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Für andere Zustände

unread,
Jan 26, 1999, 3:00:00 AM1/26/99
to
A - I N F O S N E W S S E R V I C E
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RBH-Online

Revolutionsbrőuhof (RBH) ď Postfach 142, A-1181 Wien
Tel.: (01) 310 76 93, 319 52 22 ? E-Mail: r...@inode.at
? http://www.inode.at/rbh
Treffen: Jeden Di, 20.00 Uhr. Anarchistische Buchhandlung;
Hahng. 15, A-1090 Wien.

Mit diesem Internetdienst versenden wir sowohl aktuelle Informationen,
Terminankuendigungen, als auch theoretische Texte etc. Grundsőtzlich
verstehen wir ihn als offenes Medium, da# hei#t, da# wir auch
Zusendungen
anderer linker Gruppen/Personen weiterverbreiten.
Zusendungen, die wir łber RBH-Online weiterverbreiten sollen,
bitte entsprechend kennzeichnen. Wir verschicken die Nachrichten
grundsőtzlich an alle, von denen wir glauben, da# sie sich
vielleicht dafłr interessieren k÷nnten. Wenn ihr sie nicht
mehr bekommen wollt, reicht eine kurze Nachricht an uns.


Folgenden Text haben wir von einem Leser erhalten, zusammen mit
dem Ersuchen
ihn weiterzuverbreiten. Hiermit geschehen. Die Red.


Gedanken łber eine alternative, selbstbestimmte Íkonomie

Dauerhafte Głter und sinnvolle Dienstleistungen zur
Bedłrfnisbefriedigung sind bei mir verbunden mit der Vorstellung
einerGesellschaftsformation jenseits von Konkurrenz-, Profit- und
Lohnarbeitsprinzip, die nach dem Prinzip "JedeR nach seinen
Főhigkeiten,jedeR nach seinen Bedłrfnissen" organisiert ist. Das hei#t, da# es
keinen Arbeitszwang gibt, da# jedeR nach seinen/ihren individuellen
Főhigkeiten, Interessen und Włnschen freiwillig arbeitet und Produkte
gratis in dem Ausma#, da# er/sie fłr angemessen hőlt, zur Verfłgung
gestellt bekommt. Dieses Ausma# entspricht also individuellen
Bedłrfnissen. Das geht nicht? Dann arbeitet niemand und alle wollen
Produkte im #berma#, da Menschen nun mal egoistisch sind? Vielleicht
kommen ablehnende Haltungen gegenłber Lohnarbeit und die oftmals
anzutreffende Gier nach immer mehr und immer neuem aber von der
Sozialisierung in einem fremdbestimmten System, das auf Konkurrenz,
entfremdeten Arbeitsbedingungen und der Erzeugung immer neuer und
intesiverer Bedłrfnisse durch Manipulation (z.B.Werbung) basiert.
Vielleicht ist dies aber in einer Gesellschaft, die auf Solidaritőt und
Kooperation, statt auf Konkurrenz, setzt, m÷glich.
Konkurrenz bedeutet eine wechselseitige Bezugnahme von Individuuen durch
Interaktionsprozesse, wobei es negative Rłckkopplungen zwischen den
Individuuen gibt, d.h., sie wirken negativ aufeinander, bekőmpfen sich.
Konkurrenz ist vielfach Warenbildung in menschlichen Bereichen, z.B.
dann, wenn Menschen am Arbeitsmarkt ihre Arbeitskraft als Ware anbieten
młssen. Kooperation bedeutet Interaktionen, bei denen beide Partner
davon profitieren, d.h. sie wirken positiv aufeinander, beide haben
Vorteile aus der Interaktion. Wirkt das eine Individuum positiv auf das
andere und das andere negativ auf das eine, so ist es entweder
Ausbeutung oder Altruismus (letzteres z.B. in der Familie, im sozialen
Bereich oder in Partnerschaften). Es geht um die Aufhebung derartiger
Konkurrenz- und Ausbeutungsverhőltnisse in einer alternativen
Gesellschaftsformation. (Soziale) Interaktion bedeutet ein aufeinander
bezogenes Verhalten von Individuen, dabei gibt es immer aktives Handeln
und eine darauf bezogene Rłckmeldung. Die Handlungskoordination erfolgt
dabei łber ein Medium wie die Sprache. Fłr jedes Individuum/iede soziale
Gruppe gibt es verschiedene Wege, seine/ihre Ziele zu erreichen. Gewisse
Permutationen/Kombinationen dieser Wege m÷gen positiv aufeinander
wirken. Das Ziel wőre, eine soziale "Symbiose" verschiedener Ziele in
Individuen/Gruppen-Kombinationen łber Kooperation zu erreichen. Dabei
entsteht eine positive Gesamtheit, alle gewinnen und niemand verliert.
