Trotzdem-Verlag, Anfang November 1999
PF 1159 , D-71117 Grafenau
e-mail: trotz...@t-online.de
Wie ueberlebt ein Kleinverlag?
Eine Frage, die sich andauernd stellt, derzeit aber wieder verstaerkt auf
den Naegeln brennt. 200 Kleinverlage weniger auf der diesjaehrigen Buchmesse
als 1998 sprechen eine deutliche Sprache. Entweder Konkurs oder von
Bertelsmann und Co. aufgekauft, wie z.B. unser Ko-Verlag bei Chomsky's
Manufacturing Consent, der Marino-Verlag aus Muenchen.
Wir haben uns ueberlegt, ob wir den Verlag in eine Genossenschaft umwandeln
sollen, z.B. zu einem 500.-DM Genossenschaftsanteil. Haetten wir das in den
70erJahren gemacht, waeren wir auch alle davon ueberzeugt, dass wir die
notwendigen 400 GenossenschafterInnen finden, die das noetige Geld zum
Weiterarbeiten zusammentragen koennten. Heute sieht das aber alles nicht
mehr ganz so euphorisch aus. Viele von uns haben aus eigener Existenznot
ausser gutem Willen keine Chance ein Projekt zu unterstuetzenm, das zwar fuer
die notwendige libertaere Literatur sorgt, aber eben Unsummen an Geld
verschlingt. Viele wissen auch nicht, wie teuer es geworden ist, ein Buch
zu machen. Deshalb an dieser Stelle ein paar Informationen, die uns
durchschaubarer machen.
Vorausgeschickt sei noch, dass wir nach wie vor kein Geld zu privaten
Zwecken aus dem Verlag ziehen und in bezug auf anarchistische Verlage
anderer Laender auch kein Geld aus unserer Arbeit ziehen, d.h. unsere
Rechte sind fuer solche Verlage frei.
Ebenfalls vorausgeschickt sei, dass wir bislang noch immer in Deutschland bei
Genossen (Druckcooperative Karlsruhe, Libellus-Buchbinderei Stuttgart,
Winddruckkollektiv Siegen) drucken lassen, um eine gewisse
Selbstverwaltungsstruktur hier zu erhalten. Kurzfristiges Denken, das fuer
die Verlage Kosten spart und in Ungarn, der Slowakei etc. drucken laesst,
kostet uns am Ende unsere eigene Struktur.
Doch werden wir konkret:
um den Druckern unsere Verbindlichkeiten abzugleichen, haben wir einen
Bankkredit aufgenommen, der nun den Verlag monatlich stark belastet. Der
Effekt ist, dass wir die bisherigen Schulden bei den Druckern losgeworden
sind und die nun wieder besser arbeiten koennen. Das hat andererseits zur
Folge, dass wir fuer die neuen Projekte dringend Geld brauchen, um nicht
erneut "anzuschreiben".
Konkret stehen an:
Claude Lanzmann: Shoah
Noam Chomsky: Die politische Oekonomie der Menschenrechte
Martin Ludwig Hofmann: Indian War - Der Fall Leonard Peltier
Zu den Daten:
Das Shoah-Buch verschwand vom deutschsprachigen Buechermarkt und wir
kauften vom franzoesischen Verlag die Rechte fuer 3000.-DM. Dazu von Claasen
die Uebersetzungsrechte fuer 2000.-DM. Eine Auflage von 1000 Exemplaren
kostet uns als Paperback ca. 10.000.-DM, ein Hardcover, das fuer diesen
Titel wuenschenswerter waere: 14.000.-DM
Das Chomsky-Buch kostet an Uebersetzungskosten 4000.-DM, fuer eine Paperback-
Ausgabe von 1000 Ex. brauchen wir ca. 7000.-DM, die Rechte waren
umsonst.
Das Peltier-Buch, da auf deutsch geschrieben, kaeme auf ca. 6-7000.-Druck-
und Bindekosten.
Insgesamt besteht also ein Geldbedarf von ca. 33.000.- DM allein fuer diese
drei neuen Titel.
Bei den Ueberlegungen auf der Buchmesse, wie wir diese Titel finanzieren
koennten, gab uns Dimitri Roussopoulos vom Black Rose Verlag Montréal einen
Tip. Er verteilte ein derartiges Rundschreiben an alle Einzelkunden und
machte folgendes Angebot:
Wir wollen die 33.000.-DM aus unserem aktuellen Buecherbestand erloesen,
bitte unterstuetzt uns dabei.
Wer 25.-DM einbezahlt, kann sich ein Buch ihrer/seiner Wahl aus unserem
Programm aussuchen.
Ich haette gerne ..............................................................
Wer 50.-DM einbezahlt, zwei
Titel....................................................................
......
.........................................................................
......
Wer 100.-DM einbezahlt, vier Titel.......................................
......
.........................................................................
......
Wem nur an einem Titel liegt, der deutlich unter 25.-DM kostet, kann auch
diesen einzeln bestellen. Wir liefern im uebrigen portofrei.
Zum Schluss noch zwei Rundfragen:
Wir wollen ein Meinungsbild, wer an einer potentiellen Genossenschaft
teilnehmen wuerde. Eine Reaktion auf dieses Schreiben wird nicht als
Anmeldung verstanden, nur als Meinungsbild ausgewertet.
"An einer potentiellen Genossenschaft wuerde ich mich beteiligen, ich wuerde
dann
.......
Genossenschaftsanteile zu jeweils 500.-DM zeichen."
Wir hoffen sehr auf Eure Resonanz, Black Rose erloeste in den ersten drei
Wochen ca. 25.000.-DM. Wir sind sehr gespannt!
Zweite Rundfrage:
Viele von Euch haben das Anares-Info bezogen. Da Anares-Nord zum Jahresende
aus dem Info ausgestiegen ist, stellt sich die Frage, ob Trotzdem das
Info2000 alleine weiterfuehrt. Da die Kosten fuer den Versand (derzeit 2500
Adressen) jedoch relativ hoch im Vergleich zum Erloes sind, muessen wir
diese Adressenliste "verkleinern" und werden in Zukunft nur noch an
diejenigen liefern, die sich bei uns zurueckmelden, sei es ueber eine
Bestellung, oder die Meldung, dass sie weiterhin das Info beziehen wollen.
Bitte um Verstaendnis.
Wolfgang Haug, Andi Ries, Dieter Schmidt
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