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[REPOST] Raeumung eines Wagenplatzes in Kassel

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Marko Pohl

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Oct 27, 1997, 3:00:00 AM10/27/97
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Aus ASTA Zeitung Nr. 22:


" Der Wagenplatz K18 stellt sich vor.

Die Geschichte des Wagenplatzes K18 beginnt Anfang 1989. Aus der Idee1
den Folgen der gaengigen Wohnungspolitik
entgegenzuwirken (Stichworte: Wohnungsnot, erhoehte Mietpreise, soziale
Entfremdung), starteten einige Studentinnen des
Fachbereiches Sozialwesen an der Gesamthochschule Kassel (GhK) das
interdisziplinaere Projekt "Schrottkunst / (Ueber-)
Leben im Herzen der toten Stadt".

Ziel des Projektes war, Bau- und Zirkuswagen zu Wohnraum umzubauen und
darin im staedtischen Raum zu leben. Die
Moeglichkeit, nach eigenen Ideen Leben und Lebensraum zu gestalten, bot
die Freiflaeche neben der ehemaligen HenschelHalle
K18, da diese Flaeche nicht reglementiert und funktionalisiert, also
nutzungsoffen war.

Nachdem die Unileitung das Projekt fuer beendet erklaerte und sich der
Projektleiter davon distanzieren musste, beschlossen die
BewohnerInnen, das Projekt trotzdem fortzufuehren.
Anstelle des brachliegenden Gelaendes entstand so, Schritt fuer Schritt,
ein selbstverwaltetes Wohnprojekt. Es bietet heute ca. 15
Menschen die Moeglichkeit, den Platz nach eigenen Vorstellungen und
Wuenschen zu gestalten und eine eigene Struktur zur
Organisation von Leben und ,Alltag' zu verwirklichen.

Zwischen den Wagen wurden Wege und einige Kraeuterbeete angelegt,
Holzschuppen, ein Hochklo, eine Freiluftdusche und
drei Hasen - und zwei Huehnerstaelle gebaut Ausserdem gibt es drei
Kuechenwagen und zwei Traktoren.
Die Beweggruende, in einem Wagen zu leben, sind individuell
unterschiedlich, haben aber gemeinsame Aspekte:

Die Wohnform ist offener als das Wohnen in Haeusern.
Die eigene Behausung selber zu bauen und dabei Innen- und Aussenraum

des persoenlichen Lebensumfeldes eigenstaendig
und eigenverantwortlich gestalten zu koennen.
Das Gruen zu erhalten und keine Flaechen zu versiegeln.
Nach Belieben die Positionen der Wagen auf dem Platz veraendern zu
koennen, d.h. mobil zu sein, und nicht zuletzt, z.B.
bei Hochschul- oder Arbeitsplatzwechsel auf Wagenplaetze anderer
Staedte (mittlerweile weit ueber 100) umsiedeln zu
koennen.
In einer groesseren Gruppe zusammenzuleben, den ,Alltag' gemeinsam zu

organisieren und trotzdem eigene
Rueckzugsmoeglichkeiten zu bewahren. Dabei werden Entscheidungen, die

den Platz betreffen, basisdemokratisch im
Konsens getroffen.
Die Moeglichkeit zu haben, verantwortlicher mit Ressourcen
umzugehen, wie Auswahl der Materialien beim Ausbau des
Wagens, sparsamer Umgang mit Wasser, Strom und Heizenergie.

Einst ,Selbsthilfe' zur Loesung der Wohnungsnot, entwickelte sich das
Projekt sehr schnell zu einer Lebensform mit grosser
kultureller Vielfalt und enormer Kreativitaet. Der Einengung, Kontrolle,
Standardisierung und Reglementierung kann hier etwas
entgegengesetzt werden.
Jedoch, wer den Wagen mit einer Villa im Gruenen vergleicht, uebersieht
dabei den enormen Arbeits- und Kraftaufwand,
wel-chen das Wagenleben mit sich bringt, besonders im Winter. Obwohl die

BewohnerInnen im Laufe der Jahre wechselten,
hat das Projekt seine Kontinuitaet bewahrt und der Platz wurde so immer
weiter angeregt und gestaltet.