Die Rahmenbedingungen młssen dazu aber dementsprechend gestaltet sein,
Strukturen die strukturell auf Konkurrenz basieren wie der Markt młssen
dazu łberwunden werden, da sie immer bewirken, da# gewisse
Individuen/Gruppen schlechter abschneiden als andere.
Das Stichwort lautet also Erhebung des individuellen Bedarfes an
Produkten. Dazu eignen sich moderne Informations- und Kommunikations-
(I&K-) Systeme, da sie Eigenschaften wie Dezentralitőt,
Enthierarchisiertheit, gro#e Reichweite und hohe Schnelligkeit,
Interaktivitőt, und polydirektionale Kommunikationsm÷glichkeiten haben.
Polydirektional bedeutet dabei Kommunikation im Sinne von one-to-many
und many-to-many, wőhrend traditionelle bidirektionale Kommunikation
immer one-to-one verlőuft. Dies ist also die Vorstellung von
I&K-Systemen als Handlungskoordinationsmedium kooperativer Interaktionen
in einer alternativen Gesellschaftsformation. Zur Bedarfserhebung in
frei gebildeten organisatorischen Einheiten in diesem Sinne ben÷tigt
jedes Individuum bzw. jede kleine Gruppe von Individuen einen Computer.
Weiters mu# eine Vernetzung dieser Computer łber LANs (Local Area
Network, direkte Vernetzung von Computern in einem Gebőude oder einem
kleinen Bereich łber ein Kabel) oder MANs (Metropolitan Area Network,
Vernetzung von Stődten łber Glasfaserkabel, Reichweiten bis zu 50 km)
oder łber das Internet gegeben sein. Die Art des Netzwerkes hőngt von
der Gr÷#e der organisatorischen Einheit ab. Ich stelle mir zwecks
#berschaubarkeit frei gebildete Einheiten von etwa bis zu 1000 Personen
vor. An jedem Computer lőuft dann ein Programm, mit Hilfe dessen der
individuelle Bedarf an Produkten eingegeben werden kann. #ber das
Netzwerk wird dieser Bedarf weitergeleitet und so kann durch einfache
Summation der Einzelbedarfe der Gesamtbedarf ermittelt werden, der an
die jeweiligen selbstverwalteten Produktionsstőtten weitergeleitet wird.
Dies erm÷glicht eine bedarfsorientierte Produktion. Nicht jeder kann mit
einem Computer umgehen? Dies fłhrt zu einem Elitismus und zur Formation
neuer Herrschaftsverhőltnisse Gebildeter?
Nun ja, Bildung unter kapitalistischen Reproduktionsverhőltnissen
spiegelt die soziale Spaltung und die Klassen- und
Herrschaftsverhőltnisse wider. Unter Aufhebung dieser Verhőltnisse und
unter Reduktion der durch den Menschen zu leistenden gesellschaflich
notwendigen Arbeit, ist Bildung kein Ausdruck eines sozialen Status,
keine Elitenproduktion fłr Herrschaftszwecke und keine Zurichtung fłr
die Anforderungen eines neoliberalen Marktes, sondern ein
selbstbestimmtes Lernen abseits der Interessen anderer. Ein weniger an
notwendiger Arbeitszeit erm÷glicht dann auch jedem ein mehr an
M÷glichkeit zum Lernen nach pers÷nlichen Interessen. Der
regelmentierenden, autoritőr angehauchten Angewohnheit in unserem
Kulturkreis entspricht auch die Vorstellung, da# den Menschen
zielgerichtet etwas beigebracht werden mu#, gelernt wird meist nur nach
Plan und Vorschrift. Das hat oft den Effekt, da# die Lernenden nichts
mehr von alleine lernen k÷nnen/wollen, da# sie zu bequem sind,
selbstőndig geistig zu denken. Bei der fremdbestimmten Vorgabe der
Inhalte durch Lehrplőne spielt immer die Vorstellung mit, da# es
bestimmte Dinge gibt, die einE in einem Fachbereich TőtigerR k÷nnen mu#.
