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Bezahlte Kommentarschreiber auf Onlinezeitungen

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Stefan Heimers

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Dec 29, 2012, 6:46:07 AM12/29/12
to
Nun ist offiziell bestätigt, was ich schon lange vermute. PR-Agenturen
bezahlen Kommentarschreiber, die unter falschen Namen Onlineartikel
kommentieren.



http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wie-Gegner-der-Abzockerinitiative-die-Debatte-manipulieren/story/22791059

Mir fallen diese bezahlten Kommentarschreiber schon seit etwa zwei
Jahren immer wieder auf.

Sie kommen meist erst mehrere Stunden nachdem ein Artikel erschienen
ist, dafür gleich scharenweise. Sie versuchen die vorherrschende Meinung
umzukehren, und verschwinden bald so schnell wie sie gekommen sind
wieder. Man erkennt sie daran, dass sie meist nur zu ein oder zwei
Themenbereichen schreiben, typisch schweizerische Namen benutzen, und
oft in einem für Männer typischen Stil unter einem Frauennamen schreiben.

Die Beiträge sind immer recht kurz und wenig abwechslungsreich. Einer
alleine könnte ja nicht innerhalb kurzer Zeit dutzende, lange und
unterschiedliche Beiträge schreiben.

1X2Willows

unread,
Dec 29, 2012, 8:09:10 AM12/29/12
to
On 12/29/2012 12:46 PM, Stefan Heimers wrote:
> Nun ist offiziell bestätigt, was ich schon lange vermute. PR-Agenturen
> bezahlen Kommentarschreiber, die unter falschen Namen Onlineartikel
> kommentieren.
> [....]


Wer ist denn heute noch so bloed und zahlt extra eine PR Agentur, nur
fuer die Idee an sich???

http://get-social-fans.com/buy-youtube-views-comments-likes/

Dasselbe gibt's auch fuer politische Debatten etc., wenn man etwas
tiefer graebt. En Gros & zum Fixpreis.

Roman Racine

unread,
Dec 29, 2012, 6:46:09 PM12/29/12
to
Stefan Heimers wrote:

> Sie kommen meist erst mehrere Stunden nachdem ein Artikel erschienen
> ist, dafür gleich scharenweise. Sie versuchen die vorherrschende Meinung
> umzukehren, und verschwinden bald so schnell wie sie gekommen sind
> wieder.

In den USA ist diese Methode so gang und gäbe, dass die Amerikaner dafür
schon den Namen "Astroturfing" erfunden haben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing

Die Online-Kommentarfunktion der meisten Zeitungen ist genau deswegen auch
völlig nutzlos.

Gruss

Roman°

Walter Schmid

unread,
Dec 30, 2012, 3:27:28 AM12/30/12
to
Am 29.12.2012 14:09, schrieb 1X2Willows:
> On 12/29/2012 12:46 PM, Stefan Heimers wrote:
>> Nun ist offiziell bestätigt, was ich schon lange vermute. PR-Agenturen
>> bezahlen Kommentarschreiber, die unter falschen Namen Onlineartikel
>> kommentieren.
>> [....]
>
>
> Wer ist denn heute noch so bloed und zahlt extra eine PR Agentur, nur
> fuer die Idee an sich???

Es geht nicht um eine Meinung oder einen Standpunkt, sondern um
die angebliche Masse, die ihn vertritt.

"Warum gehst du an die street parade?"
"weil es dort so viele Leute hat".

Dieses Argument ist nicht zu widerlegen.

Wenn bei publizierten Wahlumfragen die Mehrheit von 49,9 auf 50,1
% kippt, kippt der effektive Wähleranteil von 40 auf 60 %, weil
man (bei Unentschlossenheit) einfach beim Sieger sein will.

Gruss

Walter

1X2Willows

unread,
Dec 30, 2012, 7:19:31 AM12/30/12
to
On 12/30/2012 9:27 AM, Walter Schmid wrote:
> [....]
> Wenn bei publizierten Wahlumfragen die Mehrheit von 49,9 auf 50,1
> % kippt, kippt der effektive Wähleranteil von 40 auf 60 %, weil
> man (bei Unentschlossenheit) einfach beim Sieger sein will.

