Abs.: Helmut Adolf, Vor der Teufelsküche 12, 39340 Haldensleben
Haldensleben, 30.01.2000
Liebe Freundinnen und Freunde der Colbitz-Letzlinger Heide,
der 79. Friedensweg findet am Sonntag, den 06. Februar 2000 um
14 Uhr statt. Treffpunkt ist in Hütten der ,Platz des 11. August". Das erinnert uns an
den Tag des Überfalls der Bundeswehr auf die Heide und um die juristische Auseinanderset-
zung um die Nötigung des Bundeswehroffiziers, die ja für Regina Blenkle immer noch am
Laufen ist. Zunächst geht es ein Stück die Betonstraße entlang zum Kundgebungsplatz. Wem
dieser Weg zu weit ist, kann noch ein Stück mit dem Auto hinterher fahren und es dann auf
dem Parkplatz abstellen. Linker Hand erreichen wir das Naturschutzgebiet ,Planken-
Osterstege, welches seinen Schutzstatus durch die Verschleppungstaktik der zuständigen Be-
hörden verloren hat, die nicht einmal in der Lage waren, dem Punkt 8 (gemeinsame Sicher-
stellung von für den Naturschutz wichtigen Gebieten) des jämmerlichen Heidekompromisses
nachzukommen. Immer wieder werden uns Gesetzesbrüche vorgeworfen, angefangen bei der
eben erwähnten ,Nötigung" über das Verschieben von Kriegswaffen bis hin zum Verstoß ge-
gen das Versammlungsrecht, eine Verfügung für den Friedensweg ist auch schon da, aber die
Bundeswehr hält sich auch nicht an Gesetze, wie sich bei den Bestimmungen zum Natur-
schutzgebiet zeigt. Oder wie sieht es mit der Sonntagsruhe aus, wenn auch am Wochenende
geübt wird? Wie sehr es bei den Ordnungsamtsverfügungen um die Abwehr von Gefahren für
Leib und Leben geht, haben uns die lustigen Salchauer auf dem Pferdewagen gezeigt. Die ei-
gentliche Kundgebung findet an der Betonstraße statt, bis dahin haben wir 3,5 km vom Aus-
gangspunkt zurück gelegt. Nach der Kundgebung findet sich noch die Gelegenheit für einen
Blick in die Natur, um zu verstehen, warum das Gebiet Naturschutzgebiet werden soll. Insge-
samt kommen für die TeilnehmerInnen, die die gesamte Wegstrecke nehmen, etwa 8 km zu-
sammen. Wer sich für die kürzere Tour entscheidet und am Kundgebungsplatz umkehrt, muss
3 km gehen.
Das Arbeitstreffen findet am Mittwoch, den 09. Februar 2000 um 19 Uhr bei Wehdes in
Lindhorst statt.
Euer
Helmut Adolf
Ehepaar Voß aus Stendal gibt nun ein paar Eindrücke von ihrer Reise an die Müritz wieder.
Ungestörte Naturpark-Romantik ist für uns noch Vision.
Müritz-Nationalpark
Aus einer Staatsjagd und einem Panzerschießplatz wird ein Nationalpark !
Mecklenburg blieb im 19.Jahrhundert trotz einsetzender Technisierung ein dünnbesiedeltes agrarisch geprägtes Gebiet.
Erst 1820 wurde hier die Leibeigenschaft aufgehoben. Die Macht der Gutsherren war damit aber nur geschmälert, nicht
gebrochen. Mecklenburg war ein Land der Gutsherren und Katen.
1931 erfolgt die Unterschutzstellung des ersten Gebietes, in diesen Jahren erlebt der Fremdenverkehr an der Müritz seinen
1. Aufschwung.
1937: Der Großverleger aus Leipzig Dr. Kurt Herrmann lässt sich in Speck ein Jagdschloss bauen. Hier werden in den
nächsten Jahren Jagden mit Nazi-Größen veranstaltet !
Im Juli 1934 vernichtet ein Großbrand 2000 ha Kiefernforste zwischen Klockow und Granzin.
Diese Fläche wurde nach dem 2.Weltkrieg von der Roten Armee als Panzer-Schießplatz genutzt.
Bis 1993 die GUS-Truppen abzogen, war eine natürliche Wiederbewaldung nicht möglich.
Das Betreten dieser Flächen ist auch heute noch lebensgefährlich. 1949 entsteht das Naturschutzgebiet ,Ostufer Müritz".Es
umfasste ca. 5000 ha.
1952 kommt das Naturschutzgebiet ,Serrahn" hinzu.
1953 wird eine Vogelschutzstation in Serrahn eingeweiht. Die Beschäftigten behandeln auch waldbauliche und wildbiolo-
gische Themen. 1954 wird die ,Staatliche Lehrstätte für Naturschutz" im Müritzhof eröffnet. Hier erfolgt die Ausbildung
von haupt- und ehrenamtlichen Naturschutzhelfern. Es ist die erste Lehranstalt dieser Art in Europa!
