Nach den *Nationen* sind die *Religionen* die zweite große Krankheit;
sie haben Krieg geführt, sie haben getötet - aus Gründen, für die
sich kein Mensch interessiert.
Das Christentum war die erste Religion, die der Menschheit die Idee in den
Kopf gesetzt hat, ein Krieg könne ebenfalls religiös sein. Und der Islam
und andere Religionen sind seinem Beispiel gefolgt und haben sich im Namen
Gottes gegenseitig abgeschlachtet.
Ich sage: Krieg als solcher ist irreligiös. So etwas wie einen Kreuzzug,
einen Jihad, einen heiligen Krieg kann es nicht geben! Wenn ihr den Krieg
"heilig" nennt, was kann man dann noch *unheilig* nennen? Wer interessiert
sich für Gott, außer die Priester?
Mir ist noch nie ein Mensch begegnet, der sich wirklich für Gott interessierte.
Biete ihm mit der einen Hand fünf Dollar an und Gott mit der anderen -
er wird die fünf Dollar nehmen und sagen: "Gott ist ewig, der kann warten.
Im Augenblick bringen mich die fünf Dollar weiter."
Aber die Priester interessieren sich deshalb für Gott, weil das ihr
Geschäft ist, und weil sie möchten, daß ihr Geschäft blüht und gedeiht.
Die Religionen haben die Ganzheit des Menschen zerstört. Sie haben ihn
zerbrochen - nicht nur in Stücke, sondern in widerstrebende Stücke, und
diese Stücke kämpfen nun unentwegt gegeneinander. Auf die Art haben sie
die Menschheit schizophren gemacht. Sie haben jedem eine gespaltene Per-
sönlichkeit gegeben. Das ist auf sehr gerissene und schlaue Art passiert -
indem sie euren Körper, euren Sex verdammt, indem sie euch gegen eure
eigene Natur aufgehetzt haben.
Alle Religionen sind gegen alles, was der Mensch genießen kann. Sie haben
ein handfestes Interesse daran, den Menschen unglücklich zu halten, und
jede Möglichkeit zu zerstören, daß er je Frieden, Freude und Erfüllung
finden kann - das Paradies hier und jetzt.
Euer Unglück ist absolut notwendig, damit es die "andere Welt" geben kann.
Zum Beispiel: Wenn euer Sex wirklich erfüllt ist, dann braucht ihr Gott
nicht, weil euer Leben erfüllt ist. Aber wenn euer Sex verdammt, unter-
drückt, zerstört wird, wenn man euch seinetwegen Schuldgefühle einimpft,
dann kann Gott ewig weiterleben. Gott leitet *seine* Energie aus *eurem*
Selbstmord her!
Die Religionen haben euch gelehrt, daß ihr nicht von dieser Welt seid,
sondern daß ihr nur deshalb hier seid, um bestraft zu werden, um eure
"Erbsünde" zu sühnen. Sie mußten es tun - um *Gott* zu erschaffen, der
eine poetische Fiktion ist, und um den *Himmel* zu erschaffen, der eine
Verlängerung der menschlichen Habgier ist, und um den Menschen die Angst
vor der *Hölle* einzujagen - mit anderen Worten: um an der Wurzel der
menschlichen Seele Angst zu säen. Natürlich sind diese Fiktionen für die
Priester sehr profitabel.
Keine Religion akzeptiert die simple, natürliche und reale Tatsache, daß
der Mensch eine *Einheit* ist - Körper und Bewußtsein in einem - und daß
diese Welt nicht vom Menschen zu trennen ist. Der Mensch ist genauso in
dieser Welt verwurzelt, wie es die Bäume sind. Und die Wurzeln gehören so
wesentlich zum Baum wie die Blüten. Ja, ohne Wurzeln gäbe es keinen Baum!
Dieser Planet, diese Erde, ist unsere Mutter, und wir alle sind Teil einer
einzigen Lebenskraft - Teil einer einzigen ozeanischen Existenz. Und weil
wir tief in unserer Mitte eins sind, existiert die Möglichkeit der Liebe.
Ich bin gegen alle organisierten Religionen, ohne Ausnahme - aus dem
einfachen Grund, daß die Wahrheit nicht organisiert werden kann.
Sie ist keine Politik.
All diese Religionen haben euch zu Rädchen in einer Masse, zu Abhängigen
der Masse gemacht. Sie haben euch eure Individualität geraubt, eure Freiheit,
eure Intelligenz. Und dafür haben sie euch scheinbare Glaubensinhalte gegeben,
die nichts bedeuten.
Glaube ist nur eine Strategie, um sich selbst zu täuschen. Ihr wollt euch
nicht auf den Pfad des Suchens, Forschens, Entdeckens begeben. Er ist hart,
denn ihr werdet viel Aberglauben aufgeben müssen, und ihr werdet euch
deprogrammieren müssen von all den Konditionierungen der Vergangenheit,
die euch davon abhalten, die Wahrheit zu erkennen, euch selbst zu erkennen.
