Keine andere Zeit, kein anderes Jahrhundert
hat soviel über *Liebe* gesprochen, wie wir es tun.
Und das ständige Sprechen darüber
läßt die Illusion entstehen, daß wir wissen, was Liebe ist.
Wir täuschen andere,
wir täuschen auch uns selbst.
Und der Mensch stirbt ohne Liebe,
denn so, wie der Körper Nahrung braucht,
so braucht die Seele Liebe,
es ist ein Muß.
Aber *Nahrung* kann man herstellen, kann man schaffen, kann man anbauen.
Bei der *Liebe* muß man eine völlig neue Technik lernen,
die Technik, entspannt, offen, verfügbar zu sein.
Das ist riskant.
Es ist gefährlich, offen zu sein, verletzlich zu sein,
denn man weiß nie, was geschehen wird.
Deshalb bleiben die Menschen verschlossen.
In dieser Verschlossenheit fühlen sie sich sicher.
Es gibt *Sicherheit*, aber das *Leben* verschwindet.
Sie sind tot, selbst während sie noch leben.
Sie sind fast schon im Grab,
sicher, geschützt, alles garantiert, keine Angst.
Aber wenn es kein *Leben* gibt,
was ist dann der Sinn all dieser Sicherheiten?
Ein wirkliches Leben ist immer *abenteuerlich*,
und die Liebe ist das größte Abenteuer.
Lieben heißt, ins Unbekannte gehen,
dem Leben erlauben, dich in Besitz zu nehmen.
Und das Leben kann dich nur in Besitz nehmen,
wenn du bereit bist, dich darin aufzulösen.
In diesem Verschmelzen wächst die Liebe.
Wenn *du* nicht bist,
ist die *Liebe*.
Und so geschieht *Gott*.
Liebe ist der Anfang Gottes,
Liebe ist der Vorbote Gottes, der erste Sonnenstrahl.
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Osho: MorgenMeditationen - 365 Einstimmungen in den Tag (ISBN 3-925205-87-X)
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