Diese Vorstellungen sind aber oftmals interessengeleitet, spiegeln also
die Interessen gewisser Gruppen wider. Dies zeigen z.B. auch die immer
wieder auftauchen Diskussionen łber eine verstőrkte Integration der
Wirtschaft in den universitőren Lernbetrieb. Lernen sollte meiner
Ansicht nach ein selbstbestimmtes Lernen sein, ein Lernen das die
Lernenden zu kritischem Denken und der Wahrnehmung ihrer Interessen,
Włnsche und Bedłrfnisse anregt. JedeR soll selbst entdecken k÷nnen, was
ihn/sie interessiert und soll sich mit derartigen Inhalten beschőftigen
k÷nnen. Inhalte sollten also meiner Ansicht nach viel individueller und
partizipativer (d.h. die Lernenden bestimmen selbst, was sie lernen
wollen) sein. Selbststeuerung hei#t im Lernkontext, da# die Lernenden
selbst łber die genauen Inhalte zu gewissen Themen nach ihren Interessen
entscheiden und da# sie selbst die Lernmethoden wőhlen.
Zur Umgangsweise mit Computern ist noch zu sagen, da# User Interfaces
(Benutzerschnittstellen) so gestaltet werden k÷nnen, da# sie
benutzerInnenfreundlich und leicht zu bedienen sind. Eigene Bereiche,
das User Interface Design und die Human Computer Interaction (HCI),
beschőftigen sich damit. Unter den herrschenden Bedingungen ist deren
Mainstream natłrlich auf das Design von User Interfaces fłr
kommerzielle Belange zwecks Profitmaximierung orientiert, aber Technik
ist immer verknłpft mit ihrer gesellschaftlichen Einbettung:
Technik trőgt unter den herrschenden Bedingungen łber die Verstőrkung
des Rationalisierungspotentials wesentlich zur Verschőrfung sozialer
Verhőltnisse bei: Die gesellschaftlich notwendige Arbeit, die durch den
Menschen zu verrichten ist, nimmt ab, da es aber zu keiner
gesamtgesellschaftlichen Gleichverteilung des Wohlstandes und der zu
leistenden Arbeit kommt, nimmt das Heer der "industriellen Reservearmee"
und damit die Armut zu. Technikentwicklung und gesamtgesellschaftliche
Entwicklung stehen also in einem engen Zusammenhang. Technik (und auch
Wissenschaft) bedeutet im Kapitalismus oftmals Instrumentarium der
Profitmaximierung, unter geőnderten Vorzeichen kann sie jedoch auch
emanzipatorisch nutzbar gemacht werden. Fłr die HCI bedeutet dies, da#
es unrealistisch ist, da# sich ihr Mainstream unter kapitalistischen
Bedingungen mit dem Design von Benutzerschnittstellen fłr
Bedarserhebungen in alternativen Gesellschaftsformationen beschőftigt,
m÷glich ist diese Tőtigkeit aber einerseits im Hier und Jetzt als eine
Vorarbeit und andererseits unter anderen gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen nach einer Aufhebung der herrschenden Verhőltnisse.
Die traditionelle linke Technikfeindlichkeit, die sich durch die
zunehmende Vergr÷#erung der "industriellen Reservearmee" auf Grund der
Automatisierung und der damit einhergehenden Rationalisierung erklőren
lő#t, bringt uns nicht vorwőrts. Ich halte eine Gesellschaft, in der
prinzipiell auf moderne Technologien (abgesehen von umweltgefőhrdenden
und/oder prinzipiell bedenklichen Technologien wie Atomkraft,
Gentechnik, usw.) verzichtet wird, fłr nicht realistisch und sinnvoll.
