Bonn, den 9.3.99
Redaktion: Umwelt / Aktuelles
"Wir lassen uns nicht verkohlen, Gerhard!"
ROBIN WOOD-Aktion für den Sofortausstieg vor SPD-Parteizentrale
Anläßlich der heute stattfindenden Sondierungsgespräche über den Atomausstieg hat die Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD vor der Bonner SPD-Parteizentrale für den sofortigen Atomausstieg demonstriert. Die AktivistInnen bauten am Ollenhauerhaus das Modell eines Atomkraftwerks auf und simulierten einen Störfall. Außerdem entrollten sie ein Transparent mit dem Slogan: "Wir lassen uns nicht verkohlen, Gerhard! Konsens bleibt Nonsens. Atomausstieg sofort!"
"Der Bundeskanzler will offenbar den Atomausstieg nach dem Vorbild Helmut Kohls aussitzen", kritisiert ROBIN WOOD-Energieexperte Friedemann Stelzer. "Um den Weiterbetrieb der Atommeiler zu sichern, hat die Regierung der Industrie bereits den Bau von weiteren Zwischenlagern zugesagt. In der ersten Konsensrunde wurde das Verbot der Wiederaufarbeitung zurückgenommen. Welchen Rückschritt wird uns die nächste Gesprächsrunde bringen?", fragt Stelzer. Vor diesem Hintergrund kann auch ein Treffen zwischen Regierung und einigen Repräsentanten von Umweltverbänden in der Sache keinen Fortschritt bringen. "Wir werden diese Beruhigungspille nicht schlucken", so Stelzer.
Angesichts der unbeherrschbaren Gefahren der Atomtechnik darf der Zeitpunkt des Ausstiegs nicht davon abhängig gemacht werden, was für die Energiekonzerne am lukrativsten ist. Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren ist ein Atomkraftwerk westlichen Typs in Harrisburg (USA) havariert. Radioaktives Jod und Xenon gelangten in die Atmosphäre. Nur durch einen Zufall hielt der Druckbehälter der Kernschmelze stand. Auch in Deutschland ist der Normalbetrieb voller Risiken: Angefangen bei Störfällen wie in Biblis, wo Radioaktivität im äußeren Kühlkreislauf auftrat, über das versehentlich verschlossene Sicherheitsventil am AKW Unterweser bis hin zu den Castor-Skandalen hat das Jahr '98 mehr als genug Gründe geliefert, aus dieser menschenverachtenden Technologie sofort auszusteigen. Hinzu kommt, daß es weltweit kein schlüssiges Konzept gibt, wie Jahrtausende lang strahlender, hochradioaktiver Müll sicher gelagert werden soll.
Die Energiewende ist längst überfällig und machbar. Zuerst müssen die Überkapazitäten der Großkraftwerke abgebaut werden, damit dezentral erzeugte, regenerative Energien eine Chance haben. Auf den Arbeitsmarkt wird sich eine zukunftsfähige Energieversorgung positiv auswirken. Das Öko-Institut schätzt, daß bis 2020 200.000 zusätzliche Jobs in Deutschland entstünden, wenn jetzt die Atomwirtschaft beendet und eine Energiewende eingeleitet würde.
ROBIN WOOD fordert daher die Bundesregierung auf, unverzüglich ein Gesetz in die parlamentarische Beschlußfassung einzubringen, das den Weiterbetrieb der Atomanlagen mit sofortiger Wirkung unterbindet. Die Energiekonzerne müssen verpflichtet werden, ihre Rückstellungen in einen Fonds zu zahlen, der allein dem Zweck dient, die Energiewende und die Abwicklung der Atomkraftwerke zu finanzieren. Es darf keine Castor-Transporte mehr geben, solange der Atomausstieg nicht beschlossen und umgesetzt wird. Sonst werden die Proteste weitergehen.
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Fachgruppe Energie Pressesprecherin
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