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RWTH-Rektor Schlafmuetze des Jahres

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k.he...@nad-meer.gun.de

unread,
Feb 8, 1996, 3:00:00 AM2/8/96
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Urkunde


Der Preisträger, die Preisträgerin

Prof. Dr. rer. nat. Klaus Habetha

wurde aus Anlaß des Jahrestags der Machtübertragung an Adolf Hitler

am 30. Januar 1933
zur

Schlafmütze des
Jahres 1995

gewählt.


Der Anlaß:

Der 30 Januar 1933 ist und bleibt ein Tag der Katastrophe. Die
Machtübertragung an Hitler hat zu den bekannten Folgen geführt:
Über 6 Millionen ermordete Menschen, die dem
Rassenhass der Deutschen zum Opfer fielen,
der von Deutschland begonnene 2. Weltkrieg mit über
50 Millionen Toten,
die Verwüstung der Köpfe und Herzen einer Mehrheit
von Deutschen

Das Gedenken:

Wenn wir heute und in jedem Jahr an den 30. Januar 33 erinnern, dann
soll dieses Datum Mahnung zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus,
Militarismus und Faschismus sein. Wir fordern auf, alles zu tun, um
eine Wiederholung des 30.Januar -auch in veränderter Form- zu
verhindern.

Dazu gehört die Unduldsamkeit gegenüber faschistischen Bestrebungen
und Aktivitäten. Dazu gehört der Einsatz für Demokratie,
Völkerverständigung und Abrüstung.

Der Preis:

Es gibt Karls- Friedens- und andere Preise. Auch ,Zitronen" und
,Hammer" werden ausgelobt. Die ,Schlafmütze des Jahres" soll an die
oder den verliehen werden, die/ der nach Ansicht der JurorInnen unter
dem Etikett von Freiheit und Demokratie
den Rassismus und/oder den Abbau demokratischer
Rechte begünstigt,
eine den Krieg oder Faschismus verharmlosende oder
gar rechtfertigende Haltung eingenommen hat


Die Preisträgerin/ der Preisträger:

Prof.Dr. rer. nat.Klaus Habetha wurde am Tage nach der Veröffentlichung
der NS-Vergangenheit seines Amtsvorgängers "Schwerte" als SS-
Mann Schneider vom Konvent der RWTH Aachen als Rektor
wiedergewählt. Die Übereinkunft, den Kandidaten nicht zum
Fall Schneider zu befragen, markiert bereits zu Beginn der
öffentlichen Auseinandersetzung die Absicht der Hochschule,
den Skandal im 125. Jahr der RTWH zu vertuschen.

Einmal hat sich Prof. Habetha zum Datum 30. Januar 1933 geäußert.
Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und dem Bischof verpflichtete
er sich: "Wir haben die Aufgabe zur Wachsamkeit gegenüber
allen Erscheinungen und Kräften, die seinen Aufstieg und
seine Herrschaft ermöglicht haben...die Lage darf nicht
wieder verkannt werden...daß wir nicht nachlassen dürfen in
unserer Sorge für den äußeren und inneren Frieden sowie in
unseren Bemühungen um die Stärkung der sozialen und
politischen Bedingungen, die die Entfaltung eines
demokratischen Bewußtseins fördern." (Gemeinsame Erklärung
30.Januar 1933-30.Jan.1993-Wir ziehen Lehren: Erinnern und
Handeln".

Diesen selbstgewählten Anspruch hat der Rektor als das Geschwätz enttarnt,
als das es wohl damals schon gemeint war. So wollte der
Rektor das demokratische Bewußtsein dadurch fördern, daß die
einstigen Wegbereiter eines neuen Faschismus als Redner an
die Uni geholt wurden.

Der Auftritt des umstrittenen Prof. Rohmoser "steht für meine Begriffe einer
Hochschule gut an" (Habetha 10/95). Statt sich mit den vordemokratischen Ideen
eines Rohrmoser auseinanderzusetzen beschimpfte der Rektor die
KritikerInnen als "Faschisten", plante deren Verweis von der
Hochschule und zeigte sie an. Bis zuletzt stellte der Rektor
sich hinter die reaktionären und die faschistischen
Burschenschaften an "seiner" Hochschule. Nachdem der
Oberbürgermeister und andere PolitikerInnen die
Schirmherrschaft für das Sauffest der Korporierten abgelehnt
hatten, hielt Prof. Habetha an der Lüge fest, diese
reaktionäre Schicht repräsentiere die Studentenschaft. Es
ist nicht seinem Engagement zu verdanken, daß das Sauffest
der Burschenschaften in 1995 ausfiel.

