Hallo,
der Rauswurf des Greenpeace-Geschäftsführers ist konsequent. Warum es
Greenpeace für nötig befunden hat, einen Mann, dessen Vergangenheit im
Bankengeschäft und bei Bertelsmann bereits nahelegte, daß er kein
Verfechter eines konsequenten, unabhängigen Umweltschutzes sein konnte,
überhaupt auf den Chefposten zu setzen, bleibt ein Rätsel.
Der Rauswurf sollte mehr sein als ein schlichter Wechsel. Das ständige
Bemühen um gesellschaftliche Reputation, um Kontakte zu Wirtschaft und
Staat, die Medien- und Spendenorientierung kleben seit Jahren wie Blei
an den Umweltschutzorganisationen, die ihre politische Schlagkraft
weitgehend eingebüßt haben und das Feld den MailingexpertInnen,
BetriebswirtschaftlerInnen oder Kontaktleuten zu Wirtschaft und Politik
überlassen haben.
Das Gieren um Anerkennung in bürgerlichen Medien, die sonst gegen
AusländerInnen hetzen oder beim Abschalten der Atomkraftwerke die
Lichter ausgehen sehen, das Kungeln mit den Verantwortlichen von
Ausbeutung und Zerstörung muß endlich ein Ende haben.
Ich möchte Greenpeace auffordern, den Rauswurf des Wirtschaftsmannes
Homolka zum Anlaß zu nehmen, eine intensive Strategiedebatte
zuzulassen. Es gibt Alternativen zum aktuellen Kurs. Der Umweltschutz
muß seine Eigenständigkeit, inhaltliche Schärfe und
Widerstandsfähigkeit zurückgewinnen - gerade in diesen Zeiten, in denen
die Konzerne sich anschicken, mit Hilfe der Mächtigen in der Politik
und über die Köpfe der Menschen hinweg, die Welt nach ihren
Vorstellungen zu ordnen und zu nutzen.
Was wir brauchen, ist ein Umweltschutz, der von den Menschen ausgeht
und diese zu AkteurInnen macht statt zur Zielgruppe von
Verhaltensappelle. Einem radikalen "emanzipatorischen Umweltschutz" muß
die Zukunft gehören.
Gerne biete ich mich an, diese Diskussion mitzuführen.
Aus Fehlern muß gelernt werden. Der Umweltschutz ist auf dem Holzweg
hin zu Abhängigkeit und Profillosigkeit. Vielleicht ist Homolkas
Scheitern eine der letzten Chancen, eine neue Strategie zu diskutieren.
Mit freundlichen Grüßen
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Jörg Bergstedt
Post: Projektwerkstatt, Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen
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