Aber in gewisser Regelmaessigkeit verbreitet sich Unsicherheit unter den
Wagenplatzbewohnerlnnen in Bezug auf ein Bleiberecht
auf dem Gelaende. Das haengt damit zusammen, dass die Hochschulverwaltung
wiederholt Versuche unternommen hat, den
Wagenplatz zu vertreiben; z.B. sollte der Halle K18 eine
Kindertagesstaette angefuegt werden, obwohl das Gelaende nicht als
Bauland ausgewiesen ist; so auch die Planung einer studentischen
Liegewiese, deren Bedarf mehr als fragwuerdig erschien, da
auf dem Campusgelaende andere Flaechen zur Verfuegung standen.

Dies laesst den Eindruck entstehen, dass nach Gruenden gesucht wird, die
Vertreibung des Wagenplatzes zu rechtfertigen.

Aktuelle Entwicklung!!!

Auf der Ortsbeiratssitzung vom 9.1.'97 stellte die Hochschule das
Konzept einer Freiraumplanung vor. Der Wagenplatz kommt
darin nicht mehr vor. Ein Teil von ihm soll einer Kompost-, Haechsel- und

Materiallagerflaeche weichen, der andere Teil wird fuer
eine Forschungsflaeche des Fachbereichs 12/13 (Architektur/
Stadt-/Landschaftsplanung) freigehalten, deren Nutzung und
Notwendigkeit bzw. Bedarf noch voellig ungewiss ist.

Wir, die BewohnerInnen des Wagenplatzes, glauben, dass unsere Wohnform
eine Bereicherung fuer die Nordstadt und die GhK
darstellt:
Der Platz ist im Viertel integriert, es bestehen Kontakte zu unseren
Nachbarn. Er bietet Gelegenheit und Chance fuer Kontakte
und Austausch, die Infowand erfreut sich grosser Beliebtheit.
SpaziergaengerInnen und BesucherInnen suchen oft und gerne das
Gespraech mit den PlatzbewohnerInnen (Manchmal ist es uns sogar zu
oft...).

Die Flaeche ist auch nachts belebt und wird nach Einbruch der Dunkelheit
nicht zu einem toten Winkel. Sie bietet Ausgleich und
Kontrast zu den geraden, geplanten Strukturen der Stadt. Der Wagenplatz
macht GhK und Nordstadt bunter und lebendiger.
Der Nordstadtpark ist KEIN Grund fuer die Vertreibung des Projektes
Wagenplatz K 18: Die tatsaechliche Parknutzung soll auf
der suedlich angrenzenden Flaeche stattfinden, der Standort des
Wagenplatzes hingegen soll als gaertnerische Lagerflaeche fuer
Kompost, Pflastersteine und Haechselschnitt (die schliesslich ueberall
entstehen koennte) benutzt werden. "

Am vergangenen Montag lief nun ein Ultimatum seitens der Universitaet aus

und Bauarbeiten auf dem Grundstueck begannen.
Ausserdem wurde ein Bauzaun um den Platz aufgestellt der ihn von der
Aussenwelt abschneidet.
Die Bedrohung einer polizeilichen Raeumung ist akut !
Trotzdem halten die Bewohner aus und versuchen durch Aktionen und
Gespraeche mit der Stadt Kassel und anderen Stellen
einen Kompromiss zu finden.

Nur eine groessere Sensibilisierung und Information der Oeffentlichkeit
kann diesen und weitere Plaetze ( 2 ) , vor der Zerstoerung retten !

Kontakt: der Wagenplatz ist telfonisch noch zu erreichen unter : 0561 /
84339
sonst email an Marko Pohl mp...@gus.de


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