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Die "Neue Akropolis" ist eine faschistoide Sekte
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Am 15.2. fand eine Aufklärungsveranstaltung über die "Neue
Akropolis" (NA) statt. Die NA tritt nach außen als Verein zum
Studium von Philosophien, Religionen, Mysterien und esoterischen
Lehren auf. Ziel sei das Herausfinden von Gemeinsamkeiten dieser
unterschiedlichsten Gedankengebäude. Einmal in der Woche finden
in den Vereinsräumen in der Blücherstraße 35 in Hamburg
Veranstaltungen zu Themen wie "Einführung in die
Naturphilosophie", "Islam", "Traumdeutung" oder "Alchemie" statt.
Ansonsten gibt sich die NA tolerant und völlig unpolitisch.
* Rigide Führungsstruktur
Aber ein genauerer Blick hinter diese brave Fassade fördert eine
widerliche Doppelgesichtigkeit dieser Organisation zu Tage. Das
freundliche Bild besteht nur für Außenstehende oder Neumitglieder
und SympathisantInnen, die noch nicht "eingeweiht" sind. Im
inneren Kreis besteht dagegen eine rigide Führungsstruktur mit
faschistoiden politischen Zielsetzungen. Diese bewußte Täuschung
wurde als Strategie von NA-Gründer J.A. Livraga (gestorben 1991)
festgelegt: "Es ist offensichtlich, daß in einem dialektischen
und oberflächlichen materialistischen Jahrhundert wie unserem
solche Dinge verschwiegen werden müssen. Im Inneren der Neuen
Akropolis muß die Struktur der Pyramide überall Fuß
fassen. Aber sie muß weise angewandt werden, sogar, wenn nötig,
versteckt." (Livraga, Das Labyrinth des Lapisla-zuli)
Dieser Vorgabe entsprechend arbeitet die NA-Führung aufgrund von
anleitenden Schriften, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich
sind, so z.B. das "Führungshandbuch" und "Das Labyrinth des
Lapislazuli", zwei Schriften, in denen Struktur und Ideologie in
krassester Reinform formuliert sind. Der Veranstalter, der
"Arbeitskreis gegen Neue Akropolis", konnte unter anderem auf
diese Schriften zurückgreifen, die durch AussteigerInnen aus der
NA vor allem in Österreich und Frankreich öffentlich bekannt
geworden sind.
Neueren NA-Anhängerinnen sind sie allerdings nicht bekannt,
wodurch die Argumentation erschwert wird, da die "Neuen" ihren
alles abstreitenden LeiterInnen glauben, obgleich französische
Gerichte die Existenz dieser Schriften bestätigen.
* Ideologie - die esoterischen Lehren
Die NA geht davon aus, daß sich Menschengruppen über Jahrtausende
mittels Reinkarnation weiter- oder zurückentwickelten. Eng an
H.P. Blavatsky angelehnt, werden verschiedene Rassen, die sich
auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen bewegen sollen,
entdeckt. Nach Blavatsky lebten derzeit die 3. bis 5. Rasse auf
der Erde, die 3. Rasse seien z.B. Buschmänner oder Aborigines,
die 5., hochentwickelte Rasse seien die "Arier". Bei Livraga
liest sich das so: "In der heutigen Menschheit leben 5 Milliarden
Personen zusammen, die Zeitgenossen, doch keine Altersgenossen
wären. Für so verschiedene Wesen Gleichheit zu fordern, würde das
Recht aller beschneiden, nach ihren Notwendigkeiten leben zu
können. Die Gleichheit existiert in der manifesten Welt nicht."
("Wir, die ... Akropolitaner", in der Vereinszeitung "Neue
Akropolis" Nr. 48, April - Juni '92) Der Karmaglaube der NA läuft
darauf hinaus, daß Menschen wiedergeboren würden und ihre
Existenz sich durch ihr Verhalten in ihrem Vorleben begründe.
Somit ist jeder Mensch an seiner Lage selbst schuld, soziale
Probleme z.B. werden negiert.
Ziel der Schulungen der NA soll es sein, das Göttliche im
Menschen freizulegen, da dieses von seiner Persönlichkeit
gefangen sei. "Der Feind ist
die Persönlichkeit des Schülers." (Führungshandbuch) Die
angestrebte spirituelle Höherentwicklung, die NA anstrebt, sei
nur in einer göttlichen Struktur möglich, nämlich in der NA. Die
Organisation ist nicht bloß Mittel zu einem gesetzten Zweck,
Bindeglied zwischen verschiedenen Menschen, sondern sie selbst
hat Leben. "Eine von Lebewesen geschaffene Struktur muß selbst
ein hochentwickeltes Lebewesen sein, das fähig ist, unter allen
möglichen Bedingungen zu überleben. Diese Struktur nährt sich von
Menschen und transformiert die Fähigsten unter ihnen; sie
verwandelt sie in Übermenschen." (Lapislazuli)
* Die vier Hauptpfeiler der
politischen Ideologie
Die "göttliche Struktur" strebt aber auch politische Ziele an,
das heißt die NA begnügt sich nicht mit der "Höherentwicklung"
der eigenen Mitglieder, sondern sie ist, wie das
"Sekten-Handbuch" 1990 schrieb, "eine der radikalsten
Gruppierungen mit politischem Anspruch".
