwischen auf Oshos Werke: Harper and Row und St. Martin's
Press, USA, Edition Albin Michel, Frankreich, Mondadori und Bompiani, Italien,
und Heyne und Goldmann, Deutschland, publizieren heute Bücher von Osho.

Die indische Parlamentarische Bibliothek nahm Oshos Gesamtwerk auf und ehrt ihn
damit wie den Pazifisten Mahatma Gandhi. "Osho gab seinem Land und der Welt
eine Vision, auf die man stolz sein kann", sagt selbst der ehemalige indische
Premierminister Chandra Shekar.

Laut Indiens Reiseführern gilt die "Osho Commune International" in Pune
denn auch als wichtigste Sehenswürdigkeit nach dem Taj Mahal. Täglich
nehmen mit Fotoapparaten behangene Japaner, Amerikaner, Koreaner,
Taiwanesen und Chinesen an Schnupperführungen durch die Kommune teil.
Auch der Dalai-Lama besuchte vor drei Jahren den Aschram. Es sei ein
wundervoller Ort, meinte das weltliche und geistige Oberhaupt Tibets.

So viel postumer Zuspruch kommt nicht von ungefähr. Der blitzgescheite
Rhetoriker und Charismatiker mit wachem Blick, weißem Haar und Bart ließ
keinen unberührt. Osho brach gesellschaftliche Tabus, rüttelte an Ideologien,
Moralvorstellungen und am Image angesehener politischer und religiöser
Führer wie Gandhi oder Mutter Teresa. Dadurch erreichte er sein Ziel:
Popularität.

"Osho verstand sein Geschäft", sagt Jörg Andrees Elten, der 1977 für den "Stern"
nach Pune reiste, um dem Agent provocateur der spirituellen Szene nachzuspüren.
"Wäre er nicht erleuchtet gewesen und hätte Besseres zu tun gehabt, hätte er
Chefredakteur eines Massenblattes sein können."

Elten kehrte als Swami Satyananda von seiner Reise zurück. Anstatt Krawatte
trug er nun die Mala, eine Holzperlenkette, an der ein Medaillon mit Oshos
Foto baumelte. Elten kündigte den gut bezahlten Job bei der deutschen
Illustrierten und ging wieder nach Pune. Sein Tagebuch über die Zeit im
Aschram, "Ganz entspannt im Hier und Jetzt", wurde die Sensation der Buchsaison
1979. Tausende folgten Satyananda und ließen sich als Sannyasins taufen.
Osho avancierte zum Vorbild einer rebellierenden Generation.

Osho kam am 11. Dezember 1931 in einem Dorf in Madya Pradesh zur Welt.
Mit 21 erfuhr er nach eigenen Angaben die Erleuchtung. Damals war sein
Name Rajneesh Chandra Mohan. Er studierte Philosophie und dozierte an der
Universität Jabalpur. 1966 gab er seine Professur auf, um sich
"der spirituellen Erweckung anderer Menschen zu widmen".

Er begann, seine Gefolgschaft in "Neo-Sannyas" einzuweihen, wie er sein
Experiment von Selbsterfahrung und Meditation im Alltag nannte, und gab sich
den Sanskrit-Namen Bhagwan, der Erleuchtete. 1974 folgte die Aschram-Gründung
in Pune, neuer Pilgerort für Hippies der westlichen Welt. Es war die Zeit des
Auf- und Umbruchs. Die Humanistische Psychologie kam mit Selbsterfahrungsgruppen
auf, der Aschram wurde zum Experimentierfeld für modernistische Therapeuten,
Querdenker und Suchende.

Auch Prominente zog es nach Pune. Das Fotomodell Sylvie Winter, die Schau-
spielerin Eva Renzi und der Prinz von Hannover, Urenkel des letzten deutschen
Kaisers, sorgten als Erste für Publicity. Als der deutsche Philosoph Peter
Sloterdijk den Inder als "eine der größten Figuren dieses Jahrhunderts"
bezeichnete und den Aschram als "Institut für vergleichende Religions-
forschung mit angegliedertem Labor für erotische Feldarbeit", galt es als
schick, dabei zu sein. Lachsrosa, Orange und Camparirot kamen in Mode -
die Farben der Sannyasins.