Eine Rłckkehr in die "heile Urgesellschaft" wird es nicht geben. Viel
mehr m÷chte ich betonen, da# z.B. Automatisierung nicht prinzipiell
etwas Schlechtes und Verwerfliches ist, sondern da# die
gesamtgesellschaftliche Einbettung der ausschlaggebende Faktor ist. Es
ist doch auch durchwegs ein emanzipatorischer Nutzen aus Robotern,
Automatisierung und Computern vorstellbar: Die Vorstellung einer
Gesellschaft, in der die gesellschaftlich notwendige Arbeit zu einem
guten Teil (soziale Tőtigkeiten z.B. schlie#e ich davon prinzipiell aus)
von Maschinen erledigt wird und es somit zu einer Entlastung des Faktors
menschliche Arbeit kommt. Entscheidend dabei ist, da# es in einer
derartigen Vorstellung keine 2 Klassen von GewinnerInnen
(profitabsch÷pfende KapitalistInnen, die die Produktionsmittel und somit
die Maschinen kontrollieren) und VerliererInnen (freigesetzte
ArbeiterInnen) der Automatisierung - was zur Zunahme der sozialen Kluft
mit all ihren Konsequenzen und der gesellschaftlichen Spannungen fłhrt -
gibt, sondern, da# alle gleicherma#en davon profitieren. Die
kapitalistische Reproduktionsweise verunm÷glicht derartiges prinzipiell.
Um derartiges zu realisieren ist eine basisdemokratische,
antihierarchische, klassenlose, ÷kologisch und sozial vertrőgliche Form
der Gesellschaft jenseits von Profit und Markt und eine Aufhebung der
Lohnarbeits-, Klassen-, Konkurrenz-, Herrschafts- und
Eigentumsverhőltnisse notwendig. Nicht "Hoch die Arbeit" und "Recht auf
Arbeit" młssen die Devisen lauten, sondern die konsequente Reduzierung
der durch menschliche Hand zu verrichtenden, gesellschaftlich
notwendigen Arbeit und durchwegs das "Recht auf Faulheit" - wobei ich
diese Faulheit nicht im Sinne eines prinzipiellen Nichtstuns verstehen
will, sondern im Sinne einer Ausweitung der Freizeit - młssen in
Betracht gezogen werden.
Entfremdete Lohnarbeit ist die Basis fłr Desinteresse, Passivitőt,
Unzufriedenheit und Krankheit. Technik kann prinzipiell aber eine Basis
fłr die Aufhebung dieser Entfremdung łber Reduktion der gesellschaftlich
notwendigen, durch den Menschen zu leistenden Arbeit und
Gleichverteilung des Wohlstandes sein. Dazu bedarf es auch nicht des
Geldes als generalisiertem Tauschmedium und Mittel der
Kapitalakkumulation. Es geht nőmlich nicht um Tausch, sondern um
Bedarfserhebung, freiwillige Beteiligung am Produktionsproze# und
Befriedigung aller Bedłrfnisse. Lohnarbeit im Kapitalismus ist nicht nur
entfremdet, zunehmend gewinnen Elemente wie partizipatorisches
Management, Enthierarchisierungen in Betrieben, mehr Mitbestimmung der
Arbeitenden; gr÷#ere Entscheidungs-, Handlungs- und
Verantwortungsspielrőume der Arbeitenden, verlangte Identifikation und
verlangter Spa# mit/bei der Arbeit an Bedeutung Gilles Deleuze nennt
dies eine Tendenz zur sogenannten "Kontrollgesellschaft", die Linke
mł#te meiner Ansicht nach lernen, mit dieser Tendenz umzugehen.
Die hier vorgeschlagene Methode der Bedarfserhebung ist schon eine Form
von "Planwirtschaft". Allerdings hat dies nicht viel zu tun mit den
zentralistischen Jahresplőnen im Real-"Sozialismus", denn diese hatten
mit der Erhebung der wahren Bedłrfnisse nichts zu tun. Hier geht es
jedoch um genau diese Erhebung der wahren Bedłrfnisse der Individuen
łber einen kurzen Zeitraum (z.B. von einigen Wochen). Dieser Zeitraum
hőngt auch von der Art des Produktes, den Herstellungs- Lagerungs-,
Transportbedingungen und einer eventuell gegebenen Haltbarkeit ab.
