Josef Klumb gilt als eine der Gallionsfiguren des
rechten Rands in der Darkwave-Szene. Bekannt wurde er
mit der mittlerweile aufgelösten Band "Forthcoming
Fire", von der jüngst eine letzte CD mit Titel
"Watching Rome Burn" beim rechtsextremen "Verlag und
Agentur Werner Symanek" (VAWS) veröffentlicht wurde.
Sie soll bisher unveröffentlichtes, neu
überarbeitetes Material aus der Zeit zwischen 1995-97
beinhalten.
Klumb verfügt trotz seiner Aktivitäten bei VAWS oder
der "Jungen Freiheit" (JF) in der Darkwave- Szene
über einen lauteren Ruf. Vergangenes Jahr gelang es
Klumb sogar, mit seiner Band "Weissglut" bei dem
Major-Label SONY unter Vertrag zu kommen. Nachdem
SONY allerdings die politischen Aktivitäten von Klumb
bekannt wurden, forcierten sie seinen Rauswurf bei
"Weissglut". Kurz darauf, zum Jahreswechsel 1998/99,
erschien bei VAWS eine Mini-CD names "Lüge wird
Wahrheit, Frieden ist Krieg" der bis dato unbekannten
Band "Unternehmen Dreizack". In der Labelankündigung
wurde die Band als ein .,geheimnisumwittertes
Projekt" angekündigt, da die Bandmitglieder unbenannt
blieben. Allerdings war relativ schnell in der Szene
bekannt, daß der Hauptprotagonist bei diesem Projekt
wiederum Klumb ist. Weiter heißt es in der
Ankündigung, daß die Lieder von "themenbezogenen -
und ebenso obligatorischen - ,Samples' begleitet
(werden) , die z. T. aus Filmen (wie beispielsweise
,Triumph des Willens') stammen." Inhaltliches Thema
der CD ist der "Boykott durch Lizenzmedien und
DJ-Prostituierte", zu dessen Opfern sich Klumb und
VAWS gerne stilisieren. Ihre Kritiker diffamieren sie
als "Gedankenpolizei" im Stil von Orwell's "1984".
Für das Darkwave-Magazin "Zillo" stellt Klumb dennoch
einen adäquaten Diskussionspartner da. Sie luden ihn
für eine Podiumsdiskussion ein zum Thema: "Eine
braune Gefahr - gibt es rechte Tendenzen in der
Schwarzen Szene", die auf dem diesjährigen
Gothic-Treffen in Leipzig stattfinden sollte. Nach
Bekanntwerden der Einladung zogen der bereits
eingeladene Alfred Schobert (DISS) sowie die
"Grufties gegen Recht" (GGR) ihre Zusage zurück;
Klumb wollten sie für seine verquere Weltsicht kein
öffentliches Podium bieten. Die Diskussion wurde
abgesagt. Aber statt Einsicht beim "Zillo" zu
erwarten, verurteilen sie nun die Absage von Schobert
und den GGR und werfen ihnen Intoleranz vor!
Im Frühjahr wurde unterdessen auf dem Dresdener Label
"Eis & Licht" des rechten Szene-Magazin "Sigill" der
erste eigenständige Tonträger, mit Titel "Sturmzeit"
der Formation "Von Thronstahl" um Josef Klumb
verlegt. Bisher war die Band nur mit Einzelbeiträgen
auf verschiedenen Compilations in Erscheinung
getreten, u. a. auf dem von Klumb konzipierten
Sampler zu Ehren von Leni Riefenstahl und dem zur
Ehrung des NS-Bildhauers Josef Thorak, die beide bei
VAWS erschienen. Der Tonträger "Sturmzeit" soll laut
Label-Werbung im Geiste von Gottfried Benn stehen,
jenem expressionistischen Dichter, der Anfang der
30er Jahre begeisterter Anhänger des Faschismus und
Nationalsozialismus war. Unter Verwendung von Zitaten
Benns von 1936 deutet Klumb auf dem Platten-Cover
seinen Kampf gegen den Status quo: "Und über unsere
Köpfe hinweg, ein Totenmarsch von Übermächten an
Finsternis und Zahl (...), Heerscharen eines blinden
DAGEGENS (...) Und wir?
(...) Wir schlagen nicht mit Stahl und Eisen mehr,
wir setzen mit Feuer und Licht uns zur Wehr - (...)
Von tausend Fronten kehrem wir heim, aus Tausend
Einsamkeiten - UND NICHTS WIRD BLEIBEN WIE ES DIE
NACHT HINDURCH WAR."
Zu jener von Klumb beschworenen "Einheitsfront"
gehört wohl auch die NS-Black-Metal-Band "Absurd".
Für deren aktuellen Tonträger "Asgardsrei" schrieb
und spielte er zusammen mit Raymond P., der auch bei
"Von Thronstahl" mitwirkt, das Lied "Sonnenritter"
ein. Die Sonnenritter sind dem Text zufolge
angetreten, "die Heimat zu lösen aus Feindeshand
(...) Dieser Wille nur treibt uns in Sieg oder Tod!"
Die CD erschien bei einem ominösen Label namens "IG
Farben Produktion", als Kontaktadresse ist die
Homepage der neonazistischen "Deutsche Heidnische
Front" angegeben.
Nach seiner Mitarbeit bei der nationalrevolutionären
Zeitschrift "Sleipnir" scheint Klumb nun endgültig
seinen Platz "im bevorstehenden Schicksalskampf"
gefunden zu haben. Dieser Kampf für ein "Neues Reich"
wird im Booklet unter der Überschrift "Ein Ruf zu den
Waffen..." heraufbeschworen, in dem es abschließend
heißt: "Das Schicksal wartet nicht auf euch, das
Schicksal fordert euch! Wotan mit uns!"
(Aus "Der Rechte Rand. Informationen von und für
AntifaschistInnen", Nr. 60. Die Zeitschrift kann für
3 DM bezogen werden bei: Der Rechte Rand, Postfach
1324, 30013 Hannover, Tel. 0511/3360209)
aus *UZ* unsere Zeit, Zeitung der DKP, Nr.44
05. November 1999
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