Damals trafen auch die ersten Rolls-Royces in Pune ein, Geschenke und Spenden
reicher Schüler. Für Bhagwan waren Spiritualismus und Materialismus das Gleiche
- es entspringe alles der selben Energie. In diesem Sinne entflog er auch mit
einer Handvoll Auserwählten und einem Rolls-Royce im Frachtraum nach Amerika,
als ihm das indische Finanzamt 1981 eine Einkommenssteuer von 5 Millionen
Franken aufbrummte.

Die nächsten vier Jahre verbrachte Bhagwan mit seiner Jüngerschaft im
US-Bundesstaat Oregon. Es war die Ära der Skandale. Die Hauptrolle spielte
die Inderin Ma Anand Sheela, die zu Bhagwans Sekretärin avancierte. Als er
sich für geraume Zeit zurückzog, übernahm Sheela die Regie. 1985 desertierte
sie mit 55 Millionen Dollar in den Schwarzwald.

Bhagwan verklagte sie. Sheela wurde verhaftet, an die USA ausgeliefert und zu
viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach 39 Monaten kam sie wegen guter Führung
frei. Über Portugal reiste Sheela in die Schweiz. Heute lebt sie in Hölstein,
Baselland, und betreut Betagte.

Auch Bhagwan wurde festgenommen. Die US-Behörden warfen ihm vor, Einwanderungs-
bestimmungen verletzt zu haben. Er saß zwölf Tage in Haft. Schließlich wurde
er ausgewiesen.

Siebzehn europäische und südamerikanische Länder verweigerten Bhagwan die
Einreise oder die Aufenthaltsbewilligung. Nach Irrwegen über Nepal,
Griechenland und Uruguay kehrte er 1986 nach Indien zurück. Im verwaisten
Aschram in Pune räumte er den Scherbenhaufen weg. Er beglich die Steuer-
schulden und schenkte Pune einen Park. Kurz vor seinem Tod legte er den
Namen Bhagwan ab. Der Erleuchtete nannte sich Osho, "Der Gesegnete, auf
den der Himmel Blumen regnet".

Heute ist Osho ein registriertes Markenzeichen wie Meister Proper oder Chanel.
Agenten und Anwälte wachen weltweit, daß mit dem Namen kein Schindluder
getrieben wird. Auch prozessieren Sannyasins derzeit in Deutschland gegen
die Diskriminierung durch den Begriff "Sekte". Da keine Mitgliederbeiträge
erhoben werden und jeder kommen und gehen kann, wie es ihm beliebt,
distanzieren sie sich von religiösen Gruppierungen mit dem Hang zum
totalitären Anspruch. Bislang ohne Erfolg.

Der Wille, ohne den Meister weiterzumachen, wurde von Osho persönlich
unterstützt: "Die Botschaft ist wichtig, nicht der Botschafter."
Dennoch zweifelten manche daran, daß die Herde ohne Hirt überlebt.
"Ich dachte, die Kommune sei ohne Osho erledigt", sagt Amrito, ehemals
Leibarzt und engster Vertrauter von Osho. An der Spitze eines 21 Mitglieder
umfassenden Zirkels verwandelte er den Aschram nach der Einäscherung Oshos
in eine Art Club Med - mit dem Unterschied, daß Sport und Sex und Arbeit
meditative Disziplinen sind, die der spirituellen Entwicklung dienen sollen.

Das Neukonzept hat Erfolg. 1996 kamen rund 200 000 Leute nach Pune, das sind
22 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Über Einnahmen spricht man nicht - es wird
von 50 000 bis 100 000 Franken gemunkelt -: "Das fließt alles in den Komfort
und die Verwaltung der Kommune", sagt Sahajanand vom Internetbüro der "Osho
Global World". Man pflege hier einen westlichen Standard, der koste Geld.