Ausgangspunkt ist, da# jedeR selbst am besten wei#, wieviel er/sie von
jedem Produkt braucht, wieviel Butter, Milch, Kőse, Brot, Wurst, usw.
er/sie z.B. fłr die nőchsten zwei Wochen ben÷tigt. Es geht aber auch um
bewu#te Planung mit #berschu#kontingenten und die Auslieferung von
Produkten und nicht um das planlose dahinproduzieren und nicht um die
Vorstellung, da# sich jedeR einfach das nimmt, was er/sie will, solange
der Vorrat reicht. Letzteres fłhrt nőmlich wieder zu neuen
Ungleichheiten und benachteiligt Minderheiten wie z.B. Behinderte, Alte
oder Kranke. Prognosen sind immer eine kritische Angelegenheit, da
kleine Ursachen gro#e Wirkungen haben k÷nnen, da die Zukunft nur in
beschrőnkten, kurzfristigen Ma#en voraussagbar ist und da die
geschichtliche Evolution und zukłnftige Vorgőnge oftmals nicht
determiniert sind, sondern den Gesetzen des Zufalls gehorchen. Dies
zeigt uns die Selbstorganisations- und Chaostheorie. 5-Jahresplőne oder
őhnliches młssen daher zwangslőufig scheitern, sehr wohl m÷glich ist
aber eine kurzfristige Produktionsplanung auf der Basis von
Bedarfserhebungen. Da jedoch immer etwas unvorhersehbares passieren kann
(z.B. Naturkatastrophen, schlechte Ernte, technische Mőngel,
Qualitőtsminderung, ...), sind #berproduktion und #berschu#kontingente
notwendig.
Auch abgeschlossene ÷konomische Produktion in organisatorischen
Einheiten ist unvorstellbar, da es regional unterschiedliche
Rahmenbedingungen wie z.B. Klima, Bodenschőtze oder
Produktionsbedingungen gibt. In Bayern k÷nnen z.B. niemals Bananen
wachsen und Getreide wird z.B. in der Sahara nur sehr bedingt fruchtbar
sein Es geht dabei einerseits auch um den sparsamen Umgang mit
natłrlichen Ressourcen, um ÷kologische Nachhaltigkeit und anderseits um
Lieferungen (nicht Tausch!) zwischen organisatorischen Einheiten. Es ist
also auch interorganisationale Bedarfserhebung notwendig. Dabei mu#
erhoben werden, in welchem Umfang eine organisatorische Einheit
Rohstoffe und Produkte ben÷tigt, łber die sie nicht selbst verfłgt bzw.
die sie nicht selbst herstellen kann, welche anderen organisatorischen
Einheiten diese Mehrproduktion freiwillig leisten k÷nnen und wie die
Auslieferung erfolgt. Dazu ist eine Vernetzung zwischen
organisatorischen Einheiten n÷tig. Dies kann z:B. łber WANs (Wide Area
Networks, weitreichende Verbindungen łber sogenannte "Host"-Computer,
die in verschiedenen Stődten, Einheiten, Kontinenten, ... situiert sein
k÷nnen) oder łber das Internet (wobei dies nichts anderes als eine
weltweite Zusammenfassung von verknłpften WANs und LANs ist) erfolgen.
Kooperative Planung, Absprache und koordiniertes Handeln spielen hier
eine wichtige Rolle. Moderne I&K-Systeme k÷nnen dabei einen Mechanismus
der globalen, schnellen Handlungskoordination darstellen. Wichtig ist
dabei auch die schnelle Handlungskoordination im Falle von
nichtvorhersehbaren Ereignissen wie z.B. Naturkatastrophen oder
drohenden Hungerkatastrophen. Dabei ist dann auch so etwas wie globale
Solidaritőt, globale Kommunikation und globale Handlungskoordination
n÷tig.