Klar. Ich meinte den Aufwand, erst eine PR Agentur anzuheuern, Inserate
fuer Studenten zu schalten usw. usf., wenn man doch nur aufs Internet
muss, dort ein paar Knoepfe drueckt und fertig.

Nach zweiter Ueberlegung wird es schon etwas schwieriger sein, das ganze
auf Deutsch zu bekommen. Dazu ging es im obigen Fall um schweizer
Lokalpolitik (lokal im Gegensatz zu weltpolitischen Ereignissen) und das
bedingt ein gewisses Insiderwissen. Also nichts mit simplem Gebrabbel a
la "Gangnam Style is the best!!!" oder "The Swiss are antisemitic
islamophobes", wie es zu tausenden und fuer ein paar Rappen von Indien
aus abgesetzt werden kann. So gesehen machts schon Sinn.

rutsch guet, Walter

1X2Willows

unread,
Dec 30, 2012, 8:10:41 AM12/30/12
to
Hauptsache man ist sich bewusst, dass diese Strategie kein partei- oder
interessenspezifisches Werkzeug ist, sondern von allen gleichermassen
benutzt wird.

Bloss: "Du sollst dich nicht erwischen lassen..." ;)

Roman Racine

unread,
Dec 30, 2012, 9:53:02 AM12/30/12
to
Naja, es wird wohl hauptsächlich von denen benutzt, die das Geld dazu haben,
bezahlte Schreiber anzustellen und bei denen gleichzeitig finanzielle
Interessen auf dem Spiel stehen. Wenn es z.B. darum geht, Abzocker an die
kurze Leine zu nehmen, ist es wohl relativ offensichtlich, wer Astroturfing
betreibt. Zehn bezahlte Schreiber sind aus ihrer Sicht immer noch günstiger,
als eine Kürzung ihres Jahressalärs von 50 Millionen CHF auf 10 Millionen
CHF.

Aber der Punkt ist der folgende: In einem Online-Forum, wo ein guter Teil
der Schreiber dazu bezahlt ist, wie ein Maschinengewehr die Meinung des
Auftraggebers rauszuhauen, machen Diskussionen einfach gar keinen Spass.

Gruss

Roman°

1X2Willows

unread,
Dec 30, 2012, 10:19:14 AM12/30/12
to
On 12/30/2012 3:53 PM, Roman Racine wrote:
> 1X2Willows wrote:
>>
>> Hauptsache man ist sich bewusst, dass diese Strategie kein partei- oder
>> interessenspezifisches Werkzeug ist, sondern von allen gleichermassen
>> benutzt wird.
>
> Naja, es wird wohl hauptsächlich von denen benutzt, die das Geld dazu haben,
> bezahlte Schreiber anzustellen und bei denen gleichzeitig finanzielle
> Interessen auf dem Spiel stehen. Wenn es z.B. darum geht, Abzocker an die
> kurze Leine zu nehmen, ist es wohl relativ offensichtlich, wer Astroturfing
> betreibt. Zehn bezahlte Schreiber sind aus ihrer Sicht immer noch günstiger,
> als eine Kürzung ihres Jahressalärs von 50 Millionen CHF auf 10 Millionen
> CHF.

keine Frage


> Aber der Punkt ist der folgende: In einem Online-Forum, wo ein guter Teil
> der Schreiber dazu bezahlt ist, wie ein Maschinengewehr die Meinung des
> Auftraggebers rauszuhauen, machen Diskussionen einfach gar keinen Spass.

& das sowieso.

Im von Dir verlinkten Artikel war bloss auffallend, dass da auch Lobbies
vertreten sind - und zwar relativ prominent - welche man ueblicherweise
nicht mit den stereotypen Geldsaecken in Verbindung bringt.

Landschaftsschutz, Oeko-Anliegen udgl. und dazu die Occupy-Bewegung...

Man kann sich schlussendlich einfach nur noch fragen, was man ueberhaupt
noch glauben soll.

Stefan Heimers

unread,
Dec 31, 2012, 8:06:57 AM12/31/12
to
Roman Racine wrote:

> In den USA ist diese Methode so gang und g�be, dass die Amerikaner daf�r
> schon den Namen "Astroturfing" erfunden haben:
> http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing

Ah, interessant!

