Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Rechte Aktivitaeten/Essen 96

48 views
Skip to first unread message

Unabhängige Antifa Aktiv Essen

unread,
Nov 10, 1996, 3:00:00 AM11/10/96
to

-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----

GEGEN DAS VERGESSEN!

Am 09.11. jährt sich die Reichsprogromnacht. In allen deutschen Städten wurden
die jüdischen Synagogen auf Befehl der Nazis in Brand gesteckt und
vernichtet. Damit war das Signal gegeben; die vom Rassenwahn getriebene
deutsche Staatspolitik eskalierte in die industrielle Massenvernichtung
von Menschen jüdischen Glaubens, Sinti und Roma, KommunistInnen,
SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen, Parteilosen, ChristInnen,
Homosexuellen, Andersdenkenden und Behinderten. Damit verbunden war ein
Vernichtungskrieg, der über 50 Millionen Menschen das Leben kostete.


Anläßlich dieses Gedenktages haben wir die zahlreichen Geschehnisse in und um
Essen im Jahr 1996 zusammengefaßt:

Die "Ermittlungsgruppe fremdenfeindliche Straftaten" unter Leitung von Heribert
Reick hat sich Ende 1995 aufgelöst. Der Essener Staatsschutz berichtet von
67 (ihnen bekannten und daher zu niedrig angesetzten) fremdenfeindlichen
Straftaten mit 20 Verletzten im Jahr 1995. Die ehemalige Geschäftsstelle
der inzwischen verbotenen FAP "Kameradschaft Essen" dient weiterhin
unbehelligt als regelmaessiger Treffpunkt für Nazis. Auch in Borbeck ist
die Szene weiter aktiv [1].
Erstmals wird sogar öffentlich in der Presse [2] von der Kneipe "Im
Briefkasten" am Hauptbahnhof gegenüber der Post als Nazitreffpunkt
berichtet.
[1] WAZ 7.5.96 [2] NRZ 24.4.96

Fr. 02.02.96: Ein 18jähriger wird von einem 32jährigen mit den Worten
"Du Ausländer ich schieß dich ab!" bedroht. (WAZ 02.02.96)

Di. 09.04.96 22.45Uhr: Ein mit Bundeswehrtarnanzug gekleideter betrunkener
16jähriger sticht eine 53jährige Türkin nieder. Auch nüchtern steht der
Täter noch zu seinem Motiv Fremdenhaß. Die Frau überlebt den Mordversuch
schwer verletzt. (WAZ 11.04.96)

Sa. 13.04.96 5.40Uhr: Nachdem ein 17jähriger Jugendlicher sich gegen die
antisemitischen Sprüchen von zwei jungen Männern (19 und 20 Jahre) zur
Wehr setzt, wird er von einem festgehalten und von dem zweiten mit
Cowboystiefeln 20mal gegen den Kopf getreten. (NRZ 15.04.96)

So. 28.04.96: In der Gaststätte Istra (Wirt ist Kroate) auf der Rüttenscheider
Str. in Essen-Rüttenscheid fand wieder einmal ein NPD-Landesparteitag
statt. Es war der siebte in Essen seit 1994. (NRZ 01.05.96)

Di. 30.04.96: Am Freitag, den 30.4.96 wurde am Viehofer Platz das Gartenlokal
PIAZZA eröffnet. Eine Gruppe Jugendlicher aus der Fascho-Hooligan-Szene
(evtl. Briefkastengänger) griff zunächst einige Gäste tätlich an und wurde
dann von Rockern, die vom Betreiber (ebenfalls NORD und ROXY) angestellt
sind, gewaltsam vertrieben. (Essener Antifas 05/96)

April 96, Freitags: Ein Punk wird an einem Freitag vor Horten am Essener
Hauptbahnhof von 5 Faschisten aus dem Briefkasten verprügelt.

Di. 07.05.96: Der 69jährige ehemalige Offizier der 3.SS-Kavalleriedivision
Dr. Dietrich Griener aus der Bocholder Str. 166 in Essen wird zu 2 Jahren
Freiheitsstrafe auf Bewährung und 15000 Mark Buße verurteilt. Er hatte am
08.05.96 ein 84seitiges "Deutsches Manifest" bundesweit verbreitet. Darin wird
beispielsweise der Massenmord an Juden als "gigantische Lüge" bezeichnet. Zu
einer seiner "Heldentaten" im 3.Reich zählte unter anderem die Niederschlagung
des Aufstandes der polnischen WiderstandskämpferInnen in Warschau.
(Antifa NRW-Zeitung Juni-August 96)

Am 18.05.96 fand um 16 Uhr im Essener Saalbau eine Vortragsveranstaltung des
"Bund für Gotterkenntnis (BFG)" unter dem Titel "Hier sind die Wurzeln deiner
Kraft-Heimat, ihr Wesen, ihr Wert, ihr Verlust-" statt. Nach Aussagen des
Saalbau-Pächters Leo Imhoff tagt der BFG schon seit 15 Jahren dort. Er wurde
im Vorfeld über den BFG informiert, die Veranstaltung fand trotzdem statt.
Teilgenommen haben etwa 15-20 Personen im Rentenalter. Saalschutz war
nicht vorhanden. Der BFG zählt bundesweit rund 12000 Angehörige, diese
werden auch als "Ludendorffer" bezeichnet. Er vertritt eine rassistische
und antisemitische ideologische Grundhaltung. (WAZ 20.05.96)

