AUFRUF ZUR UNTERSTÜTZUNG DER OPERATIONSKOSTEN VON NURAY SEN
Nuray Sen, geboren 1951, gehörte früher der Leitung der Egit-Sen
(LehrerInnengewerkschaft) an und ist die Präsidentin des
Mesopotamischen Kulturzentrums.
Am 13.10.96 wurde Nuray Sen bei einem Autounfall schwer verletzt.
Als erstes wurde sie in das Staatskrankenhaus von Aksaray
gebracht. Dort stellten die Ärzte eine Rückenverletzung fest und
schickten sie mit einer Ambulanz nach Ankara. Vom Numune-
Krankenhaus in Ankara wurde sie weiter ins Bayindir-Krankenhaus
überführt. Im Bayindir-Krankenhaus stellten die Ärzte sofort fest,
daß Frau Sen schwere innere Blutungen erlitt. Unverzüglich wurde
sie einer Operation unterzogen. Die Milz mußte ihr entnommen
werden, an der linken Brust wurde ein Katheter (Drainage)
angelegt, um die inneren Blutungen trockenzulegen. Einige Stunden
nach der ersten Operation wurde Frau Sen ein zweites Mal operiert,
da die inneren Blutungen nicht aufgehört hatten. Die linke Brust
wurde geöffnet und nach der Ursache der anhaltenden Blutungen
gesucht. Eine offene Arterie wurde gefunden und geschlossen.
Unmittelbar anschliesßnd wurde in einer dritten Operation der
linke Fuß, dessen Knöchel kompliziert gebrochen war, von zwei
Orthopäden gerichtet. Bevor Frau Sen einer weiteren Operation
unterzogen wird, muß sie sich erst einige Tage erholen. In der
Lendengegend (Lumbal 1) ist ein Wirbel gebrochen. Die unmittelbare
Gefahr einer Lähmung besteht zur Zeit nicht, jedoch hängt dies vom
Verlauf der bevorstehenden Operation ab.
Die Kosten der Operation und des Aufenthaltes im Bayindir-
Krankenhaus sind sehr hoch. Die Krankenversicherung von Frau Sen
('Bagkur' Versicherung) wird nur in einigen Staatskrankenhäusern
der Türkei anerkannt, generell muß die Patientin die Kosten selber
tragen.
Besonders für einen erfolgreichen Verlauf der Rückenoperation ist
es jedoch von Nöten Frau Sen in einem Universitätskrankenhaus oder
in einem 'Özel'-Spezialkrankenhaus wie dem Bayindir-Krankenhaus
operieren zu lassen. Der Transport in ein anderes Krankenhaus ist
mit dem gebrochenen Wirbel zu riskant.
Das allgemeine Gesundheitssystem in der Türkei ist sehr schlecht.
Wie am Beispiel Nuray Sen deutlich wird, wurde in den ersten
beiden Krankenhäusern, beides Staatskrankenhaeuser, die innere
Blutung nicht festgestellt. Eine solch oberflächliche Diagnose
gehört leider zum Alltag. Die Nuray Sen begleitenden Personen
bemerkten die oberflächliche Behandlung der Ärzte und brachten
Frau Sen deshalb in das Spezialkrankenhaus Bayindir.
Nun treten wir mit der Bitte an Sie, Geld für die Kosten der
Operationen zu spenden. Es ist nicht möglich, in der Türkei das
nötige Geld zusammenzubekommen. Die ökonomische Situation hat sich
v.a. in den letzten Jahren drastisch verschärft, die meisten
Menschen leben von der Hand in den Mund. Daher sind wir auf eine
Unterstützung aus dem Ausland angewiesen.
Das Geld wird dringend benötigt, denn bevor ein Patient das
Krankenhaus verläßt, muß das Geld bezahlt werden, bzw. beim
Eintritt in das Krankenhaus muß eine Garantie abgegeben werden;
ohne diese Garantie wird niemand operiert, sei er oder sie noch so
krank. Spezielle Krankenversicherungen, die die Krankenhauskosten
von allen Krankenhäusern decken, sind nur jenen Menschen mit einem
hohen Einkommen möglich, und das sind sehr wenige.
Die Kosten der ersten und zweiten Operation betragen 1,4
Milliarden TL. Die Kosten der dritten Operation betragen 0,5
Milliarden TL. Die Kosten der noch bevorstehenden Operation
betragen ca. 1,5 Milliarden TL.
Total ca. 3,5 Milliarden TL
Das bedeutet: Ca. 60.000 sFr/DM werden dringend benötigt.
