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[A-Infos] (de) Bericht von der I99-Konferenz (en)

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FAU-IAA OG Bremen 3

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Jun 18, 1999, 3:00:00 AM6/18/99
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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
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Vorabdruck aus Ausgabe # 134 der FAU-IAA Zeitung
DIREKTE AKTION - anarchosyndikalistische Zeitung
Wittelsbacher Allee 45 - D-60316 Frankfurt/Main
E-Mail: da-...@fau.org
Web: http://www.fau.org
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I99 Kongress in San Francisco
Die Revolution faengt da an, wo die Spaltereien enden!

Der Internationale Solidaritaets - Kongress '99 (I99) fand vom
01.06. - 06.06.'99 in San Francisco statt und war gut besucht mit
rund 100 TeilnehmerInnen aus den USA (IWW, WSA, "Food not bombs"
etc.), Australien (ASG-M, IWW), Kanada (IWW), Frankreich (CNT
Vignoles), Schweiz (Aussersieler Anarchisten, A-Infos), Schweden
(SAC, SUF), Deutschland (FAU), Korea (KCTU). Ihre Teilnahme
angekuendigt hatten auch die NGWF aus Bangladesch und die
nigerianische Sektion der IAA, die Awareness League. Leider
tauchten beide Delegierte vor Ort nicht auf,
hoechstwahrscheinlich haben ihnen Visaprobleme in letzter Minute
einen Strich durch die Rechnung gemacht. Einige weitere
Organisationen bekundeten ihre Unterstuetzung und Solidaritaet,
konnten aber - in der Regel aus finanziellen Gruenden - nicht
teilnehmen.

In Vortraegen und Arbeitsgruppen wurden umfangreiche
Themenkomplexe diskutiert. Neben eher "klassisch
syndikalistischen" Fragen wie etwa der gewerkschaftlichen
Organisierung von Jugendlichen oder der direkten Aktion als
Mittel der Gewerkschaftsarbeit reichte das Spektrum von Oekologie
und Arbeiterbewegung ueber Antifaschismus, der Drogenpolitik des
CIA bis hin zu Erfahrungsberichten aus der Arbeit mit Obdachlosen
und spiegelte so die ganze Bandbreite wider, wo ueberall
anarchosyndikalistische Arbeit laufen kann und muss.

Die WSA (Workers Solidarity Alliance, US-Sektion der IAA) und die
IWW (Industrial Workers of the World) in San Francisco hatten
sich mit der Planung des öI99-Kongressesö ein hohes Ziel gesetzt:
Sie wollten mit einer internationalen Konferenz die revolutionaer
syndikalistischen / anarchosyndikalistischen Organisationen und
Gruppen innerhalb und ausserhalb der IAA erstmalig seit
Jahrzehnten wieder an einen Tisch bringen.

Erklaertes Ziel des ganzen Projektes war es, wieder eine
Kommunikation, einen Erfahrungsaustausch und gemeinsame
Aktivitaeten in Gang zu bringen. Denn, wie es auch im Aufrufstext
lautet "die Revolution faengt da an, wo die Spaltereien enden".
Dem liegt die einfache Erkenntnis zugrunde dass Menschen
schliesslich in syndikalistische Gewerkschaften gehen, um
Solidaritaet zu bekommen und selber solidarisch mit anderen zu
handeln, und nicht, um sich mit anderen ArbeiterInnen zu
bekriegen. Gerade heutzutage, wo der Syndikalismus in seinen
unterschiedlichen Spielarten endlich wieder einiges an Echo bei
den Arbeitenden findet und international an Staerke dazugewinnt,
muss es darum gehen, den transnational operierenden Konzernen und
Strukturen wie der WHO, dem IWF und der Weltbank eine
solidarische und - zumindest punktuell - gemeinsam agierende
ArbeiterInnenbewegung entgegenzusetzen.

Die Graeben zu ueberbruecken, endlich wieder miteinander anstatt
nebeneinander oder gar gegeneinander zu arbeiten, war also Sinn
und Zweck dieser seit mehr als einem Jahr geplanten und
hervorragend vorbereiteten Konferenz. Und bei aller zulaessigen
Kritik an der oft unstrukturierten Diskussionsweise, an dem meist
sehr vortragsorientierten Charakter der Veranstaltung, der
teilweise mangelnden Vorbereitung der einzelnen TeilnehmerInnen
der Arbeitsgruppen (was im uebrigen auch bei unseren Kongressen
ja nicht selten zu erleben ist... ) muss abschliessend mit
Respekt festgestellt werden: Das Ziel wurde erreicht! Nicht
allein wurde damit ein Anstoss gegeben, die IAA aus ihrer
politischen Erstarrung zu loesen und wieder in den Dialog mit den
anarchosyndikalistischen Organisationen ausserhalb der
Internationale zu bringen. Auch fuer die staerker werdende Zahl
derjenigen, die sich innerhalb der SAC, der CNT Vignoles und der
IWW als AnarchosyndikalistInnen verstehen, sorgte der Kongress
fuer ein Gefuehl des Neubeginns ungeachtet verkrusteter
Strukturen und persoenlicher Feindschaften auch in ihren
Organisationen.