Ab 1970 werden weite Ländereien (25000 ha) am Ostufer der Müritz zum Staatsjagdgebiet erklärt, darunter sind auch
Teile des Naturschutzgebietes ,Ostufer Müritz".
Gegen Ende der DDR-Regierungszeit mehrten sich die Stimmen, die eine Beendigung der Staatsjagd und eine konsequente
Durchsetzung der Naturschutzbestimmungen im Umfeld der Müritz forderten.
Im Dezember 1989 erfolgte die Gründung der ,Bürgerinitiative Müritz - Nationalpark".
Am 1.Juli 1990 wurde das Müritzgebiet als Nationalpark ausgewiesen, mit Wirkung vom 1.Oktober 1990 treten die
Schutzbestimmungen per Verordnung in Kraft.
Am 1.Juli 1991 wird das Nationalparkamt eröffnet. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland. Ihm unterste-
hen die 10 Großschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern.
Mitglieder der ,Bürgerinitiative Müritz-Nationalpark" setzten sich zusammen und formulierten das Nationalparkprogramm
aus.
In der Nationalparkverordnung ist der Schutzzweck für das Gebiet festgelegt:
Schutz der großflächigen typisch mecklenburgischen Wald- und Seenlandschaft.
Der Nationalpark wurde in 3 Bereiche unterteilt, die als Schutzzonen bezeichnet werden: Kern-, Pflege- und Entwicklungs-
Bereich.
Im Kernbereich (Schutzzone I ) findet keine menschliche Nutzung mehr statt. Lediglich die Gebäude auf dem ehemaligen
Truppenübungsplatz wurden abgerissen.
Im Pflegebereich (Schutzzone II ) sind zur Aufrechterhaltung des derzeitigen Zustandes (vom Menschen geschaffene Kul-
tur- Landschaften ) pflegende Eingriffe notwendig.
Die Entwicklungsbereiche (Schutzzone III ) sollen in Zukunft zur Schutzzone I oder II überführt werden.
Der Nationalpark wurde zum Besuchermagnet, der der einheimischen Bevölkerung Verdienstmöglichkeiten im Fremden-
verkehr beschert. Trotzdem kommt es bei der Durchsetzung der Nationalparkverordnung zu Konflikten mit der ansässigen
Bevölkerung.
Die Mitarbeiter der Forst fürchteten um ihre Existenz, weil die Wälder langsam in einen naturnahen Zustand überführt
werden sollen. Die Lösung sieht so aus: Sie werden von der Nationalpark Verwaltung übernommen und als Naturfremden-
führer und Ordnungshüter eingesetzt.
In den vielen Seen wird seit Urzeiten gefischt. Auch jetzt werden viele Seen (aber nicht alle) an einheimische Fischereien
verpachtet, allerdings mit Auflagen, die dem Naturschutz gerecht werden.
Der zunehmende Fremdenverkehr erfordert einen Ausbau der Infrastruktur. das bereitete den Verantwortlichen einige
Kopfschmerzen: Eine verbesserte Infrastruktur lockt noch mehr Touristen an, das könnte sich nachteilig auf die Natur
auswirken! Im Oktober 1991 wurde ein Zweckverband der Anliegergemeinden gegründet, mit dem Auftrag, sich um die
anstehenden Fragen der Verkehrsplanung und der Entwicklung der touristischen Infrastruktur im Umfeld des Nationalparks
zu beschäftigen.
Das Nationalparkamt ließ eine Studie -,Sozioökonomieprojekt"- anfertigen. Diese Studie analysiert die sozialökonomische
Situation in den Dörfern, schätzt die Möglichkeiten zur touristischen Entwicklung ab, begleitet und berät touristische Pro-
jekte und steckt einen Handlungsrahmen für das Nationalpark Amt ab.
Das gesamte Wander- und Radfahrer- Wegenetz ist ca. 500 km lang. Es gibt 30 Rundwanderwege, die alle mit Symbolen
gut ausgeschildert sind.
Von Seiten des Nationalparkamtes und von privaten Anbietern werden fachkundige Führungen angeboten. Überdachte
Rastplätze und Beobachtungsstützpunkte laden zum Verweilen ein.
In fünf Informationszentren kann man sich über alle Angelegenheiten des Nationalparks Auskünfte holen.
Eine Broschüre vermittelt Informationen über die Natur und die Geschichte des Gebietes rund um den Müritzsee. Außer-
dem enthält sie detaillierte Beschreibungen der Wanderrouten mit Wegeskizzen, sowie umfassende Angaben zur Bedeu-
tung und den Aufgaben des Naturschutzes dieses Gebietes.
Auf das Gebiet unserer Colbitz-Letzlinger Heide angewandt: Eine derartige Broschüre, die ebenfalls das weitere Umfeld
mit einbezieht (Tangerhütte, Tangermünde, Stendal, Staats, Gardelegen, Letzlingen, Haldensleben, Wolmirstedt) würde
den Tourismus in diesem Gebiet sehr zum Vorteil sein.