Zum ersten das Führerprinzip
Da jeder Mensch gierig nach Macht sei, wäre eine
gleichberechtigte Gesellschaftsordnung widersinnig. Vielmehr
bringe die unterschiedliche Ausprägung des Machtinstinktes immer
wieder besondere zur Führung Befähigte hervor. Wer unfähig zu
führen ist, solle an seinem Platz das für alle Nützliche tun:
"Gut eine Schusterwerkstatt zu führen ist edler als eine falsche
Philosophenschule zu leiten." (Führungshandbuch) Die neuen Führer
sollen die Philosophen, die Erkennenden, Erleuchteten sein. So
greift die NA gerne und häufig auf das Staatsideal Platons
zurück. "Das platonische Konzept, dem wir uns anschließen", sieht
an erster Stelle, als beste Regierungsform, die Aristokratie vor.
Darunter geruhen Platon und Livraga "die Weisen" zu verstehen,
die Philosophen eben. An vierter und vorletzter Stelle steht die
Demokratie, nur die Tyrannei sei noch übler. (Wir, die ...
Akropolitaner) Der neue Führer ist gut: "In seinem Herzen muß die
geheiligte Flamme des Geistes brennen, so daß er taub wird für
die Einflüsterungen anderer." (Führungshandbuch)
Bei solch übermenschlichen Führern ist demokratische Kontrolle
natürlich überflüssig, so daß der zweite Haupt-pfeiler
Antidemokratismus heißt. Es ist die alte - rechte - Leier: Die
Menschen sind zu dumm, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu
nehmen und zu bestimmen. "Offensichtlich ist das Volk nicht
fähig, sich um die Probleme eines modernen Staates zu kümmern."
Und so kann das Volk die richtigen Führer nicht erkennen. Aber
das ist nicht so schlimm, denn diese bestimmen sich ohnehin
selbst. "Hat das Volk von Galiläa über Jesus abgestimmt und ihn
gewählt, um erlöst zu werden, oder hat nicht vielmehr Jesus durch
seine höher stehende Natur, seine Reinheit und Weisheit sich
selbst an die Spitze gesetzt?" ("Das Politische Ideal der Neuen
Akropolis")
Zum dritten verficht die NA das Recht des Stärkeren sowie die
Entrechtung und Bekämpfung der Schwachen. "Derjenige, der die
Kraft zu führen nicht in sich verspürt, darf andere nicht
schädigen; es ist besser, daß er anderen zu Diensten ist, denn so
schafft er ein Werk, das besser für ihn und für die anderen ist."
(Führungshandbuch) Termini aus den Bereichen der Kriminalität und
Pathologie werden gern herangezogen für diejenigen, die den Weg
der NA nicht gehen können oder wollen. "Wenn sie eine ansteckende
Krankheit hätten, wäre es kriminell, durch die Straßen zu laufen
und andere Menschen zu berühren und zu umarmen; ebenso ist
derjenige ein Mörder, der nicht einen großen Teil seines
Machtinstinktes hin zum Spirituellen gerichtet hat, wenn er
beginnt, andere zu lehren und zu führen; er wird seine Krankheit
übertragen." (Führungshandbuch) Gesellschaftliche Konflikte,
unterschiedliche Standpunkte werden am diskursiven Austrag
gehindert, indem sie verbal kriminalisiert und pathologisiert
werden. Es werden auch deutliche Drohungen ausgesprochen: "Die
neue Welt kann sich nicht mit Verrätern und Schwächlingen
abgeben." (Livraga-Briefe) "Die einen werden Übermenschen, die
Ungeeignetsten (werden) zurückgelassen. So ist das schmerzhafte
Gesetz." (Lapislazuli) Es wird im NA-Staat weder "Analphabeten
noch Bettler geben, weder Fanatiker noch
Verbrecherorganisationen. All diese werden in die neuen
Strukturen eingegliedert werden, und für den Fall, daß sich dies
als unmöglich erweist, werden sie in Anstalten für Unangepaßte
eingesperrt; diejenigen, die Gewalt üben, werden unerbittlich
exekutiert werden." ("Einführung in die spirituellen Übungen")
Zum vierten sollen die in der Gesellschaft bestehenden
Hierarchisierungen nach Geschlechtern und Klassen
aufrechterhalten werden. "Wenn man versuchen würde, alle Menschen
einander auf der Stufe der oberen Menschen anzugleichen, müßte
man die unteren so sehr ziehen, daß sie zerbrechen; wenn man sich
auf die unterste Stufe stellt, zerstört man unerbittlich die am
höchsten Stehenden, und wenn man für die Mitte ist, tötet man
beide." (Politisches Ideal) Das Gesellschaftsbild ist
organizistisch, das heißt die neue Gesellschaft soll
funktionieren wie ein Körper, in dem einzelne Organe auch nicht
austauschbar sind. "Wenn im Neuen Staat jeder seinen Beruf
gewissenhaft erfüllt, ist der gute Regierende nicht besser als
der vollkommene Geschirrwäscher, jeder hat die Rolle, die ihm
entspricht." (Politisches Ideal)
Die NA verknüpft in ihrer Ideologie esoterisch-spirituelle
Elemente mit solchen, welche von reaktionären und faschistischen
Gruppierungen vertreten werden.
