" Der Wagenplatz K18 stellt sich vor.
Die Geschichte des Wagenplatzes K18 beginnt Anfang 1989. Aus der Idee1
den Folgen der gängigen Wohnungspolitik
entgegenzuwirken (Stichworte: Wohnungsnot, erhöhte Mietpreise, soziale
Entfremdung), starteten einige Studentinnen des
Fachbereiches Sozialwesen an der Gesamthochschule Kassel (GhK) das
interdisziplinäre Projekt "Schrottkunst / (Über-)
Leben im Herzen der toten Stadt".
Ziel des Projektes war, Bau- und Zirkuswagen zu Wohnraum umzubauen und
darin im städtischen Raum zu leben. Die
Möglichkeit, nach eigenen Ideen Leben und Lebensraum zu gestalten, bot
die Freifläche neben der ehemaligen HenschelHalle
K18, da diese Fläche nicht reglementiert und funktionalisiert, also
nutzungsoffen war.
Nachdem die Unileitung das Projekt für beendet erklärte und sich der
Projektleiter davon distanzieren mußte, beschlossen die
BewohnerInnen, das Projekt trotzdem fortzuführen.
Anstelle des brachliegenden Geländes entstand so, Schritt für Schritt,
ein selbstverwaltetes Wohnprojekt. Es bietet heute ca. 15
Menschen die Möglichkeit, den Platz nach eigenen Vorstellungen und
Wünschen zu gestalten und eine eigene Struktur zur
Organisation von Leben und ,Alltag' zu verwirklichen.
Zwischen den Wagen wurden Wege und einige Kräuterbeete angelegt,
Holzschuppen, ein Hochklo, eine Freiluftdusche und
drei Hasen - und zwei Hühnerställe gebaut Außerdem gibt es drei
Küchenwagen und zwei Traktoren.
Die Beweggründe, in einem Wagen zu leben, sind individuell
unterschiedlich, haben aber gemeinsame Aspekte:
- Die Wohnform ist offener als das Wohnen in Häusern.
- Die eigene Behausung selber zu bauen und dabei Innen- und Außenraum
des persönlichen Lebensumfeldes eigenständig
und eigenverantwortlich gestalten zu können.
- Das Grün zu erhalten und keine Flächen zu versiegeln.
- Nach Belieben die Positionen der Wagen auf dem Platz verändern zu
können, d.h. mobil zu sein, und nicht zuletzt, z.B.
bei Hochschul- oder Arbeitsplatzwechsel auf Wagenplätze anderer
Städte (mittlerweile weit über 100) umsiedeln zu
können.
- In einer größeren Gruppe zusammenzuleben, den ,Alltag'
gemeinsam zu organisieren und trotzdem eigene
Rückzugsmöglichkeiten zu bewahren.
Dabei werden Entscheidungen, dieden Platz betreffen,
basisdemokratisch im Konsens getroffen.
- Die Möglichkeit zu haben, verantwortlicher mit Ressourcen
umzugehen, wie Auswahl der Materialien beim Ausbau
des Wagens, sparsamer Umgang mit Wasser, Strom und Heizenergie.
Einst ,Selbsthilfe' zur Lösung der Wohnungsnot, entwickelte sich das
Projekt sehr schnell zu einer Lebensform mit großer
kultureller Vielfalt und enormer Kreativität. Der Einengung, Kontrolle,
Standardisierung und Reglementierung kann hier etwas
entgegengesetzt werden.
Jedoch, wer den Wagen mit einer Villa im Grünen vergleicht, übersieht
dabei den enormen Arbeits- und Kraftaufwand,
welchen das Wagenleben mit sich bringt, besonders im Winter.
Obwohl die BewohnerInnen im Laufe der Jahre wechselten,
hat das Projekt seine Kontinuität bewahrt und der Platz wurde so immer
weiter angeregt und gestaltet.
Aber in gewisser Regelmäßigkeit verbreitet sich Unsicherheit unter den
Wagenplatzbewohnerlnnen in Bezug auf ein Bleiberecht
auf dem Gelände. Das hängt damit zusammen, daß die Hochschulverwaltung
wiederholt Versuche unternommen hat, den
Wagenplatz zu vertreiben; z.B. sollte der Halle K18 eine
Kindertagesstätte angefügt werden, obwohl das Gelände nicht als
Bauland ausgewiesen ist; so auch die Planung einer studentischen
Liegewiese, deren Bedarf mehr als fragwürdig erschien, da
auf dem Campusgelände andere Flächen zur Verfügung standen.
Dies läßt den Eindruck entstehen, daß nach Gründen gesucht wird, die
Vertreibung des Wagenplatzes zu rechtfertigen.
Aktuelle Entwicklung!!!
Auf der Ortsbeiratssitzung vom 9.1.'97 stellte die Hochschule das
Konzept einer Freiraumplanung vor. Der Wagenplatz kommt
darin nicht mehr vor. Ein Teil von ihm soll einer Kompost-, Hächsel- und
Materiallagerfläche weichen, der andere Teil wird für
eine Forschungsfläche des Fachbereichs 12/13 (Architektur/
Stadt-/Landschaftsplanung) freigehalten, deren Nutzung und
Notwendigkeit bzw. Bedarf noch völlig ungewiß ist.
Wir, die BewohnerInnen des Wagenplatzes, glauben, daß unsere Wohnform
eine Bereicherung für die Nordstadt und die GhK
darstellt:
Der Platz ist im Viertel integriert, es bestehen Kontakte zu unseren
Nachbarn. Er bietet Gelegenheit und Chance für Kontakte
und Austausch, die Infowand erfreut sich großer Beliebtheit.
SpaziergängerInnen und BesucherInnen suchen oft und gerne das
Gespräch mit den PlatzbewohnerInnen (Manchmal ist es uns sogar zu
oft...).
Die Fläche ist auch nachts belebt und wird nach Einbruch der Dunkelheit
nicht zu einem toten Winkel. Sie bietet Ausgleich und
Kontrast zu den geraden, geplanten Strukturen der Stadt. Der Wagenplatz
macht GhK und Nordstadt bunter und lebendiger.
Der Nordstadtpark ist KEIN Grund für die Vertreibung des Projektes
Wagenplatz K 18: Die tatsächliche Parknutzung soll auf
der südlich angrenzenden Fläche stattfinden, der Standort des
Wagenplatzes hingegen soll als gärtnerische Lagerfläche für
Kompost, Pflastersteine und Hächselschnitt (die schließlich überall
entstehen könnte) benutzt werden. "
Am vergangenen Montag lief nun ein Ultimatum seitens der Universität aus
und Bauarbeiten auf dem Grundstück begannen.
Außerdem wurde ein Bauzaun um den Platz aufgestellt der ihn von der
Außenwelt abschneidet.
Die Bedrohung einer polizeilichen Räumung ist akut !
Trotzdem halten die Bewohner aus und versuchen durch Aktionen und
Gespräche mit der Stadt Kassel und anderen Stellen
einen Kompromiß zu finden.
Nur eine größere Sensibilisierung und Information der Öffentlichkeit
kann diesen und weitere Plätze ( 2 ) , vor der Zerstörung retten !
Kontakt: der Wagenplatz ist telfonisch noch zu erreichen unter :
0561/84339
sonst email an Marko Pohl mp...@gus.de