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wuhlt-scientology/comment-page-8/
In Frankreich ereignen sich in diesen Tagen wunderliche Geschichten.
Einerseits engagiert sich unser westlicher Nachbar im Kampf gegen
Sekten wie kein anderes Land in Europa, gleichzeitig änderte das
Justizministerium ein Gesetz, sodass Scientology vor der
Zwangsauflösung geschützt ist.
Seither verstehen die Franzosen die Welt nicht mehr, die Spekulationen
schiessen ins Kraut. Hat Scientology etwa Kanäle bis ins
Justizministerium? Spielt gar Präsident Nicolas Sarkozy bei den
rätselhaften Vorgängen eine Rolle? Sicher ist nur, dass Frankreich den
Verschwörungstheoretikern handfeste Argumente liefert.
Angeheizt werden die Spekulationen von einem Video auf Youtube. Es
zeigt den französischen Staatspräsidenten bei einem privaten Besuch
von Tom Cruise im Jahr 2004.
Der Hollywoodstar ist das Aushängeschild der Sekte, aber auch ein
hochrangiger Funktionär von Scientology und deren wertvollster
Botschafter. So hat Cruise schon manche Präsidentenhand geschüttelt.
Ausserdem nutzt der Schauspieler jede Gelegenheit, für Scientology zu
werben. Nun rätselt Frankreich, ob sein Präsident auch in dieser
Angelegenheit eine Rolle spielt. Regierungssprecher sagen, das Treffen
mit Cruise habe nichts mit Scientology zu tun gehabt.
Bandenmässiger Betrug?
Konkret geht es um einen Prozess gegen sechs Führungskräfte der Sekte
in Paris. Ihnen wird vorgeworfen, Anhänger betrogen, übervorteilt und
psychisch unter Druck gesetzt zu haben. Als die Staatsanwältin Mitte
Juni dieses Jahres den Antrag stellte, Scientology wegen bandenmässig
organisierten Betrugs zu verbieten, waren die Angeklagten geschockt.
Sie sprachen von einem Ketzerverfahren und befürchteten das Ende ihrer
Organisation in Frankreich. Das Urteil wird am 27. Oktober erwartet.
Zu einem Verbot der Sekte wird es allerdings nicht kommen. Das
Justizministerium ist der Sekte kurz vor Prozessbeginn zu Hilfe
geeilt, wie erst in diesen Tagen bekannt wurde.
Seither wird in Frankreich spekuliert, ob es ein absichtlicher oder
fahrlässiger Akt der Regierung war. Um Strafverfahren zu vereinfachen,
hatte sie ein Gesetz gestrichen, das die Auflösung von Firmen und
Vereinigungen forderte, die wegen Betrug verurteilt worden sind.
Erstaunlich ist, dass die Gesetzesänderung Mitte Mai Senat und
Nationalversammlung diskussionslos passiert hat. Die Konsequenzen der
Revision wurden erst jetzt im Zusammenhang mit dem Scientology -
Prozess bewusst.
Lücke schliessen
Heute reiben sich Ministerium und Abgeordnete verwundert die Augen. Es
ist nicht einmal klar, wer die Änderung veranlasst hat. Verschiedene
Abgeordnete zeigten sich bestürzt. Der Sprecher der kommunistischen
Fraktion ist überzeugt, dass Scientology ins Justizministerium
infiltrierte, und verlangt eine Untersuchung.
Die neue Justizministerin Michèle Alliot-Marie hat inzwischen
versprochen, die Gesetzeslücke rasch zu schliessen. Doch die Sekte
wird durch die Maschen schlüpfen, denn das geplante neue Gesetz wird
nicht rückwirkend gelten.
Die Vorfälle in Frankreich erinnern in fataler Weise an Vorgänge in
den USA. In den 1990-er Jahren legten sich Hubbards Kolonnen mit den
Steuerbehörden IRS der USA an, um die Steuerfreiheit zu erzwingen.
Dabei wendete die Sekte erstaunliche Methoden an. Der Slogan: „Wir
widmen uns dem wahren Krieg.“ Mit in den „Krieg“ einbezogen wurde auch
Interpol. Scientology führte jahrelang eine Schmutzkampagne, welche
selbst die mächtigen Organisationen in die Knie zwang. „Interpol
diente schon im Dritten Reich als gnadenloser Helfershelfer in der
Verfolgung von Juden, Zigeunern und Regimegegner“, schrieb Scientology
in einer ihrer Zeitschriften.
Scientology hatte den damaligen Interpolchef Raymond Kendall unter
Druck gesetzt. Die Sekte veröffentlichte ein Bild, auf dem Kendall dem
ehemaligen Panama-Regierungschef Noriega die höchste Interpol-
Auszeichnung im Kampf gegen den Drogenhandel überreichte. Peinlich
dabei: Noriega wurde später wegen Drogendelikten ins Gefängnis
geschickt.
Scientology gewann auch den Krieg gegen IRS. Jahrelang sammelten die
Sektenanhänger persönliche Daten und Unterlagen über IRS-Beamte. In
grossen Inseraten forderte Scientology die Bürger auf, ihre negative
Erfahrungen mit den Behörden zu melden. Anschliessend publizierten die
Scientologen die Sünden der Beamten in grossen Zeitungen und nannten
sie namentlich. Und siehe da: Scientology erhielt die Steuerfreiheit
und spart seither Millionen.
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anti-scientologie
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