Kein Glaube kann helfen, und alle Religionen basieren auf Glauben.
Eben darum nennt man sie auch "Glaubensbekenntnisse".
Die Wahrheit ist eine Suche, kein Bekenntnis. Sie ist ein Nachforschen,
kein Glauben. Sie ist eine Frage, ein Fragen. Wer diese Suche vermeidet,
wird leicht verführbar, fällt leicht all denen zum Opfer, die nur darauf
warten, euch auszubeuten.
Und natürlich fühlt es sich in der Menge wohlig an. Es gibt sechshundert
Millionen Katholiken. Da fühlt man sich wohl, und man hat das Gefühl, daß
sechshundert Millionen Menschen sich nicht irren können. *Du* kannst dich
irren, aber sechshundert Millionen Leute können sich nicht irren - nur,
genau so denkt *jeder* von ihnen.
Vierhundert Millionen Hindus haben das Gefühl, recht zu haben, und für die
Mohammedaner, die Buddhisten und andere Religionen gilt dasselbe.
Eine Religion sollte keine tote Organisation sein, sondern eher eine
Religiosität, ein liebendes Herz, eine Freundlichkeit gegenüber dem
Ganzen. Für das alles braucht man keine Heiligen Schriften.
Alle sogenannten Religionen haben euch das Grab geschaufelt, haben euer
Leben, eure Freude zerstört und euch den Kopf vollgestopft mit Phantasien,
Illusionen, Halluzinationen über Gott, über Himmel und Hölle und Wieder-
geburt, und mit allem möglichen anderen Quatsch.
Eine authentische Religiosität bedarf keiner Propheten, keiner Heilande,
keiner Kirchen, keiner Päpste, keiner Priester - weil Religiosität das
Aufblühen deines Herzens ist.
Wenn sich Religiosität über die ganze Welt verbreitet, werden die Religionen
endgültig verblassen, und es wird ein enormer Segen für die Welt sein,
wenn der Mensch nur noch *Mensch* ist - weder Christ noch Moslem noch Hindu.
Aber die Welt hat bisher noch keine Religiosität erlebt. Bevor die
Religiosität nicht zum Grundklima der Menschheit geworden ist, wird es
überhaupt keine Religion geben - nur Aberglauben. Und ich bestehe deshalb
darauf, es *Religiosität* zu nennen, damit es nichts Organisiertes wird.
Religiosität ist eine *individuelle* Angelegenheit. Sie ist deine Liebes-
botschaft an den ganzen Kosmos. Nur so wird es einen Frieden geben, der
über alles Mißverstehen erhaben ist... denn bisher waren alle Religionen
Parasiten und haben die Menschen ausgesaugt, unterjocht, zum Glauben
gezwungen. Und *jeder* Glaube ist gegen die Intelligenz.
Ich sähe die ganze Welt liebend gern religiös - aber im Sinne einer
unabhängigen Suche, geboren aus der Freiheit jedes einzelnen.
Erstens also sollten die *Nationen* verschwinden, wenn die Welt überleben
soll. Wir brauchen kein Indien und kein England und kein Deutschland.
Zweitens sollten die *Religionen* verschwinden.
*Eine* Menschheit genügt.
Und *eine* Religiosität genügt.
Meditation, Wahrheit, Liebe, Authentizität, Aufrichtigkeit - all das
braucht kein Attribut... hinduistisch, christlich, mohammedanisch.
Eine einzige Religiosität - eine Eigenschaft, nicht etwas Organisiertes.
Sobald sich Organisation einmischt, wird es zu Gewalt kommen, denn dann
gibt es Reibungen mit anderen Organisationen. Wir brauchen eine Welt von
Individuen, ohne jegliche Organisationen. Ja, es kann Gruppen von Menschen
geben, die ähnliche Gefühle haben, ähnliche Freuden, ähnlichen Jubel, aber
es darf keinerlei Organisationen, Hierarchien, Bürokratien geben.
Erstens keine Nationen, zweitens keine Religionen, und drittens eine
Wissenschaft, die einzig und allein einem besseren Leben gewidmet ist,
die für mehr Leben, höhere Intelligenz, mehr Kreativität arbeitet -
nicht für mehr Krieg, nicht für die Zerstörung. Wenn diese drei Dinge
möglich werden, kann die gesamte Menschheit vor der Vernichtung bewahrt
werden - der Vernichtung durch ihre eigenen Führer, die religiösen, die
politischen, die gesellschaftlichen.
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Quelle:
Die größte Herausforderung: Die Goldene Zukunft (ISBN 3-925205-31-4)