Eugenik und Euthanasie. Beide Begriffe sind durch verbrecherische Praktiken im
III Reich so entwertet worden, daß man sie in heutigen Diskussionen oft um die
Ohren gehauen bekommt, fall man sie verwendet. Man wird als Behindertenfeind
bezeichnet, als Rassist, gar als Mörder.
Eugenik - die Verbesserung des Erbguts, und Euthanasie, der Tod auf eigenes
Verlangen, sind nach meiner Überzeugung als solches aber vernünftige Ziele.
Genetische Verbesserung betreibt der Mensch schon von Beginn an. Er hat es sich
von der Natur abgeschaut, die vor Zeiten sich ganz anders darstellte. Nur
Entwicklungen, die geeignet waren, weiter in die Zukunft vorzudringen, können
wir heute noch sehen. Nicht die Sauriers beherrschen heute die Erde, sondern
der Mensch. Und warum sollte es Sünde sein, aus überlegter eigener Entscheidung
darum zu bitten, seinem Leben ein würdevolles Ende gesetzt zu bekommen?
Die Einstellungen in unserer Gesellschaft zu Eugenik und Euthanasie wird
weitgehend bestimmt von ethischen Werten, die ihre Wurzeln in religiöse Dogmen
haben, die vor vielen Tausenden von Jahren erdacht wurden. Gott, dar
allwissende, allmächtige Schöpfer der Welt und des Menschen als seine
Ebenbilder, als Kronen der Schöpfung - er allein soll das Recht auf solche
Entscheidung zustehen? Der eigene Tod ist zu fürchten, wenn man nicht seinen
Geboten entsprechend lebte? Der Liebe Gott, so wird er genannt. Nach meiner
Meinung wird er teilweise als Rachegott beschrieben. Das kann jeder nachlesen -
es steht so geschrieben. Liebe zu Gott soll durch Angst erzeugt werden?
Es ist schwer, von dieser vorgeprägten Basis die richtigen Antworten auf
Eugenik und Euthanasie zu formulieren. Welcher Unsinn auf Grund dieser
"religiösen" Basis schon verzapft wurde, kann man in den Geschichtsbüchern
nachlesen und am Unfrieden in der Welt ablesen. Die Widersprüchlichkeit
religiöser Aussagen zu religiösem Handeln sind oft mehr als grotesk. Wer aber
in Gott das Ziel des WERDENS sieht, wer von der eigenverantwortliche Schaffung
einer WIR-VOLLKOMMENHEIT durch individuelle Entscheidungen von Ichs ausgeht,
denkt von einer ganz anderen Basis aus. Er richtet das Ziel nicht nur auf das
eigene Ich, sondern auf das universale WIR. Wenn diese WIR Vollkommenheit
erlangt werden soll, darf darin nichts Unvollkommenes mehr sein. Übertragen auf
die Menschheit fordert dies, Unvollkommenes zu erkennen und nach und nach zu
reduzieren. Es ist aus meiner Sicht eine glaubhafte Zielvorgabe: Zukunft
realisieren, die sich der Vollkommenheit nähern kann. Aus dieser Sicht her
ergeben sich ganz andere Antworten, als aus der Sicht alttestamentarischer
Patriarchen. Die wirkten zu ihrer Zeit - wir wirken im Jetzt.
Das ist meine Meinung: Die Entscheidung über Euthanasie darf nur bei einem
Menschen mit klarem Bewußtsein liegen. Kann ein Mensch solche Entscheidung
nicht mehr selbst treffen oder auf Grund einer geistigen oder körperlichen
Behinderung, darf es auch kein anderer für ihn. Eugenik, die das Entstehen von
unbehindertem Leben VOR DER ZEUGUNG ermöglicht, darf nie zu Nachteilen für
lebende Behinderte werden. Eugenik darf auch nicht unter der Leitung von
kommerziellen Monopolen betrieben werden, sondern nur unter einer Aufsicht, die
oberhalb der einzelnen Menschen und Staaten angesiedelt ist. Eugenik hat der
Menschheit als Ganzes zu dienen, nicht einzelnen Privilegierten.
Ein heißes Thema, zugegeben. Ob es sachlich und fair diskutiert werden kann?
Liebe Grüße vom Peter
>Eugenik darf auch nicht unter der Leitung von
>kommerziellen Monopolen betrieben werden, sondern nur unter einer Aufsicht,
>die
>oberhalb der einzelnen Menschen und Staaten angesiedelt ist.
Aha, und das ist der Punkt!
>oberhalb der einzelnen Menschen und Staaten angesiedelt ist.
Was ist das, ist das etwa Gott?
Gruß,
Martina
Hallo Martina,
Du fragst zur Verantwortlichkeit für die Eugenik:
>> Was ist das, ist das etwa Gott?
