Ueber das Kartenhaus der Staatsschulden
Die Staatsschulden wachsen, doch Literatur ueber die Ursachen
ist aeusserst spaerlich. Jetzt liegt mit Rainer Roths
Buch die zur Zeit einzige umfassende Darstellung der
oekonomischen und politischen Ursachen der Staatsverschuldung
in Deutschland vor. Roth begnuegt sich nicht mit
der Aussage, dass Politiker oder Parteien fuer die
Staatsschulden verantwortlich seien. Er begreift
Staatsschulden als Barometer fuer eine krisenhafte Oekonomie
als oeffentliche Kehrseite privater Bereicherung.
Staatsverschuldung ist die Folge von Privatinteressen
auf allen Ebenen von Gesellschaft und Staat, aber nicht
hauptsaechlich die Folge von Sozialmissbrauch bzw. einer
ausufernden Anspruchsmentalitaet an Sozialleistungen,
auch nicht in erster Linie von oeffentlicher Verschwendung,
sondern der Subventionierung der langfristig gefallenen
Renditen von Konzernen und Banken durch Gewinnsteuersenkungen
und Subventionen, Lohnsubventionen und der Finanzierung
ueberschuessiger Arbeitskraefte.
Neu und von besonderer Aktualitaet ist die These, dass
die mit Hilfe von Staatsschulden angehobenen privaten
Renditen ueberwiegend in die Finanzanlage des zunehmend
"arbeitslosen Kapitals" fliessen, nicht in die Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit von Lohnabhaengigen.
Das Buch verarbeitet reichhaltiges empirisches Material und
stellt eine Art Nachschlage- und Standardwerk
nicht nur zur Staatsverschuldung, sondern zum gesamten
oekonomischen und politischen System dar, das sie
hervorbringt. Der Autor versteht sich auf verstaendliche
Darstellung des komplizierten Stoffs.
dp
Rainer Roth: Das Kartenhaus, Staatsverschuldung in
Deutschland. DVS, Oktober 1998, 430 Seiten, 25 DM,
ISBN 3-932246-13-6
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