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03.01.2000
Presseinformation / Kampagneninformation
Fatal Transactions
Part II: Öl
»Der Krieg in Angola ist ein Krieg ohne Moral, ohne Ideale. Es geht nur noch
um Geld, persönliche Macht. Sowohl die gewählte Regierung als auch die
Rebellen kämpfen gegen das eigene Volk.«
(Rafael Marques, zitiert nach: Stefan Schaaf: Der Fluch des Reichtums.
Südwestfunk 1999)
Die Kampagne Fatal Transactions, vor wenigen Monaten von medico
international gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen gegründet,
informiert über die politischen und ökonomischen Hintergründe von Kriegen in
Afrika und legt die illegale Ressourchenausbeutung und die Profitinteressen
transnationaler Konzerne offen.
Exemplarisch wurde der florierende Diamantenhandel im kriegszerrütteten
Angola unter die Lupe genommen, die Profiteure des Krieges benannt:
Transnationale Konzerne, Regierungen, Private Söldnerfirmen,
Diamantenmärkte(1).
Das neue Projekt von Fatal Transactions: der Ölhandel in Angola.
Während die Rebellenbewegung UNITA ihre Waffenkäufe weitgehend aus den
Einnahmen der Diamantenausfuhr finanziert, ist die MPLA-Regierung Angolas
unter Staatspräsident José Eduardo dos Santos hauptsächlich auf den Ölexport
angewiesen. Die Gewinne aus der Erdölförderung sollen die Hälfte der
gesamten Staatseinnahmen ausmachen; die Erdölförderung bringt 94 0er
Exporterlöse ein. Nach neuen Funden wird Angola bald zum größten
Erdölexporteur Afrikas südlich der Sahara aufsteigen. Öl im Wert von 11
Millionen USD wird jetzt schon täglich gefördert. Die erwarteten
Regierungs-Einnahmen zwischen 2003 und 2010: Zwischen 2,9 und 3,2 Milliarden
USD. (2) Voraussagen lassen erwarten, daß Angola im Jahr 2005 mehr Öl
fördern wird als Kuweit. Die Namen der bedeutendsten Konzerne: Chevron, Elf
Aquitaine, BP-Amoco und Exxon/Mobil.
»Wir sind in der Lage, Angola beim Wachstum seiner Ökonomie zu helfen und
die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen«, ließ
Chevron-Direktor Richard Matzke kürzlich verlauten. Keine Rede davon, daß
die Öleinnahmen von der Regierung vorab verpfändet wurden, da die
Ölförderung jene Waffenkäufe ermöglicht, die den Krieg seit Jahrzehnten
verlängern. Die Abhängigkeit der angolanischen Regierung macht sie für die
Ölkonzerne zu einem willkommenen Handelspartner. Für die
Befriedigung »sozialer Bedürfnisse« gibt die Regierung nur einen Bruchteil
der jährlichen Einnahmen aus.
Der angolanische Friedensaktivist Rafael Marques (3) greift die Haltung der
transnationalen Konzerne an:
»Der Krieg ist nicht nur ein angolanisches Problem, sondern auch ein
internationales. Einige Länder heizen den Konflikt in Angola noch an. Die
Amerikaner können nicht hier nach Öl suchen, ohne sich an irgendwelche
Moralvorstellungen halten zu müssen. Die Regierung sagt ihnen: Kümmert euch
nicht drum... In Angola können Leute gut Geschäfte machen. Moral spielt
keine Rolle.«
(R. Marques, zitiert nach: Stefan Schaaf: Der Fluch des Reichtums.
Südwestfunk 1999)
Die US-amerikanische Regierung hat, nachdem sie 20 Jahre lang die
rechtsgerichtete UNITA im Kampf gegen die damals sozialistische
Regierungspartei MPLA unterstützt hat, die Seiten gewechselt: sie steht nun
der angolanischen Regierung zur Seite. »Zu der veränderten amerikanischen
Haltung kam es nach neuen Ölfunden vor der Küste Angolas, die die
strategische Bedeutung des Landes erhöhten«, so der nüchterne Kommentar der
FAZ (20.12.99).
