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(GER) Die Welt aendert sich, immer schneller.

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Karl-Heinz Jessen

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Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to
Die Welt aendert sich, immer schneller.

Keine andere Schlussfolgerung moeglich?
Es ist noch nicht lange her, da kam der Videorecorder auf den Markt, und
heute hat fast jeder einen.
Die CD ist juenger, aber die Musikbranche laesst alles auf CD`s pressen.
Mehr als die Haelfte aller deutschen Auto`s wurde sei 1985 gebaut.
Gelingt es noch sich einen Ueberblick ueber die vielen Radio und
Fernsehkanaele, Zeitschriften und Buchverlage, zu bekommen, die in den
letzten Jahren gegruendet wurden, und wieder verschwanden.
Ist der Menschen heute schon ihn Besitz von tragbaren Telefonen
(Handy`s), von Fax-Geraet? Wir befinden uns in der Zeit des Umbruchs.
Scheinbar gesicherte Politische System brechen zusammen. Neue sind noch
nicht in Sicht.
Oder wie Wilhelm Busch schrieb: "Eins, Zwei, Drei im Sauseschritt laeuft die
Zeit, und wir laufen mit"
Die Welt entwickelt sich immer schneller. Oder unterliegen wir Menschen eine
perspektiver Taeuschung, weil das Nahe immer groesser und bedeutender ist,
als das Ferne, und wir immer schneller darueber
informiert werden?
Na klar, die Welt aendert sich selbst immer schneller. Am Beispiel des
Computer koennen wir es sehen.
Noch in den Sechziger Jahren ein Ungetuem, heute so gut wie ueberall
vorhanden. Aber was aenderte der Computer wirklich am Leben eines Menschen?
Was aenderte sich fuer eine Sekretaerin? Noch heute tippt sie Texte, heute
am Computer, frueher in die Schreibmaschine. Die Tastatur ist dieselbe
geblieben, die Texte auch. Hinzugekommen ist die Moeglichkeit, Texte
schneller veraendern zu koennen, und die Texte sind schneller fertig, als
Ausgleich duerfen die Sekretaerin mehr davon schreiben. Seit 1980 ist mehr
geschrieben worden als in den letzten 100 Jahren davor.
Doch auf davor hat es eine Umwaelzung in den Schreibstuben gegeben.
Vor dem Computer setzte sich die Schreibmaschine durch. Standen frueher die
Schreiber (meist Maenner) an sogenannten Stehpulten, so zwang die
Schreibmaschine zum Sitzen. Die Sekretaere weigerten sich, auf die neuen
Maschinen zu arbeiten. Ihr Argument: Dies sei eine koerperlich zu anstrengte
Taetigkeit. Deshalb wurden fast alle neu entstehendem Bueroarbeitsplaetze
mit Frauen besetzt. Die Sekretaere verspotteten sie als "Klapperschlangen"
und "Leichtfingrige Tippmaedels"
Doch leicht waren diese alten Schreibmaschinen nicht zu bedienen. Die
Schreibkraft musste im Durchschnitt 15 Tonnen stemmen. Und das mit ihren
Fingerspitzen. Nach nur zweijaehriger Arbeit traten Ueberlastungen der
Sehnen auf. Arbeitsunfaehigkeit kam dazu.
Die Schreibmaschinen warfen auch Rechtsprobleme auf. Vorher wurde alles in
sogenannten Folianten eingetragen, und diese zaehlen als Rechtskraeftig.
Aber Schreibmaschinen verarbeiten Einzelblaetter die in Akten abgelegt
wurden, wie sollte der Richter nun diese Blaetter in Akten bewerten? Den in
Akten konnten Blaetter hinzugefuegt oder entfernt werden.
Schon an diesen einen Beispiel kann ermessen werden, welche tiefgreifenden
Veraenderungen mit nur einer neuen Erfindung vorlagen. Das Leben der Buerger
im ausgehenden 19ten und Beginnenden 20zigsten Jahrhundert veraenderte sich
in allen Bereichen. Was bewegte den Buerger dieser Zeit?
Die Angst um seine Zukunft, wie heute auch.
Damals (1882) arbeiten 43 % in der Landwirtschaft. Dreizehn Jahre spaeter
waren es 7 % weniger. Das Land, tiefste Provinz gemessen an den Technischen
Fortschritt, veraenderte sich schnell. Nur die Menschen nahmen es nicht
richtig wahr. Wie im Trauerspiel von C.F.Hebels "Maria Magdalena"
geschrieben:
"Wenn ich einen Baum gruenen sehe, so denk ich wohl: Nun wird er bald
bluehen!
Und wenn er blueht: Nun wird er Fruechte bringen.
Darin sehe ich mich auch nicht getaeuscht, darum gebe ich die alte
Gewohnheit nicht auf."
Die alten Gewohnheiten aufgeben, dazu wurden aber viele der Bauern
gezwungen. Die Eisenbahn kam in die Doerfer und der Bauer ackerte nun
nicht mehr nur fuer sich und sein Dorf, sondern auch fuer Staedte.
Gleichzeitig geriet der Bauer auch auf den Weltmarkt.
Ein Beispiel:
Ein Bauer im abgelegenen Land wurde sein Getreide nicht mehr los, weil
ein Importweizen billiger zu haben war.
Armut und Arbeitsueberschuss auf den Lande waren die Folgen. Hinzu kam
der technische Fortschritt in Form des Dampfpluges. Aus Not zogen
viele in die Staedte. In der Hoffnung, dort Arbeit zu finden.
Aber nicht der glitzernde Ueberfluss der Staedte, und die direkte
Gegenueberstellung mit unbekannter Technik liess viele Zugereisten das
Leben in der Stadt schwer werden. Es waren eher die neuen
Wohnsituationen und Arbeitsbedingungen.