Erwőhnt werden soll hier auch nochmals, da# kapitalistische Produkte ein
Ausdruck der Konkurrenzverhőltnisse und der Profitinteressen am Markt
sind. "Vielfalt" eines gleichartigen Produktes (wie z.B. hunderte
verschiedene Waschmittel, obwohl eigentlich nur eines fłr jeweils
Handwősche, K÷chwősche, Farbwősche und Wolle notwendig wőre) und immer
neue Produkte sind Ausdruck der Erzeugung immer neuer Bedłrfnisse zwecks
deren Kapitalisierung und Ausdruck von Disproportionen. Disproportionen
zwischen Industriesektoren und zwischen wahrem Bedarf und produzierten
Produkten. Produktions- und Investitionsentscheidungen werden im
Kapitalismus auf Grund von Profitłberlegungen gemacht. Daher werden zu
einem Zeitpunkt z.B. zu viele Maschinen produziert, zu einem anderen zu
wenig. Marx nannte diese Disproportionen unpassenderweise "Anarchie der
Produktion". Sie sind einer der Grłnde fłr Krisen im Kapitalismus.
Wenn Popper meint, da# die Politik, der Staat łber Gesetze die
Ausbeutung der Arbeitenden verhindern kann und "jedem, der willens ist
zu arbeiten, eine Lebensm÷glichkeit gewőhren kann" (dies ist nebenbei
gesagt ziemlich reaktionőr, denn was ist mit denen, die nicht arbeiten
k÷nnen oder wollen? Sollen sie verrecken? Wőre nicht eine soziale
Grundsicherung fłr alle notwendig?), dann ist dies kurzsichtig, da der
Staat nebenbei auch dirigiert, reglementiert, normiert, kommandiert,
kontrolliert, belehrt, registriert, erfa#t, bewertet, autorisiert,
ermahnt, behindert und bestraft, um die Kapitalverhőltnisse repressiv
abzusichern. Eine Wiederausweitung des Einflusses der Politik auf die
Íkonomie, sozusagen ein Neokeynesianismus, erscheint angesichts der
globalen Kapitalverhőltnisse unrealistisch.Wozu ist in einer
alternativen Gesellschaftsformation, die auf Solidaritőt und Kooperation
der Individuen aufbaut, der Staat als Herrschaftsinstanz mit seinem
repressiven Instrumentarium n÷tig? Natłrlich, Staat, das bedeutet auch
Aspekte wie soziale Grundsicherung (dies allerdings immer weniger bzw.
sowieso nur in Teilen der Welt) und hoffentlich auch Sicherung von
Grundrechten, Menschenrechten und Garantierung ihrer Einhaltung. Wer
sagt jedoch, da# dazu eine łbergeordnete Herrschaftsinstanz notwendig
ist? Eine Selbstorganisation all dieser Bereiche durch die Individuen
ist m÷glich. Macht ist die Verfłgbarkeit łber Mittel, um Prozesse und
Entscheidungen im eigenen Sinne beeinflussen zu k÷nnen. Herrschaft ist
die Verfłgbarkeit łber Zwangsmittel, um andere und Prozesse und
Entscheidungen im eigenen Sinne beeinflussen zu k÷nnen und ist meist
institutionalisiert. In der Reprősentativdemokratie verlőuft Macht von
oben nach unten, wird Macht zu Herrschaft łber das Volk in der
Institution Staat. Meine Definition von Macht und Herrschaft mag mit
diversen gőngigen Definitionen (z.B. jener von Max Weber, der Macht als
"jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch
gegen Widerstreben durchzufłhren" definiert, was schon auch immer eine
Macht łber jemanden impliziert) widersprechen, Macht wird hier nicht als
etwas verstanden, was notwendigerweise łber jemanden ausgełbt wird. Die
Idealvorstellung ist die Erm÷glichung "symbiotischer"
Interessensdurchsetzung (wie bereits erlőutert), die Gleichverteilung
von Macht in dem Sinne, da# jedeR an der Macht als basisdemokratischen
Proze# von unten nach oben teilhaben kann. Ob es sich dabei um Konsens-
oder Mehrheitsentscheidungen handelt und wie die genaue
Organisationsform dabei aussieht, ist eine Frage des individual choice
in organisatorischen Einheiten, fest steht, da# dazu keine łbergeordnete
Herrschaftsinstanz n÷tig ist, sondern da# die Selbstorganisation und
Selbstverwaltung der Individuen sehr wohl machbar ist. Daher nehme ich
mir das Recht zu fordern: Weg mit Markt und Staat als Ausdruck von
Herrschaftsverhőltnissen und Herrschaftsinteressen!