* Reaktionen auf die
Veranstaltung
Unter den VeranstaltungsteilnehmerInnen befanden sich auch einige
NAlerInnen. Von diesen war eine einzige empört. Sie habe von
diesen Texten noch nichts gehört, und wenn diese korrekt
wiedergegeben worden seien, würde sie aus der NA austreten.
Zumindest aber wolle sie sich weiter umhören und die Vorwürfe in
der NA ansprechen. Ganz anders reagierten die langjährigen
Mitglieder. Einer teilte mit, von diesen Texten noch nie etwas
gehört zu haben. Ohne mit der Wimper zu zucken, bot er den
VeranstalterInnen eine Diskussion an - nicht über die Vorwürfe,
sondern über "Philosophie". Die Hamburger Leiterin Hilde
Mayer-Gutdeutsch blamierte sich mit ähnlichen Statements. Die NA
würde schon seit Jahren mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Sie
könne dazu jedoch nichts sagen, da ihr das Flugblatt der
Veranstaltungsgruppe erst seit einer Woche bekannt sei. Während
mensch sich also hier unbedarft-unschuldig gab, hörte sich dies
in einem Fax an die taz, die einen Bericht machen wollte, ganz
anders an. Hier wußte mensch, daß die Vorwürfe "absurd" und
linksradikale Propaganda seien.
Daß nur so wenige NA-AnhängerInnen gekommen waren, ohwohl ihnen
das Aufrufflugblatt eine Woche vorher bekannt war, erklärten sich
die VeranstalterInnen mit dem Sektencharakter der NA. Die
Erfahrungen beim Flugblattverteilen waren, daß die Menschen sich
gegen Kritik abschotteten. Während es "normal" wäre, bei so
heftigen Vorwürfen gegen die eigene Organisation diese zu
überprüfen, sind die NAlerInnen so auf ihre LeiterInnen fixiert,
daß ihnen deren Versicherung, dies stimme alles nicht, völlig
ausreicht.
* Filialen in Hamburg, Stuttgart & München
In Hamburg behauptet die NA 30 Mitglieder zu haben. Sie wirbt für
ihre Veranstaltungen in einigen Zeitschriften und mit Plakten,
die schwerpunktmäßig in Ottensen und an der Uni wild verklebt
werden. (Die müssen eigentlich nicht hängen bleiben!) Neu ist der
Versuch, mit einem Infostand auf dem Spritzenplatz an die
Öffentlichkeit zu gelangen. Bundesweit will die Sekte 100
Mitglieder haben, außer in Hamburg, in Stuttgart und München, wo
auch der "Nationale Zentralkommandant", Walter Gutdeutsch, seinen
Sitz hat. Wesentlich erfolgreicher sind sie in Südamerika (wo
Livraga die NA 1957 gründete) und in Frankreich, Spanien und
Österreich, wo sie größere Anwesen unterhalten. Mindestens in
Frankreich verfügt die NA über Arbeits-, Frauen- und
Sicherheitsbrigaden. Letztere attackierten KritikerInnen auch
schon körperlich.
* Arbeitskreis gegen die Neue Akropolis
Der Arbeitskreis gegen die Neue Akropolis will als nächstes
einen Reader über die Sekte anfertigen. Damit soll das Wissen
weiter als bisher verbreitet werden. Weitere Aktionen gegen die
NA sind natürlich nicht nur Sache der Gruppe, gefordert sind da
alle AntifaschistInnen. Kontakt könnt Ihr zu uns über die
Postanschrift des "Bündnis Keinen Fußbreit den Faschisten"
aufnehmen.
Bündnis Keinen Fußbreit den Faschisten c/o Schwarzmarkt, Kleiner
Schäferkamp 46, 20357 Hamburg
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