Eine Gruppe von 20-25 Personen wird von drei rechtsradikalen Männern und einer
Frau an der Haltestelle Badeanstalt mit Nazi-Parolen provoziert. Als die
Gruppe in eine Straßenbahn einsteigt wird ein 21 jähriger durch einen
Bierflaschenwurf am Kopf verletzt. (WAZ 12.07.96)

Zwei 13jährige Jugendliche werden vor der Diskothek FUN in Borbeck von
White-Pitbulls (RWE Hools) angegriffen und verletzt. Ein Täter ist bereits
30 Jahre alt. (Essener Antifas 08/96)

Sa. 06.07.96: Elf Männer zwischen 17 und 31 Jahren, sowie 3 Frauen von 19 bis
20 Jahren aus Essen, Dortmund, Mülheim, Recklinghausen und Ennepetal sind
die Reste einer Feier im Schloßpark in Borbeck, die von der Polizei
kontrolliert wurden. Darunter ein 20jähriger aus Mülheim der mit
Haftbefehl gesucht wurde. (WAZ 09.07.96)

Mo. 08.07.96: 5 Faschisten demonstrieren unangemeldet mit einem Transparent
("Arbeitsplätze für Deutsche - Hoch die nationale Solidarität) vor dem
Arbeitsamt am Berliner Platz. Als Polizei und 30-40 Gegendemonstranten
(von der Uni) erscheinen, müssen sie verschwinden. (VW-Bus aus Steinfurt -
N 2556)

Zwei Rechtsradikale verprügeln vor einer Gaststätte an der Altenessener Str.
einen 20 jährigen Mann. (WAZ 09.08.96)

So. 01.09.96: Auf dem Borbecker Marktfest spricht die Polizei nach Schlägereien
und Schüssen mit einer Gaspistole am Samstag 75 und Sonntags noch einmal
15 Platzverweise gegen die rechte Szene aus. (NRZ Sept. 96)

Mo. 02.09.96: Ein Türke wird von zwei Rechtsradikalen in der Gaststätte "Tinis
Eck" in Frohnhausen zusammengeschlagen. (Essener Antifas 09/96)

"Keine Türken, keine Neger, nur weiße Deutsche". Mit diesen Worten wurde ein
farbiger Eishockeyspieler der Moskitos Essen von den Türstehern der
Diskothek Fun in Borbeck beschimpft und abgewiesen. (WAZ 02.09.96)

Beim Kettwiger Brunnenfest grölen neun angetrunkene Jugendliche fremdenfeindliche
Parolen und beschädigen parkende Autos. (WAZ 24.09.96)

Fr. 27.09.96: Ein alternativ gekleideter Jugendlicher wird von 5-6 Faschisten
mit Schäferhund unter "Dreckspunk"-Rufen vor Mc Donalds am Essener
Hauptbahnhof schwer verletzt (Krankenhausaufenthalt).

Fr. 05.10.96 0.30h: Gleis 11/12 Essen Hbf. Acht rechtsradikale Skins
überfallen vier Punks von denen einer einen "Nazis-Raus" Aufnäher trägt.
Bei einem 16-jährigen Täter wird umfangreiches Nazipropagandamaterial
sichergestellt. Die Täter sind ca. 16 jährige Jugendliche aus Essen-
Kettwig (10. Klasse Städtische Realschule Kettwig). (NRZ 08.10.96)

Di. 05.10.96: In der Grugahalle findet eine Veranstaltung der rechtsradikalen
"Türk Federacyon", besser bekannt unter dem Namen "Graue Wölfe", mit 400
eigenen Ordnern statt. Die Förderation erwägt, diesen Ort zu ihrem Stamm-
Tagungsort zu machen (WAZ 09.10.96).

Im Oktober 1996 wird erneut ein Ausländer von den Türstehern der Diskothek Fun
abgewiesen. Der Betreiber Werner Müller beklagt sich in der Zeitung über
Ausländer, die sich bei einer Abweisung direkt an die Presse wenden. (WAZ
06.11.96)

Mo 14.10.96 20.30h: Ein 31jähriger Mann wird von 4-5 Faschos in Borbeck an der
Ecke Germaniastr./Bergmühle schwer verletzt und droht auf einem Auge zu
erblinden. (WAZ/NRZ 22.10.96)

Ende Oktober 96: In Frohnhausen, Rüttenscheid und Holsterhausen wird die
"Deutsche Stimme-Nationaldemokratische Zeitung" der NPD per
Postwurfsendung verteilt. Neben rechter Sozialpolitik geht es um deutsches
Liedgut im Radio, Heß-Aufmarsch, Asylpolitik und Propaganda (Bücher,
Fahnen, CDs und T-Shirts).