Geht alles doch nicht? Die Menschen sind politisch desinteressiert,
egoistisch, wollen gar nicht selbst alle Entscheidungen treffen und
Herrschaft liegt in der Natur des Menschen? Wie bereits erwőhnt, bin ich
der Meinung da# derartiges durch die Sozialisierung in einem System, das
auf Konkurrenz, Entfremdung, Entzug von Verantwortlichkeit/Mit- und
Selbstbestimmung und der Anleitung zum Handeln nach Plan und Vorschrift
basiert, kommt. Eine Aufhebung dessen ist aber m÷glich. Das Bedłrfnis
nach Autoritőt ist ein sozialisiertes, oftmals eines, da# die
individuelle Selbstentfaltung entmłndigt. Jan Liedloff schildert, da#
ein Indiokind sich auf einem Waldweg nie von seinen Eltern entfernen
włrde. Dies hat nichts mit Autoritőt zu tun, sondern damit, da# sich die
Eltern nicht stőndig umsehen, wo das Kind ist. Ist es zu langsam, so
passen sie ihr Tempo an. Főllt das Kind, ruft es meist nicht nach den
Eltern, sondern steht von alleine auf und holt den Zeitverlust durch
Laufen auf. Es ist keine Gleichgłltigkeit der Eltern, sondern sehr wohl
Interesse fłr das, was das Kind tut, aber es gibt keine Neigungen zu
Autoritőt und Besitzanspruch gegenłber/auf dem/das Kind. Dieses Beispiel
soll zeigen, da# eine Sozialisierung jenseits von entmłndigender
Autoritőt und Vorschriften m÷glich ist.
Eine alternative Gesellschaftsformation, deren m÷gliche ÷konomische
Organisationsform hier kurz umrissen wurde, ben÷tigt selbstbestimmte
autonom-altruistische Individuen, die sich ihre Normen aufgrund innerer
Entscheidungen selbst wőhlen und stőndig differenzieren. Passivitőt,
Autoritőtsglőubigkeit und Entmłndigung stehen dem entgegen. Es geht um
solidarische, sozial und vernłnftig denkende, rationale Citoyens, die
kollektive Interessen erkennen k÷nnen und an ihrer Verwirklichung
mitwirken wollen, also um eine Art kollektives Pflicht- und
Verantwortungsbewu#tsein. Das hei#t nicht, da# es um eine
Kollektivierung von Individuen geht, um Vorstellungen (wie sie im
Real-"Sozialismus" gepflegt wurden), da# jedeR dieselben Interessen und
Bedłrfnisse hat, sondern sehr wohl um Individualitőt und individuelle
Selbstverwirklichung und um eine wechselseitige Befruchtung und
Anreicherung von Individualitőt und Kollektivitőt. Individualitőt darf
dabei nicht mit einem falsch verstandenen Individualismus, der keine
kollektiven Interessen kennt und Egoismus f÷rdert, verwechselt werden.
JedeR hat ein Vernunft- und Kompetenzpotential, unter den herrschenden
Bedingungen kann dies aber meist nicht adőquat realisiert werden.
Politik ist keine Arena der Intellektuellen und Gebildeten, sondern
jedeR hat prinzipiell die Főhigkeit, Entscheidungen verantwortlich zu
treffen und umzusetzen. Unsere Gesellschaft entfremdet jedoch diese
Eigenschaften und Tugenden. Der Formierungsproze#, der einer des Lernens
und der Sozialisierung ist, von selbstbestimmten autonom-altruistischen
Citoyens wurde in der athenischen Demokratie "paideia" genannt. Und
darum sollte es auch heute und in Zukunft gehen. Ein Umdenkproze#;
lernen, selbst Verantwortung zu łbernehmen und sie nicht dem Staat,
Gott, dem Vorgesetzten, dem Chef oder jemand anderem zu łberlassen, ist
als Basis fłr eine zukłnftige solidarische, kooperative und soziale
Gesellschaft n÷tig.


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