STERN: Geheime Dokumente belegen Schlüsselrolle von Genscher und Möllemann im Panzergeschäft mit Saudi-Arabien
Hamburg (ots) - Der Polit-Skandal um das umstrittene
Panzergeschäft zwischen Thyssen Henschel und Saudi-Arabien im Jahr
1991 weitet sich aus. Bisher geheim gehaltene Dokumente werfen ein
neues Licht auf die Rolle der ehemaligen FDP-Minister Hans-Dietrich
Genscher und Jürgen Möllemann, berichtet der STERN in seiner neuen,
am morgigen Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Sie belegen, dass der
Panzer-Deal erst unter der tatkräftigen Regie des damaligen
Wirtschaftsministers Möllemann durchgezogen werden konnte - und dass
es dabei gelang, Möllemanns politischen Ziehvater, den zögerlichen
Außenminister Genscher, dazu zu bringen, dem Panzer-Deal doch noch
zuzustimmen.
Eine Vermittlerrolle hat dabei laut STERN der Düsseldorfer
Geschäftsmann Rolf Wegener gespielt, der seit zwei Jahrzehnten
Verbindungen nach Saudi-Arabien pflegt und über gute Kontakte zur
Bonner Politik verfügt. Auch mit dem FDP-Spitzenpolitiker und
Präsidenten der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, Jürgen Möllemann,
steht er in Geschäftsbeziehung. Rolf Wegener traf erstmals am 22.
November mit dem Thyssen-Vorstand Jürgen Maßmann zusammen. An diesem
Tag hatten sich der Konzern und Saudi-Arabien auf die Lieferung von
zehn Spürpanzern,14 Mannschaftstransportern, acht Ambulanz- und vier
Kommandofahrzeuge geeinigt. Nachdem der Liefervertrag am 5. Januar
zwischen Thyssen und Saudi-Arabien über 36 Fuchs-Panzer zum Preis von
446,4 Millionen (fast die Hälfte der Summe war Schmiergeld)
unterzeichnet worden war, kam es am 17. Januar erneut zu einem
Treffen zwischen Maßmann und Wegener. Am 18. Januar wurde Jürgen
Möllemann vereidigt. Und dann erst stellte Thyssen am 29. Januar den
längst fälligen Antrag auf Ausfuhrgenehmigung.
Nun lief das Saudi-Geschäft nach STERN-Informationen wie
geschmiert: Am 14. Februar 1991 gab es eine Empfehlung Möllemanns an
das Außenminister Genscher, dem Geschäft zuzustimmen. Doch das
Auswärtige Amt teilte am 22. Februar mit, es werde im
Bundessicherheitsrat gegen die Lieferung von Mannschafts- und
Kommandofahrzeugen stimmen. Am 26. Februar wurden im
Wirtschaftsministerium neue Vorlagen für den Sicherheitsrat
angefertigt. Danach stimmten Verteidigungsministerium und
Wirtschaftsministerium der Lieferung zu. Genscher gab mündlich seine
Vorbehalte zu Protokoll, stimmte aber am folgenden Tag der gesamten
Lieferung zu.
Nach diesem erfolgreichen Abschluss durften Wegener und die
anderen Helfer laut STERN ihren Lohn erwarten. Am 18. Juli 1991
unterschrieb Thyssen mit der Great Aziz Corp. einen Marketingvertrag
über 8,93 Millionen Mark - unterzeichnet von Möllemann-Freund Rolf
Wegener. Am 12. Dezember 1993 gründeten Wegener und Möllemann in
Münster die MS-Air-Gesellschaft für Flug- und Luftbildservice mbH.
Und im Jahr 1996 spendete Wegener Möllemanns FDP-Landesverband
Nordrhein-Westfalen 300 000 Mark.
Diese Meldung ist unter Quellenangabe STERN zur Veröffentlichung
frei.
ots Originaltext: STERN
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Rückfragen an: STERN-Redakteur Leo Müller, Telefon 0211-35595922.
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