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Mit diesem Internetdienst versenden wir sowohl aktuelle Informationen,
Terminankuendigungen, als auch theoretische Texte etc. Grundsätzlich
verstehen wir ihn als offenes Medium, daß heißt, daß wir auch Zusendungen
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Zusendungen, die wir über RBH-Online weiterverbreiten sollen,
bitte entsprechend kennzeichnen. Wir verschicken die Nachrichten
grundsätzlich an alle, von denen wir glauben, daß sie sich
vielleicht dafür interessieren könnten. Wenn ihr sie nicht
mehr bekommen wollt, reicht eine kurze Nachricht an uns.
»In den Jahren 1939 bis 1942
wurden vom ehemaligen Aspangbahnhof
zehntausende oesterreichische Juden
in Vernichtungslager transportiert und
kehrten nicht mehr zurueck«
Niemals vergessen!
Mahnwache und Kundgebung
Dienstag, 9. November 1999 Ç 18.00 Uhr
Gedenkstein vor dem ehemaligen Aspangbahnhof
(1030 Wien, Platz der Opfer der Deportation)
Zu dieser Kundgebung rufen auf:
Abg. z. NR Madeleine Petrovic Ç ARGE Wehrdienstverweigerung Ç Die
Gruenen - Gruene Alternative Wien Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) Ç
Fachschaft Informatik Ç Friedensbuero Wien Guatemala-Komitee Ç Gruen-
Alternative Jugend (GAJ) Ç GAJ Wels Ç Infoladen 10 Ç Infoladen Grauzone Ç
Infoladen Wels Ç Ini-tiative Aspangbahnhof Ç Jugend gegen Rassismus in Europa
(JRE) Ç Kulturverein Saegefisch Ç Oekologische Linke Ç Revolutionsbraeuhof
(RBH) Ç Eva Rossmann Ç Rosa Antifa Wien (RAW) Ç Sudanese Dialogue Group
Ç Sozialistische Offensive Vorwaerts (SOV) Ç TATblatt Ç Zecken
Niemals vergessen!
Das ist dieses Jahr, von dem man reden wird.
Das ist dieses Jahr, von dem man schweigen wird.
Bertold Brecht
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten in Wien 42 Synagogen
und juedische Bethaeuser, zahllose juedische Geschaefte und Wohnungen
wurden gepluendert, zerstoert und beschlagnahmt. 6547 Juden wurden
festgenommen und 3700 davon in das Konzentrationslager Dachau verschickt.
Hinter all diesen Daten, Zahlen und Fakten steht jenes unsagbar grauenvolle
Leid, das in der »Reichskristallnacht«, im »Novemberpogrom 1938«
juedischen Mitbuergerinnen und Mitbuergern von den nationalsozialistischen
Machthabern angetan wurde.
Diese Nacht vom 9. zum 10. November 1938 war kein Randphaenomen der
Geschichte des Dritten Reiches, sondern ein Geschehen, dem zentrale
Bedeutung zukommt.
Die »Reichskristallnacht« war eine Hauptstation auf dem Weg der
verbrecherischen nationalsozialistischen Judenpolitik zum Voelkermord.
Der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels nuetzte das Attentat des
17jaehrigen Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst von Rath
in Paris zum Aufruf zu einer von Partei und Staat getragenen reichsweiten
Strafaktion gegen die Juden. Getarnt als »spontanen Ausbruch des Volkszorns«
schlugen die Nationalsozialisten zu und zeigten erstmals unverhuellt ihren auf
die Juden gerichteten Vernichtungswillen. Allzuviele opportunistische
Mitlaeufer folgten, die Juden blieben ohne Hilfe dem verbrecherischen Treiben
ausgeliefert. Es waren wenige, die offenen Widerstand wagten. Es waren auch
zu wenige, die ihre Missbilligung aeusserten, statt in den geifernden Chor
einzustimmen. Dabei waere gerade auch das immens wichtig gewesen.
So fand in der Woche vor dem 9. November 1938 in Kassel (heutige BRD)
quasi ein Probelauf statt, bei dem ein regional begrenztes Pogrom inszeniert
wurde. Die Machthaber waren sich ihrer Sache ganz einfach nicht voellig
sicher. Die Zustimmung und auch aktive Beteiligung der Bevoelkerung
uebertraf alle Erwartungen der Nazis.
