Verhandlungstage 28.9. und 29.9.
Die Fortsetzung der Anhörungen des Prozesses ROS/Marini nach der
Sommerpause hat ein gewisses Interesse von Seiten der Presse
hervorgerufen, da sich der Staatsanwalt Marini die Zuständigkeit für die
sogenannten "Bombenpackete" (letzten Sommer wurden einige Briefbomben an
Politiker und Journalisten geschickt, die sich in Bezug auf die
Verhaftungen und "Selbstmorde" in Turin besonders hervorgetan hatten --
A.d.Ü.) zugeschrieben hatte: Er hatte der Presse gegenüber erklärt das
dies alles Werk der "gespenstischen" ORAI sei. Es gab Berichte über die
Weiterführung in den Regionalnachrichten der RAI (Staatsfernsehen --
A.d.Ü.) und eine Sonderausgabe von "Justiz spezial" auf RadioRadicale.
Es wurden hochrangige Polizeioffiziere angehört, sowie zwei
Sachverständige der DIGOS (Zivilpolizei -- A.d.Ü.) aus Rom bzw Mailand.
Marcello Fulvi, von der DIGOS aus Rom hat sich -- gemeinsam mit Marini --
in seiner Aussage lange über die angebliche Rolle von Alfredo Bonanno
ausgelassen, hat den Bankraub von Cordoba erwähnt und über die momentane
Situation von Salvatore Candró referiert, von dem sie keine Spur haben.
Ebenfalls nichts wissen sie von Guido und Roberta, die sich
"höchstwahrscheinlich" im Ausland aufhalten sollen.
Marini hat ihn auch nach der Autobombe vor dem Mailänder Polizeipräsidium
gefragt, aber Fulvi wußte nichts aus erster Hand darüber, da er sich zur
Zeit bei der UCIGOS (? -- A.d.Ü.) befand.
Anschließend gab er noch allgemeine Informationen über verschiedene
Banküberfälle und Entführungen zum besten, in die nur einige Angeklagte
verwickelt sein sollen, insbesondere Rose Scrocco -- die er zu seinem
Bedauern nicht mit der Lo Vecchio in Holland verhaften konnte.
Auf Anfrage des Gerichtsvorsitzenden hat Fulvi angegeben, die Zeitungen
Anarchismo und Provocazione (oder "nuova Provocazione") würden weiterhin
erscheinen, in niedriger Auflage und halb im Untergrund. Die Frage, ob
diese Zeitungen denn auch in den Buchhandlungen "Feltrinelli" zu haben
seien, mußte Fulvi allerdings bejahen. Dann hat er sich gebrüstet -- ohne
das ihn jemand danach gefragt hätte -- das er keine Probleme habe an diese
Materialien heranzukommen.
Lucio Carluccio, der Beamte der DIGOS aus Mailand: Er hat eine tiefgehende
Analyse und Beschreibung des Anschlags auf das Mailänder Polizeipräsidium
(nicht explodierte Autobombe vom August 1988) abgegeben, über die
vermutlichen Verbindungen zur "ASALA" (Geheimarmee für die Befreiung
Armeniens) von denen der Zünder stammen soll, und über viele andere
Details dieses Anschlags.
Eine Reaktion des Gerichtsvorsitzenden ist es noch wert, hervorgehoben zu
werden: Nach einem Einspruch der Verteidigung schlug Marini vor, die
Sitzung zu vertagen, worauf der Gerichtsvorsitzende antwortete "Dieser
Prozeß hat einen Hang zum Ewigen... während das menschliche Leben kurz
ist" und Marini anschließend gebeten hat, sich zu beeilen.
Quelle: Posting von Tactical Media Crew auf A-Infos
Übersetzung: Solkom Italien