***********************************
Spenden bitte über:
Kurdistan Hilfe e.V. (gemeinnützig)
Hamburger Sparkasse (BLZ 1211)
Konto Nr. 12 17 59
Stichwort Nuray
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Bei Fragen können Sie sich jederzeit an das MKM in Istanbul
wenden, gerne stellen wir Ihnen auch einen detaillierten
Arztrapport zur Verfügung.
Wir danken Ihnen im Voraus recht herzlich
mit freundlichen Grüßen
Süleyman Gültekin
Anbei ein Bericht über das Mesopotamia Kulturzentrum
Nuray Sen ist die Praesidentin des Mesopotamischen Kulturzentrums
(MKM) und gehört zur Leitung in Istanbul
Im Folgenden ein kurzer Einblick in das Angebot und die Arbeit des
MKM
Mesopotamien wurde einst die Wiege der Menschheit genannt. Es war
die Stätte verschiedener Völker, die Quelle vieler Hochkulturen
und von alters her die Heimat des kurdischen Volkes. Heute nennt
sich das kurdische Kulturzentrum MKM nach diesem historischen Ort.
1991 wurde in Istanbul das Mesopotamische Kulturzentrum gegründet.
In den darauffolgenden Jahren sind in Izmir, Adana, Diarbakir,
Erbil und Mersin weitere Zentren eröffnet worden. In jedem Zentrum
gibt es ein umfassendes Angebot an kultureller Arbeit. Theater-,
Musik- und Tanzgruppen, Film- und Videoworkshops, Malateliers,
Sprach- und Schreibkurse, eine Bibliothek und eine kleine
Handarbeitswerkstatt sind ein fester Bestandteil der Kulturarbeit.
Monatlich gibt das MKM eine Zeitschrift zu kultureller,
wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeit heraus.
Die rund 500 Kulturschaffenden der Mesopotamischen Kulturzentren
stehen einem Militärapparat gegenüber, dem allein schon das Wort
'Kurdisch' ein Dorn im Auge ist. Niemand all der Frauen und
Männer, Jugendlichen und Kinder war noch auf der Polizeiwache oder
in der Militaerkaserne. Der türkische Staat reagiert auch auf die
kurdische Kultur nur mit der Stimme der Gewalt und der Waffen.
Dennoch lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht von
ihrer kulturellen Arbeit abbringen. In den verschiedenen Zentren
finden fast täglich Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen
statt. Auf dem Programm stehen nicht nur die MKM-eigenen Gruppen,
sondern ein vielseitiges Programm füllt die Nachmittage und
Abende. Türkische Musik- und Theatergruppen, lasische, armenische,
assyrische und viele andere spannen einen breiten Bogen um die
Kultur des Mittleren Ostens. Nachmittags und am Wochenende sind
viele Kinder im Zentrum zu finden. Seit zwei Jahren gibt es einen
Kinderchor, und dreimal die Woche gibt es Kurdischkurse für Kinder
und Erwachsene. Allein in Istanbul besuchen mehr als 200 Kinder
den Unterricht, in Mersin sind es weit mehr. Für viele Kinder und
Frauen ist das MKM der einzige Ort, um Lesen und Schreiben zu
lernen. Ihre Familien wurden aus den kurdischen Dörfern verjagt
und zur Flucht gezwungen, viele leben illegal in den türkischen
Großstädten, weil sie eine erneute Verfolgung bei Bekanntgabe
ihrer Herkunft befürchten. In jedem Zentrum gibt es eine
Cafeteria, die den ganzen Tag über geöffnet ist. Sie ist
Treffpunkt von jung und alt und eine kleine Einnahmequelle für die
Zentren. Die Arbeit des MKM hat für die kurdische Bevölkerung eine
große Bedeutung. Sie verstärkt das Selbstverständnis der eigenen
Kultur und somit das Selbstvertrauen, ohne abgrenzend gegenüber
anderen Kulturen und Identitäten aufzutreten.
Wie finanziert sich das MKM?
Die Arbeitsbedingungen, unter denen die Musikerinnen und Musiker,
die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Malerinnen und Maler,
ja alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, sind äußerst
schwierig, hart und für in Europa lebende Menschen kaum
vorstellbar. Nicht nur wegen der ständig zu befürchtenden
Repressionen, sondern auch aus ökonomischen Gründen. Das MKM
finanziert sich zum größten Teil selber. Die Musik- und
Theatergruppen treten an Hochzeiten und anderen Festen auf, um
damit Geld zu verdienen. (Offizielle Konzerte z.B. bei Festivals
u.a. wurden bisher alle vom türkischen Staat verboten.) Aus den
Eintrittseinnahmen aus Veranstaltungen, dem Verkauf der eigenen
Musikkassetten und den Einnahmen der Cafeteria wird etwas Geld
gewonnen, und nicht zuletzt traegt die finanzielle Unterstützung
der kurdischen Bevölkerung einen großen Teil der Unkosten.