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Der folgende Text ist der Klappentext des meines Wissens nach
ersten deutschsprachigen Buches, das sich mit dem Kooperativen-
verbund von Modrago'n beschaeftigt. - Ein zweiter Band, der sich
mit den theoretischen Grundlagen der kooperativen Oekonomie von
Mondrago'n beschaeftigt, ist in Vorbereitung.
Das Buch wird in Kuerze komplett im WWW zu lesen, und als Word 5-
Datei downzuloaden sein. - Natuerlich kann man es auch in
gedruckter Form bei mir bestellen.
Kontakt zum Autor vermittle ich gerne.
Der Text dieser Nachricht ist, neben anderen Informationen zum
Thema auch auf meiner Homepage unter http://mmb.home.pages.de
abrufbar.
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Auf der Suche nach einer zukunftsfaehigen Wirtschaftsform:
Fundort Mondrago'n
Kooperatives Wirtschaftssystem -
eine Region auf dem Weg aus der Zwei-Klassengesellschaft
von Hans Nerge
"Keiner soll Sklave oder Herr eines anderen sein."
Don Jose' Maria
Die Kleinstadt Mondrago'n, auf baskisch "Arrasate" genannt,
liegt eingebettet in ein enges Tal im Norden Spaniens, umgeben
von den steilen Huegeln und Bergen des Baskenlandes.
Im Mittelalter entstand in dieser Region eine besondere Tradition
der "Bruederlichkeit", die auch heute noch die Lebensanschauung
der Menschen bestimmt. Daraus hat sich eine Kultur des
Gruppenlebens entwickelt, die sich in der auffallenden Faehigkeit
der Basken zu Kooperation und Fairness zeigt. Demokratie,
Selbstbestimmung und Solidaritaet sind heute stark verwurzelte
Werte in dieser Gesellschaft.
Unter diesen Bedingungen ist seit Mitte dieses Jahrhunderts etwas
Einzigartiges entstanden: ein prosperierendes Wirtschaftssystem
auf der Grundlage von Demokratie und Kooperation. Seine Basis ist
die enge regionale Zusammenarbeit einer groesseren Zahl von
gemeinschaftlich organisierten Betrieben. Deren Kennzeichen sind
der persoenliche Besitzanteil der einzelnen Mitglieder und das
gleiche Stimmrecht aller in der Generalversammlung. Im
Unterschied zu unseren Genossenschaften produzieren die
Kooperativen jedoch vorwiegend Industriegueter - und sie machen
Gewinne wie andere Unternehmen auch.
Durch ihre bisher unerreicht enge Vernetzung hat sich die
Kooperativengemeinschaft vor den sozialoekonomischen
Einwirkungen des sie umgebenden kapitalistischen Systems in
gewissem Masse geschuetzt. Sie vollzieht daher eine relativ
ungestoerte sozialoekonomische Entwicklung. Eine Entwicklung,
die bisher ohne Beispiel ist und nicht vergleichbar mit dem, was
wir von den Genossenschaften und selbstverwalteten Betrieben bei
uns kennen.
Nicht geschuetzt hat sie sich jedoch vor dem freien Markt der
konkurrierenden Produkte aus den kapitalistischen Betrieben. Die
Folge ist, dass die Kooperativen ebenso effizient produzieren wie
ihre kapitalistischen Konkurrenten - oder sogar effizienter. Die
Folge ist aber auch, dass sie von rezessiven Entwicklungen der
kapitalistischen Wirtschaft nicht verschont bleiben.
Das kooperative Wirtschaftssystem in der Region um Mondrago'n
waechst stetig. Im Jahre 1995 war es bereits auf etwa 28 Tsd
Mitglieder angewachsen. Es bestand zu diesem Zeitpunkt aus einem
Netzwerk von ca. 100 Betrieben verschiedener Branchen, von denen
der groesste mehr als 2000 Beschaeftigte hat. Ausserdem gab es
bereits einige Fabrikationsstaetten, Niederlassungen und
Verkaufsbueros in Nord- und Suedamerika, Afrika, Fernost und
Europa. Der Umsatz aller Betriebe lag in diesem Jahr bei 4,7 Mrd
US-Dollar, das gesamte Anlagevermoegen betrug etwa 10 Mrd
US-Dollar.
