in einer Rede (Mitte Nov. ) von Michael Friedmann, dem 2. Vorsitzenden des
Zentralrates der Deutschen Juden aus Anlaß einer Tagung des Bundeskriminalamtes
in Wiesbaden zum Thema Rassenhaß und Fremdenfeindlichkeit fragt er, wann die
Ermordung der jüdischen Menschen in Deutschland begann. Begann das Morden bei
Betreten der Gaskammer? Mit der Reichskristallnacht? Beim Erlaß der
Rassengesetze. Mit der Machtergreifung Hitlers?
Michael Friedmann forderte Pluralismus und Meinungsfreiheit für alle Religionen
und Rassen in unserer Gesellschaft. Er forderte ihre Integration in der
Gesellschaft und nicht ihre Assimilation. Er forderte vor allem ein Aufwachen
der Gesellschaft und aktiven Widerstand gegen Rechtsextremismus.
Klar, das kann ich alles irgendwie mit unterschreiben. Aber wo ist die
Meinungsfreiheit für Rechtsextremisten? Damit meine ich keinesfalls die
Freiheit für verbrecherische Taten - um nicht mißverstanden zu werden. Und wie
soll Integration von Menschen anderer Religionen und Kulturen ohne eine gewisse
Assimilation möglich sein? Soll die Minderheit das Verhalten der Mehrheit
bestimmen? Und wann begann denn das Morden wirklich, wann begann Rassenhaß und
Fremdenfeindlichkeit? Mit der Machtergreifung Hitlers? Oder bereits im Alten
Testament, etwa mit dem Auftrag Gottes, den er an den ersten israelischen König
Saul erteilte:
"So spricht der HERR der Heerscharen: Ich habe bedacht, was Amalek Israel
angetan, wie es sich ihm in den Weg gestellt hat, als Israel aus Ägypten
heraufzog. Nun zieh hin und schlage Amalek! Und vollstreckt den Bann an ihnen,
an allem, was es hat, und verschone ihn nicht, sondern töte Mann und Frau, Kind
und Säugling, Rind und Schaf, Kamel und Esel!" (2. Samuel, 15, 1 - 3)
Rassenhaß und Fremdenfeindlichkeit scheinen also schon durch das Alten
Testament von Gott legitimiert. Auch der Gedanke der Rache. Aber all dies gab
es sicher bereits davor. Es scheint typisch menschlich, leider. Der Gedanke der
Rache, das Ermorden von Menschen anderer Rasse und Glaubens aber wird durch den
Gott Israels selbst ultimativ gefordert. Vom HÖCHSTEN also. Solange diese
Wurzeln nicht entgiftet sind, wird Rassenhaß und Fremdenfeindlichkeit weiter
bestehen. Solange es auf unserer Erde nicht einen Glauben an eine geeignetere
Vorstellung von Gott für alle Rassen und Nationen gibt, einen Gott für ALLES,
wird elitäres und rassistisches Denken das Handeln mancher Menschen
mitbestimmen. "Mein Gott ist der Beste, meine Religion verkündet als einzige
die Wahrheit, meine Rasse ist zu Besonderem auserkoren!". Diese unangebrachte
Überheblichkeit muß erst beendet werden, bevor Menschen unterschiedlicher
Rassen und Nationen und Glaubensvorstellungen vernünftiger zusammenleben
können. Das sollte auch Michael Friedmann berücksichtigen.
Michael Friedmann fordert mit Recht, daß die Greueltaten des Hitlerregimes von
den nachwachsenden Generationen nicht vergessen werden dürfen. Aber es dürfen
auch nicht die anderen Wurzeln vergessen werden, die als Legitimation für
Greueltaten verantwortlich waren und heute noch sind. Bis hin zur Eliminierung
fast der ganzen Menschheit durch die Sintflut. Ein solches Handeln Gott zu
unterstellen ist in meinen Augen die höchste Form von Gotteslästerung. Es zeigt
mir auf, daß das "Wesen" Gottes so nicht zu verstehen sein wird. Wir brauchen
nach meiner Überzeugung eine geeignetere Umschreibung Gottes. Eine, die in
ihren Wurzeln keinen Rassenhaß und Fremdenfeindlichkeit beinhaltet, keine
Gedanken von göttlicher Rache - aber den von der Liebe zu Gott.
Liebe Grüße vom Peter