*Christoph Kolumbus symbolisch hingerichtet*
Christoph Kolumbus ist am Montag in der honduranischen
Hauptstadt Tegucigalpa wegen des "größten Völkermordes in
der Geschichte" von drei indianischen Ureinwohnern
symbolisch hingerichtet worden.
Antonio Sanchez, Roberto Bautista und Domingo Sanchez
schossen auf dem Merced-Platz neun Pfeile auf eine zwei
Meter hohe und einen Meter breite Zeichnung von Kolumbus ab.
Rund 2000 Anwesende applaudierten der Schauhinrichtung.
Zuvor hatte eine Jury nach mehrmonatigen Verhandlungen den
Seefahrer unter anderem wegen Völkermordes, Sklavenhandels,
Vergewaltigung, Entführung und Folter zum Tode verurteilt.
Kein Gehör hatte offenbar Kolumbus' Verteidiger mit dem
Hinweis gefunden, die Delikte seien längst verjährt. Zudem
habe der Entdecker die Zivilisation, die Sprache und die
christliche Religion nach Amerika gebracht.
Die Hinrichtung erfolgte auf den Tag genau 506 Jahre nach
der Ankunft Kolumbus' in Amerika. Der symbolische Prozeß war
auf Betreiben der Indianervereinigung Copin zustande
gekommen. Sie erwarteten von Spanien Entschädigungen für die
erlittenen Leiden, teilte ein Organisator mit. Unterdessen
hielten rund 3000 Ureinwohner weiter die Ruinen von Copan
rund 400 Kilometer nordwestlich von Tegucigalpa besetzt,
eine der wichtigsten archäologischen Maya-Stätten, die von
rund 60 000 Touristen jährlich besucht wird. Die Indianer
verlangen unter anderem 50 Prozent der Eintrittsgelder sowie
4000 Hektar Land, das ihnen Präsident Carlos Reina im
vergangenen Jahr versprochen hatte. Die Ureinwohner machen
in Honduras rund zehn Prozent der sechs Millionen Einwohner
aus und gehören zu den ärmsten Schichten.
AFP
> aus *UZ* unsere zeit, Zeitung der DKP, Nr. 45
6. November 1998
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