Wer Zugereiste musste mit der schlechtesten Loesung Vorliebt nehmen. Mit
hastig errichteten Mietskasernen, in denen die Menschen mehr
eingepfercht als einquartiert wurden. Hinter den praechtigen Versaden
der Haeuser lagen mehrere Hinterhoefe eng und dunkel, von Hinterhof-
Betrieben durchdrungen.
Die Wohnungen waren ueberbelegt. Meist lebten auf 10 Quadratmeter mehr
als 12 Menschen.
Wie Werner Hegemann 1911 schrieb: ůEs weckt eigentuemliche
Empfindungen, wenn wir hoeren, dass in den bayerischen Zuchthaeusern auf den
Zellengefangenen 22 Kubikmeter Luftraum kommen, dagegen auf einen freien
Muenchner im Ostend in 12 % der Wohnungen weniger als 10, in 35% weniger als
15 Kubikmeter.ů
Eine solche tiefe Veraenderung erfasste auch die Arbeit. War auf den
Lande die Sonne oder die Jahreszeiten die, die den Arbeitsrhytmus
erstellte, so ist es in der Stadt die Uhr. Strenge Strafen fuer das
Zuspaetkommen waren an der Tagesordnung. Solange die Maschinen liefen,
hatte der Menschen auch zu laufen, Ohne Pause oder Unterbrechung.
Jeder Arbeiter machte nur ein Handgriff, und das den ganzen Arbeitstag
lang. Vom Handwerker und Bauern ist der Mensch zu einem kleinen
Raedchen geworden.
Die Belegschaftsbilder von aelteren Firmen zeigen den Umbruch: Blickten die
in den Arbeiter von ca 1870 noch Selbstbewusst in die Kamera, so vermittelte
die spaeteren Aufnahmen um ca 1920 das Bild einer gedrillten und
uniformierten Masse.
Welch Wandel im Leben dieser Arbeiter laesst sich nur erahnen. Die
Veraenderungen wurden unterschiedlich aufgefasst, die juengeren Menschen
hatten weniger Schwierigkeiten als ihre Eltern. Welche Auswirkungen das
Hatte zeigt ein Beispiel:
Als die Pferdebahn auf die elektrische Strassenbahn umgestellt wurde,
so war das den meisten Fahrgaesten egal. Sie wollten nur transportiert
werden. Auch den Lenker der Pferdebahn brauchten die Strassenbahnen
jetzt auf Fahrer. Aber fuer die Stallburschen, Heulieferanten,
Pferdehaendler und Pferdemetzger.
Aber viele dieser Entwicklungen gehen sehr langsam von sich, die merkt
die Gesellschaft durch das Aussterben von Berufen, oder Entwicklungen,
die ueber einen laengeren Zeitraum auf die Gesellschaft einwirkt, als
Bestandteil der Gesellschaftlichen Form. Solcher Wirkung zeigt
folgende Beispiele:
1884 verbesserten zwei Ingenieure, Gottlieb Daimler und Wilhelm
Maybach, einen Motor des Fabrikanten Nikolaus August Otto. Ihr neuer
Motor verbrauchte nicht mehr Gas, sondern Benzin, und war kleiner und
leichter als der alte. Die beiden Erfinder erhofften
sich ein Geschaeft ueberall dort, wo geringes Gewicht von Vorteil war.
Zum Beispiel in Booten, Saegen, vielleicht sogar bei Strassenfahrzeugen.
Was diese beiden Erfinder erreichten, das kennen wir heute als Mobile
Gesellschaft. Diesen Einfluss von einen einfachen Benzinmotor auf die
Gesellschaft konnte niemand erahnen.

