Hallo Stefan
Stefan Werner wrote:
> vor einigen Stunden rief mir jemand mit chinesisch-englischem Akzent an,
> gab sich als "Microsoft Service Center" zu erkennen und begrüsste mich
> als "Microsoft Lizenzinhaber".
>
> Wegen einer neuen Malware müsse man den Status des PC checken, ich soll
> ihn darum aufstarten und eine bestimmte URL ansteuern.
>
Ja, diese Masche ist schon etwas länger bekannt.
> Nunja, ich finde das einerseits relativ putzig: Eine Bitte, mir den
> Trojaner doch grad selber freiwillig runterzuladen.
>
Offenbar funktioniert es in ausreichend vielen Fällen, sonst hätte man damit
aufgehört.
> Andererseits frage ich mich: Ich dachte immer, Spam lohnt sich nur, weil
> es praktisch nichts kostet. Wenn man aber nun tatsächlich ein
> call-center engagiert und die Opfer einzeln anruft, dann muss das doch
> auch wenn es von China aus passiert, relativ teuer sein. Wie kann diese
> Rechnung aufgehen?
>
Einerseits ist wohl die Erfolgsrate bei persönlicher "Betreuung" wesentlich
höher, als wenn man ein unpersönliches Email bekommt. Andererseits ist das
Lohnniveau in China tatsächlich extrem niedrig, du kannst in China z.B. ein
SATA Datenkabel für ca. 1.30 USD bestellen, INKLUSIVE PORTO.
Zum Vergleich, der günstigste (gewerbliche) Anbieter in der Schweiz auf
Ricardo will CHF 2.50 + CHF 3 Porto (Und da frage ich mich durchaus, wie
man damit auf einen anständigen Verdienst kommt).
Internationale Gespräche kosten auch fast nichts, sonst wären China, Indien,
Irland und der ehemalige Ostblock nicht vollgepflastert mit Callcentern.
Im Gegensatz zu früher würde man deinen Rechner vermutlich auch nicht
verwenden um DOS-Attacken zu fahren oder dich mit schlecht bezahlter
Popup-Werbung auf dem Desktop zu belästigen, viel mehr würde man vermutlich
versuchen Zugangsdaten zum E-Banking oder deine Kreditkartennummer zu
ergaunern, wenn das gelingt kann man relativ leicht ein paar hundert oder
tausend Franken "verdienen".
> Und interessantes Detail am Rande: Die Caller identifikation am Telefon
> war "000000000". Auch das kannte ich noch nicht, bisher kannte ich nur
> entweder "unbekannt/unterdrückt", oder eine plausible Telefonnummer. Wie
> stellt man es an, dass die Gegenseite "00000000" zu sehen bekommt?
>
Die Gegenstelle bestimmt welche Rufnummer angezeigt wird. Als normaler Kunde
kannst du das normalerweise nicht manipulieren (bzw. du kannst nur Nummern
aus deinem Rufnummerblock mitgeben), aber diverse weniger seriöse Anbieter
zeigen sich da durchaus "flexibel".
Gruss,
Peter