Die Fabriken produzieren eine breite Palette von Erzeugnissen auf
hohem technischen Niveau, das qualifizierte Arbeitskraefte
erfordert. Die Produktpalette beinhaltet elektronische
Komponenten fuer die Fernseh- und Automationstechnik,
Werkzeugmaschinen fuer die Metall-, Kunststoff- und
Holzbearbeitung, Industrieausruestungen wie Roboter fuer die
Montage, Transferstrassen fuer den Automobilbau,
Eisenbahnwaggons, Rolltreppen, Aufzuege, Klimaanlagen, und
Haushaltgeraete wie Mikrowellenherde, Gefrierschraenke,
Spuelmaschinen, Waschmaschinen und Waeschetrockner. Darueber
hinaus gibt es Metallgiesserei-, Bau-, Schiffbau-, Agrar- und
Konsumkooperativen. Ein erheblicher Teil der Industrieprodukte
wird in die hochindustrialisierten Laender exportiert.
Dieses Buch beschreibt u.a. die besonderen Staerken der
kooperativen Oekonomie:
- Das sind aus der Sicht der Arbeitenden:
* die Sicherheit der Beschaeftigung,
* die relativ egalitaere Einkommensverteilung,
* die volle Teilhabe am Eigentum des Produktivvermoegens,
* die gleichberechtigte Teilnahme an den betrieblichen
Entscheidungen
* und der kooperative Geist unter den Arbeitenden.
- Das sind aus der Sicht der Oekonomen:
* die hohe Produktivitaet,
* die Dynamik,
* die Transparenz,
* die effektive Kontrolle des Managements durch die
Werktaetigen und
* die straffe Entscheidungsstruktur der Betriebe und
ihrer Vernetzung.
- Das sind aus der Sicht der Kunden und Verbraucher:
* die entsprechend ihrem Gebrauchsziel technisch,
oekologisch bzw. biologisch hohe Qualitaet der Produkte.
Hierfuer haben die Kooperativen mehrere internationale
Auszeichnungen erhalten.
Ein Grundsatz der Kooperativen heisst, 10% des Gewinns werden
fuer gemeinnuetzige Zwecke ausgegeben. Die Mitglieder betrachten
den erzielten Gewinn ihres Unternehmens nicht als Selbstzweck,
sondern als Mittel zum Wohle aller. Ein weiterer Grundsatz
heisst, es duerfen hoechstens 10% der Belegschaft abhaengig
Beschaeftigte sein. So kann der Gruppenegoismus der Teilhaber,
wie er von manchen unserer Mitarbeitergesellschaften her bekannt
ist, nicht entstehen.
Wenn moeglich wird die Produktion in Gruppenarbeit ausgefuehrt.
Die Arbeitsgruppen kommen ohne hierarchische Struktur aus, sie
bestimmen ihre Aufgabenteilung und Arbeitsablaeufe selbst und
sind fuer das Ergebnis ihrer Arbeit auch selbst verantwortlich.
Voraussetzung fuer die hierarchiefreie Gruppenarbeit ist jedoch
die entwickelte Faehigkeit der Arbeitenden zur Kooperation. Die
kooperative Arbeitsweise erscheint in den Augen des westlichen
Unternehmers als "schlanke" Produktionsweise.
Die unter diesen Bedingungen moegliche relativ egalitaere
Einkommensverteilung - das Verhaeltnis der groessten Einkommen
zu den kleinsten soll 3:1 nicht ueberschreiten - ist ein weiterer
Konkurrenzvorteil gegenueber den kapitalistischen Unternehmen,
denn ueberhoehte Managergehaelter werden nicht gezahlt. Darueber
hinaus beziehen die Kooperativen einen Teil ihrer oekonomischen
Staerke aus der Tatsache, dass die erwirtschafteten Gewinne von
den Mitgliedern in der Regel nicht abgezogen, sondern
groesstenteils fuer Investitionen weiter zur Verfuegung gestellt
werden.
Die Kooperation unter den Arbeitenden findet ihre Ergaenzung in
der engen Zusammenarbeit der Betriebe untereinander, der
sogenannten Interkooperation. Sie findet statt innerhalb der
Kooperativ-Komplexe, welche branchennahe Betriebe miteinander
verbinden, und darueber hinaus innerhalb des gesamten
Kooperativ-Verbundes.