Amerikanische Ölkonzerne haben acht Milliarden Mark in Angola investiert,
das derzeit sieben Prozent des amerikanischen Ölbedarfs deckt. Auf 16oll
dies bis zum Jahr 2005 gesteigert werden.
Forderungen von Fatal Transactions
Fatal Transactions fordert die transnationalen Konzerne auf, sich aus den
kriegszerüttenen Ländern Afrikas zurückzuziehen ethische Kriterien in ihre
Firmenpolitik einzuführen.
Das bestehende Embargo gegen inoffizielle angolanische Diamanten kann nur
durch die Errichtung einer unabhängigen Prüfkommission, die ein
Unbedenklichkeitszeugnis vergibt, gewährleistet werden. Händler, die gegen
die das UN-Embargo verstoßen, müssen strafrechtlich verfolgt werden und ihre
Konzession verlieren.
Alle Firmen, die in den vergangenen Jahren an dem Handel mit profitiert
haben, sind für die Beseitigung der Kriegsschäden und die Entschädigung der
Opfer verantwortlich zu machen.
Unterstützen Sie die Kampagne Fatal Transactions!
Bestellen Sie kostenloses Informationsmaterial.
Anmerkungen
1) Weitere Informationen zum Thema unter www.medico.de oder in unserem
Kampagnenfaltblatt.
2) Die Zahlen sind dem neusten Reports von global witness entnommen (A crude
awaking, zu beziehen über medico international oder unter
www.oneworld.org/globalwitness). gw ist Mitglied der Internationalen
Kampagne Fatal Transactions. Die angolanische Regierung hat gw bereits mit
Klagen gedroht. Angolanische Zeitungen dürfen nicht über die Studie
berichten. Die angolanische Zeitung Folha 8 hat nach Drohungen der
angolanischen Regierung vier Seiten abgedruckt, die lediglich die
Überschriften der Artikel zur Öl-Kampagne enthielten.
3) Der Lyriker und Friedensaktivist Marques kritisiert als einer der wenigen
Intellektuellen in Angola öffentlich die Regierung und die Rebellenbewegung
UNITA. Seine Bücher sind in Angola nicht erhältlich. Seine Lyrik gilt als
subversiv. Er ist Sprecher der angolanischen Friedensbewegung, die in einem
Friedensappell beide Kriegsparteien zu Friedensverhandlungen auffordert.
Marques war im Oktober 1999 für mehrere Wochen in Haft und wartet nun auf
seinen Prozess. Ihm drohen bis zu acht Jahren Haft. Nicht nur
er »Fall« Marques zeigt, daß die angolanische Regierung keine kritische
Stimmen im Land duldet. Kritische Journalisten gefährden mit jeder Äußerung
ihr Leben.
Hilfe im Handgemenge - medico und der Krieg in Angola
- medico international ist Teil der internationalen Kampagne FATAL
TRANSACTIONS
- Die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen wird auch im Jahr
2000 weitergeführt. medico international fordert die Ausweitung der
Minen-Verbots auf alle minenähnlichen Waffen und die Umwidmung der Gelder,
die bislang für Minenforschung ausgegeben wurden, für die Rehabilitation der
Opfer.
- medico international wird weiterhin das 1996 initiierte
Rehabilitationszentrum für Minenopfer in Luena unterstützen. Dieses Zentrum
hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebenssituation der Minenopfer und der
Gemeinde insgesamt zu verbessern. Die Menschen werden über die von Minen
ausgehenden Gefahren aufgeklärt, erhalten Prothesen und die Möglichkeit zu
psychosozialer Betreuung. Durch Ausbildungsmöglichkeiten und
Landwirtschaftsprojekte versucht medico, der vom Krieg betroffenen
Bevölkerung Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Die Gründung einer
angolanischen Hilfsorganisation, die das von medico initiierte Projekt in
Zukunft eigenverantwortlich tragen wird, ist ein wichtiger Schritt zum
Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen.
medico international e.V.
Co-Initiator der ICBL - »Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen«,
Träger des Friedensnobelpreises 1997
Kontaktperson: Anne Jung
Obermainanlage 7, D-60314 Frankfurt am Main
Tel: 069 94438-27 Fax: 069 436002
eMail: medic...@t-online.de
Weitere Infos unter www.medico.de
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