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[A-Infos] (de) 3 Tage Hölle in Seattle

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Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
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Die Hölle von Seattle

Von einem früheren Bewohner von Seattle
Gedanken zu den drei Tagen Hölle von Seattle


Wie ihr wohl wißt, bin ich kein Freund von Anarchie und Aufruhr, ganz im
Gegenteil; aber während der letzten Tage hatte selbst ich keine andere
Wahl als zu sagen, daß unser Stadt"rat" eindeutig die Grenzen
überschritten hat.

Die Polizei hat einige unserer örtlichen "Schwarzen Sheriffs" vorgeführt
(und ich sage mit Absicht "einige", weil sich nicht alle beteiligt haben)
- insbesondere am Dienstag und Mittwoch -- das hatte Ähnlichkeit mit
Lenins Tscheka, furchtbar ist das wenigste, was gesagt werden kann.
(Offensichtlich ist eins der Motive, die einige dazu treibt, "Hüter der
Friedens" zu werden, ein solider Sadismus!)

Die letzte ähnliche Gelegenheit, die ich erlebt habe, das muß ca 1970
gewesen sein, als eine Freundin von mir aus der Bibliothek in ihr Wohnheim
zurückging und von der Seattle "riot police" angegriffen wurde. Sie fügten
ihr einen Schädelbruch zu, weil "sie den Campus überquert" hatte - na,
hätte sie denn nach Hause *fliegen* sollen ?!?

In dieser Woche wurden alte Leute, Kleinkinder mit Pfefferspray besprüht
und unterschiedlos mit Tränengas beschossen; an den Demonstrationen gegen
die WTO total unbeteiligte Personen, viele wurden auf ihrem Weg nach Hause
zusammengeschlagen, zusammengetreten und sie wurden mit sogenannten
"Gummigeschossen" beschossen; ein Mann wurde zwischen die Beine getreten
und aus sehr kurzer Entfernung beschossen.

Viele Leute mit legitimen Anliegen wurden im Stadtzentrum von Seattle von
der Polizei großzügig mit Pfefferspray bedacht, einfach weil sie gerade da
waren, als die Polizei vorbeikam. Polizisten drehten sich gerade mal um
und sprühten ihnen Ströme von Pfefferspray ins Gesicht - nachdem sie
gerade erst an ihnen vorbeigegangen waren! Selbst einige WTO-Delegierte
wurden von der Polizei attackiert!

Personen, die Gestürzten helfen wollen, wurden ihrerseits Opfer der
Polizeibrutalität; Polizeiknüppel regneten sowohl auf Leute herab, die
zusammengebrochen waren als auch auf die, die ihnen helfen wollten. Die
Polizisten stellten ihre schweren Stiefel Leuten auf den Kopf, die am
Boden lagen (sie wurden auch mit den besonders grausamen flexiblen
Handschellen gefesselt, unter dem Vorwand, sie leisteten "Widerstand"), um
sie daran zu hindern, den Platz zu verlassen, wozu sie aber von der
Polizei aufgefordert worden waren - die dann zu Tränengas, Pfefferspray
und zum Verschießen von Gummigeschossen auf kürzeste Entfernung überging,
und das war eindeutig böswillige und unangebrachte Grausamkeit. In einem
Fall fiel eine Frau zu Boden und die Polizei beschoß sie mit Pfefferspray
und auch eine weitere Person, die ihr helfen wollte! Auch die Medien
zeigten, wie die Polizei auf eine ältere Frau losging, die gerade
Tränengas abbekommen hatte, während sie nur ihr Auto aufschließen und nach
Hause fahren wollte!

Wolken von Tränengas wurden in Läden und Geschäfte geschossen, und die
Kunden drinnen wurden von der Polizei angegriffen, als sie nach draußen
flüchten wollten. Es ist auch mittlerweile eine kriminelle Handlung in
Seattle, als Privatperson eine Gasmaske zu besitzen. Das haben meine Frau
und ich in der Sicherheit unseres Hauses am Fernseher mitbekommen. Wären
wir im Kreuzfeuer von Tränengas und Pfefferspray gewesen, hätten wir unter
den Umständen sterben können, weil wir beide Asthma haben und deswegen -
besonders ohne Gasmasken! - sehr empfindlich auf diese Chemikalien
reagieren.

Was besonders aus der Fassung bringt ist, daß die Polizei friedliche
Demonstranten angriff, während die anarchischen und kriminellen Elemente
frei agieren konnten - fast wie in einer geheimen Vereinbarung mit den
herrschenden Mächten !?

Wir haben einen Vorgeschmack von der "Neuen Weltordnung" bekommen und was
sie für uns bereithält, wenn sie jemals gültig wird! Gestapo und Tscheka
waren nur Knospen - werden wir die reifen Früchte ernten?


- -- Yura

Translation: As...@anarch.free.de


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