Nein, damit meine ich ein demokratisch gewähltes Gremium, daß über den Staaten
wirkt. Forschung, deren Ergebnisse zwangsläufig das Schicksal der ganzen
Menschheit beeinflussen können, gehört eben in die Verantwortlichkeit einer
solch hohen Ebene*. Eine solche Entscheidungsebene halte ich für realisierbar -
wenn auch sicher nicht kurzfristig. Aber wir haben ja auch schon die UN
realisiert und sind auf dem Weg zu einer oberhalb der Staaten angesiedelten
Gerichtsbarkeit. In meinen Augen sind das richtige Schritte.
Daß der Mensch übrigens eingreifen kann in die Geschicke der Welt, jetzt auch
auf Gebieten wie der Genmanipulation, halte ich übrigens im Einklang mit dem
Willen Gottes. Daß solches Eingreifen nicht zwangsläufig geeignet ist, steht
außer Frage*. Was geeignet ist, was nicht, das müssen wir halt selbst
erkennen*. Gott kann da gar nicht helfen - er hat auch den Menschen die
Entscheidung übertragen*. Sonst wären wir ja nur Marionetten von ihm, äh, nach
meiner fehlerhaften Meinung ;-))
Liebe Grüße vom Peter
* Wie immer äußere ich nur meine fehlerhafte Meinung ;-))
Lieber Peter,
man möchte meinen, daß es Dir Spaß macht, Dich mit dem bloßen Hintern in die
Nesseln zu setzen.
Ausgerechnet in Deutschland das Thema Eugenik und Euthanasie aufgreifen. In
unseren Landen kann sowas doch nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert werden,
da doch die SA JESU CHRISTI (Buchtitel von Ernst Klee, Fischer-Taschenbuch
4409) noch nicht völlig in Vergessenheit geraten ist.
Liebe Grüße von Roland
Hallo Roland,
ja, mag stimmen ;-))
>> man möchte meinen, daß es Dir Spaß macht, Dich mit dem bloßen Hintern in die
Nesseln zu setzen.<<
Das habe ich schon früher, mit dem paranoiden Anklage, ich würde Behinderten
das Recht auf Leben absprechen. Tu ich nicht, sagte dies bereits zuvor
unmißverständlich für die, die mich nicht bewußt mißverstehen wollen.
Nun, ein heißes Thema nicht anzusprechen heißt, dazu zu schweigen. Schweigen
aber vermag Nichts zu verändern. Da ich das WERDEN aber als Veränderung sehe,
als individuelle Entscheidung darüber, was geeignet ist, was ungeeignet, will
ich nicht schweigen.
Daß Menschen Euthanasie und Eugenik ablehnen, kann ich aber verstehen. Wenn ich
mir aber all die Schimpfwörter in Erinnerung rufe, die man mir schon gegen die
Birne warf, denke ich halt: muß man auch verstehen. Nur die verstehe ich nicht,
die mich aus Berechnung mißverstanden haben. Die gibt es leider auch.
Hoffentlich nicht in diesem Forum.
Liebe Grüße vom Peter
du schriebst:.
>Die Einstellungen in unserer Gesellschaft zu Eugenik und Euthanasie wird
>weitgehend bestimmt von ethischen Werten, die ihre Wurzeln in religiösen
Dogmen
>haben, die vor vielen Tausenden von Jahren erdacht wurden. Gott, der
>allwissende, allmächtige Schöpfer der Welt und des Menschen als seine
>Ebenbilder, als Kronen der Schöpfung - er allein soll das Recht auf solche
>Entscheidung zustehen?<
da habe ich aber arg daneben gelegen mit meiner Vermutung, daß Du Dich mit dem
Aufgreifen dieses Themas in die Nesseln setzen würdest. Abgesehen von der
Zuschrift von Martina herrscht Schweigen im Walde - erstaunlich! Und dabei ist
das doch eigentlich ein wichtiges, ein aktuelles, ein Thema mit emotioneller
Brisanz, ein Thema mit hervorragender Möglichkeit zu - fast hätte ich gesagt
unendlichen - Mißverständnissen.
Na, vielleicht kann ich mittelalterliche Gesinnung auf den Plan rufen
Zur Euthanasie: Die Gegner der Selbstbestimmung des Lebensendes bei mit
Hochtechnologie verlängertem, wegen völligem Verlust von Lebensqualität als
würdelos zu qualifizierendem Leben und herausgezögertem Sterben schnallen
nicht, daß in diesem Falle ihrem lieben Gott doch weit kräftiger ins Handwerk
gefuscht wird, wenn man ihm den unheilbar Sterbenden immer wieder vorübergehend
von der Schippe reißt, als man es tut, wenn man dem Wunsch des Sterbenden nach
einem Tod in Würde nachkommt und - dem Vorhaben Gottes folgend - "den Stecker
herauszieht".
Einen mit Hochtechnologie heilbaren Menschen von der Schippe zu reißen fuscht
dem lieben Gott zwar auch ins Handwerk, genauso wie die Verabreichung von
schmerzstillenden Medikamenten oder Heilmitteln überhaupt, aber da haben die
nur Gott Entscheidungen über Sein und Nichtsein zubilligenden, in der falschen
Zeit lebenden Zeitgenossen
entweder - Gott sei Dank! - erkennend, daß sie nicht gegen die Segnungen der
Zeit ankommen, schon resigniert oder es ist ihnen ein wenig Vernunft
zugeflossen.