Waehrend einige der auf dem Kongress vertetenen Organisationen
eher kleinere Propagandaorganisationen noch auf dem Weg zu
örichtigenö Gewerkschaften sind, wie etwa die FAU und die WSA,
koennen doch andere auf ein beachtliches Ausmass an realer
syndikalistischer Arbeit verweisen. So etwa befinden sich die CNT
Vignoles mit rund 1.400 Mitgliedern und die IWW in den USA mit
rund 1.800 Mitgliedern derzeit in einem Prozess des schnellen
Wachstums. Unter anderem im Bildungsbereich und im oeffentlichen
Dienstleistungssektor sind beide Organisationen sehr aktiv. Was
ihnen und der SAC bei allen taktischen und strategischen
Unterschieden gemeinsam ist, ist die Tatsache, dass sie innerhalb
der Arbeiterschaft bekannt sind, sie kein abgeschiedenes
Ghettodasein fristen, sondern fuer kaempferische, radikale
Gewerkschaftsarbeit stehen. Sie werden schlicht als Gewerkschaft
angesehen, in denen jede/r willkommen ist, um fuer die eigenen
Rechte (und die der anderen ArbeiterInnen natuerlich auch) zu
streiten, und dies scheint sie fuer immer mehr arbeitende
Menschen attraktiv zu machen.
Auf diese Weise steht beispielsweise die IWW auch in engem
Kontakt zu den aktuellen Arbeitskaempfen in den USA, egal ob sie
nun von IWW-Mitgliedern gefuehrt werden oder eben von anderweitig
organisierten / unorganisierten ArbeiterInnen. Praktische
solidarische Unterstuetzung ist eine Selbstverstaendlichkeit und
schafft umgekehrt auch groessere Bekanntheit der eigenen
Organisation und Vertrauen in deren Faehigkeiten. So etwa bei der
gerade in San Francisco gegruendeten Gewerkschaft der
Fahrradboten oder aber auch dem Streik der Stahlarbeiter von
öKaisers Alumniumö, die mit einer Delegation auf dem Kongress von
ihrem Arbeitskampf berichteten (siehe gesonderter Artikel).

Gerade das Beduerfnis nach eben dieser praktizierten
gegenseitigen Solidaritaet zog sich wie ein roter Faden durch die
Gespraeche und Diskussionen der Konferenz. Egal ob streikende
Stahlarbeiter oder das erfolgreiche Beispiel des Arbeitskampfes
der Arbeiterinnen der Peepshow im "Lusty Lady Shop" in San
Francisco - erfolgreiche Organisierung und Ideen fuer
Aktionsformen wurden fuer den eigenen Gebrauch erfreut zur
Kenntnis genommen. Zahlreiche Ideen, wie mensch sich gegenseitig
unterstuetzen kann, gleich, ob bei der Organisierung einer
Betriebsgruppe oder fuer die geplanten Proteste gegen die Tagung
der WHO in Seattle im November diesen Jahres 1999, wurden lebhaft
diskutiert und werden sicherlich in der Folge des Kongresses
weiterentwickelt und umgesetzt.

Was die KongressteilnehmerInnen einte, war das Gefuehl, "Mensch,
hier passiert was!" - Und genau das ist es, was unsere Bewegung
wieder braucht. Statt endloser Diskussionen darueber, ob die
anderen nun auch 100% in jedem Detail mit der eigenen Auffassung
vom Anarcho-Syndikalismus uebereinstimmen, ist nichts notwendiger
als Kommunikation und gemeinsame Aktion. Die Koelner Gipfeldemo
und der I99-Kongress zeigen, dass es Zeit wird, mit einer neuen
Generation in der syndikalistischen Bewegung die Konflikte der
Vergangenheit zu begraben und ganz einfach praktische
(internationale) Solidaritaet zu ueben. So banal das klingt, so
viel Power steckt dahinter, wenn wir uns in Zukunft tatsaechlich
gegenseitig in unseren Aktionen und Kampagnen unterstuetzen,
anstatt in Grabenkaempfen zu verharren. Wir brauchen dafuer keine
neue Internationale als Konkurrenz zur IAA. Alle Spekulationen,
die dies als heimliches Ziel des Kongresses ausgemacht hatten,
haben sich als barer Unsinn erwiesen. Was die Teilnehmenden der
Konferenz wollen, ist nichts als etwas mehr gegenseitige Toleranz
und Unterstuetzung.

Fangen wir gleich damit an!

Hobbes

Eine ausfuehrliche Dokumentation des Kongresses ist in Arbeit.
Ihr findet den jeweils aktuellsten Stand auf der I99-wepage
http://www.iww.org/~intl99

Den Reader zum Kongress koennt Ihr per E-mail bestellen bei:
<int...@iww.org>, per Post unter:
I99 Komitee: c/o San Francisco IWW, P.O. Box 40485, San Francisco
CA, 94140, USA:

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