Auch wehrt man sich gegen die Vermutung eines weltweiten Imperiums und betont
die Unabhängigkeit initiativer Sannyasins. "Meditationszentren, Discos,
Restaurants, Buchverlage, Schulen und Fernsehstationen sind Privatfirmen
und nicht mit Pune verhängt", sagt Sahajanand. Für Kosten und Gewinn sei
jeder selber verantwortlich.

Oshos Jünger sind überall aktiv: In London eröffneten kürzlich finanzkräftige
Sannyasins ein Osho-Zenter. Die englische Zeitschrift "Architects' Journal"
lobte die Schönheit der Galerie als "Oase der Ruhe im Herzen der City".
Das "Osho International Headquarters" befindet sich im Economist Plaza an
der St. James Street - unter dem gleichen Dach wie das Wirtschaftsmagazin
"The Economist".

Der Hauptverlag für Oshos Werk in deutscher Sprache inklusive der deutschen
"Osho Times" ist dem Uta Institut mit Sitz in Köln angegliedert.
"Wir arbeiten selbstständig aus Spaß an der Freude", sagt Simant vom
Osho-Verlag. Grund zur Freude hat die GmbH. Seit drei Jahren verfügt sie
über ein dichtes Vertreternetz und hat stattliche Zuwachsraten. Rund achtzig
Bücher sind derzeit auf dem Markt, der Bestseller "Das orange Buch" wurde
über 50 000 Mal verkauft.

In Devon, England, eröffneten ein paar Lehrer vor gut einem Jahrzehnt die
Osho-Ko-Hsuan-Schule mit dem Ziel, jedem Kind die Entwicklung seiner
Individualität zu ermöglichen. Zur Zeit leben siebzig Kids mit sechzehn
Erwachsenen in der Kommune, und lernen Sprachen, Geschichte, Mathematik,
Meditation und ihre wirklichen Talente kennen. Mit Erfolg. Inserate in
englischen Medien werben damit, daß Absolventen der Osho-Ko-Hsuan-Schule
zu 100 Prozent die offiziellen Prüfungen bestehen bei einem Landesdurchschnitt
von 41 Prozent.

Die bekannteste Ausbildung für Erwachsene ist der Liebe gewidmet. Sie wurde
von Osho entwickelt. Er nannte die Lehre Tantra. Praktiziert, soll sie
"vom Sex zum kosmischen Bewußtsein" führen. Wie auch der Psychoanalytiker
Sigmund Freud war Osho überzeugt, daß die unterdrückte Sexualenergie zu
Neurosen und Perversionen führe. Durch Tantra werde sie befreit und
transformiert.

Oshos "Tantrische Vision" wurde zum größten Aufreger. "Orgie oder Offenbarung?",
rätselte 1981 der "Spiegel" über Oshos Tantriker und schreckte die Leser
auf der Titelseite mit einem Bild hemmungsloser, zügelloser Nackedeis.

Heute gibt es Tantra-Trainings von Lützelflüh bis Lanzarote. Die meisten werden
von Sannyasins geleitet und erfreuen sich großer Nachfrage.

Gleiches gilt für Oshos Meditationen. Sie werden von Bankmanagern in Italien
bis hin zu buddhistischen Mönchen in Australien praktiziert. Auch der Zürcher
Medienunternehmer Roger Schawinski ließ sich im Osho-Meditationszentrum Sedona,
Arizona, in die "Dynamische" einweihen. Auf Bali bietet der Club Mediterranée
Osho-Meditationsprogramme an.

Meditation ist denn auch der Kern von Oshos Lehre, die relativ simpel klingt:
"Sei bewußt, total: jetzt." Dann werde Meditation etwas Alltägliches.
Das bedeute Sannyas, ein Leben in der Ewigkeit.

In diesem Sinne diktierte Osho seine Grabinschrift: "Never Born, Never Died.
Only Visited this Planet Earth between Dec 11 1931 - Jan 19 1990."

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ins /CL-Netz weitergeleitet von Svarup (Wolfgang Dölz)


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