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Ruediger Dahlke ueber Osho

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Wolfgang Doelz

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Sep 24, 1998, 3:00:00 AM9/24/98
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Das Vorwort Rüdiger Dahlkes zu
Osho: Das Buch der Heilung (Heyne Esoterisches Wissen, Nr. 08/9658)

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Wohl kein Denker hat in dieser Hälfte des Jahrhunderts so viele Menschen
provoziert wie Bhagwan Shree Rajneesh, der sich in seinen letzten Lebensjahren
Osho nannte. Es gehörte geradezu zu seiner Lehrmethode, zu schockieren, zum
Lachen zu bringen und in andere Bewußtseinszustände zu führen. Noch heute
- Jahre nach seinem Tod - ist es nicht leicht, ein Buch über ihn in einem
renommierten Verlag herauszubringen. Zu groß sind noch immer die Ressentiments,
viele hat er wohl für eine ganze Inkarnation beleidigt, und man darf vermuten:
Es hat ihm nichts ausgemacht.

Der endgültigen und völligen Befreiung des menschlichen Bewußtseins ver-
pflichtet, hat er alle Regeln, Gesetze und Einengungen als Gegner angenommen,
und es dürfte keine Religion auf dieser Erde geben, mit deren Vertretern er
sich nicht verbal angelegt hätte. Politiker, aber überhaupt Würdenträger,
gleichgültig welcher Couleur, eigentlich alle, die etwas zu verlieren hatten,
kamen schlecht bei ihm weg, und so dürfte es kaum einen Menschen geben, der
allein durch Worte seinen Ruf in vergleichbarer Zeit ähnlich ruinierte.
Osho kümmerte sich nie um die Erwartungen seiner Umwelt, und nicht einmal
um die seiner vor allem westlichen Anhänger. Vielmehr spielte er außer-
ordentlich einfallsreich mit allen Vorstellungen und nutzte Paradoxien und
Witze, um immer wieder feste Positionen in Frage zu stellen und seine
Zuhörer erst einmal gehörig zu verwirren, bevor er sie in der Tiefe seiner
Gedanken auf die *eine* Wahrheit stieß.

Er geht radikal von seinem jeweiligen Standpunkt aus, fürchtet Widersprüche
in keiner Weise, sondern spielt geradezu genüßlich mit ihnen. Aus materieller
Sicht verdammt er die Homöopathie, nur um gleich darauf festzustellen, daß
sie aus einer umfassenden Sicht das viel tiefer gehende Therapiekonzept
darstellt als etwa die Schulmedizin. Ähnlich kann er die christliche Drei-
faltigkeit schlicht als Quatsch hinstellen, während er im nächsten Exkurs
auf die ewigen Wahrheiten von Christi Lehre eingeht. Das mag erschreckend
und jedenfalls ungewohnt und verwirrend für den westlichen Verstand sein,
aber um den geht es Osho am wenigsten, im Gegenteil, er ist dessen erklärter
Feind. Immer und überall sieht er das *Heil* als Maß.

Dem phänomenologischen westlichen Denken ist er nicht verpflichtet, sondern
er zielt immer radikal auf die Wurzeln. So können seine Reden dazu führen,
Vorurteile zu durchschauen oder in Vorurteilen gegenüber ihm selbst stecken-
zubleiben. Hier unterscheidet sich das "Buch der Heilung" kaum von der
Wirkung des *Sprechers*. Diese Art der Rede, und es handelt sich ganz ein-
deutig um ein *gesprochenes* Buch, ist an sich schon Therapie. Für den Genuß
beim Lesen ist es zwingend, das mit einzubeziehen.

Fangen wir an, Oshos Äußerungen in unserem intellektuellen Sinn auf die
Goldwaage zu legen, kommen wir nicht weit mit ihm. Um zu provozieren,
schreckt er vor kaum einer Übertreibung zurück. Wenn er mit dem Brustton
selbstverständlicher Überzeugung behauptet, in Indien könne es keine
Aids-Epidemie geben, scheint ihn die Zeit bereits schrecklich widerlegt
zu haben. Andererseits kann man an anderer Stelle lesen, daß Indien für ihn
viel mehr als ein geographischer Ort ist. Er sieht in seiner Heimat ein
mythologisches Land, das Kernland des Orients und der *Orient* -ierung damit.
An diesem mythischen Ort kann es allerdings kein Aids geben. Was auf den
ersten Blick wie jenes dumme Vorurteil vieler Inder aussieht, das gerade
dazu beiträgt, daß sich Aids kaum irgendwo schneller ausbreitet, erscheint
auf den zweiten tieferen Blick in einem neuen Licht.