Zur Eugenik: Auch hier wird dem lieben Gott seit Friedlieb Ferdinand Runge, dem
geistigen Schöpfer der Teerfarbenindustrie (also seit etwa Mitte des 19.
Jahrhundert) von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stärker ins Handwerk gefuscht. Die
neuesten Stichworte dazu: Künstliche Ausbreitung von BSE und BSE-ähnlichen
Erkrankungen im Tier- und Menschenreich, Genomschäden im Tier- und
Menschenreich durch inkorporierte ionisierende Strahlung infolge
Kerwaffenversuchen, explodierenden oder heimlich emittierenden Kernkraftwerken,
Verschießen von uranhaltigen panzerknackenden Geschossen, aber auch nicht zu
vergessen: eine Fülle medizinische Maßnahmen, die das menschliche Genom
langfrisdtig und statistisch gesehen qualitativ verschlechtern. Ich kann darin
nichts Positives sehen. Im Gegenteil: Man sollte der Menschheit wünschen, daß
sie Generation um Generation einen Zugewinn erfährt an natürlicher im Genom
verankerter, konstitutioneller, also nicht erst durch medizinische Maßnahmen am
einzelnen Individuum erzeugter Gesundheit.
Übrigens gibt es da die aberwitzigsten Ansichten bei den Gegnern einer mit
Bedacht angestrebten gegenläufigen Bewegung zur Genomverschluderung. Da wird
argumentiert, daß das - ich betone ausdrücklich: mit Bedacht und
Verantwortungsgefühl vorzunehmende allmähliche Ausdünnen von ungünstigen
Erbanlagen aus dem menschlichen Genom das in ihm steckende Potential zu
besonderen Leistungen im intellektuellen oder im emotionellen oder im
künstlerischen Bereich ausdünnen könnte, so als ob Genomschäden mit solchen
Befähigungen besonders korrelieren würden.
Zur Eugenik möchte ich abschließend noch bemerken, daß sie nicht fernab und
unabhängig vom Vorgang der Evolution angesiedelt ist, sondern als Bestandteil
eingebettet in den machtvoll und zielstrebig ablaufenden breiten
Entwicklungsstrom, der mit dem vermeintlichen Urknall begann, über Quarks,
Atome, DNA-Moleküle schließlich zum Menschen führte und durch diesen die
Begrenzungen, die dem Prozeß im biologischen Bereich gesteckt sind, zu
überwinden vermag.
Freundliche Grüße
Roland
Hallo Erdfreund Roland,
die fehlende Resonanz auf kontroverse Themen liegt wohl eher an der geringen
Beteiligung in diesem Forum. Auf "mittelalterliche" Gesinnung verzichte ich
übrigens gerne ;-))
Bei Eugenik und Euthanasie geht es letztlich immer auch um die Frage: wer hat
die Entscheidungsbefugnis. Liegt sie bei Gott oder liegt sie bei den Menschen?
Da ich von einer von Gott gewissermaßen nur initiierten evolutionären
Entwicklung ausgehe, und nicht von einer fix-und-fertig gebackenen Welt, sehe
ich die Entscheidung immer bei den Teilen und nicht bei dem Ganzen. So sehe ich
es in meiner Entscheidung liegend, über mein Leben und auch über dessen Ende zu
bestimmen. Es liegt aber in der Entscheidung eines anderen, mir den Kopf jetzt
schon zu zertrümmern ;-))
Es war auch menschliche Entscheidung, Krankheiten zu bekämpfen. Dadurch litt
zwangsläufig die Entwicklung "gesunder Gene" - früher konnten sich "kranke
Gene" kaum fortpflanzen. Jetzt ist das Genpotential also nicht mehr so
"gesund". Wer dies als eine ganz normale evolutionäre Entwicklung sieht, der
erkennt wahrscheinlich, daß die Entwicklung des Genpotentials (ach, was für ein
beknacktes Wort) ungeeignet ist. Jetzt könnte man also die Bekämpfung von
Krankheiten einstellen - in einigen Generationen würde das Genpotential durch
die sogenannte "natürliche Auslese" wahrscheinlich weniger gegen Krankheiten
anfällig sein. Oder - und das würde ich bevorzugen - man betreibt
verantwortungsvoll Evolution auf einer höheren Ebene. Entscheidend für
Evolution sind immer die Entscheidungen, die im Jetzt getroffen und umgesetzt
werden. Der Richter gewissermaßen über diese Entscheidungen richtet aber immer
erst in der Zukunft. Was weiter in die Zukunft wirkt, war nach meiner Meinung
geeignet, was nicht, war eben ungeeignet.
Diese Sicht ergibt aber nur Sinn, wenn man in der Zukunft das Ziel sieht - und
nicht im Jetzt und nicht im ICH. Es ist meine Sicht, die ich als glaubhaft
erachte.
Liebe Grüße vom Peter