Auch eine Veraenderung in der Gesellschaft ging schleichend vor. Die
Schulreform. In den Jahren um 1890 wurden die Schueler zu gehorsamen,
bescheidenen, fleissigen und gefuegigen Untertanen erzogen. Dazu mit Wissen
vollgestopft - Namen von Hauptstaedten, Fluessen und Fuersten, Jahreszahlen
aus der Geschichte, alten Sprachen, mathematischen Formeln, physikalischen
Begriffen.
ŻEtwa wie Gaense, die gemaestet werden sollen® empoerte sich der Lehrer Jens
Christensen zu dieser Zeit, Żnur mit dem Unterschied, dass man gegen die
Gaense noch etwas ruecksichtsvoller ist. Denn man zwingt sie wenigstens
nicht, den Brei wieder von sich zu geben.®
Die Lehrer sollten den Schueler Fehler nachweisen, Streng zu bestrafen und
persoenlichen Kontakt vermeiden.
Eine Wende trat ein, als Kaiser Wilhelm II. Auf einer
Kultusministerkonferenz eine Reduktion des Lehrstoffs befahl. Ganz
allmaehlich setzten sich jetzt die Reformpaedagogn durch. Ziel war es jetzt,
den Schuelern Lebensgenuss nahezubringen. In der Schule sollte das Interesse
der Kuenste miterweckt werden.
Diese Schulreform hatte unglaubliche Wirkungen. Durch die Erwecktung der
schoenen Kuenste wurde er die Mode moeglich. Kleidung, Hausrat und
Luxuselemente muessten nicht nur nuetzlich sein, sondern auch schoen. Das
Jackett wurde nach dem Wechsel der Mode gekauft, nicht nach lange
Haltbarkeit.
Das hatte Auswirkungen auf die Arbeitwelt der Menschen. Der dauerhafte
Absatz sicherte das Einkommen, die neuen Techniken ermoeglicht es, das die
Arbeitszeit verringert wurde. Das Schoene wurde gesucht, das ergab die
Freizeit-Industrie. Ein Zweig, der heute einen grossen Teil der Arbeit
stellt.
Die grossen Wandlungen ergeben sich durch das Zusammenspiel vieler kleiner
Wandlungen. Die Frage ist heute: Welche Wandlungen passieren jetzt ?
Schnelle Wandlungen sind nicht zu uebersehen. Doch die schnellen
Veraenderungen haben nur ein kleinen Einfluss auf die Gesellschaftlichen
Zusammenhaenge. Die Veraenderungen auf die Gesellschaft vollzieht sich
langsamer. Die Gesellschaft braucht Zeit, darauf zu reagieren. Welche moegen
es sein?
Das kann nur erahnt werden, wissen koennen wir es nicht.
Oder wie es der Zuericher Kulturforscher Hermann Luebbe sagte: ŻEines
Indessen koenne wir mit Sicherheit nicht wissen, naemlich was wir kuenftig
wissen werden, denn sonst wuessten wir es ja bereits jetzt.®

Mit Sicherheit wird erst die Gesellschaft in hundert Jahren wissen, wie
schnell sich unsere Welt heute veraendert hat.


Servex 08/11/1999

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Jessen, Karl-Heinz, Kto.-Nr.: 1211407620, BLZ: 20050550 (HASPA)

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