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Fragen zum Energiekonzept PDS Brandenburg

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Edeltraud Radochla

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May 10, 1999, 3:00:00 AM5/10/99
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Hallo, Energiefreunde,
besonders Alfred Koerblein aus München!

Danke für die gestellten Fragen. Ich will versuchen, sie zu beantworten.

1. Was sind innovative Lösungen bei der Nutzung von Braunkohle?

a) der Ersatz von Rohbraunkohle durch die Veredlungsprodukte
Braunkohlenstaub bzw. Wirbelschichtkohle.
Das neue HKW der Stadtwerke in Frankfurt/Oder arbeitet auf der Basis von
Braunkohlenstaub. Das im Probebetrieb befindliche neue HKW der Stadtwerke
Cottbus ist das erste, das mit einem druckaufgeladenen Wirbelschichtkessel
arbeiten wird. Der erste Vorteil dieser Varianten ist, daß die 50 %
Wasseranteil weg sind, die mit Rohbraunkohle durch die Gegend geschleppt
werden. Der Transport von Braunkohlenstaub bzw. gekörnter
Wirbelschichtkohle erfolgt in geschlossenen Tankkesseln, die beim
Rücktransport die Asche gleich wieder mitnehmen. Bereits im Prozeß der
Wirbelschichtverbrennung erfolgt die Entschwefelung. Der Einsatz dieser
Veredlungsprodukte ermöglicht auch den Betrieb kleinerer oder mittlerer
BHKW für die Versorgung von Wohn- oder Gewerbegebieten. Man braucht damit
keine Großkraftwerke mehr.
Cottbus hat einen Fernwärmeversorgungsgrad von etwa 75 %. Die Hälfte davon
wird vom neuen HKW beliefert, die andere Hälfte seit Ende der 70er Jahre
schon aus dem Kraftwerk Jänschwalde. Fällt das VEAG-Kraftwerk später
einmal aus, wird das städtische HKW entsprechend erweitert. Das neue HKW
arbeitet wärmegeführt und hat einen Wirkungsgrad von etwa 80 %.

b) die Kombination von Braunkohlenstaub mit Biomasse
Da Braunkohle und Biomasse chemisch eng verwandt sind, laufen zur Zeit am
Energieressourcen-Institut an der BTU Cottbus Versuche mit einer Zyklid-
Brennkammer, in der die Eignung der Zuführung verschiedener Bio-
Energieträger getestet wird. Das betrifft verschiedene
Holzhackschnitelarten, tierische Abfälle und Klärschlämme. Die Versuche
laufen recht erfolgreich. Auch diese Technologie kann in absehbarer Zeit
für kleinteilige Lösungen in BHKWs einsetzbar sein und wird höhere
Wirkungsgrade aufweisen als die bisherigen Großkraftwerke. Durch die
Zuführung von Bio-Energieträgern wird auch die CO2-Bilanz positiv
beeinflußt.
Zugleich laufen an verschiedensten Stellen die Versuche zur
Braunkohlenvergasung wieder intensiver an.

Unsere positive Haltung zu solchen Braunkohlelösungen hat etwas mit
unseren Auffassungen über Wege und Zeitachsen der zweifelsfrei notwendigen
Energiewende zu tun. Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden globalen
Auseinandersetzungen um die letzten Öl- und Gasreserven dieser Erde dürfen
wir im Interesse der Versorgungssicherheit und im Interesse einer
friedlichen Lösung des Energiekonfliktes einheimische Energieträger nicht
unbesehen zum Teufel jagen.
Es ist zugleich eine Vervielfachung des Tempos notwendig, mit dem wir zu
einem verstärkten - und dann einmal überwiegenden - Einsatz von
erneuerbaren Energieträgern kommen. Aber gerade in dieser Übergangszeit
sollten wir auf einen sparsamsten und intelligentesten Einsatz
einheimischer Energieträger bedacht sein. Sparsam auch mit dem Blick
darauf, daß man aus Braunkohle weit mehr als nur Strom und Wärme machen
kann.

2. Zum Thema Rückbau KKW Rheinsberg

Das ist sicher ein Sonderfall im deutschen Kernkraftwerkswesen. Gleich
nach der Wende gab es seitens der ersten Landesregierung Brandenburgs
(unter Mitwirkung von Bü 90/Grüne) die Entscheidung zum Ausstieg aus der
Kernenergienutzung und zum Rückbau des KKW Rheinsberg.
Rheinsberg ist Brundtland-Stadt, Kurort und wird heute schwerpunktmäßig
durch ein Holzhackschnitel-BHKW versorgt. Es gibt vor diesem Hintergrund
auch starke örtliche Interessen, das KKW los zu werden, da der See als
Erholungsgebiet ausgewiesen ist.
Zugleich war schon zu DDR-Zeiten das Konzept so angelegt, daß notwendige
Zwischenlagerkapazitäten für Rheinsberg in Lubmin geschaffen werden
sollten. Beide KKW gehörten zusammen.
Die Landtagsfraktionen der PDS aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
sind sich bisher darin einig, den Transporten von Rheinsberg nach Lubmin
zuzustimmen.
Es gab zwischenzeitlich berechtigte Irritationen durch die Erweiterung der
Betriebsgenehmigung für Lubmin durch die alte Landesregierung von MV und
durch die bekannt gewordenen Undichtheiten der CASTO-Behälter. So wurde
das Thema ein bißchen auf Eis gelegt.
Jetzt aber haben wir Informationen, daß noch in diesem Jahr die
Bürgerbeteiligungsverfahren zum Transport von Rheinsberg nach Lubmin
beginnen sollen.

Unsere AG Energiepolitik der PDS Brandenburg wird am 03. 07. 1999 eine Vor-
Ort-Begehung und -Diskussion in Rheinsberg durchführen. Unser Ziel ist es,
eine im Landesverband Brandenburg mehrheitsfähige Position zu erarbeiten,
mit der die Landtagsfraktionen Politik machen können.

Die Schwierigkeiten eines solchen Meinungsbildungsprozesses kennen wir zur
Genüge aus der Diskussion um die Gemeinde Horno. Ist es uns dort gelungen,
einen breiten öffentlichen und transparenten Diskurs zu führen, der am
Ende zu einer mehrheitsfähigen Position führte, ohne die Vertreter der
einen oder anderen Meinung zu diskreditieren, so haben wir uns diesen
Anspruch auch diesmal gestellt.
Es wird nicht leicht werden, das ist klar.

Das ist auch der Hintergrund für unsere "Offerte" im Energiekonzept an die
"Atom-Lobby". Ausgrenzung hilft uns nicht weiter. Wir müssen wenigstens
noch miteinander reden und einander zuhören können. Nur so können die
besseren Argumente überzeugen.
Nehmen wir nur eins: Die Weltvorräte an Uran reichen bei Beibehaltung der
jetzigen Kapazitäten (400 Reaktoren) gerade mal 40 Jahre. Was ist das für
eine Alternative? Damit kommt Uran gerade noch an die Erdölvorräte heran.
Und auch über Kernfusion soll man bitte offen und ehrlich reden, eben im
Sinne einer Technikfolgenabschätzung.


PS: Am 08. und 09. Mai 1999 fand in Leipzig die zweite Energiepolitische
Konferenz der PDS statt. Das Hauptreferat hielt Hermann Scheer als
Vorsitzender von EUROSOLAR.
Spannende Diskussionen und Denkansätze ergeben sich danach.
Der Parteivorstand der PDS wird ein Tagungsmaterial herausgeben.

Dr. Edeltraud Radochla
AG Energiepolitik der PDS Brandenburg

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