Do. 21.10.96: Durch einen Brand in der Heidhausener Jugendbildungsstätte die
zur Hälfte der SJD-Die Falken gehört, entsteht ein Sachschaden von
500.000DM. Zwei junge Männer waren gewaltsam in das Haus eingedrungen und
hatten an 6 Stellen Feuer gelegt. Der Verwalter wurde von ihnen
zusammengeschlagen und in dem bereits brennenden Haus zurückgelassen. Im
Vorfeld wurde mehrmals ein weißer Kleinwagen mit Mülheimer Kennzeichen in
der Gegend beobachtet. (WAZ 25.10.96)
Das Motiv ist noch unklar, der Tatverlauf und die PKW Beschreibung passen
jedoch zu den Brandstiftungen im Autonomen Zentrum (AZ) in Mülheim.


Vorgänge um die Wagenburg und das AZ in Mülheim:

Mi. 29.05.96: Nach vorherigen Drohanrufen einer "Anti-Antifa Mülheim" bei
BewohnerInnen der Wagenburg, drohen die Faschisten das "Punkerdorf
plattzumachen". Der Überfall wird durch eine große Anzahl von
mobilisierten AntifaschistInnen verhindert, ein im Vorfeld mehrfach
beobachteter weißer Ford Fiesta wird abgeschreckt.

So. 16.06.96 2.30h: Nachts bricht in der einige Monate zuvor besetzten alten
Lederfabrik (AZ) an zwei Stellen Feuer aus. Die Eingangstür war
aufgebrochen, ein gefundener leerer Benzinkanister wurde von einer sehr
trägen Spurensicherung der Polizei konfisziert.

So. 16.06.96 abends: Der bekannte weiße Ford Fiesta hält am AZ, eine
Person steigt aus, fotografiert den Eingangsbereich sowie die überraschten
Personen und verschwindet unter Sieg-Heil Gebrüll.

Mo. 17.06.96: Zwei Fensterscheiben des AZ werden durch Steinwürfe
zerstört.

Di. 18.06.96: Ein weiteres Mal wird fotografiert und "Rotfront verrecke"
geschrien.

Fr. 21.06.96: Ein Traktor, der für den Transport der Bauwagen aus der
Wagenburg benötigt wird, wird von Unbekannten zerstört und fahruntüchtig
gemacht.
Danach blieb es bis auf kleinere Einbruchsversuche und Sachbeschädigungen
relativ ruhig. Die Bewohner des AZ zogen um in ein Alternativgebäude. Ende
Juli brachen dann einige Faschos in die mittlerweile versiegelte und
unbewohnte AZ-Halle ein und beschmierten die Wände mit faschistischen
Parolen, Beschimpfungen und Drohungen.

Außerdem trifft sich jeden Freitag seit längerem in der Kneipe "Im
Briefkasten" am Essener Hauptbahnhof die Neonaziszene des gesamten
Ruhrgebiets. Der Briekasten ist die ehemalige Geschäftsstelle der
inzwischen verbotenen FAP, Kameradschaft Essen. Die FAP wurde zwar
verboten, die Treffpunkte existieren jedoch weiter. Dort wird nicht nur
gefeiert sondern es finden Verabredungen und Vernetzungen statt.
Jugendlicher Nachwuchs wird rekrutiert und geschult.
Braunes Propagandamaterial wird verteilt. Wie auch in der Auflistung erkennbar
kam es im letzten Jahr häufig zu Übergriffen gegen Punks und Ausländer
gerade Freitags in der Nähe des Hauptbahnhofs und der City, denen die
Polizei wenig Aufmerksamkeit schenkte. Sie spielt die von den Faschisten
ausgehende Gewalt gegen Andersdenkende als Streitereien unter "rivalisierenden
Jugendbanden" herunter.

Politik, Presse und Politik verschleiern durch ihre Berichterstattung/
Ermittlungen die rechte Gewalt. Dies muß durchbrochen werden.

- - ORGANISIERT DEN ANTIFASCHISTISCHEN WIDERSTAND
- - GREIFT EIN
- - KEINE RÄUME FÜR FASCHISTEN


Unabhängige AntiFa Aktiv Essen (UAA)
c/o Falkenheim Frohnhausen
Thiesbürgerweg 24
45144 Essen
Tel.: 0201 767670 (Mo.19-23Uhr)

-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: 2.6.2i

iQCVAwUBMoVe4WNIIrZLJN21AQHmMgP/T4KXlpE+K7Uw9BKY7Z7uOV8knZRKvwf9
mL2556LF7rX8+78PUdAn81hCFIMXCPOdT2urjz9CGJ6vHni7W+vjcrem06XbREsr
sHxVdv6+BI5yz8fse3zztXYqaiaTOYrjoDd7chXHCAdhP/zrBAy0DvQxqM4j1J/X
L8WfEyGTG4M=
=TAaW
-----END PGP SIGNATURE-----

0 new messages