Zentral für die Vergabe der Schlafmütze 1995 aber war die
mangelhafte, zögerliche und unehrliche Aufarbeitung der
Schneider/Schwerte Affaire. Hier hätte der Rektor
Gelegenheit gehabt, seinen Erklärungen Taten folgen zu
lassen. Er hat jämmerlich versagt.
Gleich nach der Enthüllung des Vertuschungsskandals ließ
Habetha durch seinen Pressesprecher verkünden, die
Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der RWTH seien
"nicht betroffen". Es folgte der vergebliche Versuch, mit
allen Mitteln dafür zu sorgen, daß das auch zutreffen würde.
So versuchte Habetha immer wieder die Aufklärung dieses
Skandals anderen in die Schuhe zu schieben, die Hände in den
Schoß zu legen und so zu tun, als habe diese Erschütterung
nichts mit der 125 Jahr- Feier der RWTH zu tun. Immer wieder
erklärte Habetha: "Wir beteiligen uns selbst nicht an den
Untersuchungen..[bzw]...aber mehr tun wir bewußt nicht"
(Habetha

7.10.95). Habetha schiebt bis heute Aufklärungsarbeit und
Verantwortung auf eine "unabhängige Kommission". Er läßt
sich von StudentInnen erklären "was von der RWTH und ihrer
Leitung zusätzlich getan werden soll" (Habetha 5.10.95) Er
ist sich nicht zu schade, Geldknappheit vorzuschieben
(ebenda).

KritikerInnen dieser Jubiläumspolitik belehrt und beschimpft
Habetha abwechselnd. Sie, die Studenten, sollten "sich nicht
durch unzureichende Kenntnisse der neueren Geschichte
unseres Landes zu Stellungnahmen verleiten lassen..."
(ebenda). Seine eigenen Geschichtskenntnisse erwiesen sich
als selektiv. "Denn die Täter standen ja, und das ist kein
Aachener Spezifikum, auf studentischer Seite...Daß es
vielleicht unter Aachener Professoren in dem heute
gebrauchten Wortsinne auch Täter gegeben hat, vermag ich
nicht auszuschließen." Au weia!

Da wäre z.b. ein anderer Amtsvorgänger Habethas, der
SS-Mann Buntru, der in der von Habetha verantworteten 125-
Jahres-Festschrift als Ehrensenator geführt wird.
Zur SA-Vergangenheit des einstigen RWTH-Soziologen
Arnold Gehlen fällt Habetha nur ein, es handele sich um
"(Schein)-Probleme der Vergangenheit".(Habetha 4.10.05)
Kein Wunder, daß der Rektor die Aufdeckung der RWTH Affairen
nur als eine Verschwörung wahrnehmen kann. "Von irgendjemand
gesteuert..." jammert er am 29.4.95 gegenüber der Presse.

Der Vorwurf gegenüber Prof. Habetha ist nicht, daß er ein
Konservativer ist. Es gehört zu seinen ureigendsten
Auffassungen, daß "verordnete Gleichmacherei und damit
verbundene Senkung des Niveaus" (Rede auf 125-Jahr Feier)
nicht weiter begründet werden müssen, sondern als
Totschlagargument gegen jede Form solidarischen
Politikverständnisses verwendet werden kann und soll.

Habetha hat ja nie geleugnet, daß er die Hochschule auf die
Sonderinteressen des großen Kapitals ausrichten will.
Der ebenfalls konservative Mitherausgeber der FAZ,
Joachim C. Fest hat einmal geschrieben: "So haben Bündnis
und Zusammenwirken von Nationalsozialismus und konservativem
Nationalismus offenbart, wie untüchtig und im Kern
ausgebrannt dieser war. keine gesellschaftliche Gruppe hat
angesichts der von der Zeit geforderten Bewähruingsprobe in
ähnlichem Umfang versagt."

Vor diesem Hintergrund müssen wir zusammenfassend feststellen:
Prof. Dr. rer. nat. Klaus Habetha hat aus der Geschichte
nicht gelernt. Er verdient die "Schlafmütze des Jahres 1995.

VVN- Bund der Antifaschisten Kreisverband Aachen


Der Preis ,Schlafmütze des Jahres wurde im Januar 1995 an
die Redaktion der Aachener Nachrichten verliehen. Die
Chefredaktion ließ sich verleugnen. In diesem Jahr konnte
die Verleihung endlich im würdigen Rahmen stattfinden. Auf
der Senatssitzung der RWTH Aachen am 8.2.1996 wurde Prof.
Dr. Habetha durch Studentinnen und Studenten der Fachschaft
7/1 der RWTH die Urkunde verbunden mit einer
selbstgestrickten schwarz-rot-goldenen Pudelmütze
überreicht. Während der kurzen Verleihungszeremonie wurde
ein Transparent ,Schlafmütze des Jahres" hochgehalten. Die
anwesenden Senatsmitglieder lauschten andächtig.


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