Und darum vor allem ging es Osho, neues Licht auf alte Dinge zu werfen
und seinen Schülern (das) ein(e) Licht aufgehen zu lassen. Zu diesem Zweck
scheut er auch vor haarsträubenden Widersprüchen nicht zurück. Er schlüpft
in die Rolle des Heyokas der Indianer, eines Hofnarren des Mittelalters
oder vielleicht auch des göttlichen Narren im Tarot und erlaubt sich alles,
was verspricht, die Menschen aus ihren eingefahrenen Gleisen zu werfen,
um eine neue Richtung ins Spiel zu bringen. All diese Narren hatten die
Aufgabe, Gegenpole zu beziehen und den Menschen den oft unangenehm ehrlichen
Spiegel vorzuhalten. Das häßliche Grinsen darin als das eigene zu erkennen,
wäre der Sinn des vorliegenden Buches. Es auf Osho zu projizieren, ist die
übliche gutbürgerliche Abwehrreaktion. So wie der mittelalterliche Herrscher
oder der Indianerhäuptling am meisten von seinem Narren hätte lernen können,
könnten wir heute von Osho lernen, der sich freiwillig und mit spürbarem
Genuß zum Narren machte und sich nicht die Bohne um anerkannte Regeln,
Gesetze oder gar Moral kümmerte.

Wie leicht man in das angenehmere Muster des Projizierens rutscht, habe
ich bei der Lektüre des Manuskripts selbst erlebt. Der Fastenarzt in mir
schluckte schwer, als seine Methode durch den Kakao gezogen und erst
hundert Seiten später rehabilitiert wurde. So ging es auch noch dem
Psychotherapeuten und Homöopathen und noch einigen meiner Persönlichkeits-
teile. So wird es hoffentlich jedem Leser gehen, und dann ist dieses
Frage-und-Antwortspiel zwischen Meister und Schülern mehr als ein Buch.
Es wird dazu zwingen, eigene Standpunkte zu hinterfragen und manche davon
auf Dauer fahrenzulassen. Selbst dort, wo man auch nach reichlicher Prüfung
nicht mit Osho konform gehen kann oder will - für mich etwa sein Ausblick
auf den wissenschaftlich programmierten Übermenschen der Zukunft -, wird ein
innerer Prozeß in Gang gesetzt, der zur fruchtbaren Auseinandersetzung zwingt.
Selbst nachdem ich viele seiner Reden gehört, seine Meditationen erfahren
und außerdem das Glück hatte, ihn live und lebendig in Poona zu erleben,
haben mich seine Gedanken wieder von neuem irritiert und animiert.

Dort, wo Osho dem Thema *Heil* -ung wieder zu Tiefe verhilft und ihm mit
philosophischem Denken begegnet, kann das Buch Therapeuten und überhaupt
Menschen in helfenden Berufen Anstöße und Hilfen liefern. Nichts fehlt
unserer modernen Medizin so sehr wie eine Philosophie vom *Heil* (-en).
Und wenige liefern sie so kompromißlos wie Osho.

Schulmedizin und -psychologie rudern ziemlich hilflos in einem Meer aus
Pragmatismus und oberflächlicher Symptomkosmetik. Ihnen ist wie dieser
Gesellschaft alles Radikale, d.h. an die Wurzeln gehende, verhaßt, und so
orientieren sie sich am phänomenalen Geschehen der Oberfläche. Dort aber
liegen weder Lösungen noch Perspektiven. Wer sich dort ansiedelt, kann den
einfachsten Grundfragen nicht gerecht werden. Wenn es nicht so erbärmlich
wäre, könnte man fast darüber lachen, daß die Schulmedizin nach vielen
Jahrzehnten immer noch nicht begriffen hat, was Vorbeugung, von der sie
so gern redet, eigentlich ist. Sie verwechselt sie ständig und konsequent
mit Früherkennung. Das wird sich auch nicht ändern, solange sie sich den
Gedanken einer esoterischen Medizin verschließt.

Osho geht in diesem Buch noch weit darüber hinaus und behandelt in den
Antworten auf die Fragen seiner Schüler eine Fülle von Themen, die im
Zusammenhang mit den Themen Gesundheit und Heil stehen. So wird dem Leser
bewußt, wie schließlich alle Fragen auf diese Thematik zielen und es
letzlich nur *ein* Ziel geben kann. Daß Osho darauf immer wieder zurück-
kommen muß, liegt in der Natur der Wirklichkeit: Es gibt zwar unzählige
Gegensatzpaare in der polaren Welt, aber nur *ein* Ziel: *die Einheit*.

Rüdiger Dahlke
November 1994

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