Der Kooperativ-Verbund bildet das tragende Geruest des
kooperativen Wirtschaftssystems. Seine Netzstruktur verbindet
die Flexibilitaet des mittelstaendischen Unternehmens mit der
Stabilitaet des Grossbetriebes und bietet daher eine relativ
sichere Zukunftsperspektive. Die eigene Kreditkooperative, die
eigene Kooperative fuer Sozialversicherung und die eigenen
Ausbildungsstaetten bieten die Voraussetzungen fuer eine relativ
ungestoerte Verwirklichung der kooperativen Grundsaetze. Das
polytechnische Ausbildungszentrum und das Trainingszentrum fuer
Management bieten den juengeren Menschen die Moeglichkeit,
kooperatives Denken und Handeln zu erproben.
Die oekonomischen Vorteile des Prinzips "Kooperation" zeigen sich
bei der gegenseitigen Unterstuetzung der Kooperativen und im
Assoziationsvertrag zwischen ihnen und der Kooperativbank. Sie
zeigen sich auch in der engen Zusammenarbeit der
Industriebetriebe mit dem kooperativen Zentrum fuer technische
Forschung und Entwicklung und mit der Kooperative fuer
Unternehmensberatung.
Die Verbreitung des kooperativen Bewusstseins in der Bevoelkerung
zeigt sich darin, dass ein grosser Teil der Buerger sein Konto
bei der Kreditkooperative unterhaelt. Hierdurch wird die
Kooperativengemeinschaft vom kapitalistischen Finanzsystem
unabhaengig. Dies ist eine wichtige Voraussetzung fuer ihre
eigenstaendige Entwicklung.
Die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges der Kooperativen ist
die Verantwortungsbereitschaft ihrer Mitglieder. Sie beruht neben
dem Eigentum am Betrieb insbesondere auf den menschenwuerdigen
Arbeitsbedingungen, dem freien Zugang zu allen betrieblichen
Informationen, der als gerecht empfundenen Bezahlung, der
offenen Diskussion aller Probleme und der Transparenz der
Entscheidungsvorgaenge. Eine weitere Grundlage des Erfolges ist
der kooperative Geist und die ungewoehnliche
Kooperationsfaehigkeit der Basken. Diese muessen wir erst noch
erlernen.
In Mondrago'n sind Kapital und Arbeit in einer Hand. Hier gibt es
nicht die Spaltung der Gesellschaft in Arbeitende und Besitzende.
Hier ist das Kapital ein Instrument, das der Arbeit dient. Seine
Hauptaufgabe ist die Entwicklung des Betriebes. Seine Rendite ist
begrenzt und nicht an den Gewinn des Betriebes gekoppelt. Es ist
Vorsorge getroffen, dass es sich nicht in den Haenden weniger
konzentrieren kann.
Dies konnte durch die Initiative des jungen Priesters Don Jose'
María mit tatkraeftiger Unterstuetzung der Bevoelkerung unter den
ungeschuetzten Konkurrenzbedingungen der kapitalistischen
Marktwirtschaft erreicht werden.
Die Oekonomie wird erst oekonomisch,
die Demokratie wird erst demokratisch,
wenn die Oekonomie demokratisch wird.
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Inhalt
1. Einleitung
2. Die Kooperativen
2.1. Die Industriebetriebe
2.2. Die Kooperativbank
2.3. Die Ausbildungseinrichtungen
2.4. Das Zentrum fuer Forschung und Entwicklung
2.5. Die Kooperative fuer Sozialversicherung
2.6. Die Bedeutung der unterstuetzenden Struktur
3. Die Entwicklungsgeschichte der kooperativen Oekonomie
3.1. Der Anfang mit Hilfe der Buerger
3.2. Die Ausbreitung in die Region
4. Die Organisationsstruktur der kooperativen Oekonomie
4.1. Die innerbetriebliche Struktur
4.2. Das Netzwerk der Kooperativen
5. Die Politik der kooperativen Oekonomie
5.1. Der kooperative Geist
5.2. Die Aussenpolitik
5.3. Die Innenpolitik
6. Die Staerken der kooperativen Oekonomie
6.1. Sicherheit der Beschaeftigung
6.2. Produktivitaet
6.3. Effizienz
6.4. Dynamik
6.5. Arbeitsklima
6.6. Schlanke Produktionsweise
7. Die Probleme der kooperativen Oekonomie
7.1. Finanzprobleme
7.2. Loesungsvorschlaege
8. Die Probleme der selbstverwalteten Betriebe
in den kapitalistischen Laendern
9. Zusammenfassung
10. Verbreitungschancen der kooperativen Oekonomie
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