Was danach kam, ist allgemein bekannt: Auf die sukzessive Entrechtung der
juedischen Bevoelkerung durch die Nuernberger Rassengesetze usw. und das
Novemberpogrom folgten die Arisierungen, das Einpferchen in Ghettos, am
Schluss die industrielle Vernichtung von Millionen Menschen - am
Historikerstreit wieviele es waren, wollen wir uns nicht beteiligen.
Vom ehemaligen Aspangbahnhof sind die Wiener Juden in die
Konzentrationslager gebracht worden.
Und wer es wissen wollte, hat Bescheid gewusst.
***
Der vielen anderen Menschen, die durch das nationalsozialistische Regime
gequaelt, drangsaliert, umgekommen und ermordet worden sind, wollen wir
bei dieser Kundgebung ebenfalls gedenken: Linke, Menschen die gegen den
Faschismus Widerstand geleistet haben, Homosexuelle, Sinti und Roma,
sogenannte »Geisteskranke« und sogenannte »Asoziale« - Kriminelle und
Obdachlose. Ebenso all derer, die in Hitlers Raubkriegen umkamen - fuer die
Hybris und den Groessenwahn deutscher, aber auch oesterreichischer Politiker
und Grossindustrieller. Denn in keinem Fall wollen wir die fatale Trennung
der professionellen Vergangenheitsbewaeltiger mitmachen, die Trennung
zwischen »unschuldigen« Opfern (den wegen ihrer »rassischen« Herkunft
verfolgten) und solchen, wo irgendwie unausgesprochen immer mitschwingt,
sie seien an ihrer Verfolgung auch noch selber schuld: Allen anderen. Es gibt
fuer uns da keinen Unterschied: Es war dasselbe, unnoetige - weil
vermeidbare, durch genuegend Gegnerschaft vermeidbare - Leid. Denn
Menschen waren alle - und Menschen leiden unter Folter, Hunger,
Zwangsarbeit; Menschen leiden, wenn sie merken, dass sie sterben muessen
und das nicht wollen. Binsenweisheiten.
Wenn man aus der Geschichte etwas lernen kann, dann das: Wir werden
vergleichbares nicht mehr zulassen.
Haider ante portas?
27% haben bei den letzten Nationalratswahlen FPOe gewaehlt. Joerg Haider
sagt, er hat nie eine antisemitische Aeusserung gemacht. Die Aufregung in
Israel versteht er nicht.
Szenenwechsel.
Herbert Schweiger, stellvertretender FPOe-Obmann in der Steiermark, nennt
1990 vor Gericht Auschwitz ein »Luegendenkmal«. Die Verluste an Juden
haetten sich »in einem tolerierbaren Rahmen zwischen 300.000 und 400.000«
bewegt. »Woher kommen sonst die vielen Antraege auf Wiedergutmachung«,
fragt er vor Gericht. »entweder die Juden sind vergast worden, oder sie leben.
Wenn sie solche Antraege stellen, dann leben sie und koennen sie nicht vergast
worden sein.«
1990, das ist lange her? So lange wie 1942? Damals sind die Wiener Juedinnen
und Juden vom Aspangbahnhof in die Vernichtungslager gebracht worden.
Joerg Haider hat diese Vernichtungslager einmal im Parlament launig
»Straflager« genannt.
Was war denn das Verbrechen derer, die in diesen Lagern bestraft worden
sind?
Eine solche Partei gehoert nicht in die Regierung. So einfach ist das.
Eine Partei, die in schreienden Farben »Stop der Ueberfremdung!« plakatiert,
die muss ausgrenzt werden. Weil es Menschen gibt, die Angst davor haben.
»Auslaendische« Menschen, aber auch Oesterreicherinnen und Oesterreicher,
die sich fuerchten. Dass »es« wieder passiert.
Und weil in diesem Oesterreich, in dem zur Nazizeit von Oestereichern
unbeschreiblich grausliche Verbrechen begangen worden sind, niemand mehr
Angst haben soll.
Die Geschichte wiederholt sich nicht? Die Verbrechen des Nationalsozialismus
sind einzigartig? Ja, das glauben wir auch. Ein Haider-Regime waere etwas
voellig anderes. Aber ein autoritaeres Regime wird es sein und die Angst, die
die Menschen davor haben, genuegt: Dagegen anzugehen.
Menschenverachtend in seinen Worten und Taten wird es sein, so ein Regime.
Peter Mueller, FPOe Obmann in Bad St. Leonhard, 1990: »Wir bauen schon
wieder Oefen. Aber nicht fuer Sie Herr Wiesenthal. Sie haben im Joergl seiner
Pfeife Platz.«
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