> Die Online-Kommentarfunktion der meisten Zeitungen ist genau deswegen auch
> v�llig nutzlos.

Das w�rde ich so nicht sagen. Die bezahlten "Werbeschreiber" fallen mir nur
bei wenigen Themen auf. Meist wenn es um SVP-Themen oder Kernkraftwerke
geht.

Daneben gibt es viele altbekannte, die man immer wieder gerne liest. Auch
Leute aus dem Usenet findet man gelegentlich bei den Zeitungskommentaren.
Ich find's noch Lustig, wie ein virtueller Stammtisch, mit Stammg�sten
und "Laufkundschaft".


Stefan

Roman Racine

unread,
Dec 31, 2012, 8:40:01 AM12/31/12
to
Stefan Heimers wrote:

> Roman Racine wrote:
>
>> In den USA ist diese Methode so gang und gäbe, dass die Amerikaner dafür
>> schon den Namen "Astroturfing" erfunden haben:
>> http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing
>
> Ah, interessant!
>
>> Die Online-Kommentarfunktion der meisten Zeitungen ist genau deswegen
>> auch völlig nutzlos.
>
> Das würde ich so nicht sagen. Die bezahlten "Werbeschreiber" fallen mir
> nur bei wenigen Themen auf. Meist wenn es um SVP-Themen oder
> Kernkraftwerke geht.

Mir auch bei Fragen, die einen Interessensschwerpunkt von evangelikalen
Kreisen darstellen. Obschon Mitglieder evangelikaler Kirchen (sog.
"Freikirchen") nur wenige Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind die
Kommentarspalten regelmässig voll mit ihren Kommentaren, wenn es
beispielsweise um ein Thema mit Bezug zu Homosexualität geht.

Gruss

Roman°

Ernst Keller

unread,
Dec 31, 2012, 10:44:47 PM12/31/12
to
Roman Racine <roman....@gmx.de> wrote:

>Stefan Heimers wrote:
>
>> Roman Racine wrote:
>>
>>> In den USA ist diese Methode so gang und g�be, dass die Amerikaner daf�r
>>> schon den Namen "Astroturfing" erfunden haben:
>>> http://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing
>>
>> Ah, interessant!
>>
>>> Die Online-Kommentarfunktion der meisten Zeitungen ist genau deswegen
>>> auch v�llig nutzlos.
>>
>> Das w�rde ich so nicht sagen. Die bezahlten "Werbeschreiber" fallen mir
>> nur bei wenigen Themen auf. Meist wenn es um SVP-Themen oder
>> Kernkraftwerke geht.
>
>Mir auch bei Fragen, die einen Interessensschwerpunkt von evangelikalen
>Kreisen darstellen. Obschon Mitglieder evangelikaler Kirchen (sog.
>"Freikirchen") nur wenige Prozent der Bev�lkerung ausmachen, sind die
>Kommentarspalten regelm�ssig voll mit ihren Kommentaren, wenn es
>beispielsweise um ein Thema mit Bezug zu Homosexualit�t geht.
>
oder nach einem negativen Artikel �ber Israel.
Wobei ich vermute dass die nicht bezahlt sind, sondern so �berzeugt sind in
ihrer Meinung, dass sie nicht zu faul sind zu schreiben.

Ernst

Flux

unread,
Jan 2, 2013, 9:25:04 AM1/2/13
to
Am 29.12.2012 12:46, schrieb Stefan Heimers:
> Nun ist offiziell bestätigt, was ich schon lange vermute. PR-Agenturen
> bezahlen Kommentarschreiber, die unter falschen Namen Onlineartikel
> kommentieren.

Ist schon gemein, auch weil z.B. 20Min Online erst gerade berichtet hat,
dass viele Nutzer die Kommentare lesen. Und die Erklärung von
Economiesuisse, sie hätten nicht gewusst, was die von ihnen beauftragte
Werbeagentur tut, finde ich lächerlich; nicht weil ich das nicht glaube,
sondern weil sie als Auftraggeber der Verursacher sind.

Grüsse
Flux

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